So, 11:28 Uhr
01.01.2012
Die Pflanze von nebenan (3)
Heute möchte Bodo Schwarzberg Ihnen, liebe nnz/kn-Leser in der Reihe Die Pflanze von nebenan, ganz bewusst den Tüpfelfarn Polypodium vulgare vorstellen. Denn diese Pflanzenart ist wintergrün und kann deswegen auch jetzt beobachtet werden...
Der Tüpfelfarn gilt als Chamaeophyt, also als eine Pflanzenart, deren Erneuerungsknospe sich unterhalb 25 cm über dem Boden befindet. Oftmals bildet er größere, flächige Bestände, die sich durch sein kriechendes Rhizom bilden.
Im Landkreis Nordhausen können Sie den Tüpfelfarn an vielen, eher sauren schattigen Felsen antreffen, so z.B. im Raum Neustadt und Ilfeld, aber auch gelegentlich an nordexponierten, feuchten Gipsfelsen. VOCKE & ANGELRODT (1886) geben ihn für den Kohnstein, den Alten Stolberg und den Hohnstein an.
Fotos: Die Fotos vom Tüpfelfarn entstammen alle vom Autor des Beitrages aus der Umgebung von Nordhausen.
Bodo Schwarzberg
Literatur:
Autor: nnzGewöhnlicher Tüpfelfarn, Engelsüß (Polypodium vulgare)
Krautige Pflanzenarten, die auch während der Wintermonate Photosynthese betreiben, haben meist ein Verbreitungsgebiet, das sich nicht allzu weit von den Ozeanen entfernt erstreckt (ozeanische Verbreitungsmuster). Dort herrschen zumeist keine extremen Temperaturen und relativ hohe Niederschlagssummen vor. Einzigartig ist die Tatsache, dass die Art als einziger heimischer (echter) Epiphyt zu betrachten ist, also als eine Pflanzenart, die mitunter auf Bäumen, z.B. in Astgabeln aufsitzt und dort ihren Lebenszyklus erfolgreich bestreiten kann. Der Tüpfelfarn gehört zur Familie der Wurmfarngewächse (Drypteridaceae).Merkmale
Die Fiedern des Farns (siehe Fotos) sind fiederspaltig (also nicht ganz bis zum Grund gefiedert) bis gefiedert und lanzettlich bis lineal-lanzettlich geformt. Auf ihrer Unterseite finden sich fast stets so genannte Sori, also Anhäufungen von Sporangien (=Sporenbehälter), die die Sporen für die zunächst ungeschlechtliche Fortpflanzung enthalten (siehe Foto). Aus den Sporen entstehen bei deren Keimung auf dem Boden sogenannte Prothallien, also Vorkeime, auf denen die eigentlichen Geschlechtszellen verschmelzen. Erst danach wachsen neue Farnpflanzen heran. Dieses Verhalten eines ausgeprägten so genannten Generationswechsels (selbstständiges Prothallium und eigentliche Farnpflanze) ist allen Farnen (sog. Gefäß-Sporenpflanzen) eigen, was sie als eine sehr ursprüngliche Pflanzengruppe kennzeichnet. Kennzeichnend ist u.a. auch das Fehlen von Blüten und Samen. Sie ist wesentlich älter als die Gruppe unserer heimischen Samenpflanzen.Der Tüpfelfarn gilt als Chamaeophyt, also als eine Pflanzenart, deren Erneuerungsknospe sich unterhalb 25 cm über dem Boden befindet. Oftmals bildet er größere, flächige Bestände, die sich durch sein kriechendes Rhizom bilden.
Standort
Laut Flora von Thüringen siedelt der Tüpfelfarn auf Felsabsätzen und Spalten von Silikat-, selten Kalkfelsen in luftfeuchter Lage, auch an Mauern und zuweilen an alten bemoosten Bäumen.Im Landkreis Nordhausen können Sie den Tüpfelfarn an vielen, eher sauren schattigen Felsen antreffen, so z.B. im Raum Neustadt und Ilfeld, aber auch gelegentlich an nordexponierten, feuchten Gipsfelsen. VOCKE & ANGELRODT (1886) geben ihn für den Kohnstein, den Alten Stolberg und den Hohnstein an.
Verbreitung
Floraweb.de weist das Verbreitungsgebiet des Farns als circumpolar aus, also als rund um den Globus in bestimmten Klimazonen bestehend. Er wird sogar für die Antarktis und die australische Zone angegeben, aber auch für das Gebiet vom Mittelmeer (meridionale Zone) bis hin in die Zone der borealen (=nordischen) Nadelwälder. Der Tüpfelfarn kann somit sowohl auf der Südhalbkugel, als auch auf der Nordhalbkugel gefunden werden. Dabei bevorzugt er, wie bereits angegeben, die Nähe zu den Ozeanen mit einem eher ausgeglichenen Winter- und Sommerklima und mit relativ hohen Niederschlägen.Verwendung
Wikipedia: Die mit langen Spreuschuppen besetzten und manchmal dick-knolligen Rhizome dieser Art haben durch hohe Anteile an Glycyrrhizin und verschiedenen Zuckern einen süßen Geschmack, worauf auch der alte deutsche Name Engelsüß hindeutet. Vor allem Osladin (von tschech. osladič Tüpfelfarn, zu osladit süßen), ein Steroidsaponin, trägt zum süßlichen Geschmack bei. Medizinisch verwendet wurden die auch Schleimstoffe enthaltenden Rhizome früher unter anderem gegen Husten und Heiserkeit. Ferner wurde die Pflanze in der Volksmedizin gegen Gicht und Leberkrankheiten verwendet. Ein enthaltener Bitterstoff ist für Darmwürmer giftig.Gefährdung
Laut floraweb.de ist der Tüpfelfarn in Deutschland sowie in allen Bundesländern ungefährdet. In Thüringen wird er aber laut Flora Thüringen mittlerweile in der Vorwarnliste zur Roten Liste geführt, also als zurückgehende Spezies.Fotos: Die Fotos vom Tüpfelfarn entstammen alle vom Autor des Beitrages aus der Umgebung von Nordhausen.
Bodo Schwarzberg
Literatur:
- Zündorf, H.J., Günther, K.-F., Korsch, H., Westhus, W.: Flora von Thüringen. (2006).
- Vocke, A., Angelrodt, C.: Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend. (1886).
- Korsch, H., Westhus, W., Zündorf H., J. Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens. (2002)
- Rothmaler, W.: Exkusionsflora von Deutschland. (1996).
- Außerdem: www.floraweb.de und wikipedia


