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Fr, 07:00 Uhr
22.01.2016
Lichtblick

JHWH „to go“

„Einen GOTT, den es gibt, gibt es nicht.“ Was erst einmal wie ein Paradoxon klingt, stellt sich bei längerem Nachdenken als ein hochgescheiter Satz von Dietrich Bonhoeffer heraus. Was meinte einer der klügsten Theologen des 20. Jahrhunderts und Mitglied der Widerstandsgruppe des 20. Juli (1944), der deswegen mit Hitlers persönlichem Befehl hingerichtet wurde, mit diesem Satz?


GOTT ist anders, er ist nicht verfügbar, selbst sein Name sollte als Zeichen der Ehrerbietung nicht unnötig benutzt werden und wenn in Schriften doch, dann so, dass beim Lesen aufgemerkt werden muss. Genauso macht es das Volk GOTTes, das Volk Israel. Es schreibt den Namen GOTTes nicht aus, sondern nur die Konsonanten, ohne die Vokale: also JHWH. Dieser „Ja(c)hwe“ gesprochene Name wird jedoch nicht ausgesprochen, sondern durch Synonyme und andere Ehrerbietungsbezeichnungen ersetzt, die gar nicht da stehen.

Warum solch ein Aufwand? Wir halten uns für aufgeklärt und meinen alles und jedes klar aussprechen zu müssen. Bei Dingen die uns wert und wichtig sind, verfallen wir aber auch auf Kosenamen. Manche*r nennt seine Frau/ ihren Mann „Schatz“ oder bei einem anderen Kosenamen. Andere beziehen Kosenamen auf ihr Auto oder auf Ihren Rechner oder ein Haustier. Reele Namen werden verniedlicht (Diminutiv) oder verkleinert: da wird aus dem Andreas der Andi, aus der Beatrice die Bea u.s.w. Plötzlich wollen wir von Aufklärung nichts wissen, wir sind auf unserer emotionalen Seite. Doch wie bei GOTT?

GOTT ist unverfügbar oder es ist kein GOTT könnte eine Übertragung des Satzes Bonhoeffers sein. „Als ich mal gebetet habe, da hat mich GOTT nicht erhört. Also kann es ihn nicht geben.“ kann ich zuweilen hören.
Was wäre das für ein GOTT? Ein Wunschautomat, der willfährig geschehen lässt, was wir wünschen? Hätten wir Achtung davor oder kämen wir uns nicht selbst wie GOTT vor, der einen Wunsch nach dem anderen aufsagt und immer fordernder wird, wie weiland Fischers Frau Ilsebill? Ein solcher GOTT wäre niemand, zu dem wir vertrauensvoll gehen würden. Befehlen würden wir und wehe, wenn er nicht machte, wie ihm geheißen.

Die eigentümliche Schreibweise von GOTT (oder G'TT) stellt sicher, dass wir jedes Mal ins Nachdenken kommen. Ist das mein Bezugspunkt, der Adressat meiner Ängste, Nöte oder Dankbarkeit? An wen wende ich mich in der Not, doch nicht an einen GOTT „to go“, einen stets verfügbaren Ansprechpartner in meiner Hosentasche, der hervorgeholt wird, wenn ich ihn benötige, sonst aber bleiben kann, wo er ist.

Glaube ist mehr und führt zur Verantwortungsübernahme in der Welt, weil GOTT eben ein wirkliches Gegenüber ist, das uns annimmt, das uns Zuspruch gibt und einen Anspruch an uns hat. Dass wir unser geschenktes Leben nicht frei von Regeln leben, nur auf uns bezogen, frei von Sorge um den Nächsten, sondern so, wie es uns und anderen dienlich ist. Die Gebote sind genau dieser Anspruch und nicht umsonst haben sie in fast allen Teilen der zivilisierten Welt Einzug in die Gesetzgebung gehalten. Ohne diese Regeln geht es nicht und ohne diese jeglicher menschlicher Verfügbarkeit entzogene Größe GOTT geht es nicht.
Deshalb wende ich mich jeden Tag vertrauensvoll an ihn. Probieren Sie es doch aus und suchen Sie die Begegnung mit dem, der uns begegnen will, ansprechen will und der so ganz anders ist, eben kein „to go“, keine Wunschmaschine, sondern eben JHWH.

Ein gesegnetes und nachdenkliches Wochenende wünsche ich Ihnen
Ihr Superintendent Kristóf Bálint

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