Wo bleibt der Mittelstand
Die Nordthüringer Mittelständler machen sich angesichts der begonnenen Koalitionsverhandlungen in Berlin erste Sorgen, dass sie unter die Räder kommen könnten...
Bei der Regierungsbildung darf der Mittelstand nicht unter die Räder kommen. Oberstes Ziel in den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen zur Energie-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik muss der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland sein. Die Verhandlungspartner müssen sich ihrer hohen Verantwortung für die Zukunftssicherung unserer Wirtschaft bewusst sein", sagt Kreisgeschäftsführer Volker Beiersdorf.
Die mittelständischen Unternehmen brauchen jetzt eine Entlastung bei Steuern und Abgaben. Ihnen dürfen keine zusätzlichen Belastungen aufgebürdet werden. Deshalb fordern wir eine deutliche Senkung der Stromsteuer und den Vorrang für eine dezentrale Stromerzeugung. In der Steuerpolitik ist jegliche Substanzbesteuerung zu vermeiden. Stattdessen plädieren wir für eine Steuerfreistellung aller im Unternehmen belassenen, also reinvestierten Gewinne. Dies würde den Unternehmen Investitionen ermöglichen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze fördern.
Ein zentrales Thema bei den Koalitionsverhandlungen ist der Mindestlohn. Unsere Position dazu ist klar: Die Festsetzung von Löhnen ist Aufgabe der Tarifpartner und nicht des Staates. Diese Tarifautonomie hat sich bei uns seit Jahrzehnten bewährt. Deshalb müssen die Tarifpartner in jedem Fall bei der Lohnfindung beteiligt werden.
"Bei einem einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde droht zudem der Verlust von bis zu 1,2 Millionen Arbeitsplätzen. Besonders betroffen wären Geringqualifizierte und Berufseinsteiger. Nutznießer wäre die Schwarzarbeit, so Beiersdorf.
Autor: red
Kommentare
Albert
24.10.2013, 21:29 Uhr
Mindestlohn ist linkspopulistischer Schwachsinn
Müssen wir denn unbedingt die Fehler wiederholen, die Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland dahin gebracht haben, wo sie heute sind? Dort gibt der Staat praktisch schon immer mehr Geld aus, als er einnimmt. Nicht etwa für Zukunftsinvestitionen, sondern für den Konsum. Außerdem werden die noch verbliebenen Unternehmen gezwungen, Mindestlöhne zu zahlen, die höher als die Produktivität vieler Arbeitskräfte sind. Die Folge: Massenarbeitslosigkeit insbesondere unter Berufseinsteigern und Nichtfacharbeitern.
Ein Mindestlohn von 8,50 € brutto, also vorsichtig gerechnet ca. 11,00 € Arbeitskosten für den Arbeitgeber, hätte in Regionen wie der unseren diese Folgen:
Einige Arbeitnehmer bekämen ohne zu murren für ihre Arbeit mehr Lohn, weil sie bisher zu wenig vom Chef verlangt haben.
Andere würden schlicht entlassen, weil ihre Arbeitsplätze ökonomisch unrentabel werden.
Eine dritte Gruppe würde zu arbeitsrechtlich rechtlosen (Schein-)Selbstständigen, die ohne soziale Absicherung die gleiche Arbeit für das gleiche Geld weitermachen.
Und schließlich gäbe es die vierte Gruppe, die sich markt- aber nicht gesetzeskonform verhält und deren abgerechnete Stunden so reduziert werden, dass sich aus dem bisherigen Monatsgehalt bei offiziell verkürzter Arbeitszeit 8,50 €/Stunde ergeben. Gleichzeitig sind sind beide Seiten einig, dass Überstunden bis zur bisherigen Arbeitszeit unentgeltlich zu leisten sind. Das könnte man auch Schwarzarbeit nennen, siehe auch Entwicklung im Friseurgewerbe, nachdem der dortige Mindestlohn eingeführt wurde.
Dort, wo es der Markt hergibt, werden die Mindestlöhne außerdem zu Preissteigerungen insbesondere im Dienstleistungsbereich führen, worüber sich vor allem Arbeitslose und Rentner sehr erfreut zeigen werden.
Jeder, der die DDR noch kennt, weiß, dass sich politisch festgesetzte Preise auf dem Markt nicht durchsetzen. Stets bildet sich dann ein Schwarzmarkt, auf dem die Marktpreise nach Angebot und Nachfrage gezahlt werden.
Man stelle sich vor, der Bundestag beschlösse einen gesetzlichen Mindestpreis für 1 kg Brot von 5 €. Würden die Becker jubeln? Bestimmt nicht, denn sie wüssten, dass sie ihr Brot für diesen Preis nicht loswerden. Ähnlich wird es den meisten Arbeitnehmern gehen, die jetzt für vielleicht für 7 € arbeiten.
Das ganze ist auch überhaupt nicht notwendig. Ich kann in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fragen, wen ich will: Alle klagen, wie schwer es ist, eine freie Stelle mit einer Fachkraft zu besetzen. Allein dieser Angebotsmangel an qualifizierten Arbeitskräften, der durch die viel zu frühe Verrentung bester, erfahrener Fachleute und die viel zu geringe Zahl ausreichend qualifizierter junger Leute in den folgenden Jahren immer evidenter wird, führt zwangsweise dazu, dass die Arbeitgeber im Wettbewerb um die wenigen Fachkräfte immer höhere Löhne zahlen müssen und auch werden. Das läuft doch schon so: Was zahlt Ihnen Ihr jetztiger Chef? – Ich zahle 10 % mehr.
In Umfragen sind 80 % für den Mindestlohn. Doch dort wird nicht gefragt, ob sie auch für höhere Preise und Arbeitslosigkeit sind. Außerdem hat die Mehrheit nicht automatisch recht. Meist ist zunächst eine Minderheit schlauer als die Mehrheit (Darwin, Galilei …). Gerade die Deutschen sollten angesichts ihrer Geschichte extrem vorsichtig sein mit Leuten, die der Mehrheit nach dem Munde reden …
Zum Schluss noch eine Gerechtigkeitsfrage: Liebe Handwerker, Freiberufler und Kleingewerbetreibende, habt Ihr mal ausgerechnet, was Eure Firma am Jahresende abwirft und das dann mal durch die von Euch im Jahr tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden geteilt? Macht es lieber nicht, sonst schmeißt Ihr alles hin. Das Ergebnis ist frustrierend, weit von 8,50 € entfernt und oft viel niedriger als das Ergebnis folgender Rechnung: Jahresbrutto Eures Arbeitnehmerns geteilt durch tatsächlich geleistete Stunden (also ohne bezahlten Urlaub und bezahlte Krankheit). Für die, die es nicht wissen: Der Nichtarbeitnehmer kennt keinen bezahlten Urlaub und auch keine Lohnfortzahlung bei Krankheit. Wie wäre es denn mit einem Mindestunternehmerlohn von 8,50 €? – Völlig irreal, stimmt. Genauso irreal wie der Linkspopulismus.
Georg
25.10.2013, 09:52 Uhr
Mein Gott Albert...
Warum malen sie ein solches Schreckensszenario. Nach ihrer Meinung steht ja der Untergang der deutschen Wirtschaft bevor, wenn ein flächendeckender Mindestlohn eingeführt wird. Die Staatsverschuldung gibt es doch schon lange in astronomischer Höhe, auch ohne Mindestlohn. Und die hier fehlenden jungen Fachleute sind wegen der miesen Bezahlung und Zukunftsaussichten in die westlichen Bundesländer abgewandert. Zum Thema Schwarzarbeit: Die hat es schon immer gegeben und wird es auch weiter geben. Solange es die Nachfrage danach und zu wenig Kontrollen gibt, wird versucht die fehlende Lohnhöhe durch ungemeldete Nebentätigkeit zu kompensieren. Die Schummelei mit den unbezahlten Überstunden ist auch schon Realität und wird auch ohne ML praktiziert. Und die Unterwanderung des Arbeitsrecht durch Scheinwerkverträge um die Löhne zu drücken machen uns die großen Konzernunternehmen schon lange vor. Die Subvention der Unternehmen, die Minilöhne zahlen, durch aufstockende Leistungen wird von ihnen nicht erwähnt. Das ist der wahre Skandal, über den zu wenig geredet wird. Da gehen Milliarden Steuergelder auf die Konten der Unternehmer.
Mindestlohn schafft Kaufkraft und das Geld wird wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. Zudem können sich viele Arbeitnehmer aus dem Hartz VI System abmelden und wieder zu Steuerzahlern werden ohne dem Staat zur Last zu fallen.
Wolfi65
25.10.2013, 10:32 Uhr
Wer den Mindestlohn will...
ist also zumindest ein Links Sympathisant.
Hmm...
Und es würde weniger erwirtschaftet, wie dann die Lohnkosten steigen.
Also geglaubt wird in der Kirche, aber diese Aussagen kann ich bei Rekordumsätzen der "Unternehmen" 2012 und 2013 nicht bestätigen.
Während die Arbeitnehmer mit Lohnfrechheiten abgespeist werden, erhöhen sich die Profite der Unternehmen in neuen Dimensionen.
Natuerlich kann man diese Zahlen nicht mit dem Friseurunternehmer und oder Handyladen um die Ecke vergleichen.
Diese werden unter dem Mindestlohn zumindest Schwierigkeiten bekommen, die Löhne für ihre Angestellten zu bezahlen.
Aber im großen Maßstab gesehen, wird der Mindestlohn die Großbetriebe nicht treffen.
Und darum geht es ja in ersten Linie.
Einen flächendeckenden Mindestlohn durchzusetzen.
Wenn Jemand nicht unter 8,50,- entlohnt wird, dann kann er sich auch ein Brot für 5,-Euro leisten, wie es hier durch @Albert beschrieben wurde.
Natuerlich wird so eine Preispolitik wieder die Ärmsten der Armen treffen, da die Rentner und Arbeitslosen vom Mindestlohn nicht viel haben würden, aber trotzdem an diese die gestiegenen Preise weitergegeben werden.
Aber zumindest würde die Lohnspirale "nach unten" erst einmal gestoppt werden.
Lohndumping wäre so gut wie ausgeschlossen.
Das wäre doch schon mal was.
Und dass die Länder mit Mindestlohn über die eigenen Verhältnisse leben bzw. immer mehr Schulden machen, ist nicht zu bestreiten.
Aber Deutschland mit seinen Minilöhnen gerade im Osten, lebt wohl auch auf Pump.
Somit kann die Rechnung, Mindestlohn ist gleich hohe Staatsverschuldung, nicht aufgehen.
Sei noch im Nachhinein anzumerken, dass die Renten und Arbeitslosengelder sich in gewisser Weise an den gezahlten Löhnen in Deutschland orientieren.
Somit gehen diese wohl nicht ganz leer bei der Einführung eines Mindestlohnes aus.
PS:@Albert
Ich bin auch für einen Mindestlohn und bin kein links Sympathisant.
Retupmoc
25.10.2013, 11:05 Uhr
Irrwitz
Und wieder wettern die Unternehmer wegen dem Mindestlohn. " Wenn ich Mindestlohn zahlen muß, dann muß ich Leute entlassen " ! Interessant ! Und wer macht dann die Arbeit? Wie wäre es denn mit: Ich schmälere mal meinen eigenen Gewinn, damit meine Arbeitnehmer auch ein Brot kaufen können? Oder ich verkaufe mal meine Yacht? OK - Polemik - nicht jeder hat eine Yacht. Aber Fakt ist - egal in welcher Branche - die Arbeit muß gemacht werden. Nehmen wir mal den Kellner, der jetzt für 5 Euro die Stunde jobbt. Der Gaststättenbesitzer entlässt den also, weil er 8,50 nicht zahlen kann? Wer kellneriert denn dann? Der Besitzer selbst? OK - mag gehen, aber wenn die Gäste deswegen länger aufs Essen warten müssen, werden sie eine andere Stammkneipe suchen. Und der Besitzer ist auch pleite.
Jedem Einzelnen der jetzt aufschreit rate ich einmal für 4 Wochen seinen Lebenstandard auf 5 Euro/ Stunde umzustellen. Dann erst hat er einen Einblick. Und dieser Arbeitgeberpräsident Hundt, der hat sowieso keine Ahnung, das hat er mehrfach schon bewiesen. Reich zu Reich gesellt sich halt gern.
PS: Wenn die Arbeiterschaft ( mit 2 Abgeordneten in der Regierung vertreten ) mal wieder auf die Straße gehen würde, dann gäbe es vielleicht noch eine friedliche Revolution und die Lobbyisten würden zum Teufel gejagt!
hamster
25.10.2013, 11:49 Uhr
Albert
ist Rentner oder war Selbstständig und besucht keine Gaststätten,Frisöre und holt auch keine Brötchen vom Bäcker. Ach und die nette Verkäuferin hat doch selbst Schuld den ganzen Tag an der Kasse zu sitzen und verlangt auch noch Lohn dafür. Also, dann bin ich lieber -rechts-!
Thomas Fichtner
25.10.2013, 11:56 Uhr
Man hat ja gesehen wohin das führt!
Solche klassisch kapitalistischen Länder wie die USA, die ja seit 1938 bereits einen gesetzlichen Mindestlohn haben, sind ja schliesslich kurz nach dessen Einführung direkt zum Sozialismus übergegangen...
Ja, so linkspopulistischer Schwachsinn ist das!
Nicht das sie dann über 50 Jahre lang die führende Technik und Wirtschaftsnation wurden, mit durchschnittlichem Lebensstandard weit über dem aller Anderen...
Aber sicherlich ist Aufstocken von Leuten die mehr als 8h am Tag arbeiten gehen, aber davon nicht leben können - auf Kosten aller - volkswirtschaftlich sinnvoller.
NEIN IST ES NICHT! Nur nach BWLer Rechnung lohnt das für den Arbeitgeber.
Wenn aber die Mitarbeiter sich die eigenen Produkte nicht mehr leisten können, Großteil nur noch von der Hand in den Mund lebt und keine Reserven bilden können, geht die Firma und die ganze Gesellschaft den Bach runter!
->EchterNordhäuser<-
25.10.2013, 12:23 Uhr
So einfach ist das
Wenn ein gesetzlicher Mindestlohn für alle mit 8,50€ kommt, dann heißt das für mich, dass ich Aushilfen ca 1/4 mehr bezahlen soll. Da die Gewinne in der ländlichen Gastronomie meistens gleich null sind und fast immer gerade kostendeckend gearbeitet wird, bleibt mir die Möglichkeit die bezahlte Arbeitszeit zu kürzen und die "fehlenden" Stunden sind unbezahlte Überstunden - so einfach ist das! Produkte teurer zu machen hilft da vorerst wenig, da ich zumindest vorerst nicht davon ausgehe, dass die Leute nun spontan überall ihren Mehrverdienst ausgeben werden.
Wolfi65
25.10.2013, 18:40 Uhr
Na ganz so ist das nicht!
Also ich habe die fragwürdige Ehre gehabt, bei unseren Brüdern und Schwestern in Hessen 13 Jahre zu arbeiten. Für einen Hungerlohn von 11,50 Euro plus Auslöse.
Trotz relativ hohen Lohnkosten in der westdeutschen Gastronomie, sind die Kneipen voll besetzt und die Aushilfskräfte haben auch was in der Tasche gehabt und das obwohl ein kleines Glas Bier 0,2L nicht unter 2 Euro zu haben war.
Und das in einer unbedeutenden Kleinstadt am Spessart in einer abgelegenen Nebenstraße. Wenn hier sich nicht so viele Leute in die Gaststätten verirren, liegt das nicht am wollen, sondern am nicht können.
Wer kann denn bei 7 Euro pro Stunde Brutto und anderen Frechheiten, noch für 30 Euro einen Trinken und Essen gehen?
Mir ist doch klar @Echter Nordhäuser, dass unter dem Strich was übrig bleiben muss, aber wo soll es denn hier im Paradies des Lohndumping herkommen?
Und die Klientel der Besserverdienenden, welche nicht ständig auf die Uhr und in ihre Brieftasche schauen müssen, zieht sich garantiert in die für sie angemessen erscheinenden Lokalitäten zurück, wo man dann ungestört ein Glas Champagner nach einer harten Tag im Bürosessel schlürfen kann. Dann wagt es das Gemeine Volk noch nach einem Mindestlohn zu rufen. Die sollen doch froh sein, dass sie jetzt frei sind und überall hinfahren können.
Was wollen die denn noch?
micha_ndh
25.10.2013, 19:10 Uhr
allein in Europa?
Ich habe mir mal ein wenig Zeit genommen und Google bemüht.
Für alle die hier schwarz sehen und malen......einfach mal www.mindestlohn.de besuchen.
Nach lesen der Seite habe ich fast das Gefühl Deutschland ist eine Insel in Europa......jedenfalls beim Mindestlohn.
Wenn wir nicht aufpassen dann überholen uns ja noch die neuen EU Beitrittsländer........
Vielleicht sollte man nicht nur nach Frankreich und Spanien sehen, ich vermisse bei diesen Diskussionen immer wieder die nördlichen Länder. Da wo unsere gut ausgebildeten Ärzte hin oder auswandern und gar nicht wieder zurück wollen.
Es kann doch eigentlich nicht sein das Menschen die den ganzen Monat arbeiten gehen noch SGB II Leistungen beantragen müssen um über die runden zu kommen.
Und was noch schlimmer ist dass darauf schon gereist wird.....wir können nicht mehr zahlen als das aber den Rest können sie sich ja vom Amt holen.
Wo leben wir? In Deutschland 2013 oder noch in Zeiten der Tagelöhner?
Georg
25.10.2013, 20:12 Uhr
da muss ich @Wolfi...
mal uneingeschränkt zustimmen. Wenn er auch oft sinnlose Kommentare schreibt, hier hat er mal voll ins Schwarze getroffen.
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