Mi, 07:02 Uhr
25.01.2012
Aus einer 102-jährigen Zeitung (3)
Seit einigen Tagen stöbert Bodo Schwarzberg ab und zu im "Volksblatt für Nordthüringen" aus dem Jahre 1910, das er bei einem Bekannten einsehen kann. In loser Folge möchte er Sie, liebe nnz/kn-Leserinnen und -Leser mit einigen Veröffentlichungen der damaligen Zeit vertraut machen. Heute: Weihnachten 1910...
Das Volksblatt für Nordthüringen erschien wöchentlich in Hainrode und kostete für ein Vierteljahr 72 Pfennige im Abonnement. Im Jahre 1910 umfasste die Zeitung 16 sehr eng und klein beschriebene Seiten.
Nur wenige Seiten widmen sich Nordthüringen selbst. Vielmehr stehen die Politik des damaligen Deutschen Reiches und die Weltpolitik im Mittelpunkt. Ratgeber für den Alltag bereichern jede Ausgabe, ebenso die aktuellen Marktpreise für Lebensmittel in Nordhausen. Neben Fotos nehmen sehr schöne künstlerische Zeichnungen und Karikaturen einen breiten Raum ein, die zum Beispiel die regelmäßig publizierten Geschichten illustrieren.
Um Ihnen den Inhalt des Blattes näherzubringen, habe ich mir die Ausgabe vom 24.12.1910 näher angeschaut. Hier eine ganz kleine Auswahl:
Preisausschreiben: Für die besten Antworten auf die Frage: Was muss von beiden Seiten geschehen, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer gut miteinander auskommen sollen, gab es 20, 10 bzw. 5 Mark.
Weiterhin die ständige Rubrik: Neues aus der Heimat, u.a. mit Unglücksfällen aller Art. Am 24.12.1910 stand folgende Meldung in diesem Kapitel ganz vorn: In der Gipsmühle Börgardt & Pohlig (in Clettenberg – B.S.) wurde der 14-jährige Sohn der Witwe Schmidt beim Schmieren der Maschine vom Treibriemen gefasst und vollständig zermalmt. Dem Unglücklichen wurde der Kopf glatt vom Rumpfe abgerissen.
In der ständigen Rubrik Politische Rundschau ging es auch um die Rede des damaligen Reichkanzlers Bethmann Hollweg, der sich in einer Rede u.a. mit dem Verhältnis zu Russland und Frankreich beschäftigt und befriedigt feststellt, dass man in Russland von einer gegen Deutschland gerichteten Spitze des französisch-russischen Bündnisses nichts wissen will.
Das, was er über die Finanzen des Landes sagt, könnte auch von einer eine heutigen Bundeskanzlerin stammen: Mit den jetzt vorhandenen Mitteln können wir auskommen und müssen wir haushalten. Es muss gelingen, mit ihnen den Grund zur dauernden Sanierung der Reichsfinanzen zu legen. – Es scheint sich in 100 Jahren in diesem Bereich nicht allzu viel geändert zu haben – inhaltlich und nicht in den Politikerworten.
Bilder in dieser Ausgabe zeigen z.B. einen modernen Christbaum mit elektrischen Lämpchen in Kerzengestalt, und Goldsucher in der Eiffel mit der Unterschrift: Von den neuen Goldfeldern in der Eifel. Das Graben und Durchsuchen des Bodens nach goldhaltiger Erde. Abgebildet sind mehrere Männer, die mit Hacke und Schaufel bewaffnet sind und an einem offenbar frisch gegrabenen Loch stehen.
Und nicht zuletzt wird am 24.12.2010 an Weihnachten erinnert: Unter der Überschrift Frieden auf Erden den Menschen des Wohlgefallens steht. Ein Auszug: Große Zeitungen schreiben zu Weihnachten lange Artikel darüber. Die einen mit Wehmut, dass die ‚Weihnachtsbotschaft noch immer nicht ganz in Erfüllung ging, die anderen mit beißendem Spott, dass man daran doch sehe, dass es mit dem Christentums nicht sei.
Offenbar hatten die Spötter recht: Vier Jahre später begann der Erste Weltkrieg. Und auch heute konnten die großen Weltreligionen Kriege als Mittel der Politik nicht verhindern.
Für Sie ausgewählt, zitiert und kommentiert von Bodo Schwarzberg
Autor: nnzDas Volksblatt für Nordthüringen erschien wöchentlich in Hainrode und kostete für ein Vierteljahr 72 Pfennige im Abonnement. Im Jahre 1910 umfasste die Zeitung 16 sehr eng und klein beschriebene Seiten.
Nur wenige Seiten widmen sich Nordthüringen selbst. Vielmehr stehen die Politik des damaligen Deutschen Reiches und die Weltpolitik im Mittelpunkt. Ratgeber für den Alltag bereichern jede Ausgabe, ebenso die aktuellen Marktpreise für Lebensmittel in Nordhausen. Neben Fotos nehmen sehr schöne künstlerische Zeichnungen und Karikaturen einen breiten Raum ein, die zum Beispiel die regelmäßig publizierten Geschichten illustrieren.
Um Ihnen den Inhalt des Blattes näherzubringen, habe ich mir die Ausgabe vom 24.12.1910 näher angeschaut. Hier eine ganz kleine Auswahl:
Preisausschreiben: Für die besten Antworten auf die Frage: Was muss von beiden Seiten geschehen, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer gut miteinander auskommen sollen, gab es 20, 10 bzw. 5 Mark.
Weiterhin die ständige Rubrik: Neues aus der Heimat, u.a. mit Unglücksfällen aller Art. Am 24.12.1910 stand folgende Meldung in diesem Kapitel ganz vorn: In der Gipsmühle Börgardt & Pohlig (in Clettenberg – B.S.) wurde der 14-jährige Sohn der Witwe Schmidt beim Schmieren der Maschine vom Treibriemen gefasst und vollständig zermalmt. Dem Unglücklichen wurde der Kopf glatt vom Rumpfe abgerissen.
In der ständigen Rubrik Politische Rundschau ging es auch um die Rede des damaligen Reichkanzlers Bethmann Hollweg, der sich in einer Rede u.a. mit dem Verhältnis zu Russland und Frankreich beschäftigt und befriedigt feststellt, dass man in Russland von einer gegen Deutschland gerichteten Spitze des französisch-russischen Bündnisses nichts wissen will.
Das, was er über die Finanzen des Landes sagt, könnte auch von einer eine heutigen Bundeskanzlerin stammen: Mit den jetzt vorhandenen Mitteln können wir auskommen und müssen wir haushalten. Es muss gelingen, mit ihnen den Grund zur dauernden Sanierung der Reichsfinanzen zu legen. – Es scheint sich in 100 Jahren in diesem Bereich nicht allzu viel geändert zu haben – inhaltlich und nicht in den Politikerworten.
Bilder in dieser Ausgabe zeigen z.B. einen modernen Christbaum mit elektrischen Lämpchen in Kerzengestalt, und Goldsucher in der Eiffel mit der Unterschrift: Von den neuen Goldfeldern in der Eifel. Das Graben und Durchsuchen des Bodens nach goldhaltiger Erde. Abgebildet sind mehrere Männer, die mit Hacke und Schaufel bewaffnet sind und an einem offenbar frisch gegrabenen Loch stehen.
Und nicht zuletzt wird am 24.12.2010 an Weihnachten erinnert: Unter der Überschrift Frieden auf Erden den Menschen des Wohlgefallens steht. Ein Auszug: Große Zeitungen schreiben zu Weihnachten lange Artikel darüber. Die einen mit Wehmut, dass die ‚Weihnachtsbotschaft noch immer nicht ganz in Erfüllung ging, die anderen mit beißendem Spott, dass man daran doch sehe, dass es mit dem Christentums nicht sei.
Offenbar hatten die Spötter recht: Vier Jahre später begann der Erste Weltkrieg. Und auch heute konnten die großen Weltreligionen Kriege als Mittel der Politik nicht verhindern.
Für Sie ausgewählt, zitiert und kommentiert von Bodo Schwarzberg
