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Di, 05:05 Uhr
24.07.2012

Technik top – aber nicht alle Schotten dicht

Eine ADAC Stichprobe zur Sicherheit auf zehn Kreuzfahrtschiffen zeigt, dass die Ozeanriesen durchweg in einem guten oder sogar sehr guten Zustand sind und damit als sicher gelten. Auf allen getesteten Schiffen gibt es moderne Sicherheits-, Rettungs- und Brandschutzeinrichtungen...

Die Übersicht (Foto: ADAC) Die Übersicht (Foto: ADAC)

Die Crews waren in den meisten Fällen professionell und routiniert. Doch in der Umsetzung und Handhabung der Sicherheitsstandards gibt es Verbesserungspotenzial. Die vorgeschriebenen Seenotrettungsübungen gaben auf vier Schiffen (Norwegian Epic, MSC Fantasia, Navigator of the Seas, MSC Splendida) Grund zur Beanstandung. Nicht immer wurden alle Passagiere zur Übung zusammengerufen oder sie waren zu oberflächlich gehalten. Außerdem konnten die Tester teilweise feststellen, dass Rettungswesten oder Rettungsinseln verschlossen oder festgebunden und Rettungswege verstellt waren.

Das gravierendste Problem aus Sicht des ADAC liegt aber unterhalb der Wasserlinie: Fünf der zehn Schiffe (Adventure of the Seas, Norwegian Epic, MSC Fantasia, MSC Orchestra, MSC Splendida) waren laut Schiffsleitung mit Ausnahmegenehmigungen der Flaggenstaaten unterwegs. Mit dieser Erlaubnis dürfen die wasserdichten Türen (Schotten), die unterhalb der Wasserlinie liegen, auf See geöffnet bleiben, um Arbeitsabläufe auf den Versorgungsdecks zum Beispiel in der Wäscherei oder in den Lagerräumen zu erleichtern.

Schotten dicht? (Foto: ADAC) Schotten dicht? (Foto: ADAC)

Die SOLAS-Konvention, die international die Sicherheit auf See regelt, schreibt vor, dass alle Schotten auf See geschlossen zu halten sind. Nur in Einzelfällen und nach Prüfung können Flaggenstaaten Ausnahmen gewähren. Ein Schlupfloch, das in der internationalen Seefahrt häufig genutzt wird. Offene Schotten können aber schwerwiegende Folgen haben, wenn etwa ein Schiff Leck schlägt, Wasser eintritt und sich schnell und unkontrolliert im Rumpf ausbreitet. Laut ADAC Experten stellt die Praxis der offenen Schotten ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.

Die zehn Kreuzfahrtschiffe aus der ADAC Stichprobe waren während der Untersuchung alle im Mittelmeer unterwegs. Nach einer inkognito Überprüfung gaben sich die ADAC Tester als solche zu erkennen, um mit Schiffsleitung und Crew auch für Passagiere unzugängliche Sicherheitseinrichtungen begutachten zu können. Nur neun der zehn Schiffe konnten jedoch bewertet werden, da der Kapitän der Costa Serena auf Anweisung der Reederei den Testern die Kooperation verweigerte.

Tipps des ADAC

Als Sofortmaßnahme der Kreuzfahrtindustrie nach dem Unglück der Costa Concordia wurde beschlossen, die Seenotrettungsübung bereits vor dem Auslaufen durchzuführen. So soll sichergestellt sein, dass jeder Passagier bereits vor dem Ablegen sehr praxisnah lernt, wie er sich im Notfall zu verhalten hat. Hier die wichtigsten Sicherheitstipps des ADAC für Reisende an Bord von Kreuzfahrtschiffen
  • Gleich zu Beginn der Reise Orientierungspläne, Sicherheitsvideo und -infos studieren.
  • Sich informieren, wo das Evakuierungsdeck mit Rettungsbooten und Rettungsinseln ist.
  • Mit der Handhabung der Rettungswesten in der Kabine vertraut machen.
  • Wenn nötig: Prüfen, ob Kinderwesten oder Übergrößen vorhanden sind.
  • Klären, wo sich die Sammelstation befindet und den schnellsten Weg, wie auf den Fluchtplänen angegeben, von der Kabine dorthin abgehen.
  • Ertönt das Alarmsignal mit sieben kurzen und einem langen Ton, umgehend zu den Sammelstationen gehen, Ruhe bewahren und den Anweisungen der Crew folgen.
  • Auf keinen Fall Aufzüge nutzen und kein Gepäck mitnehmen.
  • Kinderwagen, Rollstühle oder ähnliches nicht auf den Gängen abstellen.
  • Nur in ausgewiesenen Bereichen rauchen.
Kreuzfahrtriesen getestet - Schott auf der Splendida (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Costa Serena (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Warnhinweis auf der MSC Orchestra (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Rettungsübung (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Fluchtwege beschildert (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Fluchtwege kaum lesbar auf der AIDA diva (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: AIDA diva - Rettungsflöße (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Warnhinweis MSC Fantasia (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Feuerlöschtrupp MSC Fantasia (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Schwer lesbarer Orientierungsplan MSC Fantasia (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet: Verstellter Fluchtweg: Coast Fascinosa (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet (Foto: ADAC)
Kreuzfahrtriesen getestet (Foto: ADAC)
Autor: nnz

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