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Richter Kropp: Holz im Wald

Mittwoch, 18. April 2012, 09:10 Uhr
Wir leben oft geradezu sorglos über unsere Verhältnisse, Rohstoffe der Natur wie Öl oder Holz werden immer knapper und wir denken, dass es immer so weiter geht. Ein aktueller Fall des Amtsgerichts Sondershausen zeigt, wie sorglos mit unseren Ressourcen umgegangen wird...


Am 27. Mai vergangenen Jahres, gegen 17:15 Uhr entwendeten zwei 33jährige Männer aus Sondershausen im bewussten und gewollten Zusammenwirken aus dem Forstrevier Possen etwa drei Festmeter Holz der Arten Buche, Esche und Eiche. Die Bäume fällten sie mit einer Motorsäge, wobei der reine Holzwert etwas über 100 Euro betrug.

Sie wurden auf frischer Tat von einem Zeugen gestellt. Vorher hatten sie noch versucht, das Fehlen der Bäume zu vertuschen, indem sie frische Baumstümpfe mit Laub bedeckten. Beide Angeklagte waren ortskundig. Sie waren nämlich als ABM-Kräfte zuvor beim Forstamt beschäftigt und in diesem Revier auch eingesetzt.

Schwerer als der wirtschaftliche Schaden wiegt der ökologische Schaden. Die betreffende Stelle, aus der Bäume entnommen wurden, war vor drei Jahren durchforstet worden. Zurückgelassen wurden die sogenannten „Zukunftsstämme“. Dahinter stand auch der Plan, den Eichenbestand zu fördern. Solche strategischen Überlegungen wurden durch die Tat der beiden Männer zunichte gemacht.

Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls standen beide nun vor Strafrichter Gerald Fierenz vom Sondershäuser Amtsgericht. Angeklagt hatte die Staatsanwaltschaft Mühlhausen einen gemeinschaftlichen Diebstahl. Der Strafrichter hatte das volle Geständnis der Täter auf der einen Seite zu werten. Auf der anderen Seite waren sie wegen Sachbeschädigung, Diebstahls und Straßenverkehrsdelikten mehrfach vorbestraft.

Im Ergebnis musste einer der beiden für zwei Monate in Haft, beim anderen wurde die Strafe noch einmal zur Bewährung ausgesetzt. Gerade der schwerwiegende ökologische Schaden war hierfür ausschlaggebend. Der eine Täter hatte zudem eine laufende Bewährungsstrafe, so dass eine erneute Aussetzung als nicht mehr angemessen erschien.

Das Urteil ist rechtskräftig geworden, dem geschändeten Wald ist damit unmittelbar nicht geholfen. Es soll nicht zuletzt auch abschreckend wirken, damit wir mit unseren Ressourcen schonender umgehen.