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Fr, 06:45 Uhr
21.12.2012

Forum: Erinnern an Genthin

Manchmal ist es gut, dass der Mensch vergessen kann, vor allem dann, wenn es sich um schwerste Schicksalsschläge, Unfälle oder persönliche Niederlagen handelt. Gedenken ist vielleicht eine Form, das vollständige Vergessen zu verhindern, als Referenz an die Opfer von Krieg, Gewalt und Unheil aller Art...


Das Jahr 1939 hat sich als Beginn der Apokalypse des Zweiten Weltkriegs für immer in unser Gedächtnis und in unser historisches Erinnern eingebrannt. 60 Millionen Menschen verloren bis Mai 1945 ihr Leben an den Fronten, in den Konzentrationslagern und bei Bombenangriffen. - Was sind gegen diese entsetzliche Zahl schon 278 Tote und 453 Verletzte, die das schwerste deutsche Zugunglücks vom 22. Dezember 1939 in Genthin forderte? Eine provokante Frage, - zugegeben. Darf man sie überhaupt stellen oder darf man sie so stellen?

Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges kann sie vielleicht nur politisch beantwortet werden. Eine Relativierung der Kriegstoten verbietet sich. Und jene der Opfer einer Zugkatastrophe im Nazideutschland des Jahres 1939? Auch die Opfer der Zugkatastrophe hatten Angehörige, die trauerten, weil ein geliebter Mensch nicht mehr heimkehrte, wer und was er auch immer damals war.

Jedenfalls erinnert sich kaum noch jemand an das Geschehen und an die Hintergründe jener mitternächtlichen Kollision, zwei Tage vor der ersten Kriegsweihnacht. In unserem Gedächtnis sind die Unglücke von Eschede vom Sommer 1998 mit 101 Toten und jenes von Langenweddingen vom Sommer 1967 mit mindestens 76 Opfern, von denen die meisten Ferienkinder waren, verankert.

Die Erinnerung an Genthin 1939 hingegen ist verblasst. Der Krieg mit all seinen Greuel hat sich über dieses Zugunglück gelegt und natürlich die viel längere Zeit, die seitdem vergangen ist. Erst nach der Wende wurde am Bahnhof Genthin im heutigen Sachsen-Anhalt ein Denkmal für die 278 Todesopfer der Zugkatastrophe enthüllt.

Anhand von mehreren Literaturstellen möchte ich die schwerste deutsche Zugkatastrophe in einem weiteren nnz-Beitrag in unser Gedächtnis zurückrufen. Morgen am 73. Jahrestag des Geschehens oder an den verbleibenden Tagen bis Weihnachten.

Mich persönlich hat das Unglück vielleicht auch deswegen beschäftigt, weil mein Urgroßvater während jener Zeit selbst mit D-Zügen durch die Lande brauste und ich mich mit ihm als Kind mitunter über seine Erinnerungen unterhielt.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Wolfi65
21.12.2012, 13:39 Uhr
Hat nix mit Politik zutun
Sehr geehrter Herr Schwarzberg.
Es verwundert mich wirklich, dass Sie so ein Ereignis kurz vor der Weihnachtszeit zum Anlass des Gedenkens nehmen. Leider lese ich mit Verlaub einen gewissen politischen Unterton, welcher nichts aber auch gar nichts mit diesem schlimmsten aller Bahnunfälle in Deutschland gemein hat.

Nationalsozialismus hin oder her. Es war ein ganz unpolitischer Bahnunfall, wie er auch in anderen Ländern und politischen Zeiten vorgekommen ist und auch in Zukunft leider vorkommen wird. Der Faktor Mensch ist das schwächste Glied bei der Sicherheit.

Es sind verschiedene unglückliche Faktoren zusammen gekommen, welche nicht hätten passieren dürfen. So hätte der D 10 aus Berlin nicht durch Handsignal abgewunken werden dürfen. Dieses Nothaltesignal war wohl für den nachfolgenden D 180 bestimmt.

Leider hat es eine Folgenschwere Verwechslung im Eifer des Gefechtes gegeben. Man sollte nicht zu hart über die ehemaligen Kollegen der Deutschen Reichsbahn urteilen, denn niemand weiss wirklich, wie er in so einer Situation handeln würde.

Was mich wirklich verwundert ist die Tatsache, dass der schuldige Lokführer mit einem relativ milden Urteil davongekommen ist. Gerade in dieser Zeit hätte ich mir bei den vielen Toten und Verletzten, letzt endlich auch dem Volkswirtschaftlichen Schaden, eine andere Strafe auch vorstellen können.

Am Schluss kann man nur schreiben, dass so etwas in nächster Zeit nicht wieder passieren sollte. Eschede hat uns leider eines Besseren belehrt.
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