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Mo, 11:34 Uhr
19.11.2012

Pflegebedarf steigt um 50 Prozent

Die Versorgungslücke in der Pflege wird bis zum Jahr 2030 vor allem in den Kommunen für große Herausforderungen sorgen. Während die Zahl der Pflegebe­dürftigen um rund 50 Prozent zunehmen wird, werden nach heutigen Berechnungen ohne grundlegende Weichenstellungen rund eine halbe Millionen Stellen für Vollzeitkräfte in der Pflege unbesetzt bleiben. Das zeigt der aktuelle Pflegereport der Bertelsmann Stiftung...


Allerdings stellt sich die Situation für die einzelnen Bundesländer und vor allem auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich dar. So weisen die Modellrechnungen für den Stadtstaat Bremen im Zeitraum von 2009 bis 2030 ein Wachstum der Zahl der Pflegebedürftigen von 28 Prozent aus, während die Wachstumsrate für Mecklenburg-Vorpommern mit 56 Prozent annähernd doppelt und für Brandenburg mit 72 Prozent sogar mehr als 2,5-mal so hoch ist.

Im Vergleich zum bun­desweiten Anstieg der Fallzahlen von durchschnittlich 47 Prozent zeigen sich auch für Berlin (56 Prozent), Bayern (54 Prozent), Schleswig-Holstein (54 Prozent) und Baden-Württemberg (54 Prozent) erhebliche Steigerungsraten. Auf der kommunalen Ebene sind die Unterschiede sogar noch ausgeprägter: Hier reichen die Steigerungsraten von knapp 14 Prozent (Landkreis Goslar) bis zu mehr als 100 Prozent (Landkreis München, Landkreis Oberhavel), wobei die Dynamik fast ausschließlich von der Altersstruktur in der jeweiligen Kommune abhängt.

Waren im Dezember 2009 in Deutschland 2,34 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung, wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis ins Jahr 2030 auf 3,4 Milli­onen und bis 2050 sogar auf 4,5 Millionen erhöhen. In der Studie wird der aus diesen Daten abgeleitete Personalbedarf in der Pflege in Beziehung gesetzt zum prognostizierten Personalangebot. Die daraus ermittelten Versorgungslücken können nun Grundlage für eine differenzierte Planung jeder Kommune sein.

Dabei werden die unterschiedlichen Versorgungsformen in den Vordergrund gerückt. Es wird darge­legt, wie sich die Verteilung dieser Versorgungsformen, also stationäre Pflege, ambulante Pflege oder Angehörigenpflege, in Zukunft unter verschiedenen Annahmen entwickeln wird und welche Auswirkungen dies für die Personalsituation in Pflegeeinrichtungen hat. Unter www.wegweiser-kommune.de stehen Informationen darüber zur Verfügung, wie es um die Pflegesituation in jedem Kreis beziehungsweise jeder kreisfreien Stadt bestellt ist.

„Der drohende Pflegenotstand ist längst bekannt; die Reaktionen reichen jedoch von schlichter Panikmache bis hin zur Vogel-Strauß-Haltung. Wir wollen weder das eine noch das andere, sondern mit dem Pflegereport Bevölkerung und Politik auf die vor uns liegende Wegstrecke für eine nachhaltige und sozial gerechte Bewältigung der künftigen Pflegebedarfe vorbereiten“, sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung des Pflege­reports in Berlin. Zukünftig werden die notwendigen Leistungen in der Pflege von profes­sionel­len Kräften allein nicht zu erbringen sein. Daher ist es notwendig, bei der Verwirklichung bedarfsgerechter Pflegekonzepte auf die Vernetzung aller verantwortlichen Personen und Institutionen zu achten, von der Stadtplanung über Wohnungsbaugesellschaften, Pflegekassen bis hin zu Leistungsanbietern.

„Den Grundsätzen ‚Rehabilitation vor Pflege‘ und ‚ambulant vor stationär‘ muss auf allen Ebe­nen Geltung verschafft werden. Wir brauchen darüber hinaus eine Mobilisierung der Zivilgesell­schaft, um die Chancen des längeren und gesünderen Lebens für die Bewältigung der demo­graphischen Risiken zu nutzen“, so Mohn weiter. „Darum wollen wir Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes-, aber vor allem auf kommunaler Ebene ermutigen, den Kopf auch bei düste­ren Prognosen nicht in den Sand zu stecken, sondern die Zeit bis 2030 zu nutzen, um dem Pflegenotstand in der eigenen Region zu begegnen.“ Den Kommunen kommt hierbei eine maßgebliche Rolle für die Prozess- und Angebotskoordinierung zu. Unabdingbare Voraussetzung ist daher eine Umsteuerung und Bündelung der entsprechenden Finanzquellen, um es den Kom­munen zu ermöglichen, eine entsprechende Unterstützungs- und Vernetzungsstruktur aufzu­bauen und dauerhaft zu unterhalten.

Datengrundlage

Auf Basis der Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2030 des „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann Stiftung sowie der Pflegestatistik aus dem Erhebungsjahr 2009 auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte des Statistischen Bundesamtes führte Prof. Dr. Heinz Roth­gang von der Universität Bremen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Vorausberechnungen zur Situation der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 durch.

Damit werden erstmals für Deutsch­land entsprechend kleinräumige Vorausberechnungen zur Zahl der Pflegebedürftigen und zur Inanspruchnahme von Pflegeeinrichtungen sowie zu den vorhersehbaren Versorgungslücken vorgestellt.
Autor: nnz

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Kommentare
Wolfi65
19.11.2012, 12:24 Uhr
Pflege billiger?
Ein ganz neuer Trend geht dahin, die Alten Leute ins osteuropäische Ausland zu schicken, denn dort hat man große Kapazitäten an Pflegeplätzen in den Altersheimen.
Auch kann man dort wohl besser mit einem spitzen Bleistift umgehen, denn die Plätze sind in diesen Ländern erheblich billiger.
Die Kranken- und Pflegekasse sind von diesem Modell sehr angetan.
Der große Nachteil ist aber in der Entfernung zu den "Lieben" daheim zu sehen.
Aber auch da kann das Internet mit Videoschaltungen usw. abhelfen.
Man muß es einfach real sehen.
Ob nun der Tisch, das Bett und der Schrank nach DIN Vorschrift in Deutschland oder in Tschechien steht, bestimmt das Portemonais des Betreffenden.
Eine Abhilfe könnte da jetzt das neue Anti-Alterungs-Gen schaffen.
Man wird einfach nicht mehr alt und kann bis in die Unendlichkeit schaffen.
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