So, 00:14 Uhr
29.09.2013
Von der 11. Ebelebener Werkstattlesung
Lutz Rathenow war dankbar, dass ihn ein interessiertes Publikum in Ebeleben zum ersten Mal in diese Region kommen ließ.Wie die Lesung ankam, schildert ein Leser.
Der aus Jena stammende und lange zeit in Berlin lebende Autor ist seit gut zwei Jahren Landesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen im benachbarten Sachsen. Er hatte sich den Arbeitstitel Schreiben in der DDR und die Echos im Heute gewählt, um aus einem Haufen von eigenen Büchern zu lesen, wie Bürgermeister Uwe Vogt voller Hochachtung in der Begrüßung sagte. Zum neunten Male war die Landeszentrale für politische Bildung, vertreten durch die Referentin Ursula Nirsberger, Partner der Lesung im großen Saal der Mühlhäuser Werkstätten in Ebeleben.
Lutz Rathenow begann bei seinen Frühwerk Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet, dieses Werk hat autobiografische Züge. Er trug Auszüge aus dem Werk in zwei Tonlagen (seiner eigenen und die eines Hampelmannes) vor. Die Geschichten vom Hampelmann dienten ihm in seiner Kindheit dazu, um seiner Schwester Gruselgeschichten näher zu bringen. Der Hampelmann stand als Repräsentant von Macht im persönlichen Bereich, konnte er in dieser Rolle doch die Schwester manipulieren, sei es durch Nachsprechen von dummen Sätzen oder die Herausgabe von Süßigkeiten. Dass der Hampelmann von der Mutter schließlich verbrannt wurde, zeigt die negative Kraft dieses Wesens.
Lutz Rathenow nannte seine Armeezeit als entscheidendes Erlebnis, um Dissident zu werden. In seiner folgenden Jenaer Studienzeit lernte er bekannte Regimekritiker wie Reiner Kunze oder Jürgen Fuchs kennen, denen er durch die Gründung des Arbeitskreises für Literatur und Lyrik begegnete. Das Ganze gipfelte in seiner Exmatrikulation drei Monate vor Studienende, dann folgte der Umzug nach Berlin.
Ost- Berlin- Leben vor dem Mauerfall ist Rathenows bekanntestes Werk, welches in fünf veränderten Auflagen erschien. In seinen Ausführungen sagte der Autor, dass in der Hauptstadt das Geflecht zwischen dem übrigen Land und dem Zentrum der Hauptstadt in vielfacher Weise widergespiegelt wurde. Hier waren doch auch die besten Möglichkeiten, um Karriere zu machen, aber auch Ausflippen konnte man in dieser Stadt am besten. Herr Rathenow schreibt über die Suche nach revolutionären Veränderungen. Er erwähnt in diesem Zusammenhang, dass in den achtziger Jahren ein Rolling- Stones- Plakat 250 DDR- Mark kostete, aber auch für Che- Guevara musste man 200 DDR- Mark auf den Tisch legen. Das Buch ist ein eindrucksvoller Beleg des Innenlebens in der DDR, wie sie sonst in der offiziellen Darstellung des Staates nicht vermittelt wurde. Deshalb erschien das Werk zunächst auch nur im Westen.
Lutz Rathenow schreibt auch sehr gern Kinderbücher. Deshalb war es logisch, dass er Geschichten zum Schmunzeln, so eine Stinktiergeschichte, aus seinem Werk Ein Eisbär aus Apolda ausschnittsweise las.
Abschließend sagte Rathenow über die siebziger und achtziger Jahre, dass er damals eine spezielle Westprägung im Zölibat der DDR erhalten habe. Über 15 000 Seiten seiner Akte der Staatssicherheit sprechen Bände.
Nach der Lesung nutzten die anwesenden Gäste die Möglichkeit, einige Fragen zum Leben, den Werken und der jetzigen Tätigkeit Lutz Rathenows los zu werden. So wollte Dr. Günter Keyser wissen, wo er denn diesen geschliffenen Sprachstil herhabe. Alles eine Frage der Ausbildung und der Zeit meinte der Autor…
Uwe Vogt
Autor: khhDer aus Jena stammende und lange zeit in Berlin lebende Autor ist seit gut zwei Jahren Landesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen im benachbarten Sachsen. Er hatte sich den Arbeitstitel Schreiben in der DDR und die Echos im Heute gewählt, um aus einem Haufen von eigenen Büchern zu lesen, wie Bürgermeister Uwe Vogt voller Hochachtung in der Begrüßung sagte. Zum neunten Male war die Landeszentrale für politische Bildung, vertreten durch die Referentin Ursula Nirsberger, Partner der Lesung im großen Saal der Mühlhäuser Werkstätten in Ebeleben.
Lutz Rathenow begann bei seinen Frühwerk Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet, dieses Werk hat autobiografische Züge. Er trug Auszüge aus dem Werk in zwei Tonlagen (seiner eigenen und die eines Hampelmannes) vor. Die Geschichten vom Hampelmann dienten ihm in seiner Kindheit dazu, um seiner Schwester Gruselgeschichten näher zu bringen. Der Hampelmann stand als Repräsentant von Macht im persönlichen Bereich, konnte er in dieser Rolle doch die Schwester manipulieren, sei es durch Nachsprechen von dummen Sätzen oder die Herausgabe von Süßigkeiten. Dass der Hampelmann von der Mutter schließlich verbrannt wurde, zeigt die negative Kraft dieses Wesens.
Lutz Rathenow nannte seine Armeezeit als entscheidendes Erlebnis, um Dissident zu werden. In seiner folgenden Jenaer Studienzeit lernte er bekannte Regimekritiker wie Reiner Kunze oder Jürgen Fuchs kennen, denen er durch die Gründung des Arbeitskreises für Literatur und Lyrik begegnete. Das Ganze gipfelte in seiner Exmatrikulation drei Monate vor Studienende, dann folgte der Umzug nach Berlin.
Ost- Berlin- Leben vor dem Mauerfall ist Rathenows bekanntestes Werk, welches in fünf veränderten Auflagen erschien. In seinen Ausführungen sagte der Autor, dass in der Hauptstadt das Geflecht zwischen dem übrigen Land und dem Zentrum der Hauptstadt in vielfacher Weise widergespiegelt wurde. Hier waren doch auch die besten Möglichkeiten, um Karriere zu machen, aber auch Ausflippen konnte man in dieser Stadt am besten. Herr Rathenow schreibt über die Suche nach revolutionären Veränderungen. Er erwähnt in diesem Zusammenhang, dass in den achtziger Jahren ein Rolling- Stones- Plakat 250 DDR- Mark kostete, aber auch für Che- Guevara musste man 200 DDR- Mark auf den Tisch legen. Das Buch ist ein eindrucksvoller Beleg des Innenlebens in der DDR, wie sie sonst in der offiziellen Darstellung des Staates nicht vermittelt wurde. Deshalb erschien das Werk zunächst auch nur im Westen.
Lutz Rathenow schreibt auch sehr gern Kinderbücher. Deshalb war es logisch, dass er Geschichten zum Schmunzeln, so eine Stinktiergeschichte, aus seinem Werk Ein Eisbär aus Apolda ausschnittsweise las.
Abschließend sagte Rathenow über die siebziger und achtziger Jahre, dass er damals eine spezielle Westprägung im Zölibat der DDR erhalten habe. Über 15 000 Seiten seiner Akte der Staatssicherheit sprechen Bände.
Nach der Lesung nutzten die anwesenden Gäste die Möglichkeit, einige Fragen zum Leben, den Werken und der jetzigen Tätigkeit Lutz Rathenows los zu werden. So wollte Dr. Günter Keyser wissen, wo er denn diesen geschliffenen Sprachstil herhabe. Alles eine Frage der Ausbildung und der Zeit meinte der Autor…
Uwe Vogt