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Do, 09:29 Uhr
17.10.2013

Spitze bei Knieoperationen

Die Wahrscheinlichkeit, ein künstliches Kniegelenk zu erhalten, hängt auch in Thüringen vom Wohnort ab. Der aktuelle Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass in einigen Kreisen und Städten beinahe doppelt so viele Patienten ein neues Kniegelenk erhalten wie in anderen...


Die mit Abstand höchsten Operationsraten in Thüringen haben der Kreis Weimarer Land mit 187 OP pro 100.000 Einwohner und die Stadt Eisenach (180), am unteren Ende rangieren die Städte Weimar (105) und Erfurt (106).

Der Blick auf Nordthüringen

Hier liegt der Landkreis Eichsfeld mit 168 Operationen einsam an der Spitze. Platz zwei teilen sich der Landkreis Nordhausen und der Kyffhäuserkreis mit jeweils 141 OP je 100.000 Einwohnern.

Mit jährlich durchschnittlich 158 Erst-Implantationen von künstlichen Kniegelenken pro 100.000 Einwohner liegt Thüringen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die Häufigkeit dieser Operationen unterscheidet sich nicht nur zwischen einzelnen Regionen innerhalb eines Bundeslandes, sondern auch im Ländervergleich erheblich. Während in Berlin von 100.000 Einwohnern lediglich 87 Patienten pro Jahr ein neues Kniegelenk erhalten, sind es in Bayern 161 Patienten.

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Für den aktuellen Faktencheck Gesundheit hatte eine Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) anonymisierte Daten der AOK ausgewertet. Die ungleiche Versorgungssituation in Thüringen ist durchaus auffällig. „Welches Versorgungsniveau angemessen ist, können wir nicht sagen – dafür fehlen verbindliche Leitlinien für dieses Behandlungsgebiet“, sagte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung. „Es ist aber offensichtlich, dass nicht-medizinische Faktoren die Versorgung beeinflussen. Ärztliche Leitlinien könnten hier Abhilfe schaffen.“

Der Faktencheck Gesundheit zeigt erstmals, dass auch sozioökonomische Faktoren Einfluss auf die Häufigkeit von Kniegelenk-OP haben können. „In wohlhabenden Gegenden wird häufiger am Knie operiert, obwohl die Menschen in solchen Regionen tendenziell seltener an Arthrose leiden“, sagte Etgeton. Mögliche Ursachen, so der Report, könnten sein, dass sich Versorgungsdichte, ärztliche Empfehlungen, die Nachfrage nach operativen Eingriffen und die Erwartungen an Lebensqualität regional unterscheiden.

Der Faktencheck Gesundheit legt weiterhin den Schluss nahe, dass – anders als von vielen Fachleuten bislang vermutet – Voruntersuchungen durch Spiegelungen (Arthroskopien) die Zahl der Kniegelenkersatz-Operationen nicht verringern. Im Gegenteil: In Regionen, in denen vergleichsweise viele Arthroskopien durchgeführt werden, werden auch viele künstliche Kniegelenke eingesetzt.

Wie alle bisherigen Themen des Faktencheck Gesundheit enthält auch der Faktencheck Knieoperation (www.faktencheck-knieoperation.de) neben dem wissenschaftlichen Report viele nützliche Informationen für Patienten. Zur Vorbereitung auf ein Arztgespräch oder einen Eingriff können sich Patienten über Nutzen und Risiken von Kniegelenkersatz und Kniespiegelung informieren und ihr Wissen mit einem interaktiven Quiz testen. Auf einer interaktiven Deutschlandkarte können sie ablesen, wie häufig in ihrer Stadt oder ihrem Landkreis operiert wird.
Autor: red

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