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Mi, 11:55 Uhr
28.09.2011

Wohnort als Risiko

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland hängt erheblich vom Wohnort ab. Dies belegt das neue Internetportal www.faktencheck-gesundheit.de, mit dem die Bertelsmann Stiftung heute online geht. Für gegenwärtig 16 häufige Behandlungsgebiete zeigt es mittels interaktiver Deutschland-Karten starke Versorgungsunterschiede zwischen ein­zelnen Landkreisen...


...oder kreisfreien Städten, die beispielsweise nicht durch voneinander ab­weichende Alters- oder Geschlechtsstrukturen erklärbar sind. „Jeder Bürger kann beim Fakten­check Gesundheit selbst nachsehen, wie es bei den betrachteten Indikatoren um die Gesund­heitsversorgung in seiner Region bestellt ist“, sagte Vorstandsmitglied Brigitte Mohn bei der Vorstellung der neuen Website.
Risiko Wohnort (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Wohnort als Risiko (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Wohnort als Risiko (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Zu den vom Berliner IGES Institut analysierten Behandlungsgebieten gehören Kaiserschnitte, die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln und des Blinddarms, aber auch nichtoperative Verfahren wie Krankenhausbehandlungen bei Diabetes oder Depressionen.

Die regionalen Unterschiede sind erheblich: So werden Frauen aus dem Eifelkreis mehr als doppelt so häufig mit einem Kaiserschnitt entbunden wie Frauen in der Stadt Chemnitz. Männern aus dem Eifelkreis wird hingegen sechs Mal seltener die Prostata entfernt als Männern aus dem Bodenseekreis. Und noch größer sind die Unterschiede, wenn Kindern die Mandeln vollständig herausge­nommen werden: Dieser Eingriff wird in Schweinfurt acht Mal so häufig vorgenommen wie in Rosenheim.

Mögliche Ursachen für diese Differenzen werden für die einzelnen Behandlungsgebiete in der Studie bereits skizziert: Sie können unter anderem in unterschiedlichen Vertrags- und Abrech­nungsmodalitäten für ärztliche Leistungen liegen, dem grundsätzlichen Fehlen anerkannter me­dizinischer Leitlinien oder der individuell unterschiedlichen Behandlung durch einzelne Ärzte.

Die Bertelsmann Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, durch vertiefende Untersuchungen einzel­ner Behandlungsgebiete die Ursachen für diese regionalen Unterschiede genauer aufzuklären. Nach dem heute veröffentlichten Überblick werden vertiefende Reports zu unterschiedlichen Themen folgen. Den Anfang wird im Winter der Faktencheck „Antibiotika-Verbrauch bei Kin­dern“ machen. Darin finden Eltern nicht nur Informationen über regionale Unterschiede in der Antibiotikavergabe an Kinder, sondern auch ganz konkrete Tipps zum richtigen Umgang mit Antibiotika bei kleinen Patienten.

Der Patient muss in jedem Fall mit den regionalen Unterschieden umgehen. „Diese Unter­schiede können ein Indiz dafür sein, dass Patienten manchmal medizinische Leistungen erhal­ten, die sie eventuell gar nicht benötigen“, sagte Brigitte Mohn. „Um Veränderungen im System zu bewirken ist es notwendig, dass sich Arzt und Patient im Gespräch auf Augenhöhe begeg­nen. Die Bedürfnisse des Patienten müssen in der Behandlung berücksichtigt und Therapieent­scheidungen gemeinsam getroffen werden.“
Autor: nnz

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