Di, 07:46 Uhr
05.03.2013
Am Ende jubelte das Publikum
Chris Cacavas & Steve Wynn live im Panorama Museum. Das ließen sich viel Fans nicht entgehen, wie Fred Böhme vom Panorama Bad Frankenhausen berichtet.
Mehr als 90 Besucher fanden am Freitag, dem 22. Februar, den Weg auf den Schlachtberg zum Auftritt der Indie-Pop-Veteranen STEVE WYNN und CHRIS CACAVAS, das waren mehr als bei ihrem Konzert am Vortag in Stuttgart gewesen und als diese dann erwartungsfroh Platz genommen hatten, betrat erst einmal Chris Cacavas zu einem 30-minütigen Soloauftritt die Bühne. Chris stöpselte die Gitarre ein und begann einen musikalischen Ausflug durch die seine CD-Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre, wobei er logischer Weise Stücken der letzten CDs den Vorrang gab. Er begann eher verhalten-melancholisch mit "Wash those fears away" von seinem 2009er Silberling "Love´s been discontinued", sang mit seiner markanten hohen Stimme und begleitete sich dazu auf seiner metallisch-obertonreich klingenden akustischen Gitarre. Und diese Begleitung war durchaus nuanciert und abwechslungsreich. Ein typischer 3,4-Akkordsong, der trotz aller Simplizität doch melodisch prägnant war und sich ins Gedächtnis einprägte. Und diese leisen, ganz einfach strukturierten Lieder, die deswegen nicht simpel arrangiert sein müssen, hier allerdings reduziert auf ihren musikalischen Kern dargeboten wurden, sind die besondere Stärke des Songschreibers Chris Cacavas. Wovon sich der Musikfreund auf seinen CDs beginnend bei "Good Times" von 1992 über "Anonymous" von 1997 bis zu seinem jüngsten Opus "Love´s been re-discontinued" von 2013 überzeugen kann. Als nächstes folgte sein großartiges "Tell me everything", das als Song melodisch so stark ist, dass es auch ganz ohne Begleitband funktionierte und ihn auch als versierten Gitarristen zeigte.
Schon bei Titel Nummer drei "Who´s your whore" zog er das Tempo an, wechselte zwischen perkussiven Riffakkorden zu gezupftem Melodiespiel. Unverkennbar war sein Versuch, innerhalb des kurzen Sets dramaturgisch einen Spannungsbogen von eher ruhig zu stärker rhythmisch akzentuierten Stücken aufzubauen. Bei "California (into the ocean)" von der CD "Bumbling home from the star" aus dem Jahr 2002, das etwas an John-Lennon-Songs der Spätphase erinnerte, wechselte Chris ans Keyboard und hier zeigte er sein besonderes instrumentales Können. Bekanntlich war er schon bei den legendären GREEN ON RED der Keyboarder gewesen.
Womit Chris besondere Sympathiepunkte bei seinem Publikum gewann, waren seine launigen, im lustig akzentuierten Deutsch vorgetragenen Ansagen und Zwischenkommentare.
Nach der Pause betrat dann Steve Wynn die Bühne und begann erst einmal vier Songs allein vorzutragen. Gravierendster Unterschied zum ersten Teil, die Stücke von Steve sind weniger verspielt als die von Chris, seine Begleitung zwar eindimensionaler, aber rhythmisch-perkussiver und damit zupackender, irgendwie rockiger. Seine dunkle, nicht sehr nuancenreiche Stimme setzte er sehr effektiv ein, oft in Form eines aggressiv-treibenden Sprechgesangs, nutzte dabei auch geschickt den Nahbesprechungseffekt des dynamischen Mikrophons und gab ihr zusätzliche Fülle. Diese Songs gingen eher in den Bauch.
Auftakt machte das rockig, leicht bluesige Stück "40 S" mit der prägnanten Refrainzeile "I go down to the medicine show". Der Aufforderung der sich ständig wiederholenden, prägnant präsentierten Refrainzeile des dritten gleichnamigen Songs "Follow me" folgte das Publikum anfangs noch etwas verhalten, dem darauf folgenden mitreißenden Bluessong von Blind Lemon Jefferson konnte es sich dann nicht mehr entziehen. Da machte es nichts, wenn Steve sich ab und zu mal auf der Gitarre bei seinen geschlagenen Akkordriffs vergriff, kurz stockte, um dann den Song fortzusetzen. Es war dieser energetisch-mitreißende Vortrag, diese Energie, die von der Bühne herunter kam und das Publikum zunehmend packte.
Dann betrat wiederum Chris die Bühne und verstärkte Steve am Keyboard mit überaus abwechslungsreichen, fast jazzigen Orgel- und Keyboardpassagen und sang bei mehreren Songs die zweite Stimme. Bemerkenswert war auch seine Akkordeonbegleitung bei zwei Stücken Steves, die einerseits an Musettemusik, dann wieder an Django-Reinhardt-Jazz aus den 1930er Jahren erinnerten. Sicher ist das ein Beleg dafür, dass sich Steve beim Songwriting ohne musikalische Scheuklappen auch durch die europäische Musik bewegt. Weiter ging es durch die lange Songschreiberkarriere von Steve Wynn. Von "Carolyn" über "Boston" und "Grace" steigerten die beiden Musiker beständig die Intensität ihres Vortrags bis hin zum furiosen Klassiker "Amphetamin", womit sie ihr Publikum vollends gewonnen hatten. Es war erstaunlich, wie dicht der auf zwei Musiker reduzierte Sound dennoch war. Und natürlich waren auch hier wie bei vielen der CD-Einspielungen Steves Wynns Anleihen in der Rockmusikgeschichte wie den legendären VELVET UNDERGROUND oder Loo Reed unüberhörbar gewesen, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Popmelodieseligkeit und einem gut geerdeten Gefühl für hymnischen Geradeausrock.
Am Ende jubelte das Publikum und entließ die Musiker erst nach drei Zugaben. Nach dem Konzert meinte Steve lächelnd, dass es hier in Bad Frankenhausen viel schöner für sie gewesen sei als am Abend zuvor.
Text und Fotos: Fred Böhme
Autor: khhMehr als 90 Besucher fanden am Freitag, dem 22. Februar, den Weg auf den Schlachtberg zum Auftritt der Indie-Pop-Veteranen STEVE WYNN und CHRIS CACAVAS, das waren mehr als bei ihrem Konzert am Vortag in Stuttgart gewesen und als diese dann erwartungsfroh Platz genommen hatten, betrat erst einmal Chris Cacavas zu einem 30-minütigen Soloauftritt die Bühne. Chris stöpselte die Gitarre ein und begann einen musikalischen Ausflug durch die seine CD-Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre, wobei er logischer Weise Stücken der letzten CDs den Vorrang gab. Er begann eher verhalten-melancholisch mit "Wash those fears away" von seinem 2009er Silberling "Love´s been discontinued", sang mit seiner markanten hohen Stimme und begleitete sich dazu auf seiner metallisch-obertonreich klingenden akustischen Gitarre. Und diese Begleitung war durchaus nuanciert und abwechslungsreich. Ein typischer 3,4-Akkordsong, der trotz aller Simplizität doch melodisch prägnant war und sich ins Gedächtnis einprägte. Und diese leisen, ganz einfach strukturierten Lieder, die deswegen nicht simpel arrangiert sein müssen, hier allerdings reduziert auf ihren musikalischen Kern dargeboten wurden, sind die besondere Stärke des Songschreibers Chris Cacavas. Wovon sich der Musikfreund auf seinen CDs beginnend bei "Good Times" von 1992 über "Anonymous" von 1997 bis zu seinem jüngsten Opus "Love´s been re-discontinued" von 2013 überzeugen kann. Als nächstes folgte sein großartiges "Tell me everything", das als Song melodisch so stark ist, dass es auch ganz ohne Begleitband funktionierte und ihn auch als versierten Gitarristen zeigte.
Schon bei Titel Nummer drei "Who´s your whore" zog er das Tempo an, wechselte zwischen perkussiven Riffakkorden zu gezupftem Melodiespiel. Unverkennbar war sein Versuch, innerhalb des kurzen Sets dramaturgisch einen Spannungsbogen von eher ruhig zu stärker rhythmisch akzentuierten Stücken aufzubauen. Bei "California (into the ocean)" von der CD "Bumbling home from the star" aus dem Jahr 2002, das etwas an John-Lennon-Songs der Spätphase erinnerte, wechselte Chris ans Keyboard und hier zeigte er sein besonderes instrumentales Können. Bekanntlich war er schon bei den legendären GREEN ON RED der Keyboarder gewesen.
Womit Chris besondere Sympathiepunkte bei seinem Publikum gewann, waren seine launigen, im lustig akzentuierten Deutsch vorgetragenen Ansagen und Zwischenkommentare.
Nach der Pause betrat dann Steve Wynn die Bühne und begann erst einmal vier Songs allein vorzutragen. Gravierendster Unterschied zum ersten Teil, die Stücke von Steve sind weniger verspielt als die von Chris, seine Begleitung zwar eindimensionaler, aber rhythmisch-perkussiver und damit zupackender, irgendwie rockiger. Seine dunkle, nicht sehr nuancenreiche Stimme setzte er sehr effektiv ein, oft in Form eines aggressiv-treibenden Sprechgesangs, nutzte dabei auch geschickt den Nahbesprechungseffekt des dynamischen Mikrophons und gab ihr zusätzliche Fülle. Diese Songs gingen eher in den Bauch.
Auftakt machte das rockig, leicht bluesige Stück "40 S" mit der prägnanten Refrainzeile "I go down to the medicine show". Der Aufforderung der sich ständig wiederholenden, prägnant präsentierten Refrainzeile des dritten gleichnamigen Songs "Follow me" folgte das Publikum anfangs noch etwas verhalten, dem darauf folgenden mitreißenden Bluessong von Blind Lemon Jefferson konnte es sich dann nicht mehr entziehen. Da machte es nichts, wenn Steve sich ab und zu mal auf der Gitarre bei seinen geschlagenen Akkordriffs vergriff, kurz stockte, um dann den Song fortzusetzen. Es war dieser energetisch-mitreißende Vortrag, diese Energie, die von der Bühne herunter kam und das Publikum zunehmend packte.
Dann betrat wiederum Chris die Bühne und verstärkte Steve am Keyboard mit überaus abwechslungsreichen, fast jazzigen Orgel- und Keyboardpassagen und sang bei mehreren Songs die zweite Stimme. Bemerkenswert war auch seine Akkordeonbegleitung bei zwei Stücken Steves, die einerseits an Musettemusik, dann wieder an Django-Reinhardt-Jazz aus den 1930er Jahren erinnerten. Sicher ist das ein Beleg dafür, dass sich Steve beim Songwriting ohne musikalische Scheuklappen auch durch die europäische Musik bewegt. Weiter ging es durch die lange Songschreiberkarriere von Steve Wynn. Von "Carolyn" über "Boston" und "Grace" steigerten die beiden Musiker beständig die Intensität ihres Vortrags bis hin zum furiosen Klassiker "Amphetamin", womit sie ihr Publikum vollends gewonnen hatten. Es war erstaunlich, wie dicht der auf zwei Musiker reduzierte Sound dennoch war. Und natürlich waren auch hier wie bei vielen der CD-Einspielungen Steves Wynns Anleihen in der Rockmusikgeschichte wie den legendären VELVET UNDERGROUND oder Loo Reed unüberhörbar gewesen, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Popmelodieseligkeit und einem gut geerdeten Gefühl für hymnischen Geradeausrock.
Am Ende jubelte das Publikum und entließ die Musiker erst nach drei Zugaben. Nach dem Konzert meinte Steve lächelnd, dass es hier in Bad Frankenhausen viel schöner für sie gewesen sei als am Abend zuvor.
Text und Fotos: Fred Böhme
