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So, 16:39 Uhr
31.03.2013

Ferdinand Förstemann und Carl Duval

Im Zeitraum vom 18. Juli bis zum 8. September 2013 werden elf Mitglieder die Familie Förstemann (Foerstemann) aus Nordhausen in einer Sonderausstellung im Untergeschoss der Flohburg | Das Nordhausen Museum vorgestellt, vier von ihnen sehr umfassend. Einer von diesen ist der Buchhändler und Verleger Ferdinand Förstemann, der am Kornmarkt sein Geschäft hatte...


Buchtitel (Foto: Archiv Kneffel) Buchtitel (Foto: Archiv Kneffel) Die Bücher, die er herausgab, sind in beachtlicher Zahl im Stadtarchiv in Nordhausen vorhanden. Eine Publikation soll vorgestellt werden. Das kleine Buch trägt den Titel „Die Bergfesten Kiffhausen und Rothenburg“, ist 1846 in Nordhausen erschienen und mit vier lithographischen Ansichten versehen, die von dem aus Nordhausen stammenden Geschwisterpaar Carl und Ferdinand Duval stammen. Den Text schrieb Carl Duval (1807-1853), der sowohl Schriftsteller als auch Graphiker und Maler war. Vielleicht verführen die Grafiken, eine Osterwanderung in unsere Umgebung zu starten.

In dem zweibändigen Werk „Das tausendjährige Nordhausen“, 1927 erschienen, wird in dem Kapitel „Ehrentempel. Nordhäuser von Ruf während des 19. und 20. Jahrhunderts“ auch Carl Duval erwähnt. „Der Maler-Schriftsteller K. Duval ist am 19. Mai 1807 in Nordhausen geboren. Als Schriftsteller und Künstler machte er sich bekannt in dem Sammelwerke 'Thüringen und der Harz', 1837-1845 in 8 Bänden zu Sondershausen erschienen ... Selbständig schreibt er 1845 'Das Eichsfeld', 632 Seiten mit 24 Ansichten nach Originalen von Karl und Ferdinand Duval. Er stirbt am 19. August 1853.“

Das erste Bild des Bergfestenbändchens zeigt einen Blick auf das Gebirge mit der Rothenburg und der Ruine der Reichsburg Kyffhausen (das Denkmal gab es noch nicht), wie es sich um 1846 bot. Eine Brücke führt selbstverständlich auch heute über die Helme und Kelbra kuschelt sich in das Vorland des Höhenzuges. Die vier von den Gebrüdern Duval geschaffenen Ansichten wurden in Dresden bei Adler&Dietze lithographiert, wobei unklar ist, welches Bild von welchem Duval stammt. So hielten es die Brüder in allen von ihnen illustrierten Werken.

Kelbra mit dem Kiffhäuser Gebirge (Foto: Archiv Kneffel) Kelbra mit dem Kiffhäuser Gebirge (Foto: Archiv Kneffel)

Duval beginnt mit einem Maiengedicht und fährt folgendermaßen fort: „Wanderer, der Du den gesegneten Landstrich des schönen Thüringens, die vielgepriesene 'Goldene Aue' betrittst, hemme Deine Schritte und schaue dort oben, auf blauduftigem Gebirge den mächtigen Thurm der alten Burg Kiffhausen. Auf dem Scheitel des Berges horstet er wie ein grauer, in Stein verwandelter Riese und blickt ernst und majestätisch weit in die mit tausendfachen Reizen geschmückte lachende Gegend hinaus. Wohl haben die Elemente alle ihre Kräfte aufgeboten, den gewaltigen Gegner zu stürzen, wohl hat ihn der Alles zerstörende Zahn der Zeit manche tiefe Wunde beigebracht aber muthig hat er allen Angriffen widerstanden stolz thront er noch auf des Berges Felsenstirn.“

Der Thurm auf dem Kiffhäuser (Foto: Archiv Kneffel) Der Thurm auf dem Kiffhäuser (Foto: Archiv Kneffel)
Der Dichter erzählt anschließend Historisches über die Bergfeste Kiffhausen und stellt anschaulich die Sage vom Kaiser Rotbart und andere Legenden dar, die sich um den Gebirgszug und die Ruinen ranken. Er zitiert den Dichter Emanuel Geibel ( 1814-1884) mit seiner Ballade „Friedrich Rotbart: Tief im Schoße des Kyffhäusers/ Bei der Ampel rotem Schein / Sitzt der alte Kaiser Friedrich / An dem Tisch von Marmorstein. // Ihn umwallt der Purpurmantel, / Ihn umfängt der Rüstung Pracht, / Doch auf seinen Augenwimpern / Liegt des Schlafes tiefe Nacht ...“ Geibel erwanderte sich auch den Harz, wie es spätestens nach Goethes Harzreise 1777 über Nordhausen und Ilfeld bei Dichtern und Künstlern Tradition geworden war.

Dabei hielt sich E. G. Mitte der 1840er Jahre einige Zeit in Ilfeld auf. Duval erzählt auch von der „Kapelle zum heiligen Kreuz“, die, in der Unterburg gelegen, einige Jahre Wallfahrtskirche war und noch heute die Wanderer anzieht.

Kapelle zum Heiligen Kreuz (Foto: Archiv Kneffel) Kapelle zum Heiligen Kreuz (Foto: Archiv Kneffel)

Dann begibt sich der Dichter hinüber zur tiefer gelegenen Rothenburg. Der Blick von dort ins Umfeld begeistert ihn. „ Man überblickt den oberen Teil der lachenden goldenen Aue bis hinauf nach Nordhausen Eben so deutlich breiten sich die Berge des Harzes vor uns aus, links zeigt sich das Ohmgebirge am Eichsfelde, rechts, die Aue abwärts, hemmt der Kiffhäuser den Blick und hinter uns erheben sich bewaldete Berge von bedeutender Höhe.“

Ganz in der Nähe der Rothenburg begegnet er einem Mann, der ihn in seine kleine Behausung bittet, zur rechten Zeit ... „denn schon fängt es an zu tröpfeln und der Donner rollt majestätisch über unseren Häuptern dahin.“ Der Einsiedler entpuppt sich als ein recht moderner Eremit. Er heißt Berger, ist in Kelbra Kaufmann und erbaute sich 1839 auf der Rothenburg seine Eremitage, die er im Sommer bewohnt.

Die Rothenburg und die Einsiedelei (Foto: Archiv Kneffel) Die Rothenburg und die Einsiedelei (Foto: Archiv Kneffel)

Er versorgt auch gern die Besucher, mit dem, was Küche und Keller vermögen und „....läßt es sich auch angelegen sein, sie angenehm zu unterhalten, da er Poet ist und in der Stille seines romantischen Aufenthaltes manches ansprechende Lied dichtet.“ Die Verse sind 1841 und 1845 als „Gedichte des Rothenburger Einsiedlers“ in Sondershausen beim Verleger Eupel in zwei Bänden erschienen. Dann erzählt Duval, dass auf der Rothenburg in den 1540er Jahren einer der Herren von Tütcherode einen unterirdischen Raum entdeckte, der einer Kapelle ähnlich war.

Beim Aufräumen fand man ein „seltsam geformtes metallenes Bild, welcher unter dem Namen 'Püsterich' durch ganz Deutschland hinlänglich bekannt ist.“ Diese Metallplastik gelangte dann an den Grafen Günther von Schwarzburg ( 1499-1552). „In dem Naturalienkabinette zu Sondershausen wird der Püsterich noch heute aufbewahrt.“, schreibt Duval, der dann so manche Geschichte um diese Bronzefigur eines nicht gerade wohlgestalteten Knaben erzählt. Auch Johann Wolfgang Goethe und Wilhelm von Humboldt haben sich diese Figur in Sondershausen angesehen,Goethe sogar einen Vierzeiler verfasst.
Heidelore Kneffel
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