eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 10:03 Uhr
17.02.2012

nnz-Bücherkiste: Wie wo wann in Berlin

Wie und wo und wann in Berlin gegen den Ball getreten wurde, das hat der Historiker Christian Wolter analysiert. Herausgekommen ist die locker erzählte Geschichte des Fussballs in der deutschen Hauptstadt.

Christian Wolter
"Rasen der Leidenschaft"
edition else


rasen der  (Foto: verlag) rasen der (Foto: verlag)

"Es muss an dieser Stelle auch einmal über die Flachheit der Berliner Zuschauer geschrieben werden. Nirgendwo in Deutschland ist der Fussballinteressent so nüchtern, wie gerade hier bei uns in Berlin. Jedes Mitgehen mit seinen Vertretern auf dem grünen Rasen fehlt dem pomadigen Berliner."

Diese Einschätzung in der Zeitschrift DER RASENSPORT stammt aus dem Jahre 1917 und dürfte heute kaum noch Bestand haben. Sie ist aber eines der unglaublich vielen Zeitdokumente, die der Historiker Christian Wolter in seiner neuen Publikation "Rasen der Leidenschaften – Die Fußballplätze von Berlin" in zwei Jahren intensiver Recherchearbeit gesammelt hat, um ein lückenloses Bild der Berliner Fussball- und Stadiongeschichte zu entwerfen. Wolter, der sein Wirken schon frühzeitig der Sportgeschichte widmete, schrieb bereits Bücher über das legendäre Leipziger VfB-Stadion und über die Stadien und Sportplätze Hannovers. Mit seinem jetzt in der "edition else" herausgegebenen, knapp 300-seitigen Werk erreicht er den bisherigen Höhepunkt seiner Arbeit. Nicht nur, weil Berlin die größtmögliche zu untersuchende Stadt mit den meisten Sportstätten war oder die längste Fußballtradition Deutschlands hat ist "Rasen der Leidenschaften" ein fundamentaler Torpfosten historischer Aufarbeitung. Es ist vielmehr die liebevolle Aufmachung, die Fairness allen Vereinen und Sportstätten gegenüber, das akribische Quellenstudium, die engagierte Einbindung von Zeitzeugen und der lockere, unangestrengte Erzählstil des Autoren, mit dem wir in jeden Winkel der Hauptstadt und in jedes Jahr seit 1880 geführt werden.

So erfährt der Leser, dass der martialische Vereinsname "Vorwärts" durchaus keine Erfindung der stalinistischen Sportführer war oder wie sich ein vom dribbelstarken Gegenspieler gedemütigter Verteidiger mit nackten Tatsachen beim höhnischen Publikum revanchierte und viele andere wunderbare Anekdoten mehr. Liebevoll illustriert ist der großformatige Hardcover-Band mit wahren Schätzen der Fotografie aus uralten Zeiten und von sportgeschichtlich bedeutenden Ereignissen und Orten. Natürlich werden auch die großen und berühmten Vereine gewürdigt, ist die Rede vom Mommsen-Stadion, dem großen schwarzen C der Charlottenburger, der Werner-Seelenbinder-Kampfbahn, den Veilchen von TeBe sowie dem Werden und Wachsen der Hertha. Dem einzigartigen, einer unendlichen Geschichte gleichenden Unternehmen der Union-Fans, ihre Alte Försterei in Eigenregie zu einem Schmuckstück zu machen, widmet Wolter ebenfalls gebührend Platz und Anerkennung. Und weil die Stadien alle einzeln und in sich abgeschlossen vorgestellt werden, muss der geneigte Leser auch nichts über die ihm unliebsamen Vereine lesen und kann einfach weiterblättern.

Abgerundet wird das spannende Nachschlagewerk von viel Statistik und Berliner Fussballspielergebnissen, wie sie so noch nie auf einen Blick zu sehen waren. Werner Skrentny, selbst Herausgeber von Stadionbüchern, ist vom vorliegenden Werk so angetan, dass er im Vorwort über Wolter schreibt: "Was der Autor herausgefunden hat, fokussiert auch viele zuvor blinde Flecken der deutschen Sportgeschichte und wird die Forschung auf diesem Feld weiter voran bringen."
Und Stunden vergnüglicher Lektüre wird es denen bescheren, die neugierig, begeisterungsfähig und natürlich fussballverrückt sind.

"Rasen der Leidenschaften" von Christian Wolter, erschienen bei "edition else" (ISBN 978-3-00-036563-8), 19,80 Euro.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)