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Sa, 00:01 Uhr
19.09.2009

Im kleinen Rahmen (1)

"Wahl=lokal=sozial". Hinter dieser Formel sollte heute eine Veranstaltung für Jugendliche und Erwachsene stattfinden, bei der man mit Politikern (auch Bundestagskandidaten unserer Region sind darunter) diskutieren kann. Bloß wo waren die Jugendlichen?...

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Kampagne "Wahl=lokal=sozial" des Paritätischen Wohlfahrtsverband Thüringen in den Räumen des JUST in Sondershausen statt. Thema des Ganzen: "Lebensfaktor Arbeit- Jugendlichen Chancen bieten und fördern". Über die, die es eigentlich angeht, waren nicht vertreten. Die anwesenden Kinder gehörten zu den Politikern, und alle andere die noch jung aussahen, waren von Berufswegen da, oder selbst Politiker.

Da nutzte es nichts, dass mit Patrick Kurth (FDP), Johannes Selle (CDU), Jörg Kubitzki (Die Linke), Janet Lutz (Bündnis 90 / Die Grünen) und Steffen Lemme (SPD im Podium und Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) und seiner 1. Beigeordneten Cornelia Kraffzick (SPD) schon namhafte Politiker anwesend waren. Einem Teil der Bundestagskandidaten mal im kleinen Rahmen die Meinung zu sagen, und dass auch mal deutlich außerhalb der Schulzeit war an einem Freitag ab 17:00 Uhr wirklich zu viel verlangt. Oder spiegelt sich hier schon die ganze „Null-Bock-Stimmung“ der Jugendlichen wieder?

Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Patrick Kurth (FDP), Johannes Selle (CDU), Jörg Kubitzki (Die Linke), Janet Lutz (Bündnis 90 / Die Grünen), Steffen Lemme (SPD

Es soll hier nichts pauschalisiert werden, aber so „dumm“ fragen wird man ja wohl mal dürfen. Oder ist das schon die Bequemlichkeit, frei nach dem Motto, was soll ich mir hier die Zeit vertrödeln, wenn ich die wichtigsten Worte der Politiker am nächsten Tag in der Zeitung lese, ändern kann man ja doch nichts?

Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Man kann nur hoffen, dass das Ganze nur der Schreiber dieser Zeilen so falsch sieht. Die Diskussion selbst mit den oben genannten Politikern, sowie Sandra Schulz (Die Paritätische Thüringen), Jürgen Rauschenbach (Starthilfe e.V.) und Michael Backhaus (Jugendberufshilfe Thüringen e.V.) verlief sehr intensiv und bedurfte einer guten Steuerung durch Moderator Stefan Werner (Die Paritätische Thüringen) mit Hilfe von Sanduhr ( 3 Minuten) und Fahrradklingel als Signal (Foto). Da fällt es dem Autor schwer aus zwei Stunden intensiver Diskussion alles wieder zu geben.

Es klingt etwas makaber, wenn Michael Backhaus am Anfang feststellt, dass die Chancen für Jugendliche eine Berufsausbildung zu bekommen ist trotz Krise so gut wie lange nicht. In Thüringen stehen 11.000 Ausbildungsplätzen „nur“ 14.000 Bewerber gegenüber. Er schränkte aber selbst gleich ein, wenn er die Ursache auf Abwanderung und demografischen Wandel schiebt.
Er sieht es als Problem an, wenn ca. 3.000 Abiturienten statt zu studieren in die Berufsausbildung drängen. Seine Forderung, es muss gelingen, die Studienneigung zu erhöhen.

Janet Lutz, selbst Mutter dreier Kinder stellte fest, man muss an Hand der Probleme die Gesetze schaffen und man sollte mehr eine Gemeinschaft in der Welt bilden, in der Kinder auch mal Lärm machen dürfen (viel Beifall). Ihre Forderung, Hartz IVKinder müssen mehr in Freizeitaktivitäten eingebunden werden können. Die Eltern können die Aktivitäten der Kinder nicht annähernd unterstützen.

Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Sandra Schulz (Die Paritätische Thüringen), Jürgen Rauschenbach (Starthilfe e.V.), Michael Backhaus (Jugendberufshilfe Thüringen e.V.)

Steffen Lemme wurde da schon sehr deutlich wenn er meinte, die Politik hat bei den Jugendlichen versagt, weil sie die Region verlassen. Ganz gezielt zum Kyffhäuserkreis sein Feststellung, es fehlt eine höhere Bildungseinrichtung und die Struktur bietet den Arbeitnehmern nicht, in Würde zu arbeiten und angemessenen Lohn zu empfangen. Die scheinbare Verbesserung der Ausbildungssituation liege ja mehr daran, dass sich die Zahl der Bewerber von 35.000 auf 14.000 verringert hat.

Jörg Kubitzki forderte mehr Chancengleichheit für alle Kinder. Auch solle die Jugend mehr in die Politik einbezogen werden. Er bezeichnete den Föderalismus mit seinen 16 verschiedenen Schulsystemen nicht gerade als förderlich.

Sehr deutlich Worte fand Patrick Kurth. Er forderte einheitliche Bildungsstandards in dieser Republik auch wenn er mit Blick auf Thüringen gleich einschränkte, dass könnte unser 12 Klassenabitur in Thüringen zu Fall bringen, weil sich kaum ganz Deutschland nach Thüringen richten wird. Auch sein Standpunkt zu Hartz IV war klar, es hat sich einfach nicht bewährt. Seine Forderung, mehr mit der Jugend sprechen und auch in der Schule muss gelten, Leistung muss sich lohnen.

Die Meinung von Joachim Selle, die jetzige Ausbildungssituation macht Mut, auch wenn die Politik daran nicht immer Anteil hat. Leider waren die drei Minuten Redezeit um, um sagen zu können, warum es die Politik nicht geschafft hat.

Jürgen Rauschenbach wies sehr deutlich darauf hin, dass die Armut viele Jugendlich benachteilige. Wie kommt ein Jugendlicher um 6 Uhr zu seiner Ausbildungsstätte, wenn das Fahrgeld nicht reicht und der öffentlicher Nahverkehr auch nicht die Hilfe bringt.

In einem waren sich aber wohl alle Redner einig: Es muss gelingen, sowohl Jugendliche als auch besonders die Eltern mehr zu motivieren. Aber wie das so recht erreicht werden solle, darauf brachte diese Diskussionsrunde auch keine Antwort. Es reicht eben nicht nur festzustellen, dass es für Kinder und Jugendliche wenig hilfreich ist, wenn sie ansehen müssen, dass ihre Eltern schon 16 Jahre keine Arbeit haben und trotzdem Leben können. Wobei man dann allerdings schon hinterfragen müsste, ob das noch ein Leben ist. Zum Glück konnten in der Runde auch positive Beispiele vermeldet werden, dass mit Unterstützung der Eltern auch Hartz IV Kinder erfolgreich studieren können, die Regel wird es wohl leider nicht sein. Und hier muss man halt feststellen, dass die Politik noch viel zu tun hat.
Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Podiumsdiskussiun zur Bildung und Beruf (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Autor: khh

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