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So, 11:43 Uhr
18.09.2011

Keine großen Erwartungen

Die Deutschen haben keine großen Erwartungen an den Besuch von Papst Benedikt XVI. 53 Prozent gehen davon aus, dass der Aufenthalt des Oberhauptes der ka­tholischen Kirche in Deutschland keine entscheidenden Impulse bringen wird. Nur 41 Prozent rechnen dagegen mit konkreten Ergebnissen. Das zeigt eine repräsentative Meinungsumfrage von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung...

Grafik (Foto: Bertelsmann-Stiftung) Grafik (Foto: Bertelsmann-Stiftung)

Trotz der eher skeptischen Grundeinstellung zum Papstbesuch werden in einigen Bereichen kon­krete Ergebnisse erwartet. 41 Prozent der Befragten glauben an Fortschritte in der Zusammenar­beit zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Eine Intensivierung des Dialogs zwischen Christen, Muslimen und Juden erwarten lediglich 35 Prozent der Befragten. Ebenfalls nur etwa jeder Dritte meint, dass der Papst Impulse für die Modernisierung der Kirche geben wird. 37 Pro­zent gehen davon aus, dass durch den Papst eher konservative Positionen und kirchliche Grund­sätze verstärkt werden.

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Eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent der Befragten wünscht sich zwar eine Öffnung und Libe­ralisierung der katholischen Kirche, aber lediglich jeder Dritte rechnet mit entsprechenden Aussa­gen des Papstes. Nur 11 Prozent halten die gegenwärtige Verfassung der Kirche für gut. Weitere 11 Prozent erhoffen sich eine stärkere Rückbesinnung auf die ursprünglichen Traditionen der ka­tholischen Kirche.

Der Wunsch nach einer Öffnung ist bei den über 30-Jährigen stärker ausgeprägt als bei Jugendli­chen und jungen Erwachsenen. „Aus dem Unterschied zwischen den Reformwünschen der Men­schen und der erwarteten Reformbereitschaft des Papstes lässt sich zum Teil erklären, weshalb die Aussagen des Papstes für nur den kleineren Teil der Deutschen Gewicht haben“, interpretiert Projektleiter Ferdinand Mirbach dieses Ergebnis der Umfrage. Denn nur für jeden fünften Befrag­ten sei es wichtig, was der Papst sagt. Selbst unter den Katholiken sei das Wort des Heiligen Va­ters für nur 37 Prozent von Bedeutung.

Mit einem stärkeren Bekenntnis der Deutschen zum Christentum durch den Papstbesuch rechnen 35 Prozent. Diese Meinung wird von Katholiken (43 Prozent) deutlich stärker vertreten als von Konfessionslosen (23 Prozent).

Die Umfrage belegt aber auch, dass die religiöse Identität der Deutschen trotz Kirchenaustritten und Missbrauchsfällen nicht gelitten hat. Knapp 20 Prozent der Befragten bezeichnen sich als sehr oder ziemlich religiös, 35 Prozent als mittel religiös, weitere 22 Prozent als wenig religiös. 24 Pro­zent wollen mit Religiosität nichts zu tun haben. Im Vergleich zur bereits 2007 durchgeführten Stu­die „Religionsmonitor“ der Bertelsmann Stiftung lässt sich feststellen, dass die religiöse Identität der Deutschen damit weitgehend stabil geblieben ist.

„Obwohl die kirchliche Bindung weiter abnimmt, bleibt die religiöse Identität weitestgehend kon­stant“, kommentiert Mirbach die Ergebnisse der Umfrage. „Die Skandale der Kirche haben also nur Auswirkungen auf die Bindekraft der Institution und nicht auf die Religiosität der Menschen.“

TNS Emnid befragte am 29. und 30. August 2011 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung insgesamt 1.008 Personen ab 14 Jahren.
Autor: nnz

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