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Mi, 10:10 Uhr
01.02.2012

Thüringen kommt am besten weg

Die Kinderarmut in Deutschland entwickelt sich zwar insgesamt rückläufig, doch innerhalb der Bundesländer, Landkreise und Städte klaffen die Armutsquoten weit auseinander. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, die erstmals die Armutsquoten für die Altersgruppe der unter Dreijährigen für alle 412 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland veröffentlicht hat. Die Studie zeigt auch, dass die unter Dreijährigen das höchste Armutsrisiko aller Kinder tragen...


Innerhalb von Thüringen unterscheiden sich die Armutsquoten der Regionen zum Teil sehr stark. So wuchsen nach den aktuellsten vorliegenden Regionaldaten im Jahr 2009 im Landkreis Eichsfeld 14,9 Prozent der unter Dreijährigen in Armut auf, im Landkreis Kyffhäuserkreis war der Anteil mit 36,4 Prozent mehr als doppelt so hoch. Auch in den kreisfreien Städten ist Kinderarmut unterschiedlich stark ausgeprägt: In Jena betrug die Armutsquote 18 Prozent, in Gera ist mehr als jedes dritte Kind unter drei Jahren von Armut betroffen (38,3 Prozent).

Erstmals weist die Bertelsmann Stiftung exemplarisch nach, dass das Armutsgefälle innerhalb ein und derselben Stadt sogar noch erheblich höher sein kann als zwischen den Regionen. Dies zeigt sich an den Städten Heilbronn (Baden-Württemberg) und Jena (Thüringen), die den neu entwickelten Sozialraumatlas KECK zur Betrachtung einzelner Stadtviertel nutzen. Das Ergebnis offenbart eklatante Unterschiede in den Lebensbedingungen der heranwachsenden Generation: In manchen Stadtteilen liegt die Armutsquote von Kindern unter drei Jahren nur bei etwas über einem Prozent, in anderen bei über 50 Prozent. Die Auswertung des Sozialraumatlas soll in beiden Städten in ein Konzept münden, wie durch gezielte Angebote benachteiligte Stadtviertel gefördert werden können. Dabei wird Armut als einer von mehreren Faktoren betrachtet, die die Entwicklungschancen von Kindern stark beeinflussen.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, plädiert als Konsequenz aus den Armutszahlen für eine andere Verteilung der staatlichen Gelder: „Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden. Wo die Probleme größer sind, muss auch mehr Geld für gute Kitas und gezielte Förderung in Brennpunkten investiert werden. Gerade die frühkindliche Phase ist entscheidend für die Entwicklung eines Kindes.“

Thüringen ist das Bundesland mit der niedrigsten Armutsquote in Ostdeutschland. Im Jahr 2010 lebten dort 13.277 unter Dreijährige in Armut, was 25,5 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe sind. Damit liegt Thüringen deutlich unter dem Durchschnitt der ostdeutschen Bundesländer von 28,1 Prozent. Gegenüber 2008 ist die Armutsquote in Thüringen um 5,5 Prozentpunkte gesunken, 2.450 Kinder weniger sind auf staatliche Grundsicherung angewiesen.

Das Land, in dem prozentual die wenigsten unter Dreijährigen von Armut betroffen sind, ist weiterhin Bayern (10,1 Prozent). Am höchsten ist der Anteil armer Kinder unter drei Jahren in Berlin (36,3 Prozent). Wie alle Bundesländer verzeichnet jedoch auch Berlin einen Positivtrend: Zwei Jahre zuvor hatte die Armutsquote dort noch bei 39,9 Prozent gelegen.

Die Bertelsmann Stiftung liefert in ihrem KECK-Atlas die relevanten Daten zur Lebenswelt von Kindern, gebündelt und grafisch aufbereitet. Im Internet ist abrufbar, welche Entwicklungschancen Kinder in den kreisfreien Städten und Kreisen haben. Der KECK-Atlas auf Sozialraumebene bietet allen Kommunen ab sofort die Möglichkeit, kostenlos ihre eigene kleinräumige Sozialberichterstattung aufzubauen. Weitere Informationen finden Sie unter www.keck-atlas.de.

Definition Kinderarmut: Grundlage der Analyse der Bertelsmann Stiftung ist die Definition, dass Kinder als arm gelten, die in Familien mit Bezug sozialstaatlicher Grundsicherungsleistungen (SGB-II-Bezug) aufwachsen. Alternativ ist Kinderarmut auf Basis des Nettoäquivalenzeinkommens von Familien quantifizierbar. Beide Ansätze treffen jedoch keine Aussage zu regionalen Unterschieden in den Lebenshaltungskosten.
Autor: djd1

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Kommentare
Herr Taft
01.02.2012, 10:34 Uhr
wie passt das zusammen ?
Thüringen ist das Land mit dem zweitniedrigsten Durchschnittseinkommen in Deutschland. Wenn die Kinderarmut dennoch niedriger ist, als anderswo kann das eigentlich nur bedeuten, dass in Thüringen weniger Geringverdiener und Hartzer weniger Kinder haben.

Das legt die Vermutung nahe (frei nach Thilo Sarazzin), dass ein Großteil der armen Kinder (Beispiel Berlin) aus Migranten-Familien (die einen großen Teil der Leistungsbezieher - insbesondere in Berlin - ausmachen) stammen, die in Thüringen eben unterdurchschnittlich vertreten sind.

statistische Erhebungen bieten großen Interpretationsspielraum....
NDHler
01.02.2012, 11:08 Uhr
Ich sehe da noch...
... einen anderen Punkt, Thüringen grenzt an drei "alte Bundesländer". Viele in den Grenzregionen arbeiten also in Hessen, Niedersachsen oder Bayern. Die bekommen dann nicht diese Niedriglöhne bzw. fallen nicht in diese Statistik. Es wird aber Zeit, dass in Deutschland erstens ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt wird und zweitens die unsichtbare Mauer zwischen Ost und Westdeutschland verschwindet.

Gleicher Lohn und auch gleiche Lohnersatzleistungen für alle! Wir haben 2012, hier erwarte ich auch wesentlich mehr Druck von den Gewerkschaften in Deutschland! Da kommen immer nur lauwarme Sprüche, bei den Tarifverhandlungen wird dann doch wieder mit zweierlei Maß gemessen.
Retupmoc
01.02.2012, 11:25 Uhr
Interpretation
Oder man hat eine "bereinigte" Statistik geführt? Vielleicht zählen in Thüringen Kinder unter 3 Jahren nicht dazu oder Kinder die einen blauen Pulli anhaben?
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