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Sa, 12:22 Uhr
04.12.2010

Barbarafeier in 640 m Teufe

Bei der gestrigen Barbarafeier im Bergwerk Sondershausen bekam nicht nur Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) einen Klapps aus das Arschleder. Zum Brauch gehört auch ein kräftiger Schluck dazu. Bei der Feier mit Kamera und Stift dabei unser Leser Hans-Jürgen Schmidt...

Die Bergleute in Sondershausen stellen sich der Verantwortung, folgenden Generationen in dem traditionsreichen Bergrevieren das sich über Jahrhunderte in Mannigfaltigkeit und großer Fülle entwickelte Brauchtum zu erhalten und erlebbar zu machen. Zum Gedenken an die Heilige Barbara ist es der GSES in Verbindung mit dem Bergmannsverein gelungen eine würdige Feier im Festsaal in 640 m Teufe im Bergwerk zu gestalten. Den Ruf der Einladung zur Feier sind viele Persönlichkeiten aus dem Inn – und Ausland gefolgt.

Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Die Ministerpräsidentin des Landes Thüringens (Foto) ehrte mit ihrer Teilnahme die Bergleute. Heinz Baur der Aufsichtsratvorsitzende aus Zürich war mit seiner Frau aus der Schweiz angereist. Peter Kühnle, Aufsichtsratmitglied und Vertreter des Hauptgesellschafters Star Capital Partners aus London scheute den Weg nicht nach Sondershausen.

Klaus-Dieter Bahr, der neue Geschäftsführer der GVV und seine Frau, gebürtig in Nord-Rhein Westfalen, weilte ebenfalls unter den Gästen sowie die Vertreter aus dem Territorium, Landrat Hengstermann, Bürgermeister Kreyer, Hartmut Kießling, der Leiter des Thüringer Bergamtes, Oberstleutnant Klaus Glaab bis zum Vorsitzenden des Landesverbandes der Bergmanns- und Hüttenvereine und Knappenvereine , Helmut Grotsch und viele mehr.

Die Gäste wurden im Fördermaschinenhaus mit Glühwein und einem kleinen Imbiss begrüßt, so dass erst Gespräche geknüpft werden konnten. Die Bergmannskapelle spielte zur Unterhaltung. Dann ging es zur Ackersohle um den Förderkorb zu besteigen. Mit 4 m/s ging es nach unter Tage in 640 m Teufe. Es wurde auch Zeit, denn Temperatur auf der Ackersohle zeigt minus 10 Grad. Der Weg aus dem Füllort zum Festsaal war nicht weit. Das Ambiente des Festsaals, geschlagen aus dem Steinsalz bietet einen würdigen Rahmen.

Eröffnet wurde die Feier mit Lieder, vorgetragen vom Albert-Fischer-Chor unter der musikalischen Leitung von Frau Ingrid Köhler. Anschließend begrüßte der Vereinsvorsitzende Otto, des Bergmannsvereines die Gäste herzlich. Er sagte: „Einen besonderen Willkommensgruß entbiete ich der Ministerpräsidentin n des Freistaates Thüringens Frau Lieberknecht. Wir freuen uns und sind dankbar, sie heute bei uns zu haben. Wir werten ihre Teilnahme an unserer Barbarafeier als Ausdruck ihrer Verbundenheit und Solidarität mit den Thüringer Bergleuten und als Zeichen der Wertschätzung der Arbeit der Bergleute überhaupt“. Anschließend kündigte der Geschäftsführer der GSES, Ralph Haase, das Quintett mit Annegret Klenke, Violine, Beate Hartmann, Violine, Yvonne Uhlemann, Viola und Ruth Kaltenhüber, Violocello an, die mit ihren Darbietungen brillierten.

Das Grußwort der Ministerpräsidentin gipfelte in der Aussage: „Traditionspflege ist eine bedeutsame Aufgabe. Sie stärkt das Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen. Traditionen sind unerlässliche Richtungsweiser, die auf dem Weg in die Zukunft Orientierungen geben.“ Der Geschäftsführer der GSES, Jaap von Engers hob hervor, dass die Ministerpräsidenten in diesem Jahr bereits zum 4. Mal Sondershausen untertage weilte. Das wäre ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde würdig, betonte er.

Zum Höhepunkt der Feier gestaltete sich der Arschledersprung. Christian Hädicke erläuterte in humorvoller Art und Weise, was ein Arschledersprung bedeutet. Er wies unter anderem an einem Bild von Albrecht Dürer, der Adam und Eva auf Leinwand gebannt hat, nach, dass Adam ein Arschleder trug und somit der erst Bergmann der Menschheitsgeschichte sei. Jedoch sei an dieser Stelle hingewiesen, dass der Arschledersprung bis heute unter lebendiges bergmännisches Brauchtum einzuordnen ist.

In Bergwerksunternehmen, bergmännischen Bildungseinrichtungen und den Bergmannsvereinen ist der Arschledersprung ein Ritual bergmännischer Brauchtumspflege. Obwohl es kein festes Datum im Laufe des Jahres für dessen Durchführung gibt, wird es oft am 4. Dezember eines jeden Jahres bei Barbarafeiern zelebriert. Es gibt dafür die verschiedensten Anlässe wie bestandene Prüfungen, Aufnahme in den Bergmannsstand, Jubiläen und Auszeichnungen.

Obwohl die Ehre des Arschledersprungs nur Berg- und Hüttenleuten zusteht, ist heute so manch Berufsfremder unter den Geehrten. Verständlich ist es dann, wenn der gekürte Bergmann honoris causa sich der Förderung des Bergmannsstandes verpflichtet fühlt. Ob der Sprung vom Fußboden aus dem Stand oder mit angemessenem Anlauf oder von einem Stuhl oder von einem Bierfass aus erfolgt, wird in den Bergrevieren und Vereinen unterschiedlich gehandhabt. Bevor der Sprung erfolgt, muss der in den Bergmannsstand Aufzunehmende oder der zu ehrende Berg- bzw. Hüttenmann vier Fragen beantworten: Wie ist dein Name? Was ist dein Heimatort (Heimatland)? Was ist dein Leibspruch/Wahlspruch? Was ist dein Beruf? Das zu überspringende Arschleder wird je an einem Ende von erfahrenen Bergleuten bzw. Bergbeamten wie Berghauptmann, Betriebsleiter, dem Vereinsvorsitzenden, dem Rektor/Dekan/Schulleiter oder dem ältesten anwesenden Berg- bzw. Hüttenmann oder Ingenieur gehalten. So die allgemeinen Darlegungen.

Zur Feier wurde auf die Bühne ein Fass gestellt, auf dem sich die zu Ehrenden stellen mussten. Sie mussten sich dann den Fragen stellen, wie sie oben angegeben wurden. Nach der Beantwortung der Fragen und deren Bestätigung mussten die Geehrten ein Glas Bier auf „EX“ austrinken. An schließend erfolgte der Sprung über das Arschleder, das dann als Eigentum des Gesprungenen gilt. Jedoch vorher musst man sich das Arschleder umbinden und mit einer Unterschrift haben sich diejenigen, welche die Laudatio gehalten haben bzw. Vertreter der Leitung des Bergwerkes und des Bergmannsvereines, auf dem Arschleder verewigt. Natürlich durfte der Schlag oder Klapps bei der Ministerpräsidentin auf das Arschleder nicht fehlen.
Mit Sprung über das Arschleder wurden geehrt:
  • Dr. Wolfgang Wilde von der GSES
  • Prof. Jörg Wagner, Präsident der Fachhochschule in Nordhausen
  • Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht

Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)


Anschließend wurde das Bergmannslied: „Glückauf der Steiger kommt....“ gesungen.

Danach ging es zum Tscherperessen. Ebenfalls einzuordnen in das bergmännische Brauchtum. Das Tscherperessen ist eine bergmännische Tradition und Essensspezialität insbesondere im Harz, verbunden mit dem Harzer Bergbau auf Silber, Eisen und Kupfer seit dem 16. Jahrhundert. Namensgeber ist der Tscherper (Scherper, Schärper, Tschärper oder auch Tzscherper), ein in der Sprache der Bergleute feststehendes Berufsmesser mit kurzer gerader, starker Klinge, das die Harzer Bergleute stets in der Seitentasche an der Hose oder neben der Tasche am Gürtel mit sich trugen.

Mit dem Tscherper wurde das Gezimmer in der Grube (dazu gehörten Tragestempel, Joche, Einstriche, Spreitzen, etc.) untersucht, um heraus zu finden, ob diese noch tragfähig sind oder etwa durch Fäulnis schon gelitten hatten. Normalerweise besteht das traditionelle Tscherperessen (heute oft als Tscherperfrühstück) ist eine rustikale Bergmannsmahlzeit, bestehend aus
- Hausschlachtewurst,
- Käse (Harzer Käse),
- Schmalz, Gurken, Brot sowie
- einem Bergmannsschnaps, dem sogenannten Fahrschnaps.

Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Das dies sich zur Barbarfeier etwas anders darstellte, war der Feier angemessen. Für die gelungene Veranstaltung sei dem Organisatoren der Dank ausgesprochen.
Text und Fotos: Hans-Jürgen Schmidt
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
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Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
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Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
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Barbarafeier Bergwerk Sondershausen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
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Autor: khh

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