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So, 12:15 Uhr
29.01.2012

Ein echter Nordhäuser begeisterte

Er brauchte nur wenige Sätze. Einige charmant gesetzte Worte und schon waren die Zuschauer der gestrigen Premiere in der Traditionsbrennerei in den Bann geschlagen von der grandiosen Kunst, mit der Frank Sieckel den Text des wohl berühmtetsten deutschen Einpersonenstücks der Nachkriegszeit lebendig machte.

Blumen zur Premiere (Foto: nnz) Blumen zur Premiere (Foto: nnz) Glückwünsche nach der Premiere: Jochen Einenckel gratuliert Frank Sieckel. Ganz links lehnt der zweite Hauptdarsteller lässig an der Wand.

Was Patrick Süskind in "Der Kontrabass" als Geschichte angelegt hat, ist äußerst komplex und es bedarf eines perfekten Darstellers, diese Worte in spannendes Schauspiel umzusetzen. Eine Paraderolle, an der sich ermessen läßt, was der Alleinunterhalter kann, ob er sein Handwerk beherrscht. Eine Art Meisterprüfung für den Schauspieler im sogenannten "besten Alter". Und obwohl es der gebürtige Nordhäuser Frank Sieckel aufgrund seiner künstlerischen Biografie nichts mehr beweisen muss, stellte er gestern Abend eindrucksvoll zur Schau, was für ein hervorragender Schauspieler er ist.

Komödie und Tragödie, Lachen und Weinen, Gut und Böse liegen dicht beieinander in der Figur des einsamen Kontrabassisten, der dem Publikum aus seinem Leben, über die Musik und seine heimliche Liebe erzählt. Und es sind die Grautöne dazwischen, die uns als Publikum erschauern lassen, wenn sie Frank Sieckel fein ziseliert ans Licht bringt. Wenn er uns die differenzierten Facetten aus der Gefühlswelt dieses Mannes offenbart, der in einer Haßliebe mit seinem Kontrabass zusammen lebt. Einem Instrument, das der einzige wirkliche Halt in seinem Leben ist und das ihm doch immer wieder im Wege steht; an dem er verzweifelt.

Frank Sieckel (Foto: A. D. Wagner) Frank Sieckel (Foto: A. D. Wagner) Große Kunst: Frank Sieckel als Kontrabassist

Wie er die Verletzungen seiner nie aufgearbeiteten Kindheit erneut durchlebt, wie aus dem romantisch, träumerischen Idealisten ein eifersüchtiger potentieller Gewalttäter wird, wie er konsterniert die Bedeutungslosigkeit seines Tuns reflektiert, dass spielt Sieckel so überzeugend, dass die Zuschauer bedrückt den Atem anhalten. Nur um im nächsten Moment wieder laut auflachen zu können, weil der skurril-sympathische Kontrabassist die Situation aufbricht und die eben erreichte Ernsthaftigkeit in Albernheiten und Ironie umschlägt.

So erlebt dieser anheimelnde historische Raum in der Traditionsbrennerei einen Theaterabend, wie er den Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Das Theater Nordhausen hat durch diese Produktion nun wieder ein Schauspielensemble. Zugegeben ein sehr kleines, dafür aber auch sehr gutes.

Frank Sieckel, der nicht nut spielte, sondern sich selbst als Regisseur betreute (was viel Disziplin erfordert) und mit Ronald Winter die Inszenierung ausstattete, bedankte sich für den langanhaltenden Applaus beim Publikum und sehr zu Recht beim Nordhäuseer Theater und der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei für das entgegengebrachte Vertrauen. Sieckel hat es gestern Abend nicht nur vierzigprozentig, sondern absolut hundertprozentig gerechtfertigt. Und die Hersteller des berühmten Vierzigprozentigen können sich freuen, bis zum Sommer noch neunmal einen "Echten Nordhäuser" als Theatermacher zu Gast zu haben.
Olaf Schulze
Premiere in der "Tradi" (Foto: A. D. Wagner)
Premiere in der "Tradi" (Foto: A. D. Wagner)
Premiere in der "Tradi" (Foto: A. D. Wagner)
Autor: nnz

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Kommentare
kalu55
29.01.2012, 22:18 Uhr
Gehobene Bühnenkunst!
Der gestrige Premierenabend war ein ganz besonderes Erleben. Dank dem herausragenden Schauspieler für diese dargebotene Kunst. Noch viele werden in der angenehmen Atmosphäre der Traditionsbrennerei dieses Bühnenstück verfolgen können und sich dann wie ich freuen, dass in Nordhausen solches geboten wird. Weiter so!!!
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