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Mi, 11:18 Uhr
31.08.2011

Krankheitslast teilt Deutschland

Wie ungleich die Volkskrankheiten über das Bundesgebiet verteilt sind, verdeutlichen Landkarten im aktuellen BARMER GEK Sammelband „Gesundheitswesen aktuell 2011“. Dieser „Morbiditätsatlas“ vergleicht die Verbreitung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depression zwischen den Regionen. Demnach tragen die Sachsen die höchste Krankheitslast, die Baden-Württemberger die geringste...


Der Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK, Dr. Christoph Straub, erläutert: „Die regionale Perspektive ist hilfreich, um vor Ort die Ressourcen abzustimmen und Mängelsituationen vorzubeugen, wie zum Beispiel bei der Nachbesetzung von Arztsitzen." Gleichzeitig markiert Straub auch Grenzen der Regionalisierung: „Es darf nicht sein, dass der Wohnort die Versorgungsqualität bestimmt. Auch kann es nicht angehen, dass Vertriebsleistungen den Versorgungsbedarf einzelner Regionen hochtreiben." Beim Anspruch an gute Versorgung oder medizinische Evidenz gebe es keine regionalen Unterschiede. Und das Ärzteangebot müsse sich an den Krankheitslasten ausrichten, nicht umgekehrt.

Kritisch sieht Straub die politischen Regionalisierungsbestrebungen im Rahmen des geplanten GKV-Versorgungsstrukturgesetzes. „Hier führt Regionalisierung in die Überregulierung.“ Insbesondere die Beanstandungsrechte der Länderaufsichten bei Selektiv-Verträgen bedeuteten eine Wettbewerbsverzerrung. Straub: „Eine Abstimmung bundesweiter Versorgungsverträge mit 17 Aufsichtsbehörden führt zum Stillstand."

Osten kränker als Westen - Ausnahme Depressionen
Besonders krankheitsanfällig ist die Bevölkerung im Raum Halle, Schwerin und Leipzig, besonders gesund dagegen in Stuttgart, Kempten und Ulm. „Dabei zeigt sich der wesentliche Einfluss von Bildung und Einkommen auf Gesundheitschancen," weiß der Herausgeber des Buches, Uwe Repschläger, Leiter für Unternehmensstrategie und Controlling bei der BARMER GEK. Mit Abwanderung von besser verdienenden und gebildeten Bevölkerungsgruppen habe sich auch eine Gesundheitsmigration vollzogen.

Die östlichen Regionen führen die Morbiditätsstatistik zwar in den meisten, nicht aber in allen Krankheitsgruppen an. So zeigen sich bei Depressionserkrankungen die höchsten dokumentierten Krankheitslasten in den Stadtstaaten und in Bayern. Der Osten ist dabei unterdurchschnittlich vertreten. Dieser Befund spiegelt sich in der räumlichen Verteilung von Psychotherapeuten wider. „Mit der Zahl der Psychotherapeuten steigt naturgemäß die Zahl der Depressionsdiagnosen“, erläutert Repschläger. Dementsprechend liegt die Psychotherapeutendichte in den Stadtstaaten bis zu 150 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, im gesamten Osten rund 50 Prozent darunter.

Keimträger mit oder ohne Symptome
Eine weitere Analyse des Sammelbandes beschäftigt sich detailliert mit Krankenhausinfektionen und multiresistenten Erregern. Die Daten der BARMER GEK zeigen eine Verdopplung der Krankenhausfälle mit resistenten Erregern zwischen 2006 und 2009. „Das Wachstum verzeichnen wir aber vor allem bei Infizierten, die keine Symptome zeigen“, erklärt Dr. Ursula Marschall, Leiterin des Kompetenzzentrums Medizin der BARMER GEK. Die Zahl der Keimträger, die tatsächlich erkranken, sei dagegen rückläufig.

Insgesamt sei die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes zu begrüßen, allerdings müsse man die Keimverbreitung auch in anderen Gesundheitssektoren verfolgen. „Multiresistente Keime beschränken sich nicht allein auf Krankenhäuser. Wir müssen sektorübergreifend auf die Weiterbehandlung infizierter Patienten achten.“ So hat sich etwa die Zahl der stationär behandelten Keimträger, die in ein Pflegeheim entlassen wurden, binnen vier Jahren verdreifacht.

Der Sammelband "Gesundheitswesen aktuell 2011" vereint insgesamt 14 Beiträge von Fachleuten, darunter auch von SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach und IQWiG-Chef Prof. Jürgen Windeler.
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
31.08.2011, 12:00 Uhr
Wohlstand - eine Krankheit?
Für mich ist es ein Widerspruch, dass wir trotz des so genannten materiellen Wohlstandes so viele Wohlstandkrankheiten und dazu noch mit z.T. stark steigender Tendenz registrieren müssen. Erst vor wenigen Tagen hat die UNO ein alarmierendes Bild zur Fettleibigkeit in der Welt gezeichnet: 2 Mrd. Menschen sind demnach fettleibig! Ein Memorandum soll die Mitgliedstaaten nun verpflichten, gegen den die Sozialsysteme bedrohenden abnormen Zustand vorzugehen.

Ist da nicht irgendetwas faul im Wohlstandsystem? Wie ist es zu erklären, dass Politiker und Wirtschaft nicht müde werden, den materiellen Wohlstand als heilige Kuh zu loben und für unverzichtbar halten, obwohl er andererseits nun mehr auch unsere Existenz auf gesundheitlichem Gebiet bedroht?

Meines Erachtens ist diese Schieflage damit zu erklären, dass die Menschen zu viel Wert auf rein materielle Werte legen, den Wohlstand also an Äußerlichkeiten festmachen und sich über diese definieren. Das Bild vom kranken Mann, der sein dickes Auto dreimal pro Woche wäscht, aber nicht zur Vorsorgeuntersuchung geht, kann dafür als Symbol stehen. Bei jedem Geburtstag wünscht man dem Jubilar vor allem Gesundheit. An der alltäglichen Umsetzung indes hapert es. Erst jüngst wurde eine Studie veröffentlicht, in der den Deutschen ein zunehmender Hang zum Faulenzen, statt zur aktiven Freizeitgestaltung attestiert wurde. - Passiver Wohlstand also.

Wenn der materielle Wohlstand aber dazu führt, dass die Grundlagen für dessen Erarbeitung und dessen Genuss, also unsere Gesundheit, durch Vernachlässigung auf der Strecke bleibt, dann muss dieser Wohlstand auf den Prüfstand gestellt und hinterfragt werden.

Manchmal hat man das Gefühl, dass die meisten Menschen lieber früher sterben möchten, oder dass sie dies zumindest in Kauf nehmen, als dass sie auf liebgewonnenen passiven materiellen Konsum verzichten.

Ein Chefarzt sagte mir vor einiger Zeit, dass Menschen auf seiner Inneren Abteilung liegen, die tatsächlich den Anspruch äußern, dass die 40 Jahre eigenen gesundheitlichen Fehlverhalten bitteschön innerhalb von drei Tagen im Krankenhaus zu beseitigen sein. Warum sonst bezahlten sie denn so viel Krankenkassenbeitrag?

Wenn der Einzelne schon nicht von sich aus in der Lage ist, mit dem materiellen Wohlstand so umzugehen, dass er sein eigenes Leben und den finanziellen Wohlstand der Solidargemeinschaft nicht schädigt und belastet, dann sollte diese Solidargemeinschaft die Daumenschrauben anziehen. Es sollte dringend ein System gefunden werden, dass gesundheitliches, fahrlässiges Fehlverhalten finanziell empfindlich bestraft und kontrolliert.

Die Freiheit sollte dort beschränkt werden, wo eine große Bevölkerungsgruppe zu Lasten der Gesellschaft und der Sozialsysteme uneinsichtig ist. Die UNO zumindest nimmt auf diese Sachverhalte in ihrer Erklärung bezug. Ob sie jedoch jemals zu denen vordringt, die sie eigentlich betrifft, halte ich indes für fraglich.
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