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Fr, 12:53 Uhr
09.09.2011

Leben selbst genommen

Morgen ist - wenn Sie es nicht schon wissen - Welt-Suizid-Präventionstag. Anlass für uns, mal zu wissen wie viele Menschen im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis sich das Leben genommen haben...


Im vergangenen Jahr setzten 327 Thüringer ihrem Leben selbst ein Ende. Das waren nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik anlässlich des Welt-Suizid-Präventionstages genauso viele Personen wie im Jahr 2009. Der Anteil an allen Todesfällen betrug, wie bereits im Jahr zuvor, 1,2 Prozent. Mit 14,6 Suiziden je 100 000 Einwohner stieg die Sterbeziffer im Jahr 2010 gegenüber dem Jahr zuvor um 0,1 Prozentpunkte. Weit mehr als drei Viertel (79,2 Prozent) aller Suizide wurden von Männern verübt.

Das durchschnittliche Sterbealter der durch Suizid Verstorbenen lag im Jahr 2010 bei 58,7 Jahren. Das waren 2,7 Jahre mehr als im Jahr zuvor. Frauen nahmen sich im Durchschnitt mit 62,8 Jahren das Leben, Männer mit 57,7 Jahren. Mehr als die Hälfte (167 Personen bzw. 51,1 Prozent) waren im Alter zwischen 40 und 70 Jahren.
36 Menschen bzw. 11,0 Prozent setzten im Alter zwischen 10 und 30 Jahren ihrem Leben ein Ende.

Besonders hoch war auch der Anteil in der Altersgruppe der 70- bis unter 80-Jährigen (57 Menschen bzw. 17,4 Prozent). Häufigste gewählte Todesart war „Erhängen, Strangulierung oder Ersticken“ (226 Fälle bzw. 69,1 Pro-zent), vor „Selbstvergiftung“ (44 Fälle bzw. 13,5 Prozent), und „Vorsätzliche Selbstbeschädigung durch eine Schusswaffe“ (15 Fälle bzw. 4,6 Prozent).

Im Jahresverlauf 2010 wurden die meisten Suizide im Mai (39 Sterbefälle), die wenigsten im Februar (21 Fälle) verübt. Die meisten Menschen nahmen sich im Jahr 2010 an einem Sonnabend das Leben (56), gefolgt vom Mittwoch (55). Schlusslicht bildeten der Donnerstag und der Freitag mit jeweils 40 Sterbefällen.

Die höchste Suizid-Sterbeziffer wurde für den Wartburgkreis ermittelt (19,8 Verstorbene je 100 000 Einwohner), die niedrigste für den Landkreis Eichsfeld (4,7 Verstorbene je 100 000 Einwohner).

Im Landkreis Nordhausen hatten sich im vergangenen Jahr 12 Frauen und Männer das Leben genommen, im Kyffhäuserkreis waren es 15.
Autor: nnz

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Kommentare
carino
09.09.2011, 15:38 Uhr
Traurige Bilanz
ich wußte gar nicht das über solche Fälle Statistiken geführt werden. Es ist sehr traurig wenn Menschen keinen Ausweg mehr sehen. Was sind die Gründe? Krankheit? Beziehungsprobleme? Stress mit Behörden?

Wieviele Fälle aber gibt es wo die Selbsttötung mißlingt? Was geschieht mit diesen Leuten? Nun sie werden mit Medikamenten ruhig gestellt und weggesperrt, und das mit behördlicher Unterstützung z.B. durch das hiesige Amtsgericht. Gerade bei diesen Fällen könnte man sicherlich die Hintergründe erkennen und bekämpfen, z.B. wenn es um Mobbing geht. Aber das macht ja Arbeit und man müsste eventuell gegen Täter vorgehen.

Also erstellt man lieber schnell eine Statistik für die, welche nicht mehr leben. Herzlichen Glückwunsch
Bodo Schwarzberg
09.09.2011, 17:10 Uhr
Suizide - trauriges Spiegelbild unserer Gesellschaft
Der Hauptgrund für Suizide sind Depressionen. Diese werden nach aktuellen Studien aber viel zu selten erkannt, und zwar v.a. bei Männern. Diese seien all zu oft dem Klischee verhaftet, eine solche "Schwäche" dürfe nicht bekannt werden. Der ekannteste Fall der jüngsten Zeit ist wohl der des Hannover 96-Torwarts Robert Enke, von dessen Problemen kaum jemand außerhalb der Familie wusste. Frauen neigen eher zum Sprechen mit anderen. Ärzte versagen regelmäßig beim erkennen von Depresionen und bei der Einleitung adäquater Maßnahmen. Nach jüngsten Erhebungen wird nur ein Bruchteil der Patienten richtig behandelt.
In Deutschland nehmen sich etwa doppelt so viele Menschen das Leben (12.000) wie bei Autounfällen ums Leben kommen (ca. 6.000).
Das sollte uns zu denken geben!
Mittlerweile geht die Tendenz dahin, dass psychische Erkarnkungen derart auf dem Vormarsch sind, dass sie andere Erkrankungen für Arbeitsausfälle zunehmend verdrängen. Zudem sind die Krankschreibungen bei Depressionen überdurchschnittlich lang.
Hausärzte berichten mir immer wieder vcn der zunehmenden Sprachlosigkeit in den Familien, zwischen Nachbarn u.s.w. Die Vereinsamung im Alter ist ein grpßes Problem, was sich in der obigen Statistik deutlich widerspiegelt.
Die Tatsache, dass es viele Menschen in dieser Leistungsgesellschaft nicht schaffen, ihrer Probleme Herr zu werden, oder aber auch einmal Schwächen, Niederlagen und Verluste zu akzeptieren, dürfte Auswirkungen auf die traurige Statistik haben. Mobbinmg, Ellenbogengesellschaft, Individualisierung, Auflösung sozialer Strukturen - nicht jeder steckt so etwas weg.
Die Suizide sind mit Ausdruck des Zustandes unserer Gesellschaft. Ein glücklicher Mensch mit einem ausgefüllten Leben, mit Interessen, einem von ihm akzeptierten sozialen Status (heute ganz wichtig!), bringt sich nicht um.
In diesem Zusammenhang denke ich oft an zwei Unternehmer, die ich in Halle einst für frühere Bücher interviewte und die sich das Leben nahmen:
Der eine war mit seinem Autohaus Pleite gegangen und empfand sich als Versager. Er erhängte sich. Der Zweite hatte sich und seiner Familie ein Haus gebaut, dass er infolge von Auftragsrückgängen und Zahlungsausfällen nicht mehr bezahlen konnte. Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch, bei dem er mir völlig fertig schien. Er fuhr gegen einen Baum.
Gegenwärtig kümmere ich mich um eine Bekannte, um eine arbeitslose junge Frau mit zerrütteter Familie, die 300 km weit weg wohnt, die selbst bereits in stationärer psychiatrischer Behandlung war und die auch noch vor kurzem ihren Vater (ihre letzte "Säule") nach dessen Selbstmord entdecken musste und die ganz allein lebt.
Diese Sache hat auch mich nicht kalt gelassen und ich versuche ihr trotz der Entfernung vor allem mit Gesprächen zu helfen. Ihre Situation ist für mich ein Sinnbild für Auslösungserscheinungen in unserer Gesellschaft und ihre Folgen und für ihre Hilflosigkeit gegenüber Jenen, die es schwer haben, ihren Anforderungen gerecht zu werden. Um das näher verständlicher zu machen, müsste ich hier noch mehr über das Leben der jungen Frau schreiben, was ich natürlich nicht tue.
NDHler
09.09.2011, 22:10 Uhr
Sehr geehrter Herr Schwarzberg,
wie erklären Sie den Usern hier, dass die Slebstmordrate zum Beispiel im Jahre 1982 in der damaligen kapitalistischen BRD bei 24,7 je 100.000 Einwohner und in der DDR bei 44 je 100.000 Einwohner lag. War der Kommunismus tatsächlich eine Leistungsgesellschaft wie Sie es in ihrem „kurzen“ Beitrag beschreiben? Heute liegt die Rate bei 14,6 je 100.000 Einwohner. Das ist Schlimm genug, nur ihre Theorie erscheint mir falsch oder schlecht recherchiert Herr Schwarzberg.
Bodo Schwarzberg
10.09.2011, 03:25 Uhr
Warum so wenig Suizide im Eichsfeld?
Das ist mir erst beim zweiten Lesen aufgefallen. Ich denke, dass sich hierin Folgendes zeigt: Wer glaubt, und zwar egal woran, der lebt stabiler, als andere Menschen. Und die Eichsfelder sind für ihren tief verwurzelten katholischen Glauben bekannt, der sie selbst während der DDR-Zeit weitestgehend immun gegen die ideologische Einflussnahme seitens der SED machte.

Dass die Partei so wenig im Eichsfeld ausrichten konnte, sicherlich trotz Drucks, Einschüchterung und trotz so mancher Verhinderung beruflicher Karrieren, dürfte meine obige These unterstreichen.

Dieser Glaube ist zudem immateriell, er steht über dem, was die Menschen ansonsten so alles an oftmals oberflächlichen, vergänglichen Dingen im Leben umgibt und wovon sie sich abhängig machen. Alles Materielle und Menschliche kann verloren gehen, was Selbstaufgabe wahrscheinlicher macht, der Glaube unterliegt dieser Gefahr am wenigsten. Er hilft bei der Bewältigung von Schicksalsschlägen jedweder Art, denn er bleibt, was auch immsr sonst verloren geht: Job, Beziehung, Geld.

Dieser Glaube kann meines Erachtens aber auch durch ein bestimmtes Hobby bzw. eine Beschäftigung ersetzt werden, in das bzw. in die man sich hineinvertiefen, ja zurückziehen und einkapseln kann. Da fällt mir die Schachnovelle von Stefan Zweig ein: Um in Isolationshaft bei den Nazis nicht wahnsinnig zu werden (Suizid zu begehen?), vertiefte sich ein Häftling in ein kleines Schachbüchlein, das er einem Nazi-Beamten beim Verhör in einem unbeobachteten Moment entwendet hatte.

Später besiegte er einen Großmeister, obwohl er zuvor noch nie an einem Schachbrett saß. In seiner Haft aber hatte er die Schachtheorie dermaßen verinnerlicht und sich damit von seiner lebensbedrohlichen Situation so abgelenkt, dass er zu einem Weltklassespieler wurde.
Ich weiß nicht, ob es diese Situation real gab.

Verbürgt aber ist die Geschichte eines politischen Häftlings in der DDR, der jahrelang in Einzelhaft saß. Er hatte nur ein Stück Seife und ein Streichholz. Mit Letzterem malte er geometrische Figuren auf die Seife und vertiefte sich in sie. Er wurde nicht wahnsinnig und wurde später in den Westen freigekauft. Hierzu entstand später ein Spielfilm. Dieses sich nicht Aufgeben dürfte elementar sein, um sich vor dem ultimativen Absturz zu schützen. Ein noch dramatischeres Beispiel dürfte die Geschichte des tschechischen Auschwitz-Häftlings Adolf Burger sein, der fünf KZs überlebte und in seinem Buch "Des Teufels Werkstatt" beschreibt, wie es ihm gelang, selbst in ausweglosesten Situationen, ja selbst unmittelbar vor der Gaskammer, Lösungen zu finden, die ihm das Überleben bis hin zur Befreiung aus seiner letzten Station, dem KZ Mauthausen, ermöglichten.

Viele seiner Mithäftlinge hatten die schrecklichen Bedingungen und die offensichtliche Aussichtslosigkeit auf Dauer nicht "ertragen" und den Freitod im Starkstromzaun gewählt. Burger wurde vor allem bekannt durch seine Tätigkeit in der Fälscherwerkstatt der Nazis in Sachsenhausen, wo er mit andenen Mithäftlingen Falschgeld (Dollars und Pfundnoten) herstellen musste. In Sachsenhausen bekam er regelmäßig zu hören, dass niemand der "Fälscher" das KZ überleben könne und dürfe. Welch ein entsetzlicher Druck hat auf diesen Menschen gelastet und was ließ sie dennoch nicht vollends verzweifeln?

Weiterhin dürften Ängste eine Mentalitätsfrage sein: Gerade erst ist eine Studie über die Ängste der Deutschen erschienen. Die geringsten wurde den Berlinern bescheinigt. Und wer die Berliner mit ihrer "Schnauze mit Herz" kennt, der kann sich auch vorstellen, dass sie mit Krisen ganz gut umgehen können: Symbolisch steht dafür vielleicht die vielfach zitierte Grundeinstellung der Berliner nach dem Inferno des Zweiten Weltkrieges, sinngemäß so etwa: "Wir sind ja noch einmal davon gekommen."

Vielleicht können diese zugegebenermaßen extremen Beispiele ja ein paar Gedanken für all Jene enthalten, die derzeit depressiv sind und vor scheinbar ausweglosen Situationen stehen. Ein Patentrezept dürfte es freilich nicht geben. Es gibt aber Beispiele aus der Geschichte und der Gegenwart, an denen man sich vielleicht ein wenig orientieren kann.
Bodo Schwarzberg
10.09.2011, 11:26 Uhr
NDH-ler: DDR-Suizide nicht mein Thema
Ich widmete mich doch ausschließlich der heutigen Situation, lieber NDHler. Von der DDR steht doch gar nichts in meinem Beitrag? Von daher finde ich Ihren Vorwurf schlechter Rechersche unhaltbar.
Andererseits bestätigen Sie aber mit Ihrer Zahl (woher haben Sie sie?) meine Aussagen: Die Selbstmordrate ist EIN Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft. - Und wir wissen ja, wie die DDR geendet hat. Von daher sollten wir auch die gesamtbundesdeutsche Suizidstatistik sehr ernst nehmen, noch ernster aber die Rate Depressiver. Haben Sie hierzu vielleicht auch vergleichende Zahlen? - Bei den Depressiven ist immerhin noch etwas zu retten, bei den erfolgreichen Selbstmördern hingegen nicht mehr.
Seien Sie doch froh, dass wir trotz der vielen Depressiven im Vergleich zur DDR relativ wenige erfolgreiche Suizide haben. Allerdings befürchte ich einen Anstieg in den nächsten Jahren, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass sich eine Zunahme psychischer Erkrankungen nicht auch auf die Selbstmordrate auswirkt.
Was die Länge meiner Beiträge angeht: Ich denke, diese ist jedem Kommentator selbst überlassen. Und zu lang für Sie war ja mein Beitrag offenbar nicht: Schließlich haben Sie ihn gelesen. Und ob Sie meine langen Beiträge lesen, steht Ihnen vollkommen frei.
NDHler
10.09.2011, 12:22 Uhr
@Herr Schwarzberg
Nein das stimmt, aber auf die heutige Leistungsgesellschaft haben sie sich bezogen. Die müsste ja dann eine positive Auswirkung haben, die Zahlen gehen ja zurück!
carino
10.09.2011, 12:45 Uhr
Komischer Chat
wenn ich die Kommentare des Herrn Schwarzberg und dem user NDH-ler lese wirft sich mir eine Frage auf.Habt ihr beiden ein persönliches Problem? Meine Kommentare wurden wegen weniger freier Meinungsäußerungen gesperrt. Aber das ist nicht das Thema. In meinem ersten Kommentar hatte ich die Frage gestellt was denn mit den Leuten passiert denen eine Selbsttötung misslingt und auch aus eigener Erfahrung schon gesagt wie Behörden da handeln.

Warum kümmern wir uns nicht um diese Menschen und versuchen Ihnen bei der Problembewältigung zu helfen um die Ursachen wie Mobbing, behördenwillkür, usw. zu bekämpfen? Wenn uns dies gelingen würde, wär die nächste Statistik über Selbstmorde erfreulicher. Denn den Menschen denen Ihr Vorhaben gelungen ist können wir nicht mehr helfen und die können sich auch nicht mehr wehren.

Vielleicht zum Glück für die Menschen, welche daran Schuld sind andere Leute in eine ausweglose Situation zu bringen. Denkt mal darüber nach.
Bodo Schwarzberg
10.09.2011, 14:11 Uhr
Leistungsgesellschaft: nachweislich mehr psychische Erkrankungen.
Erst einmal finde ich es sehr wichtig, dass sich die nnz diesem oft verdrängten Thema annimmt und dass hier sogar einige mitdiskutieren und sich der Problematik nicht verschließen. Wie ich ja schon schrieb (ich wiederhole mich): Es ist erfreulich, wenn wir sinkende Suizidraten haben, aber die Freude darüber sollte angesichts der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen mit der potentiellen Gefahr dauerhafter Behinderungen und potentieller Suizidgefahr begrenzt sein.

Schließlich geht es (ich wiederhole mich wieder) um die Heilung der "Vorstufen", um das Verstellen der Weichen, in eine Richtung, die nicht Suizid heißt. Sich auf positiven Zahlen auszuruhen halte ich für sehr gefährlich. Sie dürfen kein Ruhekissen sein und sie sind vor allem KEIN Spiegelbild einer zufriedenen Gesellschaft. Denn wenn sich weniger Leute umbringen, heißt das schlichtweg nur, dass es weniger tun, nicht aber, dass sich die Verhältnisse, siehe Zunahme psychischer Erkrankungen, gebessert haben.

Ein Googlen zum Thema Leistungsgesellschaft und Burn out/Depression u.s.w. gibt schnell Auskunft über die Situation. Erst jüngst gab es eine Studie (ich glaube von einer Versicherung), die von 130 Mio. psychisch Kranken in Europa mit steigender Tendenz sprach. Die besten Beiträge stehen aus meiner Sicht in "Heilpraxis net."

Zudem empfehle ich allen Interessenten mal ein Gespräch mit leitenden Mitarbeitern von mit der Betreuung psychisch Kranker befasster Unternehmen und gemeinnütziger Organisationen: Die zeichnen einen ebens dramatischen Trend über Menschen, die mit den heutigen Anforderungen nicht mehr klarkommen und die dann früher oder später umfassend betreut werden müssen. Erst jüngst führte ich ein entsprechendes Interview mit Vertretern einer Firma in der Region.

Im Übrigen denke ich, dass die Ursachen für Suizide in der DDR unterschiedlich zu den heutigen waren. Tatsächlich spielten damals vielfach politische Ursachen eine wichtige Rolle, z.B. unter Personen, denen man die Ausreise zu nächsten Verwandten verweigerte und diese Leute zusätzlich noch unter Druck setzte, politisches Mobbing a la DDR.

Existenzängste und Selbstwertprobleme infolge materieller/finanzieller Verluste, wie heute oft ursächlich, dürften eher weniger eine Rolle gespielt haben. Es gibt dazu eine Menge Literatur, z.B. "Leichensache Kolbeck" von Girod zu den Selbstmorden in der DDR u.a..
Bodo Schwarzberg
10.09.2011, 14:37 Uhr
Carino: Es wird viel, aber zu wenig und an der falschen Stelle getan
Ich hatte als Autor erst kürzlich mit einem Unternehmen zu tun, dass sich um psychisch (neu) Erkrankte kümmert. Es ist bei uns heute so, dass jeder, der erst einmal eine entsprechende Einweisung (in eine stationäre psych. Betreuung) erhält, eine sehr gute, fachlich fundierte Behandlung erhält. Und zwar auf lange Sicht.

Auf diesem Gebiet wird mehr, und zwar viel mehr getan als zu DDR-Zeiten.Das Problem an der Wurzel zu packen bedeutete aber, die Gesellschaft mit ihren Anforderungen grundlegend zu ändern. Und das dürfte sehr schwer sein, wenn man bedenkt, dass der wirtschaftliche Druck auf Unternehmen und Mitarbeiter meist ursächlich ist.

Aus meinem Umfeld weiß ich, dass Diejenigen, die ambulant behandelt werden, dies eine Zeitlang finanziert bekommen. In diesem "eine Zeit lang" liegt meines Erachtens ein großes Problem. Dadurch dürften einige Gefährdete durchs Raster der Kontrolle fallen. Aber da sind wir wieder bei den Kosten: All das muss ja finanziert werden. Und das angesichts steigender Krankheitszahlen. Ich halte es für wichtiger, die Allgemeinmediziner mehr zu schulen, denn wie ich schon schrieb, werden psychsische Erkrankungen ÜBERWIEGEND NICHT von ihnen erkannt!

Es soll eine sehr hohe Dunkelziffer unerkannter Erkrankungen geben, v.a. unter Männern, weil diese sich oft nicht trauen, über ihre Probleme zu sprechen.

Wichtig ist aber auch ein Umdenken der Mitmenschen:Längst sind diese Erkrankungen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. In den USA gehört es zum Lifestyle, einen Psychater zu haben, hier ist das für manche schon fast ein Ausgrenzungsgrund.
Wenn sich der Umgang untereinander ändert, dann würden viele Burn Outs und Depris gar nicht erst entstehen. Und das ist auch unter den Bedingungen der Leistungsgesellschaft möglich. Denn das hängt von jedem Einzelnen ab. Jeder kann es beeinflussen, wie er mit anderen Menschen umgeht. Und Menschen, die erkrankt waren oder sind, dürfen nicht ausgegrenzt werden.

Mehr Aufmerksamkeit untereinander und mehr Einstellung auf die Möglichkeiten und Wünsche des Einzelnen in den Unternehmen,würde am Ende auch Millardenkosten durch Arbeitsausfälle und Behandlungen sparen. Was passier en kann, wenn dies nicht geschieht, zeigten die fast wöchentlichen "Fensterstürze" von Mitarbeitern der France-Telekom vor einigen Jahren, auf Grund unhaltbarer Zustände an ihrem Arbeitsplatz.
carino
10.09.2011, 18:00 Uhr
Sinnlos
Ich klinke mich hier an dieser Stelle aus dem Chat aus. Herr Schwarzberg versteht ganz einfach nicht worauf ich hinaus will. Sie beführworten ja noch das wegsperren! so kann man natürlich verantwortliche nicht zur Rechenschaft ziehen. Schade ,von einem Autor hatte ich mehr erwartet. Aber naja... ich denk mir mein teil.
Bodo Schwarzberg
10.09.2011, 19:28 Uhr
Chat-Ende: Lieber oder liebe Carino
und zugleich an die Redaktion: Auch ich beende hiermit den Chat. Allerdings nicht ohne Carino gegenüber meine Verwunderung über seine Behauptung zum Ausdruck zu verleihen, ich würde das "Wegsperren" psychisch Kranker beführworten. Ich habe mir meinen Beitrag von vorhin noch einmal durchgelesen, konnte aber nichts Dergleichen finden. Ich vermute, dass Sie vielleicht meine Bemerkung über die eventuelle Einweisung in eine Fachklinik oder Fachbetreuung meinen. Diese Menschen werden aber nicht weggesperrt. Ich bin zwar kein Psychiater und auch kein Sozialpädagoge, aber so weit ich den Gesprächen mit Fachleuten entnehmen konnte, erfolgt eine Einweisung niemals gegen den Willen der Patienten, sondern immer nach der gestellten Diagnose und bei "Gefahr im Verzuge". Ich selbst schrieb (vielleicht haben Sie es gelesen) von einer Bekannten, die sich zweimal bereits freiwillig "wegsperren" ließ, um Ihre Worte zu gebrauchen, und die als fast geheilter Mensch wiederkam. "Einweisen heißt doch nicht Haft, sondern Therapie. So mancher potentieller Suizident konnte so auf einen besseren Weg gebracht werden. Ich empfehle Ihnen nochmals, sich näher mit Hilfsorganisationen bzw. Unternehmen zu beschäftigen oder sich vielleicht auch einmal mit Patienten zu unterhalten oder sich diese Einrichtungen anzuschauen, z.B. auch hier in Nordhausen. Dann werden Sie Ihr Bild vom so genannten (mittelalterlichen) "Wegsperren" revidieren müssen!
Ihre Reaktion zeigt mir, wie viel Unwissenheit über diese ernste Problematik in der Bevölkerung ist. Von daher würde ich mich freuen, wenn sich die nnz bald wieder dieses Themas annehmen würde. Eventuell erarbeite ich demnächst auch einen eigenen Beitrag dazu. (Chat-Ende!)
carino
11.09.2011, 12:36 Uhr
persönliches kennenlernen
lieber herr schwarzberg, sie können sich sehr gern mit mir persönlich einmal in verbindung setzen. dann kann ich ihnen erklären, was ich meine und dann können wir auch gern zusammen einen beitrag erarbeiten.
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