Mi, 10:13 Uhr
04.12.2013
Wenn die Nacht keine Ruhe bringt
Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Schlafstörungen. Was viele jedoch nicht wissen: Schlafprobleme können auch durch Medikamente verursacht sein. Oft soll andererseits der Griff zu Schlafmitteln die Nachtruhe retten...
Doch wer sie falsch einsetzt, läuft Gefahr, sein nächtliches Problem noch zu verstärken – und riskiert eine Abhängigkeit. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker wissen, welche Arzneimittel den Schlaf beeinträchtigen können, und klären über den richtigen Umgang mit Schlafmitteln auf.
Um auf Dauer körperlich, geistig und seelisch gesund und leistungsfähig zu bleiben, muss der Mensch regelmäßig, gut und ausreichend schlafen. Im Schlaf regeneriert sich der Körper, während das Gehirn die Zeit zur ‚Datenverarbeitung‘ nutzt, erklärt Danny Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen: Schläft man immer wieder zu wenig oder schlecht, leiden Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Man ist weniger leistungsfähig und kreativ, dazu häufig reizbar, nervös und abgeschlagen. Auch Kreislauf und Stoffwechsel, das Immunsystem und viele andere Körperfunktionen werden in Mitleidenschaft gezogen.
Doch vor allem für ältere Menschen bringt die Nacht oft keine Erquickung. Während gelegentliche unruhige Nächte als normal gelten, müssen chronische Schlafstörungen behandelt werden: wessen Schlaf mindestens einen Monat lang in drei oder mehr Nächten pro Woche gestört ist, sollte den Arzt aufsuchen. Am häufigsten sind Einschlaf- oder Durchschlafprobleme und Früherwachen, doch auch Atmungs- oder Bewegungsstörungen oder nächtliche Ereignisse (Schlafwandeln) kommen vor. Meist handelt es sich um so genannte sekundäre Insomnien, die ganz verschiedene Ursachen haben können: neben einer Reihe körperlicher und psychischer Erkrankungen zählen dazu Stress, äußere Störfaktoren (Schichtarbeit), falsche Schlafgewohnheiten oder auch der Lebenswandel.
Auch Medikamente können der Grund sein, wie Apotheker Neidel weiß: Gestörter Schlaf ist eine häufige Nebenwirkung vor allem bei Arzneimitteln, die aufs zentrale Nervensystem oder das Hormonsystem wirken. Dazu zählen antriebssteigernde Antidepressiva, Bluthochdruck- und Herzmittel sowie Appetitzügler, aber auch koffeinhaltige Schmerz-, Husten- und Erkältungsmittel. Müssen Medikamente abends eingenommen werden, kann auch dies zu Problemen führen, so der Apotheker. Oft treten solche Nebenwirkungen jedoch nur vorübergehend zu Behandlungsbeginn auf. Wer seine Schlafstörung für möglicherweise medikamentenbedingt hält, sollte dies unbedingt mit dem verschreibenden Arzt besprechen. Keinesfalls, warnt Neidel, darf man ärztlich verordnete Medikamente eigenmächtig ab-setzen. Dagegen kann schon eine Änderung des Einnahmezeitpunkts oder der Wirkstoffkombination Besserung bringen.
Paradox, aber wahr: gerade Schlafmittel können zu Schlafproblemen führen. Während Schlafhilfen auf pflanzlicher Basis unbedenklich sind, können synthetische Präparate – vor allem Benzodiazepine – bei langfristiger Einnahme zu Gewöhnungseffekten führen, berichtet Neidel: Weil die Wirkung allmählich nachlässt, erhöhen viele eigenmächtig die Dosis – und handeln sich damit erst recht Probleme ein: zu unruhigen Nächten tritt verstärkte Tagesmüdigkeit auf. Andere Patienten kommen auch bei konstant niedriger Dosis gar nicht mehr ohne synthetische Einschlafhelfer aus – und leiden, besonders in höherem Alter, unter Nebenwirkungen wie Benommenheit, Vergesslichkeit, Gliederschmerzen, Unruhe oder Stimmungsschwankungen. Wer solche Mittel jedoch auf einen Schlag absetzt, riskiert eine Absetzschlaflosigkeit.
Was tun? Apotheker Neidel empfiehlt eine schrittweise Entwöhnung unter ärztlicher Aufsicht – in Verbindung mit alternativen Methoden, um der Schlafprobleme Herr zu werden. Dazu gehören Stressabbau und gezielte Entspannung ebenso wie die Überprüfung und ggf. Änderung von Schlafbedingungen und Lebensgewohnheiten: Oft lässt sich schon mit wenigen einfachen Maßnahmen – Verzicht auf schwere Mahlzeiten oder Alkohol am Abend, ausreichend Bewegung am Tag, feste Bettgehrituale – die Schlafqualität effektiv verbessern, so der Apotheker.
Wer auf Schlafmittel nicht verzichten kann oder möchte, sollte sie nur begrenzte Zeit einnehmen und zum Absetzen in Absprache mit dem Arzt allmählich die Dosis verringern. Noch besser: auf pflanzliche Mittel umsteigen, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind. Unterstützt vom beratenden Apothekenpersonal, kann man hier aus einer Fülle von Präparaten wählen: Baldrian, Melisse, Hopfen, Johanniskraut, Passionsblume oder Lavendel gibt es u. a. als Dragees, Tee, Tropfen oder Badezusatz.
Autor: enDoch wer sie falsch einsetzt, läuft Gefahr, sein nächtliches Problem noch zu verstärken – und riskiert eine Abhängigkeit. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker wissen, welche Arzneimittel den Schlaf beeinträchtigen können, und klären über den richtigen Umgang mit Schlafmitteln auf.
Um auf Dauer körperlich, geistig und seelisch gesund und leistungsfähig zu bleiben, muss der Mensch regelmäßig, gut und ausreichend schlafen. Im Schlaf regeneriert sich der Körper, während das Gehirn die Zeit zur ‚Datenverarbeitung‘ nutzt, erklärt Danny Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen: Schläft man immer wieder zu wenig oder schlecht, leiden Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Man ist weniger leistungsfähig und kreativ, dazu häufig reizbar, nervös und abgeschlagen. Auch Kreislauf und Stoffwechsel, das Immunsystem und viele andere Körperfunktionen werden in Mitleidenschaft gezogen.
Doch vor allem für ältere Menschen bringt die Nacht oft keine Erquickung. Während gelegentliche unruhige Nächte als normal gelten, müssen chronische Schlafstörungen behandelt werden: wessen Schlaf mindestens einen Monat lang in drei oder mehr Nächten pro Woche gestört ist, sollte den Arzt aufsuchen. Am häufigsten sind Einschlaf- oder Durchschlafprobleme und Früherwachen, doch auch Atmungs- oder Bewegungsstörungen oder nächtliche Ereignisse (Schlafwandeln) kommen vor. Meist handelt es sich um so genannte sekundäre Insomnien, die ganz verschiedene Ursachen haben können: neben einer Reihe körperlicher und psychischer Erkrankungen zählen dazu Stress, äußere Störfaktoren (Schichtarbeit), falsche Schlafgewohnheiten oder auch der Lebenswandel.
Auch Medikamente können der Grund sein, wie Apotheker Neidel weiß: Gestörter Schlaf ist eine häufige Nebenwirkung vor allem bei Arzneimitteln, die aufs zentrale Nervensystem oder das Hormonsystem wirken. Dazu zählen antriebssteigernde Antidepressiva, Bluthochdruck- und Herzmittel sowie Appetitzügler, aber auch koffeinhaltige Schmerz-, Husten- und Erkältungsmittel. Müssen Medikamente abends eingenommen werden, kann auch dies zu Problemen führen, so der Apotheker. Oft treten solche Nebenwirkungen jedoch nur vorübergehend zu Behandlungsbeginn auf. Wer seine Schlafstörung für möglicherweise medikamentenbedingt hält, sollte dies unbedingt mit dem verschreibenden Arzt besprechen. Keinesfalls, warnt Neidel, darf man ärztlich verordnete Medikamente eigenmächtig ab-setzen. Dagegen kann schon eine Änderung des Einnahmezeitpunkts oder der Wirkstoffkombination Besserung bringen.
Paradox, aber wahr: gerade Schlafmittel können zu Schlafproblemen führen. Während Schlafhilfen auf pflanzlicher Basis unbedenklich sind, können synthetische Präparate – vor allem Benzodiazepine – bei langfristiger Einnahme zu Gewöhnungseffekten führen, berichtet Neidel: Weil die Wirkung allmählich nachlässt, erhöhen viele eigenmächtig die Dosis – und handeln sich damit erst recht Probleme ein: zu unruhigen Nächten tritt verstärkte Tagesmüdigkeit auf. Andere Patienten kommen auch bei konstant niedriger Dosis gar nicht mehr ohne synthetische Einschlafhelfer aus – und leiden, besonders in höherem Alter, unter Nebenwirkungen wie Benommenheit, Vergesslichkeit, Gliederschmerzen, Unruhe oder Stimmungsschwankungen. Wer solche Mittel jedoch auf einen Schlag absetzt, riskiert eine Absetzschlaflosigkeit.
Was tun? Apotheker Neidel empfiehlt eine schrittweise Entwöhnung unter ärztlicher Aufsicht – in Verbindung mit alternativen Methoden, um der Schlafprobleme Herr zu werden. Dazu gehören Stressabbau und gezielte Entspannung ebenso wie die Überprüfung und ggf. Änderung von Schlafbedingungen und Lebensgewohnheiten: Oft lässt sich schon mit wenigen einfachen Maßnahmen – Verzicht auf schwere Mahlzeiten oder Alkohol am Abend, ausreichend Bewegung am Tag, feste Bettgehrituale – die Schlafqualität effektiv verbessern, so der Apotheker.
Wer auf Schlafmittel nicht verzichten kann oder möchte, sollte sie nur begrenzte Zeit einnehmen und zum Absetzen in Absprache mit dem Arzt allmählich die Dosis verringern. Noch besser: auf pflanzliche Mittel umsteigen, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind. Unterstützt vom beratenden Apothekenpersonal, kann man hier aus einer Fülle von Präparaten wählen: Baldrian, Melisse, Hopfen, Johanniskraut, Passionsblume oder Lavendel gibt es u. a. als Dragees, Tee, Tropfen oder Badezusatz.