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Do, 14:50 Uhr
11.01.2018
Gipskarst Südharz:

Geldspritze für einzigartige Kulturlandschaft

Der Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser erhält eine umfangreiche Förderung für sein Projekt „Gipskarst Südharz Artenvielfalt erhalten und erleben“. Bund und Land fördern das Artenschutzprojekt gemeinsam mit rund vier Millionen Euro...

Südharz (Foto: pixabay.com)
Der mit 75 Prozent größte Teil der Finanzierung kommt aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ vom Bundesumweltministerium, über das besonders artenreiche Gebiete von bundesweiter Bedeutung unterstützt werden. Das Thüringer Umweltministerium trägt mit 700.000 Euro rund 16 Prozent der Gesamtsumme. Die Stiftung Naturschutz Thüringen unterstützt den Projektträger mit rund 100.000 Euro.

„Die Förderung über das Bundesprogramm ist ein großer Erfolg und eine Bestätigung unserer Pläne für ein Biosphärenreservat Südharz. Die Südharzer Gipskarstlandschaft in Thüringen gehört zum exklusiven Club von 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Daraus wächst eine besondere Verantwortung, diesen Schatz für kommende Generationen zu bewahren“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund.

Ziel des Projektes vom Landschaftspflegeverband „Südharz/ Kyffhäuser“ ist der Schutz der einzigartigen Kulturlandschaft des Südharzer Zechsteingürtels auf Thüringer Gebiet. Dazu sollen die Flächen regelmäßig beweidet werden, um Gehölzaufwuchs zurückzudrängen. Gleichzeitig sollen die Nachwuchsprobleme der Betriebe mit Schaf- und Ziegenhaltung in der Region angegangen werden.

Jahrhundertelange extensive Beweidung ließ vielerorts einzigartige Trocken-und Halbtrockenrasen entstehen. Der Artenreichtum dieser Offenlandlebensräume ist jedoch durch eine stetig sinkende Weide- und Mahdnutzung gefährdet. Inzwischen gibt es nur noch 11 Landwirte in der Region, deren Schafe und Ziegen auf den Flächen weiden. Damit sank ihre Zahl innerhalb weniger Jahre um 50 Prozent.

„Wir wollen vor allem die Landwirte mit Schaf- und Ziegenhaltung in der Region stärken. Der Schutz der grünen Karstlandschaft und die Nutzung durch Beweidung funktionieren nur gemeinsam. Dazu wollen wir den Betrieben mit Schaf- und Ziegenhaltung langfristig eine wirtschaftliche Perspektive bieten“, so Siegesmund weiter.

Der „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“ gilt als sogenannter Hotspot der biologischen Vielfalt und erstreckt sich über die drei Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Das Teilgebiet „Südharzer Zechsteingürtel“ ist das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas. Im Gegensatz zu anderen Karstgebieten ist es von Vegetation bedeckt und wird deshalb als „Grüner Karst“ bezeichnet. Hier bestimmen auf 30 Prozent der Fläche naturnahe Wälder die Landschaft. Bemerkenswert sind Orchideen -Buchenwälder sowie Gipsfelsen mit Kalk-Pionierrasen, Gips-Schutthalden mit Glazialrelikten und artenreiche Halbtrocken- und Trockenrasen, auf denen Orchideen und Steppenpflanzen gedeihen.

Hintergrund

Das Vorhaben „Gipskarst Südharz Artenvielfalt erhalten und erleben (Hotspot 18)“ hat eine Laufzeit von sechs Jahren (2018 bis 2023) und ein Gesamtvolumen von 4.492.712,71 Euro.

Es soll zu 74,45% vom Bund (Bundesamt für Naturschutz), zu 15,9% vom TMUEN und zu 2,4% von der Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) gefördert werden. Der Landschaftspflegeverband „Südharz/ Kyffhäuser“ hat einen Eigenanteil von 7,25% aufzubringen, der vom Landkreis Nordhausen bereitgestellt wird.

Die Drittmittelgeber Thüringer Umweltministerium (TMUEN) und die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) haben sich darauf verständigt, ihre Fördermittel zeitversetzt bereitzustellen: Die SNT stellt für 2018 die Summe von 108.367 Euro bereit, das TMUEN für den Zeitraum 2019 bis 2023 713.828,54 Euro, die Mittel stehen zum Teil unter Haushaltsvorbehalt.
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Kommentare

13.01.2018, 20.36 Uhr
Fönix | Zweifelsohne eine gute Sache, aber
"Der „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“ gilt als sogenannter Hotspot der biologischen Vielfalt ..." und genau da liegt das Problem, auch und gerade für das geplante Biosphärenreservat. Nahezu alle Aktivitäten konzentrieren sich auf den Zechsteingürtel, dieser alleine bietet aber eben gerade nicht die außerordentliche Vielfalt, die diesen Hotspot begründet. Der Zechsteingürtel ist ohne Frage naturschutzfachlich von besonderer Bedeutung, aber die einzigartige Biodiversität bildet sich nur ab, wenn man den Südharz und die südlich vorgelagerten Hügelketten als Einheit betrachtet. Werden hier die viel zu engstirnig aufgelegten Strategien nicht grundsätzlich neu ausgerichtet, wird das Biosphärenreservat ein schöner Traum bleiben, leider ...
Eigentlich sollten Berufspolitiker, Berufsökologen und Berufsverwaltungsexperten in konzertierter Aktion zu professioneller Arbeit in der Lage sein. Was bisher zum Thema Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser auf die (äußerst wackligen) Beine gestellt wurde, lässt mich da erheblich zweifeln. Unter den gegebenen Umständen ist das vielleicht sogar besser ...
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