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Mi, 11:08 Uhr
31.10.2012

Der Monatsrückblick

Was boten die Filmabende im Panoramamuseum Bad Frankenhausen den Zuschauern? Hier der monatliche Rückblick von Fred Böhme.

Ein cineastisches Bonbon war der am 19. Oktober im StuKi 76 gezeigte Film "Die Liebe der Kinder", von dem ich zuvor noch nichts gehört hatte, der sich aber nicht nur durch exzellente Schauspielerleistungen, sondern auch durch eine herausragende dramaturgische Gestaltung, einer stringenten, gradlinigen und auf allen unnötigen Ballast verzichtenden Erzählhaltung und einer überraschenden Sensibilität für Details und winzige Gesten auszeichnete. Das war kein Film, in dem unendlich viel gesprochen wurde, hier vertraute ein Regisseur den Potentialen seiner Darsteller, deren Gesten, Gebärden, Blicken oder Körpersprache. Das grizzlige Bild, war es nun dem engen Budget geschuldet oder nicht, trug ästhetisch zur Erdung der Geschichte bei und demonstrierte, dass das keine auf Hochglanz getrimmte, sondern im Alltag verwurzelte Geschichte war. Den Machern dieses Films ist ein außergewöhnliches Meisterwerk gelungen, wie man es im deutschen Kino sonst nur von Andreas Dresen oder Christian Petzold geboten bekommt, das in seiner auf den wesentlichen Kern der Geschichte fixierten Erzählhaltung jedoch einzigartig dasteht. Da drängten sich doch unwillkürlich auch Parallelen zum sozial engagierten englischen Gegenwartskino eines Ken Loach auf und das ist nun wirklich eine Referenz.

Weniger stringent, dafür französisch leichtfüßiger war der Film "Der Name der Leute", den wir am vergangenen Freitag (26.10.) zeigten. Er nahm lustvoll die Lebenslügen der Alt68er und deren linksbürgerlichen Sprösslingen auf die Schippe. Da wurde skurril überzeichnend die Handlung bis ins Absurde vorangetrieben, mit Klischees der politischen Korrektheit, den Multikultiträumen oder des Gutmenschentums linker Menschenfreunde gespielt und dennoch auch die schwierige, nicht immer geglückte Balance mit tragischen Momenten versucht, indem der Holocaust oder der mörderische Algerienkrieg und die daraus erwachsenen Wunden und zwischenmenschlichen Verwerfungen thematisiert wurden. Abrupte Szenenwechsel oder eine an jiddischen Humor erinnernde Situationskomik verhinderten, dass das Tragische allzu schwergewichtig daher kam und es waren natürlich auch die beiden äußerst gegensätzlich angelegten Hauptfiguren, die durch spritzig aufspielende Darsteller der Filmhandlung den nötigen Schwung verliehen. Bei allen Pointen verkam der Film nicht zur Standupcomedie oder Slapstickmontage. Er bewahrte trotz allem eine realistische Erdung. Wunderbar auch, wie in diesem Film die gegensätzlichen, sich widerstreitenden inneren Monologe des Ichs inszeniert wurden, das war verblüffend einfach. Unplausibel war allerdings daran, dass das zweite Ich als wesentlich jüngeres Ich erschien. Das erleichterte zwar die Unterscheidung zwischen den beiden, verursachte aber auch die Irritation durch die Ungleichzeitigkeit der Ichs - vermutlich ein Witz nach surrealistischem Muster. Insgesamt bot der Film allerbeste Unterhaltung und ein gut gelauntes Publikum verließ danach das Panorama Museum.
Fred Böhme
Panoramamuseum Bad Frankenhausen
Autor: khh

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