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Mi, 06:40 Uhr
14.02.2018
Tierrechsinitiative Nordhausen

Bauernopfer zum Abschuss freigegeben

Seit Wochen sorgt die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Osteuropa und hierzulande für Schlagzeilen. Um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern, fordert der Bauernverband vorsorglich 70 Prozent aller Wildscheine abzuschießen. Das wollen Nordhäuser Tierschützer so nicht akzeptieren...

Bauernopfer zum Abschuss freigegeben (Foto:  )
Eigentlich gelten für die Bejagung Jagd- und Schonzeiten, doch im Zuge der ASP sind fast überall die Beschränkungen aufgehoben worden. Selbst Muttertiere und ihre Jungen dürfen nun getötet werden. Jedoch sollte eine Bache, die Junge säugt und führt, niemals vor ihren Jungtieren geschossen werden. Ohne die Mutter würden die Frischlinge elendig verenden.

Keine Schonzeiten mehr, Jagen mit künstlichen Lichtquellen auch zur Nachtzeit, Aufwandspauschalen und Abschussprämien, Mecklenburg-Vorpommern hat bereits eine „Pürzelprämie“ eingeführt. Für jeden „Pürzel“ (Jägersprache für den abgehackten Schwanz eines Wildschweins) erhalten Waidmänner dort 25 Euro vom Forstamt, ein Anreizprogramm für insgesamt mehr als zwei Millionen Euro. In Bayern stehen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Niedersachen hat die Schonzeit aufgehoben und rechnet mit bis zu 3,5 Millionen Euro.

Niedersachsens neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) will zudem die Schutzzeiten für Wildschweine aufheben und hat öffentlich an die Verbraucher appelliert, mehr Fleisch von Wildschweinen zu verzehren, damit sich der Massenabschuss für die Jäger auch finanziell lohnt. In Thüringen ist eine Abschussprämie pro Schwein in Planung, insgesamt stünden für dieses Jahr 1,5 Millionen Euro zur Bekämpfung der Pest bereit.

Politischer Aktionismus ohne Sinn und Verstand, da die Afrikanische Schweinepest für Menschen vollkommen ungefährlich ist. Grund für den Aktionismus ist die Sorge um den Wirtschaftsfaktor Schweinefleisch. Bricht die anzeigepflichtige Seuche in einem Maststall aus, werden dort alle Tiere unverzüglich getötet. Sperrgebiete würden die sonst üblichen Tiertransporte durch halb Deutschland unmöglich machen. Zudem würde der Export von Schweinefleisch aus Deutschland reglementiert, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Die deutschen Schweinemäster fürchten deshalb Milliardenschäden. So verwundert es nun nicht mehr, dass der Bauernverband den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland fordert. Statt überlegt wirksame Maßnahmen zu treffen, lässt sich die Politik vom Appell der Bauernverbände treiben.

Jedoch wird der Massenabschuss von Wildschweinen die Ausbreitung der Seuche nicht verhindern können, denn der größte Risikofaktor ist der Mensch selbst. Eine Einschleppung durch Reisende, Berufskraftfahrer oder Jagdtouristen gilt als wahrscheinlich. An Schuhen, Bekleidung oder Fahrzeugen können die widerstandsfähigen Viren haften bleiben. Besonders riskant ist importierte Nahrung, die unachtsam an Rastplätzen entsorgt wird. In Schinken oder Salami kann sich der Krankheitserreger bis zu sechs Monate halten.

Aufklärung, bessere Grenzkontrollen und solide Wildschutzzäune an Rastplätzen sind daher wesentlich sinnvollere Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der ASP als der prophylaktische Abschuss von Millionen gesunden Wildtieren. Dass dieser ernsthaft diskutiert wird, liegt am enormen Einfluss der Jagd- und Agrarlobby auf die Politik.

Somit soll nun ein Tiervolk auf Forderung einiger Interessengruppen fast komplett ausgerottet werden. Hier wird ein angeblicher Täter zum Opfer. Die Wildschweine in Deutschland sind gesund und die afrikanische Schweinepest wird von Menschen verbreitet. Die Reaktionen und Aktionen, die derzeit an den Tag gelegt werden, zeigen abermals, was das Leben (von Tieren) der Politik, diversen Bauernverbänden und sonstigen Interessengruppen wert ist.

Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass die Population nicht wegen der ASP reduziert werden soll, sondern diese als fadenscheinige Begründung dient, um Maisplantagen, sonstige Monokulturen und Tierfabriken zu schützen. Unwillkürlich fragt man sich, warum zum Töten von Tieren sofort Unsummen genehmigt werden, wenn gleichzeitig Tierheime, artgerechte Tierhaltungen und sonstige Maßnahmen zum Schutz unsere Mitgeschöpfe vergebens auf vernünftige und angemessene Unterstützung warten.

Massenhaft getötete Lebewesen sind weder eines zivilisierten Landes würdig, noch ethisch vertretbar. Wie Mahatma Gandhi bereits passend sagte: Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.
Tierrechsinitiative Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare

14.02.2018, 08.45 Uhr
Fritz12 | Na...
...was machen wir jetzt?

Richtig: Den Mensch abschaffen!

Damit wäre doch zumindest den Sauen geholfen. Sollte man meinen... Was für ein Schwachsinn!

Wenn auch einige Ansätze nachvollziehbar sind, so fehlen doch wie immer aus dieser Richtung Lösungen für die genannten Probleme. Und da spreche ich von Lösungen, die alle Aspekte unserer Gesellschaft betrachten und vorallem beachten!

Ohne diese ist das mal wieder nur heiße Luft von verträumten Ökoterroristen. Leider kennt man das ja...
14.02.2018, 09.40 Uhr
Paulinchen | Was sagte zu diesem Thema...
...vor wenigen Tagen ein Experte im MDR dazu? Das Wildschwein bringt den Virus aus Tschechien bestenfalls mit 7 km/h pro Tag weiter in die Bundesrepublik. Der Mensch mit seinen hochtechnisierten LKW´s, welche, wie man gestern wieder erfahren musste, mit ihrer Fahrweise so langsam zum Sicherheitsrisiko auf unseren Autobahnen werden, holt den Virus mit 90 km/h nach Deutschlands Norden, wenn es sein muss. Dabei liegt auf keiner Stelle der Fahrtroute des LKW´s eine Seuchenmatte!! Mir stellt sich hier nun die Frage, was kann die arme Wildsau dafür, dass sie jetzt für unsere Bequemlichkeit/Unvermögen so bestraft wird? Ist uns wirklich an unserer Natur gar nichts mehr gelegen? Wir Menschen scheinen das dümmste Individium auf der Erde zu sein! Wir melken die Kuh, bis das Blut kommt.

Eigentlich sollten wir Menschen uns dafür schämen! Ich will ja nicht schadenfroh sein, aber in dieser Woche kam ein Großwildjäger gleich hinter dem Zaun im "Krüger Nationalpark" (Afrika) ums Leben. Bevor er schoss, hat ihn ein Löwe aus dem Rudel zu Boden gerissen, aus dem er ein Tier töten wollte. Man fand sein Gewehr und noch wenige Knochen von ihm. Seine lieben Kollegen (2) hatten die Flucht ergriffen.
14.02.2018, 09.50 Uhr
Jäger53 | Wer übernimmt
eigentlich die Verantwortung wenn die Seuche nicht nach Deutschland kommen würde, oder heißt es dann nur wegen der abgeschossenen Tiere (ob krank oder gesund) ist Deutschland von der Seuche verschont geblieben. Oder sollen nur die Preise für Wild steigen und es wird die Schießwut
der Jäger befriedigen.
14.02.2018, 09.53 Uhr
Bodo Schwarzberg | Schwarzwildschlachtung: Töten für den Profit
Klar ist, dass es zu viel Schwarzwild gibt. Dafür aber trägt der Mensch die Hauptverantwortung, ebenso wie für die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest in der ganzen Welt. Viele Schweine, viel Verkehr=viel Pest, was wiederum apokalyptische, panische Regulierungen antreibt. Dank Profitintetesse einiger weniger und der Fleischsucht der Bevölkerung sind die Preise für Schweinefleisch im Keller.

Die Massentierhaltung mit all ihren großen ökologischen und medizinischen Problemen (Nitrate im Wasser, Antibiotikaresistenzen) verstärkt nun die Gefahr für eine Ausbreitung der Schweinepest massiv. Es zeigt sich abermals, wie multifaktoriell die Folgen menschlichen Vorgehens gegen natürliche Gleichgewichte ist. Dem Kapital sei Dank. Und natürlich den Lobbyisten und den von beeinflussten Politikern.
14.02.2018, 14.18 Uhr
jo jau | Wegen Dummheit
70% der Verantwortlichen ebenso beseitigen,denn alle Probleme dieser Welt sind vom Menschen selbst gemacht.
Was wird nicht alles gemacht um Geld zu verdienen.Wer gewählt wird muß nicht unbedingt schlau sein.
14.02.2018, 19.13 Uhr
Baradur | Wieder die Selbsternannten Experten und Weltverbesserer.....
.....merkt ihr denn noch was ihr von euch gebt....?

Ihr wollt etwas beschützen, was längst sein Gleichgewicht verloren hat, argumentiert mit Phrasen, die ach so gebildet klingen sollen, aber dabei die Logik schon im Ansatz verloren haben.

Wir müssen unbedingt den Luchs haben....!!! Die Population von 12000 Tieren Muffelwild des Harzes ist Dank dessen nicht mehr existend.

Wir müssen die Elstern unter Naturschutz stellen....!!! Die Singvogelbrut wird jedes Jahr exponentiell aus den Nestern geschmissen.

und und und .... Die Folgen eures Handelns sind nie bedacht und wenn ihr merkt das ihr Fehler begangen habt in eurer Denke, sind noch die anderen Schuld.

Reisst euch mal zusammen und überlasst Entscheidungen denen die es vermögen..... Die, die nichts machen, machen keine Fehler, aber es passiert auch nichts. Solche Leute scheint ihr zu sein.....

Ihr könnt nur reden, andere anklagen, verleumden und über die herziehen die Entscheidungen treffen und was bewegen wollen.
Mehr von euch und die Welt versinkt in Letargie.

Bildet euch und öffnet euch dann. Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal ............

Das ist keine bargeldlose Gesellschaft in der wir leben ..... das diese Welt Fehler hat weiss jeder, aber in der Kausalkette Fehler auszumerzen müsste jeder mit anpacken aber das wird nicht geschehen, also seid mal realischer und begreift die Dinge die gemacht werden als Versuch eines Lösungsansatzes.

Besten Dank !
15.02.2018, 09.31 Uhr
jo jau | Dann lieber Weltverbesserer
Man muß nicht alles glauben was sogenannte Experten erzählen.Ach übrigens ,den Luchs gab es immer in Deutschland bis zu seier Ausrottung.Muffelwild wurde aus Korsika und Sardinien eingeführt gehört hier also nicht her,und zum Thema Singvögel.Es werden wohl mehr Singvögel getötet durch illegalen Fang siehe Malta ,Italien.Spanien ja selbst in Deutschland und Östereich. LG
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