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Mi, 18:39 Uhr
19.12.2012

Zum Schwibbogen

In Bad Frankenhausen werden Schwibbögen mit Motiven aus der Stadt angeboten. Deshalb ein paar Gedanken zur Geschichte der Schwibbögen von unserem Leser Hans-Jürgen Schmidt.

Der älteste bekannte Schwibbogen datiert auf das Jahr 1740 steht Johanngeorgenstadt und besteht aus Metall. Erst 2003 wurde die Jahreszahl unter einer jüngeren Farbschicht entdeckt. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass sich der Bogen mit der Aufschrift "1778" und "J. C. Teller" in seiner ursprünglichen Bemalung dargestellt wurde. Weitere frühe Schwibbögen stammen von 1796 und um 1810. Als Schwibbogen bezeichnet man einen Lichterbogen aus dem Erzgebirge. Hier sind Schwibbögen ein fester Bestandteil der Erzgebirgischen Volkskunst. Der Name leitet sich von seiner Form, der eines Schwebe- oder Strebbogens ab, die sich in ähnlicher Form in der Architektur wiederfinden.

Zum Schwibbogen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Zum Schwibbogen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Schwibbogen aus Johanngeorgenstadt

Entgegen der oft geäußerten Behauptung, die Form des Schwibbogens symbolisiere das Mundloch eines Stollens, ist nicht wahrscheinlich. Die Symbolisierung des Himmelsbogens ist daher weitaus bestimmender. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden Schwibbogen meist aus Metall gefertigt. Heute ist Holz als Werkstoff am Verbreitetesten. Die auf dem Bogen aufgesetzten Lichter waren Ausdruck der Sehnsucht der Bergleute nach Tageslicht, das sie vor allem in den Wintermonaten oft über Wochen nicht zu Gesicht bekamen.

Zum Arbeitsbeginn am frühen Morgen war es noch dunkel, und nach dem Ende der Schicht am Abend war die Sonne bereits untergegangen. Die im Schwibbogen dargestellten Motive spiegeln den Alltag der Bergleute und ihrer Familien wider. Eines der bekanntesten Motive zeigt neben verschiedenen Symbolen zwei Bergleute, einen Schnitzer und eine Klöpplerin und verkörpert damit drei der Haupterwerbsquellen der erzgebirgischen Landbevölkerung des 18. und 19. Jahrhunderts. Weitere Varianten zeigen christliche Motive aus der Weihnachtsgeschichte oder den Wald und dessen Tiere. Ein weiteres bekanntes Motiv ist die Kirche des für seine Volkskunst bekannten Erzgebirgsdorfes Seiffen. Die Darstellung des Sündenfalls und der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden, welche sich durchweg auf den ältesten erhaltenen Schwibbögen des 18.

Jahrhunderts findet, ist demgegenüber heute nicht mehr gebräuchlich. Vornehmlich zur Advents- und Weihnachtszeit werden die heute in der Regel elektrisch beleuchteten Bögen seit Mitte des letzten Jahrhunderts in die Fenster vieler Häuser, auch weit außerhalb der Erzgebirgsregion gestellt und finden als Großbögen auch im Außenbereich Verwendung. Der derzeit weltweit größte Außenschwibbogen ist 2009 in Gahlenz für den Dresdner Striezelmarkt geschaffen wurde.

Mit dem beleuchteten Schwibbogen im Fenster war eine weitere Symbolik verbunden: das Licht des Schwibbogens sollte den Bergleuten den sicheren Weg zurück ins Heim weisen.

Text und Fotos: Hans-Jürgen Schmidt

Bildtexte:
- Schwibbögen aus Seiffen
- DDR-Briefmarken,die sich mit der Geschichte der Schwibbögen beschäftigen
Zum Schwibbogen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Zum Schwibbogen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Zum Schwibbogen (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Autor: khh

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