Sa, 14:18 Uhr
07.07.2012
nnz-Betrachtung: Unwetter
Der Begriff "Unwetter" lässt sich in den Medien natürlich viel besser vermarkten als Begriffe wie "Starkregen" und "Hagel". Kaum fliegt irgendwo ein Zelt weg, haben wir dort ein Unwetter. Dazu eine Betrachtung von Bodo Schwarzberg...
Wir sollten mit diesem Begriff differenzierter umgehen: Zum einen, weil das so genannte Unwetter ja erst auf Grund unseres dichtbesiedeltes und hochtechnisiertes Landes zum Unwetter wird. Technik ist verletzlich und die "Systeme" sind nicht naturfest. Die vielen Schäden zeigen, dass der Mensch eben nicht in der Lage ist, die Natur zu beherrschen. Es wird immer umgekehrt sein. Trotz aller menschlichen Arroganz - er ist und bleibt ein Teil von ihr und ihr allein obliegt es, zu "entscheiden", wann sie endlich genug von ihm hat.
Zum Zweiten: Untrennbar mit den letzten Sätzen verbunden ist das tatsächliche "Unwetter", jenes also, das der Mensch zu verantworten hat, ein Wetter, das in seiner Ausprägung ohne ihn gar nicht vorkommen würde. Studien zeigen, dass z.B. die Zahl der Blitze, der Starkregenereignisse, der extremen Dürren und auch der Stürme zunimmt, was wiederum auf Zirkulationsveränderungen in den Weltmeeren - bedingt durch die anthropogene Klimaerwärmung - zurückzuführen ist.
Somit könnten zum Beispiel die jüngsten Blitzopfer in Ost- und Westdeutschland indirekt als Opfer des Klimawandels bezeichnet werden und auch jene 15.000 längst vergessenen Europäer, die den Hitzesommer 2003 auf Grund der Hitze nicht überlebten. In diesem Sinne ist Unwetter also tatsächlich Unwetter.
Die Folgen von Blitzeinschlägen aber haben noch mit einem anderen Phänomen zu tun. Auf Grund der verbreiteten Naturentfremdung weiß kaum noch jemand, wie man sich bei einem unmittelbar benachbarten Gewitter wirklich richtig verhält. Die vier Frauen, die jüngst in einer Golfplatzhütte ums Leben kamen, könnten heute noch leben: Sicherer wäre es für sie gewesen, trotz Gewitter, den Hang hinunter zu laufen, statt sich in die trügerisch sichere Hütte auf der Kuppe zu begeben, die zudem noch Kontakt zum benachbarten, durchnässte Baum hatte.
Diese Meinung kam übrigens von einem Polizeisprecher. Außerhalb einer Hütte ohne Blitzableiter kann man sicherer sein, als in der Hütte oder im Zelt, zumal dann, wenn beides durchnässt ist. Sich in mindestens drei Metern Abstand zum nächsten Baum hinzuhocken (wegen möglicher Ströme zwischen den Gliedmaßen nicht legen!) ist besser. Das kleinstmögliche Körpervolumen sorgt dafür, dass der Blitz, wenn er denn einschlägt, weniger Spannungen erzeugen und damit Schaden anrichten kann.
Zudem sollten alle Metallgegenstände, auch Handys vom Körper entfernt und meterweit weg gelagert werden. Wem es bei einem Gewitter möglich ist, seine Füße auf einen (noch) trockenen Untergrund zu stellen, tut man ebenfalls gut dran. Jede Feuchtigkeit an den Füßen /Schuhen sollte vermieden werden. In einem dichten Wald ist das eventuell eine Zeitlang möglich. Isolation und kleines, kompaktes Körpervolumen, Metallentfernung und größtmöglicher Abstand zu Bäumen, Masten und Kuppen – das sind überlebenswichtige Grundregeln.
Meiner Meinung nach tut der Staat zu wenig, um seine Bürger über das richtige Verhalten aufzuklären. Hütten und Bäume - im Wald oder außerhalb sind gefährlich.
Und schließlich zum Thema Unwetter: Wir leben in der gemäßigten Klimazone mit einem ausgeglichenen Wechsel zwischen Trockenheit und Niederschlägen. Dabei wird immer wieder gern unterschlagen, von den Medien, aber auch von den Wetterdiensten in ihren oft tendenziösen, auf die Wünsche der Menschen abgestellten Berichten, dass die Sommermonate im langjährigen Mittel die niederschlagsreichsten im Jahresgang sind.
Das ist Fakt. Unsere gesamte Vegetation ist darauf eingestellt. Und wir müssen das, ob wir wollen oder nicht, akzeptieren. Der in der Meinung der Bürger verregnete Juni beispielsweise war niederschlagsseitig deutschlandweit noch im Normalbereich (ich glaube 55 l/m²).
Das Wort Unwetter sollten wir aber noch aus einem anderen Grund mit Vorsicht gebrauchen: Klimaforscher warnen, dass die paar Blitze und umgestürzten Bäume nur ein ganz zartes Ohmen ist, bezogen auf das, was der menschgemachte Klimawandel in Zukunft noch für den Planeten und damit für uns bereit hält. Wir sollten das derzeit ruhige Wetter in vollen Zügen genießen.
Und wir täten durchaus gut daran, ein Blitzopfer oder ein zerreißendes Bierzelt mit unserem auf Wirtschaften und Konsumieren in Zusammenhang zu bringen. Aber wer tut das schon?
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte nur mit vollständigem Namen
Autor: nnzWir sollten mit diesem Begriff differenzierter umgehen: Zum einen, weil das so genannte Unwetter ja erst auf Grund unseres dichtbesiedeltes und hochtechnisiertes Landes zum Unwetter wird. Technik ist verletzlich und die "Systeme" sind nicht naturfest. Die vielen Schäden zeigen, dass der Mensch eben nicht in der Lage ist, die Natur zu beherrschen. Es wird immer umgekehrt sein. Trotz aller menschlichen Arroganz - er ist und bleibt ein Teil von ihr und ihr allein obliegt es, zu "entscheiden", wann sie endlich genug von ihm hat.
Zum Zweiten: Untrennbar mit den letzten Sätzen verbunden ist das tatsächliche "Unwetter", jenes also, das der Mensch zu verantworten hat, ein Wetter, das in seiner Ausprägung ohne ihn gar nicht vorkommen würde. Studien zeigen, dass z.B. die Zahl der Blitze, der Starkregenereignisse, der extremen Dürren und auch der Stürme zunimmt, was wiederum auf Zirkulationsveränderungen in den Weltmeeren - bedingt durch die anthropogene Klimaerwärmung - zurückzuführen ist.
Somit könnten zum Beispiel die jüngsten Blitzopfer in Ost- und Westdeutschland indirekt als Opfer des Klimawandels bezeichnet werden und auch jene 15.000 längst vergessenen Europäer, die den Hitzesommer 2003 auf Grund der Hitze nicht überlebten. In diesem Sinne ist Unwetter also tatsächlich Unwetter.
Die Folgen von Blitzeinschlägen aber haben noch mit einem anderen Phänomen zu tun. Auf Grund der verbreiteten Naturentfremdung weiß kaum noch jemand, wie man sich bei einem unmittelbar benachbarten Gewitter wirklich richtig verhält. Die vier Frauen, die jüngst in einer Golfplatzhütte ums Leben kamen, könnten heute noch leben: Sicherer wäre es für sie gewesen, trotz Gewitter, den Hang hinunter zu laufen, statt sich in die trügerisch sichere Hütte auf der Kuppe zu begeben, die zudem noch Kontakt zum benachbarten, durchnässte Baum hatte.
Diese Meinung kam übrigens von einem Polizeisprecher. Außerhalb einer Hütte ohne Blitzableiter kann man sicherer sein, als in der Hütte oder im Zelt, zumal dann, wenn beides durchnässt ist. Sich in mindestens drei Metern Abstand zum nächsten Baum hinzuhocken (wegen möglicher Ströme zwischen den Gliedmaßen nicht legen!) ist besser. Das kleinstmögliche Körpervolumen sorgt dafür, dass der Blitz, wenn er denn einschlägt, weniger Spannungen erzeugen und damit Schaden anrichten kann.
Zudem sollten alle Metallgegenstände, auch Handys vom Körper entfernt und meterweit weg gelagert werden. Wem es bei einem Gewitter möglich ist, seine Füße auf einen (noch) trockenen Untergrund zu stellen, tut man ebenfalls gut dran. Jede Feuchtigkeit an den Füßen /Schuhen sollte vermieden werden. In einem dichten Wald ist das eventuell eine Zeitlang möglich. Isolation und kleines, kompaktes Körpervolumen, Metallentfernung und größtmöglicher Abstand zu Bäumen, Masten und Kuppen – das sind überlebenswichtige Grundregeln.
Meiner Meinung nach tut der Staat zu wenig, um seine Bürger über das richtige Verhalten aufzuklären. Hütten und Bäume - im Wald oder außerhalb sind gefährlich.
Und schließlich zum Thema Unwetter: Wir leben in der gemäßigten Klimazone mit einem ausgeglichenen Wechsel zwischen Trockenheit und Niederschlägen. Dabei wird immer wieder gern unterschlagen, von den Medien, aber auch von den Wetterdiensten in ihren oft tendenziösen, auf die Wünsche der Menschen abgestellten Berichten, dass die Sommermonate im langjährigen Mittel die niederschlagsreichsten im Jahresgang sind.
Das ist Fakt. Unsere gesamte Vegetation ist darauf eingestellt. Und wir müssen das, ob wir wollen oder nicht, akzeptieren. Der in der Meinung der Bürger verregnete Juni beispielsweise war niederschlagsseitig deutschlandweit noch im Normalbereich (ich glaube 55 l/m²).
Das Wort Unwetter sollten wir aber noch aus einem anderen Grund mit Vorsicht gebrauchen: Klimaforscher warnen, dass die paar Blitze und umgestürzten Bäume nur ein ganz zartes Ohmen ist, bezogen auf das, was der menschgemachte Klimawandel in Zukunft noch für den Planeten und damit für uns bereit hält. Wir sollten das derzeit ruhige Wetter in vollen Zügen genießen.
Und wir täten durchaus gut daran, ein Blitzopfer oder ein zerreißendes Bierzelt mit unserem auf Wirtschaften und Konsumieren in Zusammenhang zu bringen. Aber wer tut das schon?
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte nur mit vollständigem Namen
