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Di, 09:12 Uhr
21.01.2014

Heimatgeschichte: Galgenberg

Die Galgenberge – eine Stätte des Grauens und der Furcht. Hier gab es die letzte Hinrichtung im Wippertal. Der Verurteilte wurde mit Rad und Galgen hingerichtet. Eine neue Heimatgeschichte in den Nordthüringer Online-Zeitungen von Horst Rasemann...


Gericht wurde früher im Freien gehalten, dazu dienten die Gaugerichtsplätze. Exekutionsstätten befanden sich ausnahmslos auf Anhöhen, an denen die alten Handels- u. Heerstraßen unmittelbar vorbeiführten. Weithin sichtbar sollten die Strangulierten allen Vorüberziehenden zur Warnung und Abschreckung dienen. So kamen die Richtstätten, die man auch Galgenberge nannte, weil auf ihnen Galgen standen, die zur Vollstreckung der Todesstrafe dienten, in Verruf, denen man sich nur mit Grauen näherte und voller Furcht vorüberzog.

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Sie wurden möglichst von der Bevölkerung gemieden und mit einer Unzahl von Grusel- und Schauergeschichten umgeben. Das war auch nicht verwunderlich, denn die durch den Strang Hingerichteten blieben so lange hängen, bis die Galgenvögel(Krähen u. Raben) ihr schauriges Mahl gehalten hatten und die verblichenen Gerippe schließlich eines Tages von selbst herunterfielen.

Immerhin zählte das Strangulieren damals zu den milderen Todesstrafen. Je nachdem, wie die Hinrichtung vollzogen wurde – in mehr oder weniger schmerzhafter Weise – unterschied man im älteren Strafrecht zw. geschärfter und einfacher Todesstrafe. Nach dem Strafsystem der Gerichtsordnung Karl V. waren als geschärfte Todesstrafen der Feuertod, das Pfählen, das Rad, das Vierteilen und das Säcken oder Ertränken üblich, während die Strafen des Stranges und des Schwertes sowie die militärische Strafe des Erschießens als die leichten Arten der Todesstrafe galten.

Unterhalb der Wöbelsburg bei Hainrode befindet sich an der ehemaligen Altmühlhäuser Straße eine Geländeerhebung, die als „Galgenberg“ bezeichnet wird. Auch Ellrich besitzt einen Galgenberg. Er befindet sich im Osten der Stadt. Seinen Namen hat er von der Richtstätte, die sich einst hier befand. Schriftliche Quellen belegen dies. Nach mündlichen Überlieferungen sollen dort noch Stücke des letzten Galgens, von 1755, gelegen haben. Desweiteren gibt es Galgenberge noch bei Neustadt, Bleicherode und bei Heringen. Mit Beginn der brandenburgischen Herrschaft um 1648 wurde auf der „Königslieten“ zwischen Elende und Bleicherode, ein Galgen errichtet.

Am 14. November des Jahres 1800 wurde auf dem Galgenberg bei Elende eine Hinrichtung vollzogen, die nicht nur in der Herrschaft Lohra, sondern weit über deren Grenzen hinaus größtes Aufsehen erregte und die in den Jahren ausgeübte grausame Justiz widerspiegelte. Der Deliquent Jakob Wernecke war der Sohn rechtschaffener Ackersleute aus Mitteldorf (heutige Wipperdorf).

Ohne ein bestimmtes Handwerk zu erlernen, pfuschte er bald in dieser und jener Profession herum und verbrachte die meiste Zeit mit Nichtstun. Bald nun verlernte er auch das Mein und Dein zu unterscheiden, wilddiebte im Lorenzberg und war durch seinen jähzornigen Charakter und impulsiven Wesen oft in Händel mit seinen Mitmenschen verstrickt. Als Bursche unterhielt Wernecke gleichzeitig mit mehreren jungen Mädchen Liebschaften, die nicht ohne Folgen blieben.

Um sich aus der unangenehmen Lage zu befreien, erstach er am Abend des 11. Januar 1800 bei einem Stelldichein seine Geliebte Friedericke Apel und versuchte am darauffolgenden Tag sich durch die Flucht in die Freie Reichsstadt Mühlhausen, um sich dort von den hier aufhaltenden Werbern unter die Kaiserlichen anwerben zu lassen, einer Bestrafung zu entgehen. Wäre ihm dies gelungen, wäre seine Rettung wahrscheinlich gewesen, denn bekanntlich hielten die Werber fest, was sie einmal in ihren Händen hatten.

Im Keulaschen Wald übernachtete er und kehrte am anderen Morgen in der Gemeindeschenke zu Windeberg ein. Mittlerweile aber waren, da sich der Verdacht sofort auf Wernecke lenkte, von der Ortsbehörde in Mitteldorf geeignete Maßnahmen ergriffen worden, um seiner habhaft zu werden. So wurde er vom Gemeindehirten Bücking im Wirtshaus entdeckt und mit Hilfe des Ortsschulzen und einigen handfesten Begleitern verhaftet, nach der Burg Lohra gebracht und dort im Amtsgefängnis eingesperrt.

Nach dem Geständnis der Mordtat wurde er verurteilt, mit Rad und Galgen vom Leben zum Tod gebracht zu werden. Als nun im Herbst die königliche Bestätigung des Urteils aus Berlin eintraf, wurde die Hinrichtung auf den 14. November festgesetzt. Als den passendsten Ort hierzu wählte man die Königslieten bei Elende.

Diese Stätte hatte schon seit früheren Zeiten als Richtplatz gedient. Rittlinks auf einem Pferdewagen gesetzt, eingerahmt von zwei Pfarrern, fuhr der Wagen unter Begleitung einiger Landreiter und einer großen Menschenmenge, die singend und betend nachfolgte, durch Wenden und Friedrichslohra, die Katzenburg hinunter nach Elende, weiter in den sogenannten Bleicheröder Weg und dann quer über das Land nach der Königslieten hinauf.

Der Berg war auf seinem Gipfel wie an seinen Abhängen mit Tausenden von neugierigen Menschen bedeckt. In den Dörfern selbst war keine Menschenseele mehr zu finden. Nachdem nun der Richter das Todesurteil verlesen und den Stab entzwei gebrochen hatte, wurde Jakob Wernecke blitzschnell von den Gehilfen des Scharfrichters ergriffen, an den Händen und Füßen mit Stricken gefesselt und in einen kahnartigen, flachen Kasten, indem sich einige hölzerne Stufen befanden, gelegt. Nun führte der Henkersknecht mit dem Rad einen kräftigen Stoß auf die Brust, worauf der Tod sofort eintrat. Darauf wurde Glied für Glied von unten herauf zerstoßen, sodann der Körper umgewendet und die Rückseite ebenso behandelt. Die Leiche wurde nun kniend auf das Rad gesetzt und der Kopf mittels eines langen Kropfnagels auf der Narbe des Rades befestigt, das man oben auf den Galgen setzte.

Das Gesicht des Verbrechers war nach Mitteldorf gewendet. Ein schauerlicher Anblick für die Eltern, die von ihrem Bodenfenster aus den einzigen Sohn – er war erst 24 Jahre alt – der ihnen Trost und Stütze im Alter sein sollte, sehen konnten. Noch nach Jahren hingen die Knochen des Wernecke auf dem Galgen, nachdem die Raben lange vorher das Fleisch verzehrt hatten. Erst in der westfälischen Zeit wurde der Galgen entfernt. Seit dieser letzten Hinrichtung wird der Berg „Galgenberg“ genannt.

Erst durch die französische Gesetzgebung des Königreiches Westfalen wurde ein humaneres Gerichtsverfahren eingeführt. Die Öffentlichkeit der Hinrichtungen wurde eingeschränkt und die damit verbundenen mittelalterlichen Grausamkeiten beseitigt.

Im Jahre 1871 wurde in Deutschland die mittelalterliche Todesstrafe offiziell aufgehoben.
Horst Rasemann
Autor: red

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Kommentare
gernot1310
21.01.2014, 10:10 Uhr
schöner Beitrag vielen Dank
ich muß sagen ich habe diesen Beitrag mit großem Interesse gelesen. Man lernt nie aus. War schon oft auf dem Galgenberg bei Elende. Man hat dort eine schöne Aussicht in Richtung Eichsfeld, die Bleicheröder Berge, den Harz und zum Teil der Hainleite.
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