Mo, 07:13 Uhr
19.09.2011
Enziane – Edelsteine des Herbstes (2)
Um den Deutschen Enzian (Gentianella germanica) zu finden, muss man nicht sehr weit fahren. Auf einigen noch nicht verbuschten, mageren Gipshügeln in der Umgebung von Nordhausen erfreut er den aufmerksamen Wanderer auch heute noch. In meinem letzten Beitrag schrieb ich über ihn.
Und ich kündigte Ihnen, liebe nnz- und kn-Leser an, Beiträge über weitere drei der in unserer Umgebung vorkommenden fünf Enzianarten in Wort und mit aktuellem Bild an. Um den Feld-Enzian zu finden, reicht Glück heute kaum aus. Das war vor 120 Jahren noch anders: So schrieben Vocke & Angelrodt 1986 in ihrem Buch Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend …stellenweise sehr häufig, doch nicht in jedem Jahre. – Nordhausen, am Kuhberge, Kohnstein, Harz-Rigi, Rüdigsdorf, Neustadt, Thyrathal, Ilfeld.
Heute sollte man schon genau wissen, wo sich seine letzten mitteldeutschen Fundorte befinden. In Thüringen waren es bis in die 90-er Jahre hinein noch drei von einst dutzenden, einer davon ganz in der Nähe bei Klettenberg westlich von Nordhausen gelegen. An diesem Standort, den der Botaniker Thomas 1993 entdeckte, wurde er jedoch seit mehreren Jahren nicht mehr gefunden. Den zweiten Standort bei Donndorf (laut Flora von Thüringen von Westhus und anderen 2006) kenne ich nicht.
Seit mehreren Jahren jedoch ist mir ein Standort im östlichen Kyffhäuser bekannt, der nach wie vor von Schafen beweidet wird. Dorthin fuhr ich am Sonntag – und war enttäuscht. Während ich am 10.09.2010 dort zwischen 200 und 300 blühende Feld-Enziane fand, sah ich gestern ganze zwei.
Weiterhin ist die Aufgabe der früher verbreiteten Schafbeweidung seiner Standorte zu nennen, die für den notwendigen Nährstoffentzug und für die Kurzgrasigkeit sowie Magerkeit sorgt. Schafe lohnen sich heute für den Landwirt kaum noch.
Maßnahmen:
Die Gefahr, dass der Feld-Enzian in Thüringen ausstirbt , ist real. Zwar wird sein letzter oder vorletzter Standort im Kyffhäuser gut beweidet, aber die drastischen Standortverluste der letzten 100 Jahre zeigen eine eindeutige Tendenz. Dass ich in diesem Jahr nur zwei Pflanzen fand, kann vielfältige Ursachen haben: So stellte ich eine erst kürzlich erfolgte Beweidung fest. Erfolgt sie aber während der Blütezeit, könnten die Pflanzen abgefressen werden. Geschieht dies öfters, ist eine dauerhafte Schädigung des Bestandes nicht auszuschließen. Eventuell hat der Art auch das trockene Frühjahr zugesetzt, denn der Feld-Enzian bevorzugt eher frische, tendenziell gleichbleibend feuchte Verhältnisse.
Wichtig ist zur Erhaltung dieser Enzianart für Thüringen eine regelmäßige Kontrolle des Standortes und eine Abstimmung der Bewirtschaftung mit den zuständigen Behörden. Und diese ist im Kyffhäuserkreis ganz hervorragend. Ich selbst setze mich seit 2009 für die Erhaltung des Feld-Enzians an seinem Standort im Kyffhäuser ein. Im von unserer BUND-Kreisgruppe im Villenpark Hohenrode geplanten Erhaltungsgarten für bedrohte Pflanzenarten werden wir versuchen, auch den Feld-Enzian anzusiedeln.
Ein weiteres Foto mit einer größeren blühenden Pflanze stammt von meinem Botanikerfreund Dr. John aus Halle. Er nahm es 2010 an einem Standort im Saalekreis bei Halle auf. Schließlich noch ein Foto vom Standort des Feld-Enzians in der Streuobstwiese am östlichen Kyffhäuser.
Und nicht zuletzt ein für Nordhäuser vielleicht ungewohntes Bild vom Kyffhäuserdenkmal und dem Fernsehturm Kulpenberg vor der untergehenden Sonne, da letzterer hier links des Denkmals steht. Auch dieses Bild habe ich gestern aufgenommen.
Als dritte Enzianart des Gebietes um Nordhausen und den Kyffhäuser, werde ich Ihnen im nächsten Beitrag den Fransen-Enzian Gentianella ciliata vorstellen.
Weitere, im Text nicht genannte Literatur: Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung von Barthel & Pusch 1999. Außerdem: www.floraweb.de
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzUnd ich kündigte Ihnen, liebe nnz- und kn-Leser an, Beiträge über weitere drei der in unserer Umgebung vorkommenden fünf Enzianarten in Wort und mit aktuellem Bild an. Um den Feld-Enzian zu finden, reicht Glück heute kaum aus. Das war vor 120 Jahren noch anders: So schrieben Vocke & Angelrodt 1986 in ihrem Buch Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend …stellenweise sehr häufig, doch nicht in jedem Jahre. – Nordhausen, am Kuhberge, Kohnstein, Harz-Rigi, Rüdigsdorf, Neustadt, Thyrathal, Ilfeld.
Heute sollte man schon genau wissen, wo sich seine letzten mitteldeutschen Fundorte befinden. In Thüringen waren es bis in die 90-er Jahre hinein noch drei von einst dutzenden, einer davon ganz in der Nähe bei Klettenberg westlich von Nordhausen gelegen. An diesem Standort, den der Botaniker Thomas 1993 entdeckte, wurde er jedoch seit mehreren Jahren nicht mehr gefunden. Den zweiten Standort bei Donndorf (laut Flora von Thüringen von Westhus und anderen 2006) kenne ich nicht.
Seit mehreren Jahren jedoch ist mir ein Standort im östlichen Kyffhäuser bekannt, der nach wie vor von Schafen beweidet wird. Dorthin fuhr ich am Sonntag – und war enttäuscht. Während ich am 10.09.2010 dort zwischen 200 und 300 blühende Feld-Enziane fand, sah ich gestern ganze zwei.
Merkmale:
Die vier violetten, rötlichen oder bläulichen Kronenblätter verrieten mir, dass ich tatsächlich den in Thüringen vom Aussterben bedrohten Feld-Enzian vor mir hatte, denn der Deutsche Enzian hat fünf davon. Im Gegensatz zu letzterem bleibt er mit einem 5 bis 20 cm langen Stängel oft kleiner. Außerdem sind die Kronblätter des Feld-Enzians fransenlos.Standort:
Im Gegensatz zum nahe verwandten, viel häufigeren Deutschen Enzian bevorzugt der Feld-Enzian kalkarme Lehmböden mit noch magereren, d.h. ungedüngten, kurzgrasigen Wiesen oder Streuobstwiesen mit konstanten, eher frischen Feuchteverhältnissen.Verbreitung:
Die Art ist auf Europa beschränkt und kommt innerhalb ihres Areals (=Verbreitungsgebiet) in Nordwest-, Nord- und Mitteleuropa, meist im Hügel- und Flachland vor. In ihrem gesamten Areal gilt sie als selten.Gefährdung:
In ganz Mitteleuropa gilt der Feld-Enzian als stark gefährdet. Von den zehn deutschen Bundesländern, in denen er nachgewiesen wurde, ist er in neun ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.Gefährdungsursachen:
An erster Stelle ist hier der Stickstoffeintrag aus der Luft zu nennen. Vor allem die Stickoxide aus dem Autoverkehr sorgen für eine Nährstoffanreicherung im Boden, wodurch Arten gefördert werden, die den konkurrenzarmen Feld-Enzian verdrängen.Weiterhin ist die Aufgabe der früher verbreiteten Schafbeweidung seiner Standorte zu nennen, die für den notwendigen Nährstoffentzug und für die Kurzgrasigkeit sowie Magerkeit sorgt. Schafe lohnen sich heute für den Landwirt kaum noch.
Maßnahmen:
Die Gefahr, dass der Feld-Enzian in Thüringen ausstirbt , ist real. Zwar wird sein letzter oder vorletzter Standort im Kyffhäuser gut beweidet, aber die drastischen Standortverluste der letzten 100 Jahre zeigen eine eindeutige Tendenz. Dass ich in diesem Jahr nur zwei Pflanzen fand, kann vielfältige Ursachen haben: So stellte ich eine erst kürzlich erfolgte Beweidung fest. Erfolgt sie aber während der Blütezeit, könnten die Pflanzen abgefressen werden. Geschieht dies öfters, ist eine dauerhafte Schädigung des Bestandes nicht auszuschließen. Eventuell hat der Art auch das trockene Frühjahr zugesetzt, denn der Feld-Enzian bevorzugt eher frische, tendenziell gleichbleibend feuchte Verhältnisse.
Wichtig ist zur Erhaltung dieser Enzianart für Thüringen eine regelmäßige Kontrolle des Standortes und eine Abstimmung der Bewirtschaftung mit den zuständigen Behörden. Und diese ist im Kyffhäuserkreis ganz hervorragend. Ich selbst setze mich seit 2009 für die Erhaltung des Feld-Enzians an seinem Standort im Kyffhäuser ein. Im von unserer BUND-Kreisgruppe im Villenpark Hohenrode geplanten Erhaltungsgarten für bedrohte Pflanzenarten werden wir versuchen, auch den Feld-Enzian anzusiedeln.
Fotos:
Die Fotos zeigen eines der beiden Exemplare vom gestrigen Sonntag (knospend und fast liegend). Ein weiteres Bild zeigt eine Knospe der Pflanze mit den für den Feld-Enzian typischen vier Kronenblättern, die infolge des gestrigen Regens geschlossen waren, ein Bild zeigt eine leuchtend violett knospende Pflanze aus dem Jahre 2010 (drei Knospen) vom Kyffhäuser.Ein weiteres Foto mit einer größeren blühenden Pflanze stammt von meinem Botanikerfreund Dr. John aus Halle. Er nahm es 2010 an einem Standort im Saalekreis bei Halle auf. Schließlich noch ein Foto vom Standort des Feld-Enzians in der Streuobstwiese am östlichen Kyffhäuser.
Und nicht zuletzt ein für Nordhäuser vielleicht ungewohntes Bild vom Kyffhäuserdenkmal und dem Fernsehturm Kulpenberg vor der untergehenden Sonne, da letzterer hier links des Denkmals steht. Auch dieses Bild habe ich gestern aufgenommen.
Als dritte Enzianart des Gebietes um Nordhausen und den Kyffhäuser, werde ich Ihnen im nächsten Beitrag den Fransen-Enzian Gentianella ciliata vorstellen.
Weitere, im Text nicht genannte Literatur: Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung von Barthel & Pusch 1999. Außerdem: www.floraweb.de
Bodo Schwarzberg






