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Mo, 15:51 Uhr
24.06.2013

Liederjan im Konzert

In einem Rückblick schaut Fred Böhme (Panormamuseum Bad Frankenhausen) auf das stattgefundene Wilhelm-Busch-Programm von LIEDERJAN aus Hamburg...


Am 14. Juni boten LIEDERJAN aus Hamburg das Abschlusskonzert in der Jubiläumsreihe anlässlich des nun 20jährigen Bestehens der Film- und Konzertpodiums im Panorama Museum. Und wieder standen alte Bekannte auf den Brettern der kleinen, eigens für diesen Abend errichteten Bühne und gaben ihr Bestes, um das zahlreich erschienene Publikum (es waren mehr als hundert Gäste gekommen) mit Witz und Humor, mit Liedern und Texten dieses Mal von und über Wilhelm Busch gut zu unterhalten. Und das war ihnen wohl trefflich gelungen, denn mit herzlichem Applaus forderten die Gäste zum Ende des Konzertes gleich mehrere Zugaben von dem Trio.

LIEDERJAN sind Michael Lempelius, Hanne Balzer und aus der Urbesetzung Jörg Ermisch. Bekannt sind sie geworden mit ihrer Wiederentdeckung des deutschen Volksliedgutes neben den Zupfgeigenhanseln oder Hannes Wader in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in Westdeutschland. Dabei hatten sie den Volksliedbegriff nie allzu eng gefasst gehabt, gaben auch dem populären Schlager und Chanson der 1920er Jahre ein Podium, vorausgesetzt sie waren zupackend, originell oder bissiger Zeitgeistkommentar. Ihre Liedauswahl beschränkte sich im positivem Sinne auf Volksliedgut, welches Ecken und Kanten aufwies und den Oberen meist nicht so genehm war, denn es ging gegen die Doppelmoral der Pfaffen, es ging um den Alltag des Volkes in all seiner Vitalität, um das Straucheln im Leben, Liebe und Lust, um derbe Späße und anarchischen Widerstand.

Schon bei ihrem vorletzten Auftritt im Panorama Museum zeigte sich, dass mit den Besetzungsveränderungen verbunden - sicher auch aus dem Wissen heraus, dass man als Künstler nach neuen Herausforderungen suchen muss - es bei ihnen zu einem Wandel hin zu stärker kabarettistischen Momenten gekommen ist. Natürlich war dieser so typisch norddeutsche Humor, diese gewisse Behäbigkeit mit mundartlicher Färbung, dieses gutmütige Blödeln und Sich-Selbst-Parodieren bis zu einem gewissen Grad auch schon früher Bestandteil ihrer Programme gewesen, doch dieses Komödiantische hat sich nun deutlich verstärkt, was sich auch nicht zuletzt in dem erheblichen Aufwand an Requisiten an diesem Abend zeigte. Neben der auffälligen Sonnenblume an Jörgs Mikrofonstativ namens Anna oder dem roten Käferauto von Michael waren auch Max und Moritzfiguren, die im Laufe des Abends ein „Klapperballett“ – quasi als tanzende Perkussion - aufführen durften, als Requisiten neben zahlreichen Musikinstrumenten zu finden.

Liederjan im Konzert (Foto: Fred Böhme) Liederjan im Konzert (Foto: Fred Böhme)

Natürlich fragte ich mich, was reizt Künstler wie die Drei von LIEDERJAN ein Programm mit und über Wilhelm Busch zu machen, diesem biedermeierlichen Erfinder des Comics und von Hau-drauf-Endlosreimen, die mit ihrer vordergründigen Moral heute eher etwas angestaubt wirken und dessen anarchischer Geist sich längst im gesellschaftlichen Konsens verflüchtigt hat? War es seine Popularität oder einfach nur der Versuch, diesem scheinbar Bekannten gänzlich neue Seiten abzugewinnen? Bei ihrem Auftritt trugen Hanne und Jörg im Wechsel in der Tat recht abgelegene Texte des Meisters vor, gaben skurrile Paraphrasen wie den Eröffnungsrap aus den „Zisch-grrr-rumps-zack“-Geräuschen, zelebrierten eine Endlosmoritat als Hommage auf eine Kurzbiographie des Meisters und das alles mit sehr versiertem LIEDERJAN typischem Satzgesang und einer Vielzahl von (zum Teil skurrilen) Instrumenten, die den eigens für dieses Programm geschriebenen Liedern eine erstaunliche Vielfalt von Klangfarben verliehen. Das war alles recht originell, oft auch sehr komisch aber irgendwie auch harmlos.

LIEDERJAN näherten sich biographisch der Person Wilhelm Buschs, beleuchteten seine Kindheit, sein irgendwie verklemmtes Liebesleben mittels eines verschmitzt-frivolem Gedichts, zeigten lustvoll den bechernden Bohemian und Kunststudenten der Düsseldorfer Kunstakademie, nutzten Tänze aus seiner Lebenszeit, um daraus ein Max-und-Moritz-Moritat zu zimmern und gleichsam deren ungebrochenen Ruhm und internationale Popularität mit viel (Situations-)Komik zu veranschaulichen… Bei aller Ironie und zur Schau getragenen Antibürgerlichkeit war Wilhelm Busch dennoch ganz Kind seiner Zeit. Das Potential zur kritischen Beleuchtung unserer Gegenwart ist in seinen Dichtungen deshalb äußerst gering. Da hätten Texte von Tucholsky oder Kästner sicher mehr Ansätze geboten.

Trotz allem Wortwitzes in Buschs Texten, seinen wild verdrehten Reimen mit ihren überraschenden Wendungen, bei allem Blödelspaß und Klamauk der LIEDERJANE war der fehlende Zugriff auf das Hier und Heute meines Erachtens die Schwäche dieses Programms gewesen.
Dem Konzert von LIEDERJAN folgte am 21.6. die Aufführung der zum Teil äußerst skurrilen Filmkomödie „Parada“, ein Film, der es nicht bei Blödeleien und Situationskomik beließ, sondern auf dem schmalen Grad von beißender Satire, Humor und Tragik seine menschlich anrührende Geschichte zu erzählen vermochte. Natürlich wurde hier lustvoll überzeichnet und manche Figur war eher ein comicartiger Typus als Individuum, die Hauptakteure waren jedoch nuancierter angelegt und verkörperten ziemlich überzeugend ihre Wandlungsgeschichte. Dieser Publikumserfolg der letztjährigen Berlinale hätte auch in Bad Frankenhausen durchaus ein paar mehr Besucher verdient gehabt.

Nach der Aufführung von „Fenster zum Sommer“ beginnt die diesjährige Sommerpause unserer kleinen Veranstaltungsreihe. Es bleibt nur noch, allen Veranstaltungs- und Freunden unseres Museums und all denjenigen, die dies noch werden möchten, einen schönen Sommer zu wünschen.

Text und Foto: Fred Böhme
Autor: khh

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