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17.08.2008

Gewerkschaft „Grossherzog Wilhelm Ernst“, Oldisleben

Nach dem Ausflug vorige Woche bei den Schachtgeschichten in den Kupferschieferbergbau, geht es heute wieder um den Kalibergbau, dieses Mal in Oldisleben...

Die Gewerkschaft wurde im Juli 1905 gegründet. In das Handelsregister wurde die Gewerkschaft im Oktober 1905 eingetragen. Die Anlagen der Gewerkschaft lagen auf einer Enklave des Sachsen-Weimarischen Staates in Oldisleben. Die Basis waren Bohrungen, so war in der „Frankenhäuser Zeitung“ vom 17.2.1903 zu lesen: “Mit einer beabsichtigten Bohrung in der Nähe von Oldisleben wird demnächst begonnen; denn zur Zeit ist man mit der Anfuhr eines Bohrturmes nach dem sog. Möllendorf beschäftigt. Die Gesellschaft, die die Bohrung ausführt, ist die Hallesche Tiefbohrgesellschaft Thumann.“ Das Bohrloch II befand sich in der Eselsgasse im Eingangstal zum Möllendorf. Es wurden 2 Schächte geteuft. Der Schacht „Wilhelm Ernst“ hatte eine Endteufe von 595 m.
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Begonnen mit dem Abteufen wurde im Dezember 1905. Am 9.Dezember 1905 erfolgte der erste Spatenstich unter Anwesenheit des Grubenvorstandes und geladenen Gäste. Gefeiert wurde anschließend im Gasthaus „Zur Tanne“. Die ersten 8 m des Schachtes wurden manuell mit Hacke, Spaten und Schaufel ausgehoben. Erst später wurde der Schacht mit Bohr –und Sprengarbeit weiter geteuft. Die 2. Schachtanlage, mit einer Endteufe von 621 m, befand sich im Haintal, 1.325 m westlich vom Schacht „Wilhelm Ernst“. Begonnen wurde mit dem Teufen 6. November 1912. Er hatte eine Endteufe von 621 m. Der Schacht war mit einer Seilbahn zum Fabrikgelände verbunden. Den Schachtanlagen waren eine Chlorkaliumfabrik und eine Brom- und Sulfatfabrik, ein Kesselhaus, die Mühlenanlage angegliedert, die eine Kapazität von täglich 10.000 dz an Rohsalzverarbeitung hatten.

Dazu wurde ein Gelände an der Straße nach Frankenhausen außerhalb des Ortes Oldisleben erworben. Bei Aufbau der Anlagen wurden Fremdarbeiter eingesetzt. Im Laufe des Jahres 1906 brannten belgische Arbeiter 2 Millionen Ziegel. Italiener bauten die Gebäude der Fabrikanlage auf. Kroaten schütteten den Bahndamm auf. Rechnet man die in den Sommermonaten in der Landwirtschaft tätigen Polen hinzu, so herrschte zur Zeit des Aufbaus des Kaliwerkes ein internationales Sprachgewirr in Oldisleben. Der Hausbesitz umfasste 17 Beamten- und Arbeiterwohnhäuser. Der Grundbesitz betrug etwa 3.000.000 m². Die Kuxe umfasste 1.000. Davon waren 501 im Besitz von Alexandershall, was bedeutet, dass die Gewerkschaft zum Konzern Alexandershall-Wintershall gehörte. Das ist auch in der Direktion erkenntlich. Generaldirektor M. RATHKE stammt aus Berka an der Werra, Bergassessor W. GROLMANN aus Unterbreizbach (Rhön), der kaufmännische Direktor R. LANGE war in Berka an der Werra ansässig. Vor Ort leitete das Unternehmen: Grubeninspektor K. NIEPMANN, Fabrikleiter F. WAGNER und der Rechnungsführer A. ZIEGLER - alle aus Oldisleben. Die Regierung in Weimar sicherte sich dabei 10 % vom Reingewinn.
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Gefördert wurde ab 6.Mai 1908, vorwiegend Carnallitit. Dabei wurde auf Schacht II nur vorübergehend gefördert. Der Absatz im Jahre 1908 betrug 94.454 dz. Im Jahr 1910 wurde die Produktion vorübergehend eingestellt. Erst ab 1914 lief die Kaliproduktion wieder. Für die Infrastuktur war von Bedeutung, dass das Werk an das Schienennetz angebunden war. Hier war vor allen die Verbindung zwischen Oldisleben und Esperstedt, die sogenannte „Rübenbahn“, sehr wichtig. Im Jahr 1907 wurde die Strecke für den Verkehr mit einem Anschlussgleis zum Kaliwerk übergeben. Auf ihr wurden neben Kali auch Zuckerrüben für die Zuckerfabrik in Oldisleben und Braunkohle aus dem Esperstedter Revier transportiert.

Die Belegschaft umfasste Ende 1919 500 Mann. Das kommt auch in der Einwohnerzahl zum Ausdruck. Hatte Oldisleben 1905 1600 Einwohner, so waren es 1909 bereits 2500 Einwohner, so dass man sagen, dass mit dem Aufbau des Kaliwerkes der Ort Oldisleben aufblühte. Ein Fest soll dabei nicht unerwähnt bleiben. Am 18.August 1907 fand ein Bergmannsfest verbunden mit der Fahnenweihe des Bergmannsvereins „Großherzog Wilhelm Ernst zu Oldisleben“ statt. Der Einladung zu Fest waren gefolgt: Schützengesellschaft, Kriegerverein, Gesangsverein, Turnverein, Arbeiterverein aus Oldisleben sowie der Bergarbeiterverein „Glück auf“ aus Oberheldrungen, der Bergarbeiterverein „Glück auf“ aus Hemleben, die Knappschaft aus Esperstedt, Bergmannsverein „Günthershall“ aus Göllingen, der Bergmannsverein „Glückauf“ aus Sondershausen, der auch die Bergkapelle in Uniform stellte und die Vereine aus Roßleben und Heygendorf. Damit wird auch demonstriert, dass auf dem Gebiet des heutigen Kyffhäuserkreises es eine lebhafte Bergbautätigkeit zu dieser Zeit gegeben hat.

Entsprechend der Novelle vom 22.10. 1921 zum Kaliwirtschaftsgesetz wurde im § 83 wurde die Möglichkeit einer freiwilligen Stilllegung von Kaliwerken eingeräumt. Die Gewerkschaft machte davon Gebrauch. Ab 1922 wurde das Kaliwerk demontiert. Am 20 Juli 1927 erfolgte die Sprengung des 72 m hohen Schornsteins. Als Zeugen in der Gegenwart ist noch die Schachtabdeckung im Bereich des ehemaligen Möllendorfes, im Haintal eine Ruine, in der die Kaue untergebracht war, zu sehen. Dort wo einst das Kaliwerk stand gibt es heute einen Sportplatz, eine Straße führt zum Schwimmbad und eine Schule wurde aufgebaut.

Dank sei den Ortschronisten von Oldisleben ausgesprochen: Alfred Odebrecht, der bis 2001 die Chronik führte und am 18.Mai 2008 verstorben ist und Helgard Amme, die jetzt die Chronik fortführt. Wer weitere Details erfahren möchte, kann sich im Buch von Albrecht Odebrecht mit dem Titel „Esperstedter- Oldislebener Eisenbahn“ von 1907 – 1959 informieren. In diesem Buch gibt es auch ausführliche Hinweise zum Kaliwerk in Oldisleben. Erschienen ist das Buch im Verlag Rockstuhl in Bad Langensalza.
Text: Hans-Jürgen Schmidt, Bilder: Hans-Jürgen Schmidt und aus der Ortschronik von Oldisleben (mit Genehmigung von Frau Amme)
Bildtexte:
Bild 1: Gesamtansicht des Kaliwerkes nach dem Aufbau
Bild 2: Die Schachtanlage in Möllendorf (Schacht I)
Bild 3: Die Schachtanlage im Haintal (Schacht II)
Bild 4: Die Lage des Kaliwerkes an der Frankenhäuser Straße
Bild 5: Die Gerechtsame des Kaliwerkes um 1912
Bild 6: Die Teufmannschaft vom Schacht in Möllendorf
Bild 7: Das Kaliwerk in der Aufbauphase
Bild 8: Die Mannschaft beim Aufbau des Werkes
Bild 9: Belgische Arbeiter, die die Ziegel gebrannt haben
Bild 10: Der Bau des Kauengebäudes in Möllendorf
Bild 11: Das zum Wohnhaus umgestaltete Kauengebäude im Jahr 2008
Bild 12: Beim Ziegelstein brennen
Bild 13: Fördergerüst in Möllendorf
Bild 14: Fördergerüst im Haintal
Bild 15: Einzäunung der Schachtabdeckung in Möllendorf im Jahr 2008
Bild 16: Ruine des Kauen –und Pförtnerhauses von der Schachtanlage im Haintal im Jahre 2008
Bild 17: Zeitungsausschnitt zur Seilbahn aus dem Haintal
Bild 18: Zeitungsausschnitt zur Eisenbahnstrecke Esperstedt – Oldisleben
Bild 19: Zeitungsausschnitt zur Eisenbahnstrecke Esperstedt - Oldisleben
Bild 20: Straßenschild, welches den Weg in das Haintal anzeigt
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Kaliwerk Oldisleben (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
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