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Do, 18:24 Uhr
11.10.2012

Verkauf mit Punktlandung

Viele haben schon vor Jahren eine Renten- oder Lebensversicherung abgeschlossen. Die Prämien werden in der Regel monatlich geräuschlos vom Konto abgebucht und oft wird sie erst dann wieder in die Erinnerung zurückgerufen, wenn der Versicherer alljährlich seine Standmitteilungen versendet. Darin findet sich oft ein Betrag unter der Bezeichnung „Rückkaufswert“. Aber was bedeutet das eigentlich? Kann man seine Lebensversicherung wirklich zurückkaufen? Und was hat man davon?

Der Rückkaufswert Oft eine Enttäuschung

Christoph 37 im Landeanflug (Foto: Michael Caspari (Blitzlicht-Nordhausen)) Der Rückkaufswert ist, kurz gesagt, der Betrag, den der Versicherte erhält, wenn er seine Versicherung kündigt. In den Anfangsjahren kann er sogar unter der Summe der eingezahlten Beiträge liegen; das bedeutet, dass die Abschlusskosten verrechnet wurden, ein Verbraucher-Ärgernis, das in Fachkreisen als „Zillmerung“ bekannt ist. Aber auch in späteren Jahren, wenn die Abschlusskosten bereits „abgezillmert“ sind, stellt der Rückkaufswert meist eine Enttäuschung dar: Bei vorzeitiger Kündigung zieht der Versicherer Stornokosten ab, und die fallen in der Regel üppig aus. Weniger üppig erscheint hingegen oft der Rückkaufswert.

Warum der Begriff Rückkaufswert irreführend ist


Warum heißt der Betrag, den man bei Kündigung erhält, dann nicht einfach Kündigungs- oder Stornowert? In der Tat ist der Begriff „Rückkaufswert“ ein Euphemismus der Versicherungsindustrie, der grob irreführend ist. Denn wenn der Versicherungsschutz bei Kündigung erlischt, kann von einem echten „Rückkauf“ der Versicherung überhaupt keine Rede sein. Dies kann dann zum Problem werden, wenn die Abbuchung der Prämien eben nicht mehr so geräuschlos vonstatten geht oder wenn man dringenden Liquiditätsbedarf hat, aber trotzdem versichert bleiben möchte. Dabei ist es gar nicht notwendig, seine Versicherung gleich zu kündigen, nur um kurzfristigen Geldbedarf zu decken. Man kann sie auch verkaufen und wieder zurückerwerben.

Ist der erneute Gang zum Arzt unvermeidlich?

Oft wurde die Lebensversicherung mit Zusatzversicherungen abgeschlossen; am beliebtesten ist hier die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, kurz: BUZ. Kündigt man die Lebensversicherung, erlöschen auch automatisch alle Zusatzversicherungen. Das ist besonders deshalb ärgerlich, da man für den Abschluss der BUZ aufwendige Gesundheitsprüfungen durchzulaufen hat. Im Fall eines späteren Neuabschlusses ist dann erneut der Gang zum Arzt fällig. Denn die Gesundheitsprüfung muss dann wiederholt werden. Obendrein wird man dann aufgrund des höheren Alters oder geänderten Gesundheitszustandes in der Regel in teurere Prämienkategorien hochgestuft. Außerdem haben viele die Lebensversicherung nicht als reine Geldanlage abgeschlossen, sondern weil sie den Großteil zum Familieneinkommen beitragen und ihr Einkommen für die Familienmitglieder absichern wollen dies zumindest ist die Grundidee der Lebensversicherung.

Welche Alternativen gibt es zur Kündigung?

Auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen gibt es Unternehmen, die solche Policen ankaufen wo diese entweder im eigenen Bestand oder von Investoren weitergeführt werden, wie z.B. Policen Direkt, die auf ihrer Homepage die Marktführerschaft behaupten. Die Weiterführung der Police garantiert auch die Beibehaltung des Todesfallschutzes, allerdings wird dieser im Laufe der Zeit durch die Beitragszahlungen, die der Käufer nun anstelle des Versicherten weiterführt, aufgezehrt. Der Verkauf kommt daher obwohl schon eine bessere Alternative zur Kündigung nicht wirklich für jemanden in Frage, der Wert auf den Versicherungsschutz legt. Möglich ist auch eine Beitragsfreistellung. Ob diese bereits den erhofften Liquiditätsbedarf verschafft, ist ebenfalls fraglich. Außerdem werden, was vielen nicht bewusst ist, vom Versicherer auch bei einer Beitragsfreistellung ähnlich wie bei der Kündigung Kosten berechnet, die die Beitragsrendite schmälern. Auch der Policenkredit ist eine Möglichkeit, kurzfristig ein Darlehen aufzunehmen und seine Versicherung somit als Asset zu beleihen. Der Nachteil: Hier wird eine SchuFa-Auskunft fällig, bzw. ein entsprechender Eintrag vorgenommen. Auch sollte man darauf achten, bei wem man seine Police beleiht. Versicherungsunternehmen selbst sind zwar naheliegend, aber oft auch die teuersten Kreditgeber. Auch hier bieten Zweitmarktunternehmen wesentlich kostengünstigere Alternativen an.

Der „echte“ Rückkauf Gibt es ihn doch?

Sich Liquidität zu verschaffen und gleichzeitig den vollen Versicherungsschutz aufrechtzuerhalten, kurzfristig Geld aufs Konto ohne SchuFa-Eintrag: Was sich gleich zweifach nach Quadratur des Kreises anhört, das gibt es wirklich: Policencash, ein sogenannter „garantierter Verkauf“ der Versicherung ist ein Angebot des Frankfurter Marktführers, bei dem der Versicherungsnehmer sofort bis zu 90% des Rückkaufswertes für seine Police ausgezahlt bekommt, wobei hier der Käufer die Versicherung samt aller Zusatzversicherungen beibehält, indem er alle Kosten und Prämienzahlungen an seiner Stelle übernimmt. Die Garantie besteht darin, dass er die Police zu jedem beliebigen Zeitpunkt wieder zurückkaufen kann. Und in diesem Falle handelt es sich sogar um einen echten Rückkauf der Versicherung im eigentlichen Wortsinne. Denn im Gegensatz zur Kündigung hat sich bei diesem Rückkauf an seinem Versicherungsschutz nichts geändert. Der Versicherungsnehmer konnte somit seinen zwischenzeitigen Liquiditätsbedarf decken und ist während der gesamten Zeit versichert geblieben, da der Policenkäufer alle Prämien an den Versicherer weitergezahlt hat. Nach Rückkauf und garantierter Rückübertragung der Police ist alles wieder so wie vorher.

Kontaktieren Sie Ihren Bank- oder Sparkassenberater!

Rückkaufswert, Rückübertragung, Zusatzversicherung, garantierter Rückkauf Das alles ist nicht alltäglich und für viele nicht leicht zu verstehen. Wer auch nach Durchlesen der Informationen auf den Webseiten der Zweitmarktunternehmen nicht schlauer geworden ist oder Bedenken hat, dem empfehlen wir den Gang zu einem Berater bei einer Bank oder Sparkasse. Diese sind in der Regel auch mit dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen gut vertraut.
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