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Mo, 11:03 Uhr
05.09.2011

Richter Kropp: Ehemänner und Ehefrauen

Nach einer alten Formel halten etwa ein Drittel aller Ehen, ein weiteres Drittel lebt nur noch so zusammen und der Rest lässt sich schließlich scheiden. Doch: Das Familienrecht fragt dabei nicht nach den Gründen für das Scheitern der Ehe. Auch Amtsrichter Kropp nicht...


Wichtig sind hier nur Trennungszeiten und eine Einvernehmlichkeit der Eheleute hierbei. Die meisten Eheleute, die sich vor Gericht scheiden lassen, haben keinen Streit mehr miteinander, für sie ist die gemeinsame Zeit einfach vorüber. Da wundert es, wenn beispielsweise bei einer Scheidungsverhandlung vor dem Amtsgericht Sondershausen der Ehemann dem Richter erklärt, man müsse noch warten, die Frau müsse erst ein Parkticket für ihren Wagen lösen. Als dann der Richter die Frau fragte, ob alles geklappt habe, erklärte diese, ihr hilfsbereiter Mann habe ihr einen Euro zum Parken zur Verfügung gestellt. Trotzdem es zwischen dem Paar noch so gut funktionierte und das Gericht nachfragte, ob die Scheidung wirklich gewollt sei, blieben beide bei ihrem Scheidungswunsch.

In einem anderen Verfahren wusste die sichtbar aufgeregte Frau ihren Monatsverdienst nicht mehr und wendete sich hilfesuchend an ihren Mann, der ihr gerne weiterhalf. Streit gab es hier schon wegen der gemeinsamen Kinder nicht.

Stellt man sich als Scheidungsparteien vor Gericht total zerstrittene und streitsüchtige Menschen vor, so sind diese nur die Ausnahme. „Die meisten Parteien haben sich schlichtweg auseinandergelebt, kommunizieren aber noch miteinander“, so Familienrichter Christian Kropp vom Sondershäuser Amtsgericht, der es wissen muss. Hat Kropp doch wie viele seiner Kollegen jährlich über hunderte solcher Scheidungsverfahren zu entscheiden.

Der tragischste Fall vor dem Amtsgericht Sondershausen: Zum Termin erschien außer den Anwälten nur der Mann, zur Frau hatte ihre Anwältin keinen Kontakt mehr. Ihre Rollläden seien geschlossen, erklärte der Mann vom Hörensagen her. Der Termin wurde dann aufgehoben, doch die Sorge um seine getrennt lebende Frau führte den Mann zu deren Wohnung, wo er sie dann leider nur noch tot auffand.
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
05.09.2011, 12:39 Uhr
Warum wird denn trotzdem noch geheiratet??
"Durch dick und dünn zu gehen, das stand für uns unverrückbar fest", sagte meine Oma immer zu mir, wenn sie sich an ihre Hochzeit im Jahre 1940 erinnerte. Meine Großeltern heirateten damals "vorfristig", da mein Opa die Einberufung zum Kriegseinsatz erhalten hatte und die Bande der Ehe trotz der erwarteten langen Trennung damals noch wirklich Sicherheit versprachen. Heute ist die Ehe und das Eheversprechen oft zur Makulatur verkommen - wohl dank der vielen Reize des Alltags, der allgemeinen Oberflächlichkeit und halt der vielen "Möglichkeiten" übers Internet, Kollegen e.t.c. Und natürlich hat sich auch die Rolle der Geschlechter durch die Angleichung von deren Rechten und Selbstbewusstsein geändert. So muss die Frau seit 1956 nicht mehr ihren Mann fragen, ob sie einen Führerschein erwerben will..., um nur ein einfaches Beispiel zu nennen.
Angesichts der hohen Scheidungszahlen und der vielen Ehen, in denen nur noch nebeneinander her gelebt wird, fragt man sich als Singel natürlich, warum noch immer so viele Leute dieses unkalkulierbare Wagnis eingehen. Denn im Falle einer Scheidung stehen die Parteien oft nicht nur vor einer Menge Kosten, sondern auch von einem oft nicht enden wollenden zermürbenden Hickhack um die Kinder, was natürlich zu Lasten der Kinder geht, aber auch um den erarbeiteten Besitz. Denn entgegen dem Rat der Juristen, werden nur wenige Eheverträge abgeschlossen. Ohne feste Ehebande dürftem die Probleme nicht so groß sein - eben weil es nicht so dicke rechtliche Ketten zu sprengen gilt.
Natürlich muss jeder selbst entscheiden, welche Lebensform für ihn oder für sie richtig ist. Aber angesichts der menschlichen Katstrophen, die gerade Scheidungen oft bedeuten, wäre vielleicht auch hier eine neue Entwicklung sinnvoll. Na, spätestens seit 1968 gibt es die ja schon: Patchwork, Singel, "Harem" wie bei bei Kommune 1-Veteran Langhans usw.. Sicher auch mit Ecken und Kanten, aber im Falle von Trennungen mit weniger Konfliktpotential zum Wohle aller Beteiligten...
Niemand kann doch allen Ernstes am Tag der Eheschließung in dieser schnelllebigen Zeit voraussagen, dass er noch in 20 oder 30 Jahren zu seinem Partner stehen wird? Von daher sollte das Eherecht überarbeitet, der Zeit und den Menschen halt angepasst werden - wenn sie sich denn schon verheiraten wollen. Und wenn schon das Recht nicht angepasst wird, dann doch wenigstens das menschliche Verhalten? Vor dem Hintergrund der Scheidungen wäre der Gesetzgeber gut beraten, eheähnliche Lebensgemeinschaften der Ehe endlich vollkommen gleichzustellen, ohne aber dieselben Ketten wie für Eheleute anzulegen...Das hieße z.B. auch, den Charakter der Ehe als wenigstens z.T. materiell orientierte Zweckgemeinschaft zu hinterfragen. Denn um durch "dick und dünn" zu gehen, braucht es materielle Abhängigkeiten nicht. Dafür sind ganz andere Werte ausschlaggebend, solche eben, die heute vielfach auf der Strecke bleiben. Und die wiederum sind vom Ehestatus vollkommen unabhängig.
Herr Taft
05.09.2011, 14:54 Uhr
alles Weicheier
Lieber Herr Schwarzberg, auch auf die Gefahr hin als konservativ, altbacken und unmodern zu gelten. Die Ehe dient der Schaffung einer Konstanten in einer sonst unsicheren Welt. Ich glaube es ist viel zu leicht, Ehen wieder zu lösen. In meinen Augen sollte das Auseinanderlaufen gerade wenn Kinder da sind oder wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen wesentlich erschwert werden.

Eheverträge konterkarieren das Eheversprechen - heißt es doch, dass im Grunde - wirtschaftlich - doch jeder für sich selber kämpft. Eine Ehe bedeutet ein Stück Selbstaufgabe und das fällt den meisten Menschen immer schwerer. Kompromisse schließen, nicht immer auf der eigenen Meinung beharren und ein wenig Toleranz den Eigenheiten seines Partners gegenüber. Das sind die Eigenschaften, die in dieser Welt langsam abhanden kommen. Dummerweise wird der Mensch dazu erzogen. Wer ein wenig "Liebe" sucht, ruft eine Hotline (für Akademiker und Singles mit Niveau *lach*) an und bekommt vom "Headhunter" das passende Gegenstück serviert. Die Phase des Suchens und Findens wird übersprungen, Erfahrungen nicht gemacht - insofern handelt es sich um unerfahrene pubertierende Anfänger, die sich in die Ehe stürzen - die dann eben deshalb scheitern muss. Niemand ist mehr wirklich bereit auch mal ein paar "schlechte" Jahre durchzustehen und die Verantwortung füreinander zu übernehmen. Alle die harten Typen, die Fitnessstudiogestählt auf Brautschau gehen und sich die dünngehungerten Barby-Doubles in der Disse suchen sind im Grunde absolute Weicheier, die Angst davor haben, Nägel mit Köpfen zu machen.
Wolfi65
05.09.2011, 17:42 Uhr
Nur die Ruhe!
Die Gefahr, dass die Menschheit wegen des propagierten Lebens als Singel ausstirbt, halte ich für gering.
Ab und zu treffen sich die verschiedenen Geschlechter in öffentlichen Begegnungstätten um vermeintlich nur zu kommunizieren.
In Wirklichkeit rufen die Hormone das Unvermeidliche auf die Tagesordnung. Man läd sein Gegenüber vielleicht noch auf ein Gläschen nach Hause ein. Dabei kommt es ab und zu nach gewissen Handlungen vor, dass ein Sproß entspringt.
Wenn man der Presse Glauben schenkt, werden in Deutschland auch wieder mehr Kinder geboren.
Also Kopf hoch, denn am Horizont geht es weiter...
Bodo Schwarzberg
05.09.2011, 20:30 Uhr
Nussbaum hat zum Thema Ehe nicht unrecht
Natürlich ist die Ehe die erbrobteste und für die Kinder sicherste Beziehungsform. Jahrhundertelang hat sie funktioniert, lange jedoch als Hort allein männlicher Autorität. In diesem Sinne frisst die 68-er Revolution ihre Kinder. Denn in dem Maße, wie sich die alten Rollenmuster in den Ehen auflösten (Frau an den Herd, Mann bringt das Geld), wurde das Modell brüchig.

Der Sicherheitsaspekt der Ehe, den Nussbaum anspricht, ist heute allenfalls noch psycholgisch gegeben. Materiell gesehen ist die Ehe nicht mehr unbedingt notwendig, jeder kann sich heut selbst versorgen oder wird vom Staat versorgt, wenngleich man oft den Eindruck gewinnt, sie werde auch unter materiellen Gesichtspunkten geschlossen. Ein Mann mit Geld scheint auch heute noch wenigstens manchen Frauen etwas einseitig als Hort der Sicherheit vorzuschweben.

Es wäre schön, wenn sie ihrer alten Rolle der tatsächlichen und nicht eingebildeten Geborgenheit noch mehr gerecht werden könnte, als gegenwärtig zu beobachten. Aber wie Nussbaum richtig schreibt: Die Menschen werden zur "Leichtigkeit des Seins", zum Probieren und zur Flucht vor Problemen erzogen. Nur auf Grund dieser Realität schrieb ich, sollte das Modell Ehe angepasst werden, nicht aber, weil ich es in seiner Grundanlage für überholt halte.
Herr Taft
06.09.2011, 10:18 Uhr
spannend - Herr Schwarzberg sollten wir uns mal einig sein ?
in einem Punkt muss ich Ihnen (im Kontext mit dem Kommentar von Wolfi) widersprechen:

die wirtschaftliche Absicherung ist für Frauen sehr wohl ein Thema. Die Frau bekommt das Kind und ist zwangsläufig außer Gefecht. Es ist zwar möglich aber in seiner Machbarkeit eher fragwürdig einen Säugling vom Papa betreuen zu lassen.

Das Rollenverständnis, welches Sie beschreiben, Herr Schwarzberg ist heute natürlich überholt. Das ändert jedoch nichts daran, dass sich viele Dinge gemeinsam einfach besser bewältigen lassen und die Pflicht zum gemeinsamen Bewältigen (auch in schweren Tagen) aus der Ehe erwächst. Als Lebensgemeinschaft trennt es sich leicht - in der Ehe ist es (etwas) schwieriger. Natürlich ist die Psychologie von Bedeutung: - wer möchte schon ein Versprechen vor dem Herrn brechen, oder das gemeinsame Häuschen verkaufen, die Kinder nur noch alle zwei Wochen sehen. Man (auch Frau) wägt die Vor- und Nachteile einer Trennung gegeneinander ab und solange die Nachteile einer Trennung (wirtschaftlich, sozial und natürlich emotional) überwiegen wird sie nicht passieren. In der Lebensgemeinschaft trennt man sich schnell mal "aus einer Laune heraus", im Streit oder wegen eines neuen Partners.

Die 68er haben nicht die Ehe kaputt gemacht - sie haben sie nur auf ein neues Level gehoben. Das ist aber auch mehr Psychologie. Toleranz in den Köpfen und Respekt für seinen Partner hat nichts mit der Ehe zutun.
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