Mi, 06:38 Uhr
06.11.2013
Sonderbares aus Sondershausen (15)
In unserer Reihe setzt sich unser Leser Eric Sommer mit einem besonderem Thema auseinander: Das besondere Buch
Da sage nochmal einer, es sei nichts los in Sondershausen. Mord und Totschlag, Verleumdung, Bestechung, Amtsmissbrauch, Standesdünkel, Umweltfrevel, Intrigen, Neid und Missgunst, alles was man für einen waschechten öko-sozial-kulturkritischen Krimi so braucht, zusammengewürfelt und in eine frei erfundene, haarsträubende, lokalkolorierte Geschichte verpackt, so präsentiert sich der Sondershäuser Dirk Trute mit seinem neuen Buch Der Bestatter.
Rund um die Bemühungen des Protagonisten zur Aufklärung eines Mordes beschreibt Dirk Trute die Besonderheiten und Potentiale seiner Heimatstadt, skizziert regionale Strukturen und spart dabei nicht mit Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Mehrere parallele Handlungsstränge ermöglichen aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedene Blicke auf das Treiben in der Kleinstadt.
Real existierende Orte in und um Sondershausen, junghistorische Ereignisse und gewagte Namensspiele verschmelzen mit einer fiktiven Handlung und der Weltanschauung des Titelhelden zu einem Gemenge, dass es dem Konsumenten des geschriebenen Wortes nicht immer einfach macht, zwischen Roman und Wirklichkeit zu unterscheiden. Anders als bei jedem beliebigen Buch drängen dem regionalkundigen Leser immer wieder Bilder ins Bewusstsein, die nicht nur der eigenen Fantasie entspringen, sondern an Geschehnisse anknüpfen, die tatsächlich geschahen oder von denen man zumindest gerüchteweise gehört zu haben glaubt. Zahlreiche Klischees werden prompt bedient und geradezu bis ins Absurde überzeichnet. Parallelen zur Realität sind aber ungewollt und rein zufällig, wie der Autor entschieden versichert.
Der ungewöhnliche Schreibstiel schafft eine ganz eigene Atmosphäre, die kleine Unrundheiten im Satzbau fast gewollt erscheinen lässt. Die Charaktere sind mit einer Mischung aus Satire und Sarkasmus klar gezeichnet und trotz des, für einen Krimi eher untypischen, allgegenwärtigen Humors, lassen sich verträumt melancholische Momente nicht verleugnen. Diese Momente zeigen recht klar, dass Trutes Regionalkritik auf tiefer Verbundenheit zu seiner Heimat wurzelt.
An einigen Stellen scheint der moralische Zeigefinger etwas zu vordergründig erhoben, was gelegentlich belehrend wirkt und das Lesevergnügen etwas dämpft. Das sind aber auch die Stellen im Buch, die immer wieder bewusst machen, dass es sich eben nicht um einen Tatsachenbericht handelt, sondern der Autor vielmehr einen ungewöhnlichen Krimi konstruiert hat, der in einem Umfeld spielt, dass uns mehr oder weniger vertraut scheint. In Wirklichkeit ist in Sondershausen zwar manches sonderbar, aber sonst fast alles in Ordnung.
Eric Sommer
Autor: khhDa sage nochmal einer, es sei nichts los in Sondershausen. Mord und Totschlag, Verleumdung, Bestechung, Amtsmissbrauch, Standesdünkel, Umweltfrevel, Intrigen, Neid und Missgunst, alles was man für einen waschechten öko-sozial-kulturkritischen Krimi so braucht, zusammengewürfelt und in eine frei erfundene, haarsträubende, lokalkolorierte Geschichte verpackt, so präsentiert sich der Sondershäuser Dirk Trute mit seinem neuen Buch Der Bestatter.
Rund um die Bemühungen des Protagonisten zur Aufklärung eines Mordes beschreibt Dirk Trute die Besonderheiten und Potentiale seiner Heimatstadt, skizziert regionale Strukturen und spart dabei nicht mit Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Mehrere parallele Handlungsstränge ermöglichen aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedene Blicke auf das Treiben in der Kleinstadt.
Real existierende Orte in und um Sondershausen, junghistorische Ereignisse und gewagte Namensspiele verschmelzen mit einer fiktiven Handlung und der Weltanschauung des Titelhelden zu einem Gemenge, dass es dem Konsumenten des geschriebenen Wortes nicht immer einfach macht, zwischen Roman und Wirklichkeit zu unterscheiden. Anders als bei jedem beliebigen Buch drängen dem regionalkundigen Leser immer wieder Bilder ins Bewusstsein, die nicht nur der eigenen Fantasie entspringen, sondern an Geschehnisse anknüpfen, die tatsächlich geschahen oder von denen man zumindest gerüchteweise gehört zu haben glaubt. Zahlreiche Klischees werden prompt bedient und geradezu bis ins Absurde überzeichnet. Parallelen zur Realität sind aber ungewollt und rein zufällig, wie der Autor entschieden versichert.
Der ungewöhnliche Schreibstiel schafft eine ganz eigene Atmosphäre, die kleine Unrundheiten im Satzbau fast gewollt erscheinen lässt. Die Charaktere sind mit einer Mischung aus Satire und Sarkasmus klar gezeichnet und trotz des, für einen Krimi eher untypischen, allgegenwärtigen Humors, lassen sich verträumt melancholische Momente nicht verleugnen. Diese Momente zeigen recht klar, dass Trutes Regionalkritik auf tiefer Verbundenheit zu seiner Heimat wurzelt.
An einigen Stellen scheint der moralische Zeigefinger etwas zu vordergründig erhoben, was gelegentlich belehrend wirkt und das Lesevergnügen etwas dämpft. Das sind aber auch die Stellen im Buch, die immer wieder bewusst machen, dass es sich eben nicht um einen Tatsachenbericht handelt, sondern der Autor vielmehr einen ungewöhnlichen Krimi konstruiert hat, der in einem Umfeld spielt, dass uns mehr oder weniger vertraut scheint. In Wirklichkeit ist in Sondershausen zwar manches sonderbar, aber sonst fast alles in Ordnung.
Eric Sommer
