Do, 15:37 Uhr
26.07.2012
Ist Erfolg planbar?
Aufgrund der Erfolge der deutschen Kugelstoßer in den letzten zwei Jahren, können diese getrost als Goldene Jahre beschrieben werden. Neben dem Urgestein Nadine Kleinert trat dabei vor allem das Jahrhunderttalent David Storl, als amtierender Weltmeister und Sieger des 12. Nordhäuser Energie-Indoors, immer mehr in den Vordergrund. Dazu ein Gastbeitrag von Ron Hermann Hütcher...
Storl beim Energie-Kugelstoß-Indoor in Nordhausen
Doch woher kommen die großen Erfolge bei den Jahreshöhepunkten. Sind sie dem Talent geschuldet oder doch das Resultat einer trainingswissenschaftlichen Methodik. Die Antwort lautet: Sowohl als auch!
David Storl trainiert seit einigen Jahren in Chemnitz und wird dort vom Bundestrainer Sven Lang betreut. Bei der Frage nach dem Geheimnis von David Storl, gerät sein Trainer geradezu ins Schwärmen. Der Grund dafür ist simpel. David Storl ist ein Ausnahmetalent, bei dem eine Vielzahl von Faktoren optimal zusammentrifft. Aus Sicht des Leistungsfaktors Konstitution sind hierbei vor allem die Körpergröße, das Körpergewicht und der hohe Anteil an schnell kontrahierenden Muskelfasern entscheidend.
Letztgenannte sind essentiell für die Beschleunigung der Kugel und die daraus resultierenden großen Weiten. Jeder Mensch besitzt sowohl schnelle als auch langsam kontrahierende Muskelfasern. Nur die Anteile sind unterschiedlich. Die Ursachen liegen in der Genetik und die sich daraus ergebenen körperlichen Eigenschaften des Sportlers werden gemein hin als Talent bezeichnet. Talent besitzt David Storl auch in Bezug auf die Faktoren Technik und Koordination, Persönlichkeit und die Kondition. Dabei fasst der Leistungsfaktor Kondition die verschiedenen Aspekte von Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit zusammen.
Wie aber schon der deutsche Erfolgstorhüter Oliver Kahn sagte: Talent allein reicht nicht. So ist mit Blick auf die Kondition vor allem das langfristige systematische Training entscheidend. An dieser Stelle kommt Erfolgstrainer Sven Lang ins Spiel. Seine Aufgabe umfasst viel mehr als die Erteilung von Anweisungen im Training. Bevor die neue Saison beginnen kann, muss diese bis in jede einzelne Woche hinein geplant werden. Die Basis dafür bilden komplexe trainingsmethodische Gesetzmäßigkeiten. Eine solche Planung ist zeitaufwändig und muss über das ganze Jahr den sich verändernden Bedingungen angepasst werden. Es stellt sich natürlich die Frage, an welchen Gesetzmäßigkeiten Sven Lang sich dabei orientiert.
Da die deutschen Werfer auf eine lange sportliche Tradition zurückblicken, gibt es genaue Vorstellungen zur Trainingsplanung. An ihnen kann sich Sven Lang einerseits orientieren und muss sie andererseits individuell auf David Storl projizieren. Die Ursprünge des heutigen Planungsmodells für Schnellkraftsportarten, zu denen auch das Kugelstoßen gehört, liegen in der ehemaligen Sowjetunion. Die Basis bildet die Forschung von Yuri Verkhoshansky, einer der renommiertesten sowjetischen Trainingswissenschaftler überhaupt.
Seine Erkenntnisse zum langfristigen Trainingseffekt wurden von den Trainingswissenschaftlern der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig zu einen Planungsmodell geformt, dass bis heute Bestand hat. In den letzten 30 Jahren half es den deutschen Werfern, auf den Punkt genau fit zu werden. Um das Modell besser verstehen zu können, hilft es, sich den Sportler und seine Fitness als eine Batterie, vorzustellen. Ausgehend davon ist die Grundidee des Planungsmodells, dass sich die Batterie in der ersten Hälfte der Saison zunächst stark entleert. Im Training wird dies durch sehr hohe Umfangsbelastungen beim Werfen und Krafttraining erreicht. Das heißt es wird sehr viel und hart trainiert.
Trotz wiederkehrender Abschnitte, die allein auf die Regeneration ausgerichtet sind, führt dies unweigerlich zu einem starken Abfall der Fitness, da der Sportler dauerhaft ermüdet ist. In der zweiten Hälfte der Saison nehmen die Umfänge rapide ab. Umgekehrt proportional verhält es sich mit den Intensitäten, welche stark ansteigen. Das heißt, es wird versucht, möglichst alle Trainingsübungen mit größtmöglicher Anstrengung zu absolvieren. Solche Trainingseinheiten sind kurz und knackig. In dieser Phase lädt sich die Batterie wieder auf. Dafür braucht sie ungefähr die gleiche Zeit, die auch für die Entleerung aufgewendet werden musste.
Die entscheidende Besonderheit dieser Planungsvariante ist, dass durch eine starke Entladung die Kapazität der Batterie wächst und somit immer voller als vorher geladen werden kann. Also ist logischerweise auch der Sportler nach der Entladung fitter als vorher. Da der Trainer das zeitliche Verhältnis von Entleerung und Auffüllung bestimmt, ist er in der Lage den Zeitpunkt des Erreichens der Topform genau zu berechnen. Somit wird Erfolg planbar.
In welchem Rhythmus sich die Batterie auflädt ist hochindividuell. Dies führt oft zu der falschen Annahme ein Sportler sei in bestimmten Abschnitten der zweiten Hälfte der Saison nicht in Form und damit nicht auf dem richtigen Weg. Dies ist jedoch ein Irrtum. So verhält es sich beispielsweise mit David Storl dahingehend, dass sich seine Batterie lange nicht auflädt, jedoch zum Ende der zweiten Saisonhälfte innerhalb einiger Wochen wieder voll aufgefüllt. Einen Eindruck dafür konnten sich seine Fans bei den Europameisterschaften der aktuellen Saison holen, wo er sich den Titel sichern konnte. Die Zeichen für den Höhepunkt dieses sportlichen Jahres stehen für den Ausnahmeathleten also günstig. Seine Batterien sind voll. Wir können uns auf einen spannenden Wettkampf mit deutscher Beteiligung freuen. Läuft alles optimal wird er ein entscheidendes Wörtchen beim Kampf um Gold mitzureden haben.
Ron Hermann Hütcher
Autor: redStorl beim Energie-Kugelstoß-Indoor in Nordhausen
Doch woher kommen die großen Erfolge bei den Jahreshöhepunkten. Sind sie dem Talent geschuldet oder doch das Resultat einer trainingswissenschaftlichen Methodik. Die Antwort lautet: Sowohl als auch!
David Storl trainiert seit einigen Jahren in Chemnitz und wird dort vom Bundestrainer Sven Lang betreut. Bei der Frage nach dem Geheimnis von David Storl, gerät sein Trainer geradezu ins Schwärmen. Der Grund dafür ist simpel. David Storl ist ein Ausnahmetalent, bei dem eine Vielzahl von Faktoren optimal zusammentrifft. Aus Sicht des Leistungsfaktors Konstitution sind hierbei vor allem die Körpergröße, das Körpergewicht und der hohe Anteil an schnell kontrahierenden Muskelfasern entscheidend.
Letztgenannte sind essentiell für die Beschleunigung der Kugel und die daraus resultierenden großen Weiten. Jeder Mensch besitzt sowohl schnelle als auch langsam kontrahierende Muskelfasern. Nur die Anteile sind unterschiedlich. Die Ursachen liegen in der Genetik und die sich daraus ergebenen körperlichen Eigenschaften des Sportlers werden gemein hin als Talent bezeichnet. Talent besitzt David Storl auch in Bezug auf die Faktoren Technik und Koordination, Persönlichkeit und die Kondition. Dabei fasst der Leistungsfaktor Kondition die verschiedenen Aspekte von Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit zusammen.
Wie aber schon der deutsche Erfolgstorhüter Oliver Kahn sagte: Talent allein reicht nicht. So ist mit Blick auf die Kondition vor allem das langfristige systematische Training entscheidend. An dieser Stelle kommt Erfolgstrainer Sven Lang ins Spiel. Seine Aufgabe umfasst viel mehr als die Erteilung von Anweisungen im Training. Bevor die neue Saison beginnen kann, muss diese bis in jede einzelne Woche hinein geplant werden. Die Basis dafür bilden komplexe trainingsmethodische Gesetzmäßigkeiten. Eine solche Planung ist zeitaufwändig und muss über das ganze Jahr den sich verändernden Bedingungen angepasst werden. Es stellt sich natürlich die Frage, an welchen Gesetzmäßigkeiten Sven Lang sich dabei orientiert.
Da die deutschen Werfer auf eine lange sportliche Tradition zurückblicken, gibt es genaue Vorstellungen zur Trainingsplanung. An ihnen kann sich Sven Lang einerseits orientieren und muss sie andererseits individuell auf David Storl projizieren. Die Ursprünge des heutigen Planungsmodells für Schnellkraftsportarten, zu denen auch das Kugelstoßen gehört, liegen in der ehemaligen Sowjetunion. Die Basis bildet die Forschung von Yuri Verkhoshansky, einer der renommiertesten sowjetischen Trainingswissenschaftler überhaupt.
Seine Erkenntnisse zum langfristigen Trainingseffekt wurden von den Trainingswissenschaftlern der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig zu einen Planungsmodell geformt, dass bis heute Bestand hat. In den letzten 30 Jahren half es den deutschen Werfern, auf den Punkt genau fit zu werden. Um das Modell besser verstehen zu können, hilft es, sich den Sportler und seine Fitness als eine Batterie, vorzustellen. Ausgehend davon ist die Grundidee des Planungsmodells, dass sich die Batterie in der ersten Hälfte der Saison zunächst stark entleert. Im Training wird dies durch sehr hohe Umfangsbelastungen beim Werfen und Krafttraining erreicht. Das heißt es wird sehr viel und hart trainiert.
Trotz wiederkehrender Abschnitte, die allein auf die Regeneration ausgerichtet sind, führt dies unweigerlich zu einem starken Abfall der Fitness, da der Sportler dauerhaft ermüdet ist. In der zweiten Hälfte der Saison nehmen die Umfänge rapide ab. Umgekehrt proportional verhält es sich mit den Intensitäten, welche stark ansteigen. Das heißt, es wird versucht, möglichst alle Trainingsübungen mit größtmöglicher Anstrengung zu absolvieren. Solche Trainingseinheiten sind kurz und knackig. In dieser Phase lädt sich die Batterie wieder auf. Dafür braucht sie ungefähr die gleiche Zeit, die auch für die Entleerung aufgewendet werden musste.
Die entscheidende Besonderheit dieser Planungsvariante ist, dass durch eine starke Entladung die Kapazität der Batterie wächst und somit immer voller als vorher geladen werden kann. Also ist logischerweise auch der Sportler nach der Entladung fitter als vorher. Da der Trainer das zeitliche Verhältnis von Entleerung und Auffüllung bestimmt, ist er in der Lage den Zeitpunkt des Erreichens der Topform genau zu berechnen. Somit wird Erfolg planbar.
In welchem Rhythmus sich die Batterie auflädt ist hochindividuell. Dies führt oft zu der falschen Annahme ein Sportler sei in bestimmten Abschnitten der zweiten Hälfte der Saison nicht in Form und damit nicht auf dem richtigen Weg. Dies ist jedoch ein Irrtum. So verhält es sich beispielsweise mit David Storl dahingehend, dass sich seine Batterie lange nicht auflädt, jedoch zum Ende der zweiten Saisonhälfte innerhalb einiger Wochen wieder voll aufgefüllt. Einen Eindruck dafür konnten sich seine Fans bei den Europameisterschaften der aktuellen Saison holen, wo er sich den Titel sichern konnte. Die Zeichen für den Höhepunkt dieses sportlichen Jahres stehen für den Ausnahmeathleten also günstig. Seine Batterien sind voll. Wir können uns auf einen spannenden Wettkampf mit deutscher Beteiligung freuen. Läuft alles optimal wird er ein entscheidendes Wörtchen beim Kampf um Gold mitzureden haben.
Ron Hermann Hütcher
