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Sa, 11:30 Uhr
11.03.2017
statt arbeitsplatzgerechte Familien

Familiengerechte Arbeitsplätze

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ So steht es im Grundgesetz. „Doch wenn Paare sich für ein Leben mit Kindern entscheiden, sind es noch immer oft die Mütter, die beruflich und finanziell Nachteile in Kauf nehmen müssen“, kritisierte der Präsident des Deutschen Familienverbandes, Dr. Klaus Zeh, anlässlich des Internationalen Frauentages...

„Auch angesichts bestehender familienpolitischer Instrumente ist es nicht gelungen, die Mehrfachbelastung von Frauen zu verringern. Dazu kommt eine gesellschaftliche Nichtachtung der Familienarbeit, die Eltern verletzt und diese wichtige Leistung einfach kleinredet!"

Natürlich sind Eltern für ihre Kinder und die Erziehungsarbeit gemeinsam verantwortlich. Gerade im ersten Lebensjahr entscheiden sich aber meist die Mütter, ihre Kleinkinder zu versorgen. Und auch danach wollen sie für ihren Nachwuchs da sein selbst wenn sie sich dafür zwischen Familie und Beruf zerreißen müssen. Gleiches gilt für die Pflege bedürftiger Angehöriger, die ebenfalls überwiegend von Frauen geleistet wird. Teilzeitarbeit, geringe Rentenansprüche und das berufliche Abstellgleis sind die Folgen dieser doppelten Belastung. „Doch wer Sorge für einen Menschen trägt, braucht Zeit“, fordert der DFV-Präsident. „Er braucht finanzielle Sicherheit und gesellschaftliche Anerkennung.“

Familiengerechtes Arbeiten gefordert (Foto: Deutscher Familienverband e.V.)
Es ist eine verhängnisvolle Tendenz, Familienpolitik immer stärker zu Arbeitsmarktpolitik zu machen. „Wir brauchen familiengerechte Arbeitsplätze und keine arbeitsplatzgerechte Familie“, betont Zeh. Das umfasst zum Beispiel Arbeitszeitmodelle, die den tatsächlichen Bedürfnissen von Kindern entsprechen und vor allem Frauen nach der Erziehungsphase dennoch nicht ins berufliche Aus führen. Bei der Arbeitsplatzvergabe ist Familien- und Erziehungskompetenz als wichtige Qualifikation zu berücksichtigen. Befristete Arbeitsplätze und die immer stärkere Flexibilisierung machen berufstätigen Eltern das Leben schwer - die Verantwortung gegenüber ihren Kindern kennt dagegen keine Befristung!

In den ersten drei Lebensjahren des Kindes muss die Elternzeit durch eine echte Wahlfreiheit in der Betreuung abgesichert werden. Dazu brauchen Eltern die entsprechende Infrastruktur und eine gleichwertige finanzielle Förderung der Betreuung unabhängig davon, ob sie zu Hause, in der Krippe oder bei einer Tagesmutter stattfindet. Familien müssen außerdem in den Beiträgen zur Sozialversicherung entlastet werden, denn sie zahlen mit ihrem generativen und dem finanziellen Beitrag doppelt ein und haben kaum noch das Nötigste zum Leben.

„Der Internationale Frauentag sollte uns ein Anlass sein, mehr für die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen zu tun“, betont der DFV-Präsident. Sie müssen eine Wahl haben, Familien- und Erwerbsarbeit nach ihren Vorstellungen zu vereinbaren und sich beruflich fortzuentwickeln. „Familienarbeit ist nicht weniger wert als Erwerbsarbeit - und Gleichberechtigung gilt für beide Geschlechter“, so Zeh. In Sachen Familie heißt das: Mütter und Väter sorgen mit ihrem Nachwuchs für das Bestehen und die Zukunft der Gemeinschaft. Sie verdienen Unterstützung und Anerkennung und dürfen nicht länger einer finanziellen und zeitlichen Zerreißprobe unterworfen werden!
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