Kleinkunst, Kabarett, Scherz, Satire, Ioronie, immer aber tiefere Bedeutung. Das Duo Sonnenschirm belegt wieder die Ladentheken der Welt mit seinem neuen Album "Duolektik". Für die nnz hat sich das Olaf Schulze angehört.
DUO SONNESCHIRM
Duolektik
RUM Records
Fünf Jahre hat es wieder gedauert, bis die Brachialromantiker Dieter Beckert und Jürgen B. Wolff endlich ein neues Werk vorlegten. Das Warten hat sich aber gelohnt, denn die 11 Lieder (oder sollte man besser Stücke dazu sagen oder vielleicht Epistitel?) enthalten kein überflüssiges Wort, keine verirrte Note.
Alles ist wohlüberlegt und selbstredend einmalig und unkopierbar Duo Sonnenschirm. Egal ob sie über die Notwendigkeit der Körperbehaarung sinnieren, einen Matrosen von John Maynard vorstellen, mitm Hund gehen , das tragische Liebespaar Amok und Koma in einer herzzerreißenden Ballade porträtieren oder die Seele baumeln bzw. singen lassen, immer sind die beiden Multikünstler hart am Puls der Zeit. Und den messen sie auf so brachialromantische Art, dass er gleich noch ein bisschen ansteigt.
Was da pausenlos an originellen Wortschöpfungen und Sinnbildern auf den Hörer einprasselt, lohnt sich einfach mehrfach angehört zu werden. Natürlich bekommen alle ihr Fett weg, vom Arbeitsamtler bis zur Egotherapeutin, vom Actionspieldesigner bis zur Hundehaarfriseuse. In leichter Abwandlung einer Textzeile muss jedoch gewarnt werden: Wer niemals seine Freizeit an niveauvollen Humor hat verschwendet, gehört nicht zum Personenkreis an den dieses Album sich wendet.
Und das allseligmachende Motto unserer Epoche: Fun.Fun.Fun liest sich in Spiegelschrift nun mal wie Nufnufnuf. Das ist wahre Duolektik.
OLAF SCHULZE