Mi, 15:50 Uhr
18.09.2013
Erfolgreicher 3. Bad Frankenhäuser Orgellauf
Eigentlich wollte der Förderverein Freunde der Großen-Strobel-Orgel nach dem 2. Orgellauf im vorigen Jahr nur noch aller zwei Jahre diesen Lauf durchführen, ist solch ein Unternehmen mit viel Aufwand verbunden. Aber zum Glück änderte man die Meinung, wie Peter Zimmer vom Gemeinderat berichtet.
Aber im Nachhinein gab es viele Rück- und Anfragen, so dass also auch in diesem Jahr die bewährte Organisation anlief und am 1. September (Sonntag) zum 3. Orgellauf gerufen wurde. Schon um 7.00 Uhr bauten die Helfer das Organisationszelt auf, schleppten Tische und Bänke, spannten die Start-Ziel-Fahne und sorgten so im Vorfeld für einen reibungslosen Ablauf. Doch ehe man zum eigentlichen Lauf rief, wurde zum Läufergottesdienst geladen.
Und wie schon in den vergangenen Jahren wurde ein Prediger aus der höheren Etage gewonnen: Propst Reinhard Werneburg, der auch wie seine Vorgänger nach dem Gottesdienst seine Runden lief. Er nahm sich einen Abschnitt aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther als Grundlage seiner Überlegungen: Wißt ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, erhält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.
Im Folgenden führte er aus:
Die Ermahnungen zur Ertüchtigung aus unserem heutigen Predigttext im 1. Korintherbrief legen nahe, die Predigt unter den Gruß Sport frei zu stellen.
Die Erinnerung an den Sportunterricht in der Schule ist für mich nicht rosig. Besonders beim Sprint. Ich war immer der Letzte, natürlich dann keine gute Note und fix und fertig obendrein. Ich hab es nicht gemocht. Als ich 50 wurde habe ich angefangen zu joggen, es gab da einen Kurs in der Volkshochschule. Wir fingen ganz klein an; 3 Min. laufen, 2 Min gehen. Ich bin mit der Uhr in der Hand gelaufen, wann endlich die drei Minuten um sind. Das Training mit der richtigen Anleitung bringt’ s.
Heute laufe ich locker 1 oder 2 Std. und bin nicht fertig hinterher, aber ich laufe mit niemandem um die Wette. Ich tue es nur für mich und mein Wohlbefinden.
Doch heute fordert uns die Brieflesung zum geistlichen Wettkampf auf. Die Besonderheit dieses Wettkampfs ist es, dass es dabei aufs gewinnen ankommt und nicht aufs besiegen,
nicht darauf, dass andere dabei verlieren.
Paulus möchte in einer konkreten Situation Christenmenschen in ihrem konkreten Leben Wegweisung geben, damit sie ihr Leben gewinnen; das Zeitliche und das Ewige. Er geht in die Welt des Sports. Und damit weiß er, dass er ganz dicht bei seiner Gemeinde in Korinth ist. Denn die kennen den Sport. Paulus also gleichsam im Traineranzug mit der Trillerpfeife, auf der Strecke oder im Vorbereitungszentrum. Denn in Korinth wurden die Isthmischen Spiele alle zwei Jahre ausgetragen und Olympia liegt nur knapp einhundert Kilometer entfernt. Und beide Spiele waren sportliche Höhepunkte im antiken Griechenland. Die Sportler verzichteten auf vieles, trainierten und stählten Leib und Seele.
Denn es sind nicht nur die körperlichen Kräfte, die im Sport über Sieg oder Niederlage entscheiden. Sie lebten für die Spiele und konzentrierten sich monatelang vorher in Trainingslagern auf die Spiele. Dabei sein ist alles, dieser Slogan hat sich als Olympische Idee volkstümlich gemacht.
Doch mitnichten geht es nur um das Dabeisein, wenn die Olympische Flamme für die Wettkämpfe entzündet wird.
Dort wird der Einsatz aller Kräfte gemessen und wer da nicht vorbereitet ist, wer da nicht fit ist, der geht leer aus. Und ob der olympischen Gedanke Dabei sein ist alles wirklich tröstet, darf angezweifelt werden. Mit allen Mitteln.
So quälen sie sich, dopen sich auch mal, in der Hoffnung, dass es keiner merkt, weil der Druck Erster zu sein immens groß ist. Jeder kennt sie. I am a Champion. Boxen - natürlich nicht in die Luft, sondern möglichst den Gegner treffend, ihn k.o. schlagend.
Die Schriftstellerin Elke Heidenreich beschreibt Sieger so:
Jetzt in der Bundesliga sieht man’s und überhaupt immer öfter. Wenn sich jemand freut,
weil er ein Tor geschossen hat oder eine Hundertstelsekunde schneller gelaufen oder geschwommen ist als alle anderen, dann ballt er – oder auch sie – die Fäuste, das Gesicht verzerrt sich wie im schlimmsten Hassausbruch, die Zähne werden geradezu gefletscht, die erhobene Faust durchschneidet drohend die Luft. Und mir stockt jedes Mal der Atem, denn was ich da sehe, ist nicht Freude, sondern Krieg. Es ist die heruntergefallene Maske des angeblich fairen, fröhlichen Sportlers. Hier sehen wir nur noch Triumph....
Das Bild vom Sportler, vom Wettkampf hat also seine schwierigen Seiten.
Paulus fordert die Gemeinde auf: Du musst so kämpfen, dass du den Siegeskranz bekommst. Doch verstehe ich Paulus richtig, dann sagt er: Ihr alle sollt den Siegespreis gewinnen und der ist von der Art, dass ihn viele zugleich erringen können,
ja dass man ihn eigentlich nur miteinander und nicht gegeneinander gewinnen kann, weil bei diesem Ziellauf andere Regeln gelten. Und je mehr ihn gewinnen, umso besser ist das Ergebnis für alle.
So ähnlich ist, wenn nachher viele für die Orgel laufen. Denn wir haben ja miteinander ein Ziel. Die Strobelorgel soll in dieser Kirche wieder klingen, denn ihre Musik ist Gebet, es soll uns erheben und unseren Gesang begleiten, wenn wir von Glauben und von unserem Leben singen.
Um das Lebens und Glaubensziel also geht es. Denn steht mir das Ziel vor dem Herzen, dann bestimmt es auch schon jetzt meinen Weg. In der Schule haben wir ein Lied lernen müssen:
Du hast ja ein Ziel vor den Augen, damit du in der Welt dich nicht irrst,
damit du weißt, was du machen sollst, damit du einmal besser leben wirst.
Denn die Welt braucht dich, genau wie du sie, die Welt kann ohne dich nicht sein.
Das Leben ist eine schöne Melodie, Kamerad, Kamerad, stimm ein.
Ja, hier geht es um den vergänglichen Siegeskranz in diesem Lied. Das Ziel war der Sozialismus. Also das Ziel haben wir nicht erreicht. Und der Kranz ist längst verwelkt.
Paulus kennt ein anderes Ziel, darum ist er streng mit sich.
Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Er enthält sich, er verzichtet, davon hat er gesprochen, bevor er auf das Wettkampfthema kam. Paulus zählt manche Dinge in diesem Brief auf. Er verzichtet auf Ehe und Familie, auf Bezahlung. Alles das stände ihm genauso zu wie den anderen Aposteln.
Er nimmt viel Ungemach, Leiden, Bestrafungen auf sich.
Und doch sind seine Lebensweise und seine Ansichten über Enthaltsamkeit, Ehe und Familie für uns nicht bindend.
Wir Evangelischen halten uns, biblisch gut begründet, nicht daran. Wiederum andere Worte des Glaubens, die uns Paulus aufgeschrieben hat, sind für uns bindend.
Zum Beispiel das, was Martin Luther in der Reformation wieder ans Licht gebracht hat, wie man denn zur Seligkeit findet: allein aus Gnade, allein durch den Glauben, allein durch Christus, allein durch die Weisung der Heiligen Schrift. Und dieses vierfache allein setzt jedem Leistungsdenken Grenzen. Das Ziel ist Christus. Er schenkt sich aus Liebe.
Dennoch muss ich vielleicht auf manches verzichten in meinem Leben, um auf dem Wege Gottes zu bleiben. Es kann von mir anderes gefordert werden, als von Ihnen.
Der Glaube ist ein Weg, der von Höhen und Tiefen geprägt ist.
Und das Leben im Glauben ist auch oft genug ein Suchen. Ein unbekannter Weg mit festem Ziel. Und je mehr einer von uns durch finstere Täler des Lebens gehen muss –
und es gibt so unsagbare finstere Täler – wird ihm das Ziel verschwommen oder er zweifelt, und verzweifelt.
Wer oder was hilft mir dann, dieses Ziel dass Gott am Ende mit den ausgebreiteten Armen dasteht nicht aus den Augen zu verlieren. Ein Ziel, vielleicht sogar noch ein gemeinsames Ziel, kann viel bewirken. Es kann Menschen faszinieren, sie aufrütteln, in Bewegung setzen. Es kann sie motivieren, mitzumachen. Um ein Ziel zu erreichen, liebe Gemeinde,
muss ich auch den Verzicht lernen. Das gilt für den Spitzensportler wie für jeden anderen Sportler; das gilt für jede Gruppierung, für jede Partnerschaft, für jede Familie, für jede Gemeinde.
Doch das Ziel – Sport hin und her - ist wichtig. Unser Ziel ist Gottes Reich. Das ewige Leben. Vom römischen Philosophen und Staatsmann Seneca stammt der Ausspruch: Wenn ich den Hafen nicht kenne, den ich ansteuere, ist kein Wind der richtige, mich dorthin zu bringen. Wenn ich dieses Wort rumdrehe dann klingt es so: Wenn ich den Hafen kenne, den ich ansteuere, dann kann jeder Wind der richtige sein, mich dorthin zu bringen.
Paulus will mit diesem Sportbild seine Gemeindeglieder zur Konzentration auf das Wesentliche im Glauben anhalten. Dabei weiß er, dass jede Aktion doch eigentlich Reaktion ist. Denn dass ein Ziel da ist, das kann nicht gemacht werden, das kann nicht erkämpft werden, das ist uns durch Christus geschenkt.
Sola gratia – allein aus Glauben - gilt. Kein gnadenloser Kampf also, in den uns Paulus schickt. Ein Wettkampf, bei dem die Sieger auf dem Gnadenweg festgestellt werden.
Darum können wir ja auch untereinander gnädig bleiben, müssen nicht konkurrieren. Nicht meine Seligkeit verdiene ich damit, dass ich mich aller Dinge enthalte.
Aber sicher hilft das Training mir, durchzuhalten und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist ein Training besonderer Art, denn hier geht es ja auch nicht um eine olympische Disziplin: Zeit für die Losung, für die Tageslese in der Bibel. Das eigene Gebet frei oder mit Hilfe aus dem Gesangbuch.
Die Gemeinschaft im Gottesdienst, in den Kreisen der Gemeinde.
Das Ziel nicht aus den Augen verlieren und auch nicht die anderen, die mit mir mitlaufen, dem Ziel entgegen. Es geht nicht darum, besser zu sein als andere.
Und der den Siegespreis vergibt, das ist Christus, der allen gibt, was sie brauchen.
Am Abend, wenn der Lauf zu Ende ist, kommt die Preisverleihung.
Eine Medaille für alle. Eine Silbergroschenmedaille. Amen.
Propst Werneburg im Talar und später im Turnzeug
Nach dieser geistigen und geistlichen Einstimmung und nachdem Propst Werneburg den Talar mit dem Turnzeug gewechselt hatte, konnte dann der eigentliche Orgellauf beginnen.
Prominenter Startgeber mit einer Orgelpfeife war Lars Tietje, Intendant des Nordhäuser Theaters.
Zuerst wurde der Startton für die Kinder gegeben, die dann fleißig Runde um Runde um die Unterkirche liefen.
Kinder in Startposition
Danach wurden alle anderen in die Spur geschickt; wie schon in den vergangenen Jahren war Herr Hochfeld mit Rad und Schild Schrittmacher. Von einer bis zu 7 Runden war alles drin. Auch die Hausmänner der Stadt waren wieder mit von der Partie und marschierten eine Runde durch die Stadt.
Frankenhissser Hausmänner
Danach saß man gemütlich hinter der Kirche und konnte sich bei Kaffee, Kuchen und Deftigen stärken und erholen. Es gab auch verschiedene Stände, wo Diverses gegen eine Spende erworben werden konnte. Natürlich gab es für die großen und kleinen Läufer am Ende auch Preise, gesponsert von verschiedenen Einrichtungen und Gewerbetreibenden der Stadt.
Das es wieder ein erfolgreicher Orgellauf wurde ist zu verdanken dem Verein Freunde der Großen-Strobel-Orgel, Mitgliedern der Freuwilligen Feuerwehr, dem Jugendstadtrat, den Funkern und vielen Gemeindegliedern, die sich ehrenamtlich einbrachten. Nun heißt es Auf ein Neues – 2014 zum 4. Orgellauf – damit in einer absehbaren Zeit die Große-Strobel-Orgel zur Freude aller mit allen ihren Pfeifen fröhlich laut und leise in einer renovierten Unterkirche erklingen kann.
Peter Zimmer
Kirchengemeinderat Bad Frankenhausen
Autor: khhAber im Nachhinein gab es viele Rück- und Anfragen, so dass also auch in diesem Jahr die bewährte Organisation anlief und am 1. September (Sonntag) zum 3. Orgellauf gerufen wurde. Schon um 7.00 Uhr bauten die Helfer das Organisationszelt auf, schleppten Tische und Bänke, spannten die Start-Ziel-Fahne und sorgten so im Vorfeld für einen reibungslosen Ablauf. Doch ehe man zum eigentlichen Lauf rief, wurde zum Läufergottesdienst geladen.
Und wie schon in den vergangenen Jahren wurde ein Prediger aus der höheren Etage gewonnen: Propst Reinhard Werneburg, der auch wie seine Vorgänger nach dem Gottesdienst seine Runden lief. Er nahm sich einen Abschnitt aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther als Grundlage seiner Überlegungen: Wißt ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, erhält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.
Im Folgenden führte er aus:
Die Ermahnungen zur Ertüchtigung aus unserem heutigen Predigttext im 1. Korintherbrief legen nahe, die Predigt unter den Gruß Sport frei zu stellen.
Die Erinnerung an den Sportunterricht in der Schule ist für mich nicht rosig. Besonders beim Sprint. Ich war immer der Letzte, natürlich dann keine gute Note und fix und fertig obendrein. Ich hab es nicht gemocht. Als ich 50 wurde habe ich angefangen zu joggen, es gab da einen Kurs in der Volkshochschule. Wir fingen ganz klein an; 3 Min. laufen, 2 Min gehen. Ich bin mit der Uhr in der Hand gelaufen, wann endlich die drei Minuten um sind. Das Training mit der richtigen Anleitung bringt’ s.
Heute laufe ich locker 1 oder 2 Std. und bin nicht fertig hinterher, aber ich laufe mit niemandem um die Wette. Ich tue es nur für mich und mein Wohlbefinden.
Doch heute fordert uns die Brieflesung zum geistlichen Wettkampf auf. Die Besonderheit dieses Wettkampfs ist es, dass es dabei aufs gewinnen ankommt und nicht aufs besiegen,
nicht darauf, dass andere dabei verlieren.
Paulus möchte in einer konkreten Situation Christenmenschen in ihrem konkreten Leben Wegweisung geben, damit sie ihr Leben gewinnen; das Zeitliche und das Ewige. Er geht in die Welt des Sports. Und damit weiß er, dass er ganz dicht bei seiner Gemeinde in Korinth ist. Denn die kennen den Sport. Paulus also gleichsam im Traineranzug mit der Trillerpfeife, auf der Strecke oder im Vorbereitungszentrum. Denn in Korinth wurden die Isthmischen Spiele alle zwei Jahre ausgetragen und Olympia liegt nur knapp einhundert Kilometer entfernt. Und beide Spiele waren sportliche Höhepunkte im antiken Griechenland. Die Sportler verzichteten auf vieles, trainierten und stählten Leib und Seele.
Denn es sind nicht nur die körperlichen Kräfte, die im Sport über Sieg oder Niederlage entscheiden. Sie lebten für die Spiele und konzentrierten sich monatelang vorher in Trainingslagern auf die Spiele. Dabei sein ist alles, dieser Slogan hat sich als Olympische Idee volkstümlich gemacht.
Doch mitnichten geht es nur um das Dabeisein, wenn die Olympische Flamme für die Wettkämpfe entzündet wird.
Dort wird der Einsatz aller Kräfte gemessen und wer da nicht vorbereitet ist, wer da nicht fit ist, der geht leer aus. Und ob der olympischen Gedanke Dabei sein ist alles wirklich tröstet, darf angezweifelt werden. Mit allen Mitteln.
So quälen sie sich, dopen sich auch mal, in der Hoffnung, dass es keiner merkt, weil der Druck Erster zu sein immens groß ist. Jeder kennt sie. I am a Champion. Boxen - natürlich nicht in die Luft, sondern möglichst den Gegner treffend, ihn k.o. schlagend.
Die Schriftstellerin Elke Heidenreich beschreibt Sieger so:
Jetzt in der Bundesliga sieht man’s und überhaupt immer öfter. Wenn sich jemand freut,
weil er ein Tor geschossen hat oder eine Hundertstelsekunde schneller gelaufen oder geschwommen ist als alle anderen, dann ballt er – oder auch sie – die Fäuste, das Gesicht verzerrt sich wie im schlimmsten Hassausbruch, die Zähne werden geradezu gefletscht, die erhobene Faust durchschneidet drohend die Luft. Und mir stockt jedes Mal der Atem, denn was ich da sehe, ist nicht Freude, sondern Krieg. Es ist die heruntergefallene Maske des angeblich fairen, fröhlichen Sportlers. Hier sehen wir nur noch Triumph....
Das Bild vom Sportler, vom Wettkampf hat also seine schwierigen Seiten.
Paulus fordert die Gemeinde auf: Du musst so kämpfen, dass du den Siegeskranz bekommst. Doch verstehe ich Paulus richtig, dann sagt er: Ihr alle sollt den Siegespreis gewinnen und der ist von der Art, dass ihn viele zugleich erringen können,
ja dass man ihn eigentlich nur miteinander und nicht gegeneinander gewinnen kann, weil bei diesem Ziellauf andere Regeln gelten. Und je mehr ihn gewinnen, umso besser ist das Ergebnis für alle.
So ähnlich ist, wenn nachher viele für die Orgel laufen. Denn wir haben ja miteinander ein Ziel. Die Strobelorgel soll in dieser Kirche wieder klingen, denn ihre Musik ist Gebet, es soll uns erheben und unseren Gesang begleiten, wenn wir von Glauben und von unserem Leben singen.
Um das Lebens und Glaubensziel also geht es. Denn steht mir das Ziel vor dem Herzen, dann bestimmt es auch schon jetzt meinen Weg. In der Schule haben wir ein Lied lernen müssen:
Du hast ja ein Ziel vor den Augen, damit du in der Welt dich nicht irrst,
damit du weißt, was du machen sollst, damit du einmal besser leben wirst.
Denn die Welt braucht dich, genau wie du sie, die Welt kann ohne dich nicht sein.
Das Leben ist eine schöne Melodie, Kamerad, Kamerad, stimm ein.
Ja, hier geht es um den vergänglichen Siegeskranz in diesem Lied. Das Ziel war der Sozialismus. Also das Ziel haben wir nicht erreicht. Und der Kranz ist längst verwelkt.
Paulus kennt ein anderes Ziel, darum ist er streng mit sich.
Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Er enthält sich, er verzichtet, davon hat er gesprochen, bevor er auf das Wettkampfthema kam. Paulus zählt manche Dinge in diesem Brief auf. Er verzichtet auf Ehe und Familie, auf Bezahlung. Alles das stände ihm genauso zu wie den anderen Aposteln.
Er nimmt viel Ungemach, Leiden, Bestrafungen auf sich.
Und doch sind seine Lebensweise und seine Ansichten über Enthaltsamkeit, Ehe und Familie für uns nicht bindend.
Wir Evangelischen halten uns, biblisch gut begründet, nicht daran. Wiederum andere Worte des Glaubens, die uns Paulus aufgeschrieben hat, sind für uns bindend.
Zum Beispiel das, was Martin Luther in der Reformation wieder ans Licht gebracht hat, wie man denn zur Seligkeit findet: allein aus Gnade, allein durch den Glauben, allein durch Christus, allein durch die Weisung der Heiligen Schrift. Und dieses vierfache allein setzt jedem Leistungsdenken Grenzen. Das Ziel ist Christus. Er schenkt sich aus Liebe.
Dennoch muss ich vielleicht auf manches verzichten in meinem Leben, um auf dem Wege Gottes zu bleiben. Es kann von mir anderes gefordert werden, als von Ihnen.
Der Glaube ist ein Weg, der von Höhen und Tiefen geprägt ist.
Und das Leben im Glauben ist auch oft genug ein Suchen. Ein unbekannter Weg mit festem Ziel. Und je mehr einer von uns durch finstere Täler des Lebens gehen muss –
und es gibt so unsagbare finstere Täler – wird ihm das Ziel verschwommen oder er zweifelt, und verzweifelt.
Wer oder was hilft mir dann, dieses Ziel dass Gott am Ende mit den ausgebreiteten Armen dasteht nicht aus den Augen zu verlieren. Ein Ziel, vielleicht sogar noch ein gemeinsames Ziel, kann viel bewirken. Es kann Menschen faszinieren, sie aufrütteln, in Bewegung setzen. Es kann sie motivieren, mitzumachen. Um ein Ziel zu erreichen, liebe Gemeinde,
muss ich auch den Verzicht lernen. Das gilt für den Spitzensportler wie für jeden anderen Sportler; das gilt für jede Gruppierung, für jede Partnerschaft, für jede Familie, für jede Gemeinde.
Doch das Ziel – Sport hin und her - ist wichtig. Unser Ziel ist Gottes Reich. Das ewige Leben. Vom römischen Philosophen und Staatsmann Seneca stammt der Ausspruch: Wenn ich den Hafen nicht kenne, den ich ansteuere, ist kein Wind der richtige, mich dorthin zu bringen. Wenn ich dieses Wort rumdrehe dann klingt es so: Wenn ich den Hafen kenne, den ich ansteuere, dann kann jeder Wind der richtige sein, mich dorthin zu bringen.
Paulus will mit diesem Sportbild seine Gemeindeglieder zur Konzentration auf das Wesentliche im Glauben anhalten. Dabei weiß er, dass jede Aktion doch eigentlich Reaktion ist. Denn dass ein Ziel da ist, das kann nicht gemacht werden, das kann nicht erkämpft werden, das ist uns durch Christus geschenkt.
Sola gratia – allein aus Glauben - gilt. Kein gnadenloser Kampf also, in den uns Paulus schickt. Ein Wettkampf, bei dem die Sieger auf dem Gnadenweg festgestellt werden.
Darum können wir ja auch untereinander gnädig bleiben, müssen nicht konkurrieren. Nicht meine Seligkeit verdiene ich damit, dass ich mich aller Dinge enthalte.
Aber sicher hilft das Training mir, durchzuhalten und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist ein Training besonderer Art, denn hier geht es ja auch nicht um eine olympische Disziplin: Zeit für die Losung, für die Tageslese in der Bibel. Das eigene Gebet frei oder mit Hilfe aus dem Gesangbuch.
Die Gemeinschaft im Gottesdienst, in den Kreisen der Gemeinde.
Das Ziel nicht aus den Augen verlieren und auch nicht die anderen, die mit mir mitlaufen, dem Ziel entgegen. Es geht nicht darum, besser zu sein als andere.
Und der den Siegespreis vergibt, das ist Christus, der allen gibt, was sie brauchen.
Am Abend, wenn der Lauf zu Ende ist, kommt die Preisverleihung.
Eine Medaille für alle. Eine Silbergroschenmedaille. Amen.
Propst Werneburg im Talar und später im Turnzeug
Nach dieser geistigen und geistlichen Einstimmung und nachdem Propst Werneburg den Talar mit dem Turnzeug gewechselt hatte, konnte dann der eigentliche Orgellauf beginnen.
Prominenter Startgeber mit einer Orgelpfeife war Lars Tietje, Intendant des Nordhäuser Theaters.
Zuerst wurde der Startton für die Kinder gegeben, die dann fleißig Runde um Runde um die Unterkirche liefen.
Kinder in Startposition
Danach wurden alle anderen in die Spur geschickt; wie schon in den vergangenen Jahren war Herr Hochfeld mit Rad und Schild Schrittmacher. Von einer bis zu 7 Runden war alles drin. Auch die Hausmänner der Stadt waren wieder mit von der Partie und marschierten eine Runde durch die Stadt.
Frankenhissser Hausmänner
Danach saß man gemütlich hinter der Kirche und konnte sich bei Kaffee, Kuchen und Deftigen stärken und erholen. Es gab auch verschiedene Stände, wo Diverses gegen eine Spende erworben werden konnte. Natürlich gab es für die großen und kleinen Läufer am Ende auch Preise, gesponsert von verschiedenen Einrichtungen und Gewerbetreibenden der Stadt.
Das es wieder ein erfolgreicher Orgellauf wurde ist zu verdanken dem Verein Freunde der Großen-Strobel-Orgel, Mitgliedern der Freuwilligen Feuerwehr, dem Jugendstadtrat, den Funkern und vielen Gemeindegliedern, die sich ehrenamtlich einbrachten. Nun heißt es Auf ein Neues – 2014 zum 4. Orgellauf – damit in einer absehbaren Zeit die Große-Strobel-Orgel zur Freude aller mit allen ihren Pfeifen fröhlich laut und leise in einer renovierten Unterkirche erklingen kann.
Peter Zimmer
Kirchengemeinderat Bad Frankenhausen






