Mo, 00:45 Uhr
03.12.2012
Für die Ewigkeit konserviert
Der Schacht "Ludwigshall" wird verfüllt. Einen Abriss zur Geschichte des Schachts bei Wolkramshausen gibt unser Leser Hans-Jürgen Schmidt.
Am 29.7.1942 ereignete sich auf der Schachtanlage "Ludwigshall" bei Wolkramshausen unter Tage auf 660 m-Sohle eine Explosion von 5.000 Granaten im Munitionslagerraum 68 der Heeresmunitionsanstalt. (siehe Bild unten und Bildergalerie 1)
Hier wurden Granaten mit Sprengstoff gefüllt. Zur Zeit der Explosion waren 211 Personen unter Tage. 145 Personen starben sofort. Die Ursachen der Explosion wurde nie geklärt. Ein Sabotageakt wurde ausgeschlossen. Der Sohn von Wilhelm Effmert, der spätere Werkdirektor vom Kaliwerk "Glückauf", erinnert sich: Der Vater war 6 Tage nicht zu Hause. Als Oberführer der Grubenwehr war er ständig im Einsatz. Die Schachteinrichtungen waren zerstört, so dass der Weg nach über Tage nur über die Fahrten im Schacht ging und das 660 m. Er hatte selbst 6 Menschen gerettet. Das bedeutete, auf der Brust wurde das Atmungsgerät angebracht und auf den Rücken galt es die verletzte Person zu tragen. Das war eine übermenschliche Leistung. "Nach dem Einsatz war mein Vater ergraut." Das grausige Geschehen unter Tage und die Anstrengungen hatten ihn gekennzeichnet.
Nach den Aufräumungsarbeiten wurde die Munitionsherstellung wieder aufgenommen.
Im Juli 2012 gab es nochmals die Möglichkeit den unter Tage Bereich zu befahren. Karsten Schröter aus Kleinfurra nutze die Gelegenheit und machte eine Dokumentation mit Bildern, die er genehmigte zu veröffentlichen. Hier werden einige Bilder veröffentlicht. (siehe Bilder 2 bis 17)
Das war die letzte Grubenfahrt bis zum Füllort auf Ludwigshall. Ab jetzt übernahm der Schachtbau verbunden mit der Bergsicherung Ilfeld die Regie. Im Auftrag des Thüringer Landesbergamtes wurde die Verwahrung des Schachtes Ludwigshall in Auftrag gegeben. Die Planung und Bauleitung übernahm die K-utec AG Salt Technologies unter dem Beauftragen der AG, Dr. Thomas Fitz. Die Bauausführung übernahm der Schachtbau Nordhausen gemeinsam der Bergsicherung Ilfeld. Vor Ort ist der Betriebstellenleiter Roland Adelt verantwortlich. Das Vorhaben wird von der Europäischen Und dem Freistaat Thüringen finanziert.
Die Verfüllung der Schachtröhre begann am 1.November 2012 und soll im November2013 beendet sein. Zur Zeit wird in 2 Schichten gearbeitet. Es sind jeweils 6 bis 7 Arbeitskräfte pro Schicht eingeteilt. Es sind alles erfahrenen Bergleute, angefangen von Fördermaschinisten über Schlosser bis zu ehemaligen Hauer. (siehe Bild 23 bis 25)
Bevor die Verfüllung begann, musste die Schachtabdeckung vom Typ Orlas beseitigt werden und der Pfropfen in der Röhre wurde gesprengt, so das wieder eine Befahrung bis zum Füllort möglich war. Der Schacht war weites gehend trocken und das Mauerwerk war stabil. Am Füllort standen 30 cm Lauge und die 1,5 km lange Strecke zu ehemaligen Schacht Immenrode war ebenfalls laugenfrei. Der Schacht Immenrode wurde vom Oktober 2009 bis zum April 2011 verfüllt und ist mit einer Betonabdeckung versehen.
Zuerst wurde das Füllort mit Granitgestein (Hartsteinschotter als Widerlager) verfüllt. Dazu war sicherlich erst eine Baustelleneinrichtung mit Förderturm und einer Fördermaschine notwendig. Dann wird verfüllt mit Kies, Split, Sand und Grußasphalt. (siehe Bild 18 ). Bei der Befahrung der Baustelle wurde gerade Kies eingebracht. Das geschieht mit Hilfe von einem Lader, einem Förderband und einem Trichter der in eine Stahlröhre von 250 mm mündet. Darin fließt der Kies bis zur Baustelle in der Schachtröhre, gegenwärtig bei gegen 500 m. Dort wird der Kies verbreitet und verfestigt. ( siehe Bild 26 ) Analog wir dann bis zur endgültigen Verfüllung verfahren. Geschützt werden die Bergleute von der heiligen Barbara, die symbolische mit 2 Leuchten am Förderturm angebracht ist (siehe Bild 27 ).
Nicht unerwähnt soll sein, dass die Metallgestaltung von Lutz Martin, dessen Werkstatt gegenüber der Baustelleneinrichtung steht, plant, inspiriert vor Tätigkeit der Mannschaft, die die Schachtröhre verfüllen, ein kleines Museum einzurichten. Im Bild 28 sind die Metallkünstler zusehen
Wenn der Schacht endgültig verfüllt ist kann man sagen, dass das Geschehen der Heeresmunitionsanstalt endgültig für die Ewigkeit konserviert ist. Da die Lagerstätte zwischen Glückauf Sondershausen, Ludwigshall und Immenrode nicht erschöpft ist, besteht sicherlich die Möglichkeit am Tag X nochmals eine Kaliproduktion ins Leben zu rufen.
Bilder von unter Tage: Karsten Schröter
Bilder von über Tage und Text: Hans-Jürgen Schmidt
Bildtexte für Bildergalerie:
Bild 0 = Lageplan des Werke in Wolkramshausen um 1925
Bild 1= Belegschaft der Heeresmunitionsanstalt im Frühjahr 1842
Bild 2 = Hinweisschild
Bild 3 = Die Streck nach dem Schacht Immenrode (Länge der Strecke: 1,5 km)
Bild 4 = Ein Produktionsraum
Bild 5 = Eingang zu einem Aufenthaltsraum für Frühstück usw.
Bild 6 = Gedenktafel
Bild 7 = Namentliche Aufstellung der Verunglückten
Bild 8 = Förderwagen, der durch die Wucht der Explosion in den Stoß gepreßt wurde
Bild 9 = Reste eines Zementsackes aus Sachsen
Bild 10 = Letzte Befahrung im Füllortbereich
Bild 11 = Hinweisschild
Bild 12 = Scheißkübel
Bild 13 - Hier haben sich Bergleute verewigt
Bild 14 = Die Explosion bedingte, dass die Stöße schwarz gefärbt wurden. Später wurden die Stöße vom Schwarz befreit und Figuren herausgearbeitet .
Bild 15 = Ein Auffaltung im Gebirge
Bild 16/17 = Hinweisschilder
Bild 18 = Auffüllungsplan mit Dichtungselementen in der Schachtröhre
Bild 19 = Bild von der Baustelleneinrichtung. Die Schachtabdeckung vom Typ Orlas ist noch zu sehen.
Bild 20 - Das Fördergerüst
Bild 21 - Blick in den Schacht
Bild 22 = Der Fördermaschinist
Bild 23 = Die Fördermaschine
Bild 24 = Kollegen bei der Ausfahrt
Bild 25 = Kollegen der Frühschicht am 29.11.2012
Bild 26 = Kies wird in den Schacht eingefüllt
Bild 27 = Die Heilige Barbara
Bild 28 = Belegschaftsmitglieder der Lutz-Martin Figula (www.figula.de), die ein Museum geplant haben.
Autor: khhAm 29.7.1942 ereignete sich auf der Schachtanlage "Ludwigshall" bei Wolkramshausen unter Tage auf 660 m-Sohle eine Explosion von 5.000 Granaten im Munitionslagerraum 68 der Heeresmunitionsanstalt. (siehe Bild unten und Bildergalerie 1)
Hier wurden Granaten mit Sprengstoff gefüllt. Zur Zeit der Explosion waren 211 Personen unter Tage. 145 Personen starben sofort. Die Ursachen der Explosion wurde nie geklärt. Ein Sabotageakt wurde ausgeschlossen. Der Sohn von Wilhelm Effmert, der spätere Werkdirektor vom Kaliwerk "Glückauf", erinnert sich: Der Vater war 6 Tage nicht zu Hause. Als Oberführer der Grubenwehr war er ständig im Einsatz. Die Schachteinrichtungen waren zerstört, so dass der Weg nach über Tage nur über die Fahrten im Schacht ging und das 660 m. Er hatte selbst 6 Menschen gerettet. Das bedeutete, auf der Brust wurde das Atmungsgerät angebracht und auf den Rücken galt es die verletzte Person zu tragen. Das war eine übermenschliche Leistung. "Nach dem Einsatz war mein Vater ergraut." Das grausige Geschehen unter Tage und die Anstrengungen hatten ihn gekennzeichnet.
Nach den Aufräumungsarbeiten wurde die Munitionsherstellung wieder aufgenommen.
Im Juli 2012 gab es nochmals die Möglichkeit den unter Tage Bereich zu befahren. Karsten Schröter aus Kleinfurra nutze die Gelegenheit und machte eine Dokumentation mit Bildern, die er genehmigte zu veröffentlichen. Hier werden einige Bilder veröffentlicht. (siehe Bilder 2 bis 17)
Das war die letzte Grubenfahrt bis zum Füllort auf Ludwigshall. Ab jetzt übernahm der Schachtbau verbunden mit der Bergsicherung Ilfeld die Regie. Im Auftrag des Thüringer Landesbergamtes wurde die Verwahrung des Schachtes Ludwigshall in Auftrag gegeben. Die Planung und Bauleitung übernahm die K-utec AG Salt Technologies unter dem Beauftragen der AG, Dr. Thomas Fitz. Die Bauausführung übernahm der Schachtbau Nordhausen gemeinsam der Bergsicherung Ilfeld. Vor Ort ist der Betriebstellenleiter Roland Adelt verantwortlich. Das Vorhaben wird von der Europäischen Und dem Freistaat Thüringen finanziert.
Die Verfüllung der Schachtröhre begann am 1.November 2012 und soll im November2013 beendet sein. Zur Zeit wird in 2 Schichten gearbeitet. Es sind jeweils 6 bis 7 Arbeitskräfte pro Schicht eingeteilt. Es sind alles erfahrenen Bergleute, angefangen von Fördermaschinisten über Schlosser bis zu ehemaligen Hauer. (siehe Bild 23 bis 25)
Bevor die Verfüllung begann, musste die Schachtabdeckung vom Typ Orlas beseitigt werden und der Pfropfen in der Röhre wurde gesprengt, so das wieder eine Befahrung bis zum Füllort möglich war. Der Schacht war weites gehend trocken und das Mauerwerk war stabil. Am Füllort standen 30 cm Lauge und die 1,5 km lange Strecke zu ehemaligen Schacht Immenrode war ebenfalls laugenfrei. Der Schacht Immenrode wurde vom Oktober 2009 bis zum April 2011 verfüllt und ist mit einer Betonabdeckung versehen.
Zuerst wurde das Füllort mit Granitgestein (Hartsteinschotter als Widerlager) verfüllt. Dazu war sicherlich erst eine Baustelleneinrichtung mit Förderturm und einer Fördermaschine notwendig. Dann wird verfüllt mit Kies, Split, Sand und Grußasphalt. (siehe Bild 18 ). Bei der Befahrung der Baustelle wurde gerade Kies eingebracht. Das geschieht mit Hilfe von einem Lader, einem Förderband und einem Trichter der in eine Stahlröhre von 250 mm mündet. Darin fließt der Kies bis zur Baustelle in der Schachtröhre, gegenwärtig bei gegen 500 m. Dort wird der Kies verbreitet und verfestigt. ( siehe Bild 26 ) Analog wir dann bis zur endgültigen Verfüllung verfahren. Geschützt werden die Bergleute von der heiligen Barbara, die symbolische mit 2 Leuchten am Förderturm angebracht ist (siehe Bild 27 ).
Nicht unerwähnt soll sein, dass die Metallgestaltung von Lutz Martin, dessen Werkstatt gegenüber der Baustelleneinrichtung steht, plant, inspiriert vor Tätigkeit der Mannschaft, die die Schachtröhre verfüllen, ein kleines Museum einzurichten. Im Bild 28 sind die Metallkünstler zusehen
Wenn der Schacht endgültig verfüllt ist kann man sagen, dass das Geschehen der Heeresmunitionsanstalt endgültig für die Ewigkeit konserviert ist. Da die Lagerstätte zwischen Glückauf Sondershausen, Ludwigshall und Immenrode nicht erschöpft ist, besteht sicherlich die Möglichkeit am Tag X nochmals eine Kaliproduktion ins Leben zu rufen.
Bilder von unter Tage: Karsten Schröter
Bilder von über Tage und Text: Hans-Jürgen Schmidt
Bildtexte für Bildergalerie:
Bild 0 = Lageplan des Werke in Wolkramshausen um 1925
Bild 1= Belegschaft der Heeresmunitionsanstalt im Frühjahr 1842
Bild 2 = Hinweisschild
Bild 3 = Die Streck nach dem Schacht Immenrode (Länge der Strecke: 1,5 km)
Bild 4 = Ein Produktionsraum
Bild 5 = Eingang zu einem Aufenthaltsraum für Frühstück usw.
Bild 6 = Gedenktafel
Bild 7 = Namentliche Aufstellung der Verunglückten
Bild 8 = Förderwagen, der durch die Wucht der Explosion in den Stoß gepreßt wurde
Bild 9 = Reste eines Zementsackes aus Sachsen
Bild 10 = Letzte Befahrung im Füllortbereich
Bild 11 = Hinweisschild
Bild 12 = Scheißkübel
Bild 13 - Hier haben sich Bergleute verewigt
Bild 14 = Die Explosion bedingte, dass die Stöße schwarz gefärbt wurden. Später wurden die Stöße vom Schwarz befreit und Figuren herausgearbeitet .
Bild 15 = Ein Auffaltung im Gebirge
Bild 16/17 = Hinweisschilder
Bild 18 = Auffüllungsplan mit Dichtungselementen in der Schachtröhre
Bild 19 = Bild von der Baustelleneinrichtung. Die Schachtabdeckung vom Typ Orlas ist noch zu sehen.
Bild 20 - Das Fördergerüst
Bild 21 - Blick in den Schacht
Bild 22 = Der Fördermaschinist
Bild 23 = Die Fördermaschine
Bild 24 = Kollegen bei der Ausfahrt
Bild 25 = Kollegen der Frühschicht am 29.11.2012
Bild 26 = Kies wird in den Schacht eingefüllt
Bild 27 = Die Heilige Barbara
Bild 28 = Belegschaftsmitglieder der Lutz-Martin Figula (www.figula.de), die ein Museum geplant haben.




























