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Di, 14:19 Uhr
22.11.2011

Keine Städtebauförderung für „Schiefen Turm“

Landesregierung Thüringen lehnt weitere Förderung für Sanierungsversuche ab, so die aktuelle Information die kn erreichte. Es ist jetzt das Aus für den Schiefen?

„Der Wunsch des Bürgermeisters der Stadt zur weiteren Förderung der Sanierungsbemühungen um den ‚Schiefen Turm’ in Bad Frankenhausen muss leider abgelehnt werden“, sagte heute der Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, Christian Carius, nach der Kabinettsitzung in Erfurt.

Bauminister Carius erläuterte in der Regierungsmedienkonferenz die Entscheidung:

„Das Bauministerium hat sich seit geraumer Zeit mit dem Wunsch des Bürgermeisters von Bad Frankenhausen zur Förderung der Sanierung des sogenannten „Schiefen Turm“ der dortigen Oberkirche beschäftigt.

Bei dem Turm handelt es sich, nicht nur wegen seines Schiefstandes, um ein besonderes Gebäude. Es ist deshalb auch nicht einer der üblichen Anträge.

Die verschiedenen Aspekte des Projektes mussten deshalb zunächst untersucht werden. Diese Untersuchungen sind nun abgeschlossen.

Ich habe dem Kabinett heute auf der Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse einen Beschlussvorschlag vorgelegt. Diesen Vorschlag hat das Kabinett mitgetragen.

Der Wunsch des Bürgermeisters muss leider abgelehnt werden!

Kampf um den schiefen Turm (Foto: Stadt Bad Frankenhausen) Kampf um den schiefen Turm (Foto: Stadt Bad Frankenhausen)

Kampf um den schiefen Turm in Bad Frankenhausen

Lassen sie mich dies kurz erläutern:

Der sogenannte „Schiefe Turm“ der Oberkirche in Bad Frankenhausen hat bei einer Höhe von 56 m inzwischen eine Schieflage von fast 4,5 m erreicht und droht einzustürzen. Ursache sind vorrangig Senkungserscheinungen östlich des Kirchturms. Außerdem wurde ein größerer Hohlraum nordwestlich des Turms festgestellt.

Der Turm befindet sich im Eigentum der örtlichen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Deshalb sind die seit 2007 vorgenommenen Sanierungsaktivitäten auch von Seiten der Bauverwaltung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) durchgeführt worden.

Das Ziel der Sanierungsbemühungen war, die bisherige Senkungsgeschwindigkeit von 6 cm/Jahr auf 5 mm/Jahr zu reduzieren. Dies konnte leider nicht erreicht werden. Wenngleich sich die Senkungsgeschwindigkeit durchaus verringerte.

Für den Versuch der Sanierung wurden insgesamt rund 900.000 Euro aus der Städtebauförderung bereitgestellt. Davon wurden bisher rund 466.000 Euro in die Sanierung investiert.

Nach diesen Sanierungsbemühungen hatte man nun zunächst geplant, die Hohlräume unter der Kirche zur Stabilisierung des Baugrunds zu verfüllen. Diese Maßnahme wurde allerdings verworfen, nachdem Bauexperten darauf hingewiesen hatten, dass dadurch die wirtschaftliche Basis von Bad Frankenhausen gefährdet würde.

Denn eine solche Vorgehensweise würde die Solequelle gefährden, die die für Bad Frankenhausen so wichtige Kyffhäuser-Therme speist.

Zudem dürfen, ich zitiere: „…keine hochhydraulischen, aluminiumsilikathaltigen Bindemittel (Zemente) für die zunächst geplante Bohrpfahlgründung und die Hohlraumverfüllungen im Untergrund wegen des Baugrundes aus Gipskarst verwendet werden, da andernfalls unkalkulierbare Treiberscheinungen provoziert würden.“

Auch die zuletzt von der Stadt Bad Frankenhausen vorgeschlagene „Dreipunktlagerung“ ist keine praktikable Lösung:

1. Denn weder der Bürgermeister der Stadt Bad Frankenhausen, noch die Baufirma können garantieren, dass mit der „Dreipunktlagerung“ tatsächlich eine nachhaltige Stabilisierung des Turmes erzielt werden kann.

2. Das Erscheinungsbild des Turmes würde durch die massiven Stützbauwerke bei der „Dreipunktlösung“ stark beeinträchtigt. Dies hätte negative Auswirkungen auf die angedachte touristische Lösung.

Und was die angesprochene touristische Lösung angeht, so lag und liegt bis heute weder ein belastbares noch aussagefähiges Nutzungskonzept für den Turm vor. Bei dieser Fülle von Unwägbarkeiten kann es keine Entscheidung für eine Förderung geben.

Zugleich muss das Projekt „Oberkirche“ sich aber auch an anderen Fördervolumen beispielsweise der „Thüringer Kircheninitiative“ messen lassen. Innerhalb dieser Initiative werden ortsbildprägende Dorfkirchen baulich gesichert oder saniert. In der Regel beträgt der Fördersatz hier rund 150.000 Euro.

Ich möchte in diesem Zusammenhang aber auch erwähnen, dass die Unterkirche in Bad Frankenhausen, die von der Kirchengemeinde aktiv genutzt wird, weiter gefördert wird.

Wie auch alle anderen aktiv genutzten Kulturdenkmale im Kyffhäuserkreis weiter gefördert werden: So beispielsweise die Wasserburg Heldrungen, das Schloss Wiehe, die Parkanlagen Ebeleben und Bendeleben, der Burghof Kyffhäuser, oder die Stadtkirche Greußen.“

Nachtrag:

Die Reaktion des Bürgermeisters Bad Frankenhausen gibt es hier:
Beschämende Begründung
Autor: khh

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