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Fr, 16:22 Uhr
09.01.2015

NABU-Wolfserfassung zeigt Erfolge

Nun ist es amtlich, die junge Wölfin die im Mai letzten Jahres im Einzugsbereich des Standortübungsplatzes "Gotha-Ohrdruf" nachgewiesen wurde, hält sich weiterhin in Thüringen auf. Dies ergaben die Untersuchungsergebnisse der vom NABU Thüringen gesammelten genetischen Proben und ein aktueller Videonachweis, der mit einer Kamerafalle des NABU aufgenommen werden konnte...

Die Wölfin bei Ohrdruf (Foto: S. Böttner / NABU Thüringen Landesarbeitsgruppe Wolf) Die Wölfin bei Ohrdruf

Mit Unterstützung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie konnten sogenannte Losungen (Kot) von August und September 2014 am Senckenberg-Labor für Wildtiergenetik in Gelnhausen analysiert werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei der Wölfin in Thüringen um ein Familienmitglied aus dem Spremberger Rudel in der Lausitz handelt, welche auch schon im Mai 2014 über eine DNA-Probe des NABU nachgewiesen werden konnte.

„Nach derzeitigen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass die junge aufgeweckte Wölfin aus der Lausitz vorerst in Thüringen bleibt und den Standortübungsplatz als Rückzugsraum nutzt“, sagt der Sprecher der NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf im NABU Thüringen, Silvester Tamás. Sowohl das Nahrungsangebot als auch die naturräumlichen Gegebenheiten um den Standortübungsplatz bei Gotha sind gut.

Einen weiteren Beweis für die Anwesenheit der Wölfin lieferte zu dem eine Videoaufnahme der Landesarbeitsgruppe Wolf vom 22.12.2014. Vom wildbiologischen Büro Lupus, der Forschungseinrichtung für die Wolf-Erfassung in Spreewitz, wurde aktuell bestätigt, dass es sich bei der Aufnahme eindeutig um einen Wolf handelt.

„Die Landesarbeitsgruppe Wolf im NABU Thüringen sucht seit Beginn letzten Jahres systematisch nach Spuren von Wölfen im Einzugsgebiet des Standortübungsplatzes. Wir müssen jetzt darauf achten, dass die Wölfin weder durch Verkehr zu Schaden kommt, noch durch forstwirtschaftliche Maßnahmen auf dem Standortübungsplatz vergrämt wird. Deshalb ist die systematische Erfassung und die genaue Kenntnis der Aufenthaltsorte der Wölfin so wichtig“, erläutert Silvester Tamás. Wölfe sind in Deutschland durch internationale Übereinkommen und nationale Gesetzgebung strengstens geschützt. Dennoch wurden in den letzten Jahren fast 60 Wölfe auf deutschen Straßen überfahren. Auch illegale Bejagung spielt eine Rolle. So wurde über Weihnachten 2014 abermals ein junger Wolf in Brandenburg erschossen und verstümmelt. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt in Brandenburg ermitteln.

Spannende Familiengeschichte

Bei der wanderfreudigen Wölfin (Fähe) vom Standortübungsplatz "Gotha-Ohrdruf" handelt es sich um eine Nichte des ehemals GPS-besenderten Wolfes "Alan", der bereits in einem Alter von knapp einem Jahr, von Sachsen bis nach Weißrussland wanderte und dabei eine Strecke von mehr als 1.500 km zurückgelegt hat. Dazu ist die Thüringer Fähe eine Enkelin der wohl bekanntesten und ältesten Wölfin Deutschlands: "Einauge". Einauge gehörte zu den ersten Wölfen, die 2000 oder 2001 in Deutschland geboren wurden. 2005 gründete sie zusammen mit einem nahen verwandten Rüden das Nochtener Rudel in der Lausitz. Einauge zog mindestens 42 Welpen auf und gehört damit zu den Gründerwölfen des derzeitigen Wolfsbestandes in Deutschland! Bilder aus dieser Zeit zeigen, dass die Wölfin lahmte und ihr rechtes Auge fehlte, was ihr den Spitznamen „Einauge" eintrug.

Im Frühjahr 2013 verstarb die Wölfin. Wie eine Autopsie am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin nachweisen konnte, waren ihre Verletzungen auf jagdliche Beschüsse zurückzuführen. Es wurden mehrere Schrotkugeln und Metallpartikel aus dem Kadaver isoliert, die bezeugen, dass das Tier in den vergangenen Jahren mindestens zweimal beschossen worden ist und dies überlebte. Einauge "lebt" in zukünftigen Generationen fort, denn noch heute lassen sich Verwandtschaftsbeziehungen, wie zur jungen Thüringer Wölfin, genetisch nachweisen.

Nähere Infos zu Wölfen in Thüringen finden Sie unter: www.NABU-Thueringen.de
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