Fr, 12:23 Uhr
22.11.2013
100 Bewerber auf 117 Stellen
Immer weniger Thüringer Azubis müssen zur Ausbildung in ein anderes Bundesland pendeln. In den letzten zehn Jahren, von Juni 2003 bis Juni 2012, sank die Zahl der Ausbildungs-Auspendler aus dem Freistaat um mehr als die Hälfte von 9.135 auf 3.724....
Die Perspektiven für Lehrstellenbewerber sind in Thüringen so gut wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr, sagte Arbeitsminister Matthias Machnig heute in Erfurt. Kein Jugendlicher müsse Thüringen verlassen, um eine Ausbildung machen zu können – im Gegenteil: Angesichts der wachsenden Fachkräftenachfrage sollte das Ziel sein, möglichst alle Thüringer Schulabgänger im Land zu halten.
Erfreulicherweise werde Thüringen auch attraktiver für Lehrlinge aus anderen Bundesländern, so der Minister. So ist die Zahl der jungen Menschen, die in einem angrenzenden Bundesland wohnen, aber in Thüringen ihre Berufsausbildung absolvieren, von 1.518 im Jahr 2003 auf 2.036 im letzten Jahr angestiegen.
Das reicht aber nicht aus, um wieder eine ausgeglichene Bewerber-Stellen-Relation zu erreichen. Im Ausbildungsjahr 2012/2013, das am 30. September endete, wurden insgesamt 13.289 Lehrstellen gemeldet, denen 11.340 Lehrstellenbewerber gegenüberstanden. Auf 117 angebotene Lehrstellen kamen somit nur 100 Bewerber. Damit ist die Situation in Thüringen umgekehrt zu der im Schnitt der alten und neuen Länder, wo es immer noch mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt.
Das Problem fehlender Fachkräfte werde dadurch weiter verschärft, sagte der Minister. Aus Sicht der Betriebe ist die Situation in Thüringen angespannt. Es werde zunehmend schwieriger, offene Ausbildungsstellen zu besetzen. So gibt es derzeit 1.200 offene Ausbildungsplätze, denen noch etwa 300 unversorgte Bewerber gegenüber stehen. Fachleute, die wir heute nicht ausbilden können, werden uns morgen fehlen.
Das Land sei deshalb in zunehmendem Maße auf Zuwanderung angewiesen. Initiativen der Industrie- und Handelskammern zur Anwerbung von Auszubildenden aus dem europäischen Ausland seien wegweisend. Das Land hat mit der Einrichtung eines Welcome Centers in Erfurt zudem eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für ausländische Fachkräfte eingerichtet, die in Thüringen berufliche Perspektiven suchen.
Wichtig ist aus Machnigs Sicht aber auch, die noch immer relativ hohe Zahl von Ausbildungsabbrüchen zu verringern. Noch immer werden knapp 30 Prozent der Lehrverträge in Thüringen vorzeitig wieder gelöst – weniger als im Schnitt der neuen Länder (31 Prozent), aber deutlich mehr als in den alten (23 Prozent). Das habe sicherlich auch damit zu tun, dass die aus Sicht der Jugendlichen günstigere Ausbildungssituation mehr Möglichkeiten bietet, nach Abschluss eines Vertrags noch ein anderes, besseres Angebot zu finden. Dennoch: Hauptgrund für Ausbildungsabbrüche ist und bleibt vor allem eine falsche Vorstellung vom künftigen Beruf, so der Thüringer Arbeitsminister.
Er rief deshalb alle Schüler und künftigen Lehrlinge auf, sich frühzeitig über Berufsprofile und die Anforderungen der Arbeitswelt zu informieren. Hierfür müsse es in Elternhaus und Schule die notwendige Unterstützung geben. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher, zukunftsfester Berufe in allen Regionen Thüringens, sagte der Minister.
Mit dem Berufswahlpass und der Ausbildungscard, Berufsbildungsmessen und Betriebspraktika bieten Wirtschaft, Bundesagentur für Arbeit und das Land verschiedene Instrumente an, um sich darüber zu informieren und die Berufswahlentscheidung der Jugendlichen gründlich vorzubereiten. Machnig: Niemand muss heute mehr das Land verlassen, um eine gute Ausbildung machen zu können.
Autor: enDie Perspektiven für Lehrstellenbewerber sind in Thüringen so gut wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr, sagte Arbeitsminister Matthias Machnig heute in Erfurt. Kein Jugendlicher müsse Thüringen verlassen, um eine Ausbildung machen zu können – im Gegenteil: Angesichts der wachsenden Fachkräftenachfrage sollte das Ziel sein, möglichst alle Thüringer Schulabgänger im Land zu halten.
Erfreulicherweise werde Thüringen auch attraktiver für Lehrlinge aus anderen Bundesländern, so der Minister. So ist die Zahl der jungen Menschen, die in einem angrenzenden Bundesland wohnen, aber in Thüringen ihre Berufsausbildung absolvieren, von 1.518 im Jahr 2003 auf 2.036 im letzten Jahr angestiegen.
Das reicht aber nicht aus, um wieder eine ausgeglichene Bewerber-Stellen-Relation zu erreichen. Im Ausbildungsjahr 2012/2013, das am 30. September endete, wurden insgesamt 13.289 Lehrstellen gemeldet, denen 11.340 Lehrstellenbewerber gegenüberstanden. Auf 117 angebotene Lehrstellen kamen somit nur 100 Bewerber. Damit ist die Situation in Thüringen umgekehrt zu der im Schnitt der alten und neuen Länder, wo es immer noch mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt.
Das Problem fehlender Fachkräfte werde dadurch weiter verschärft, sagte der Minister. Aus Sicht der Betriebe ist die Situation in Thüringen angespannt. Es werde zunehmend schwieriger, offene Ausbildungsstellen zu besetzen. So gibt es derzeit 1.200 offene Ausbildungsplätze, denen noch etwa 300 unversorgte Bewerber gegenüber stehen. Fachleute, die wir heute nicht ausbilden können, werden uns morgen fehlen.
Das Land sei deshalb in zunehmendem Maße auf Zuwanderung angewiesen. Initiativen der Industrie- und Handelskammern zur Anwerbung von Auszubildenden aus dem europäischen Ausland seien wegweisend. Das Land hat mit der Einrichtung eines Welcome Centers in Erfurt zudem eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für ausländische Fachkräfte eingerichtet, die in Thüringen berufliche Perspektiven suchen.
Wichtig ist aus Machnigs Sicht aber auch, die noch immer relativ hohe Zahl von Ausbildungsabbrüchen zu verringern. Noch immer werden knapp 30 Prozent der Lehrverträge in Thüringen vorzeitig wieder gelöst – weniger als im Schnitt der neuen Länder (31 Prozent), aber deutlich mehr als in den alten (23 Prozent). Das habe sicherlich auch damit zu tun, dass die aus Sicht der Jugendlichen günstigere Ausbildungssituation mehr Möglichkeiten bietet, nach Abschluss eines Vertrags noch ein anderes, besseres Angebot zu finden. Dennoch: Hauptgrund für Ausbildungsabbrüche ist und bleibt vor allem eine falsche Vorstellung vom künftigen Beruf, so der Thüringer Arbeitsminister.
Er rief deshalb alle Schüler und künftigen Lehrlinge auf, sich frühzeitig über Berufsprofile und die Anforderungen der Arbeitswelt zu informieren. Hierfür müsse es in Elternhaus und Schule die notwendige Unterstützung geben. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher, zukunftsfester Berufe in allen Regionen Thüringens, sagte der Minister.
Mit dem Berufswahlpass und der Ausbildungscard, Berufsbildungsmessen und Betriebspraktika bieten Wirtschaft, Bundesagentur für Arbeit und das Land verschiedene Instrumente an, um sich darüber zu informieren und die Berufswahlentscheidung der Jugendlichen gründlich vorzubereiten. Machnig: Niemand muss heute mehr das Land verlassen, um eine gute Ausbildung machen zu können.