eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 17:31 Uhr
06.01.2012

nnz/kn-Wetterrückblick: Das war 2011

Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp, die Wetterfachfrau der Nordhäuser Fachhochschule blickt an dieser Stelle zurück auf ein ereignisreiches Wetterjahr 2011 und widmet sich auch dem warmen Dezember...


nnz-Wetterfachfrau (Foto: privat) nnz-Wetterfachfrau (Foto: privat) Das Jahr 2011 ist mit einem warmen Dezember zu Ende gegangen. Mit 4,5 Grad lag die mittlere Dezember-Temperatur um 3,2 Grad über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Im Vergleich zu den langjährigen Messwerten aus Nordhausen-Salza war es sogar ein Plus von 3,7 Grad Celsius. Nicht ganz ungewöhnlich, so lag die Temperatur im Dezember 2006 bei 5 Grad, 1974 bei 5,2 Grad – im letzten Jahr jedoch bei gerade einmal minus 4,2 Grad.

Nach zwei sehr kalten Wintern, im letzten Winter gab es 110 Frosttage mit 46 Eistagen, sind die derzeitigen winterlichen Verhältnisse eher mild. Seit Mitte Oktober 2011 wurden trotzdem 28 Frosttage gezählt, allerdings fielen nur sieben davon auf den Dezember. Die tiefste Temperatur des bisherigen Spätherbstes und ersten Wintermonats lag mit minus sechs Grad im November und damit unter dem Dezember-Minimum (-4°C). Richtig warm war es am 2. Dezember, 12,7 Grad wurden am späten Vormittag gemessen. Aber nicht nur die Minimum-Temperaturen zeigen einen steigenden Trend von November zu Dezember, das gleiche gilt auch für die Monats-Mittelwerte (3,9 Grad im November und 4,5 Grad im Dezember).

Blicken wir zurück auf den Start des Jahres 2011 in Nordhausen: Im Januar, Februar und März hatte der Winter den Südharz im Griff. Im März ging es dann mit den Temperaturen steil bergauf und mit 19,1°C wurde fast die 20°-Marke erreicht. Im April gab es den ersten Sommertag und im Mai den ersten heißen Tag mit mehr als 30°C auf dem Campus. Sowohl im Juni als auch im Juli sanken die nächtlichen Temperaturen allerdings auf Werte unter 10 Grad – von Tropennächten in diesem Jahr keine Spur (2010:3). Spitzenreiter war in diesem Jahr mit 34,6 Grad der 26. August (40,1 Grad am 10.7.2010).

Selbst im September wurde die 30-Grad-Marke noch mehrmals überschritten. Die Spanne der Temperaturen betrug im Jahr 2011 knapp 50 Kelvin (2010: 58 Kelvin, minus 18 Grad bis plus 40 Grad). 68 Sommertage mit Temperaturen über 25°C (2010:67), davon 14 heiße Tage mit Temperaturen über 30°C wurden registriert (2010:27). Im Oktober und November ging es dann zwar bergab, mit 29,1° C war es aber Anfang Oktober nochmals hochsommerlich warm auf dem Campus.

Die Verteilung der Niederschläge in diesem Jahr zeigt einen deutlichen Überschuss im Sommer- und ein leichtes Defizit im Winterhalbjahr (310 zu 170 L/m²), was jedoch für unsere Region normal ist. Man spricht vom Sommerregengebiet, welches den zunehmenden Einfluss des kontinentalen Klimas bei uns anzeigt. Trotzdem ist in den vergangenen 50 Jahren eine leichte Steigerung der Winterniederschläge zu beobachten, wie sie für Mitteldeutschland von den Klimaforschern prognostiziert wird (NDH: + 5 L/m² in der Dekade).

In der Jahresbilanz steht das Jahr 2011 mit rund 480 Liter pro Quadratmeter Niederschlag ganz gut dar. Rund 500 mm entsprechen dem 5-jährigen Mittel auf dem Campus, in Salza sind es aufgrund der Stationslagen rund 100 Liter mehr. Insgesamt waren fünf Monate trockener als im Mittel, sieben feuchter. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war übrigens die Station in Erfurt-Bindersleben mit 399 L/m² der zweittrockenste Ort in Deutschland.
Die Monate Februar bis April waren etwas trocken, dann folgte ein feuchter Sommer mit rund 100% des Niederschlagssolls und ein wiederum sehr trockener Herbst.

Nicht zu vergessen sind die unwetterartigen Niederschläge vom 11. September 2011, an dem zum wiederholten Mal Schlammlawinen, vor allem auch im benachbarten Landkreis Mansfeld – Südharz Landwirten und Gartenbesitzern das Leben sehr schwer machte. Ein Extremniederschlagsereignis wäre an sich nicht so schlimm gewesen, aufgrund der hohen Niederschläge seit Mai 2011 waren die Böden jedoch kaum noch aufnahmebereit und es bildeten sich Schlammmuren, die oberflächlich abflossen.

Besonders erwähnenswert ist der November mit weniger als einem Liter Niederschlag, in manchen Regionen gab es gar keinen Niederschlag. Die Trockenheit des Novembers war dann im Dezember mit 63,6 Liter pro Quadratmeter beendet. Was viele Landwirte sicher besonders gefreut hat, war die Tatsache, dass der Niederschlag als Regen auf den nicht gefrorenen Boden fiel, so dass der Bodenwasservorrat durch Versickerung wieder aufgefüllt werden konnte.

Neben Extremniederschlägen in 2011 gab es auch extrem viel Sonne. Die 2000-Stunden-Marke konnte zwar nicht mehr überschritten werden, in der Summe waren es dann aber doch 1984 Stunden Sonnenschein. Dies entspricht 120% der langjährigen Sonnenscheindauer. In 2010 waren es immerhin 720 Stunden weniger. Der Mai war der Sonnenmonat im Jahr 2011 mit rund 290 Stunden Sonnenschein. Von März bis Juni, also in der Frühlingszeit, schien die Sonne in jedem Monat länger als 200 Stunden, im Juni und Juli dann jeweils nur 170 Stunden. Im Mittel betrug die Globalstrahlung über das Jahr verteilt 139 W/m², was über dem langjährigen Mittel liegt (129 W/m²).

Der Ausblick auf den Winter erscheint angesichts der heutigen sonnigen und warmen Wetterverhältnisse und der Lage meines Büros auf der sonnigen Südseite von Nordhausen zwar etwas ungewöhnlich, aber das Wetter von heute spiegelt genau das wieder, was Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes sagen: „Richtiger Winter mit Frost und Schnee auch im Flachland will sich vorerst nicht einstellen.“ Genießen wir es.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)