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Mi, 09:05 Uhr
29.01.2014

Nur die Hälfte hat Anspruch

Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns könnte einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge viel weniger Menschen in Deutschland betreffen als bislang angenommen. So ist die Zahl der potenziellen Anspruchsberechtigten bereits gesunken...


Im Jahr 2012, so zeigen die neuesten Zahlen der am DIW Berlin angesiedelten Langzeitstudie SOEP, verdienten rund 5,2 Millionen Arbeitnehmer weniger als 8,50 Euro brutto in der Stunde. Das waren rund 500.000 Arbeitnehmer weniger als im Jahr zuvor.

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Zum einen hält der Trend an, dass die Zahl der Beschäftigten mit einfachen Jobs abnimmt, zum anderen machen sich die laufenden Lohnanhebungen bemerkbar. Bis zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 werden es allein wegen Lohnsteigerungen noch einmal 700.000 Arbeitnehmer weniger sein, prognostiziert der DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke . Sollten darüber hinaus noch die derzeit diskutierten Ausnahmeregelungen etwa für Rentner, Schüler und Studenten in Kraft treten, würde die Zahl der Anspruchsberechtigten um eine weitere Million sinken.

Völlig ungeklärt ist bislang, ob und wie Arbeitnehmer berücksichtigt werden, die einen sehr niedrigen Stücklohn oder Pauschallohn pro Tätigkeit erhalten. Sollten auch diese Arbeitnehmer ausgeklammert werden, schrumpft der Kreis der potenziellen Mindestlohnbezieher um weitere 600.000. Arbeitsmarktexperte Brenke warnt davor, bestimmte soziale Gruppen vom Mindestlohn auszuschließen. „Das könnte dazu führen, dass Jobs mit genau diesen Gruppen – etwa Rentnern oder Studenten – besetzt werden, um den Mindestlohn zu umgehen. Es käme zu unerwünschten Verdrängungseffekten am Arbeitsmarkt.“

Vor allem sind es Arbeitnehmer, die einfache Tätigkeiten ausüben, Frauen, Beschäftigte in Ostdeutschland sowie Minijobber, Rentner, Schüler und Studenten, die einen Arbeitslohn von weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdienen. Insgesamt rund 15 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland erhielten 2012 einen Stundenlohn, der unterhalb der von der Politik geplanten Mindestlohngrenze lag. In Ostdeutschland war es jeder vierte Arbeitnehmer, im Westen jeder siebte.

Wäre schon in jenem Jahr ein flächendeckender Mindestlohn eingeführt worden, so hätten die Bruttolöhne dieser Arbeitnehmer im Schnitt um 38 Prozent angehoben werden müssen. Besonders unter den Vollzeitkräften sowie den Arbeitnehmern mit einem einfachen Job sank die Zahl der Niedrigentlohnten im Jahr 2012 infolge von Lohnerhöhungen.

Diese Entwicklung wird sich Brenke zufolge fortsetzen: „Mehr als 700.000 Menschen verdienen aktuell zwischen 8 und 8,50 in der Stunde. Setzt man eine Lohnsteigerung von 2,3 Prozent wie zuletzt voraus, werden sie 2015 mehr als 8,50 Euro erhalten.“ Knapp eine weitere Million Arbeitnehmer würden als Anspruchsberechtigte wegfallen, wenn die jetzt diskutierten Ausnahmeregelungen für Rentner, Schüler und Studenten umgesetzt würden.

Nicht alle werden pro Stunde bezahlt

Bislang völlig ungeklärt ist, wie mit solchen Arbeitnehmern umgegangen werden soll, die nicht pro Stunde, sondern pro Stück oder Leistungseinheit bezahlt werden, wie Taxifahrer, Zeitungsausträger oder Stücklohnempfänger. Grundsätzlich wäre es zwar möglich, auf Betriebsebene einen „fairen Lohn“ festzulegen; um die Einhaltung zu überwachen, wäre allerdings ein großer bürokratischer Aufwand nötig.

Sollten diese Arbeitnehmer unter eine Ausnahmeregelung fallen, würde sich der Kreis der Anspruchsberechtigten eines gesetzlichen Mindestlohnes um weitere 600.000 Personen vermindern. „Wenn bestimmte, genau definierte Tätigkeiten aus den Mindestlohnregelungen ausgeklammert würden, wäre indes die Gefahr von Verdrängungseffekten gering“, so Brenke. Ungelöst bliebe aber das Problem unbezahlter Mehrarbeit.

„Schon heute leistet etwa eine Million Menschen, die Stundenlöhne von unter 8,50 Euro erhalten, unbezahlte Überstunden. Bei einem Mindestlohn dürften es eher mehr werden. Wenn der Gesetzgeber Regulierungen will, muss er deren Einhaltung auch strikt kontrollieren, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Das macht mehr Bürokratie erforderlich.“

Stichwort SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland und wird unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Angesiedelt ist das SOEP am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Für das SOEP befragen jedes Jahr etwa 600 Interviewerinnen und Interviewer vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehr als 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten. Die so erhobenen Daten geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Forscherinnen und Forscher im In- und Ausland nutzen die SOEP-Daten für ihre Studien. Bis heute sind mehr als 6000 Veröffentlichungen auf Basis der SOEP-Daten erschienen.
Autor: red

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Kommentare
Zauselmaus
29.01.2014, 11:20 Uhr
Unterschiede
Der Stundenlohn zwischen den Bundesländern Ost und West ist bekanntlich groß und wohnt man in der Nähe eines alten Bundeslandes, ist die Versuchung groß, ein paar Kilometer weiter zu fahren. Vor ca. 3 - 4 Jahren wurde in einigen Berufen der Mindestlohn bereits angehoben. So ist der Unterschied eines ungelernten AN zum ausgebildeten AN in z.B.meiner Tätigkeit schon jetzt sehr gering (ca.1,50 €). Natürlich ist es Verhandlungssache. Aber die Arbeitgeber sollten sich mal Gedanken machen, wenn sie den ungelernten Arbeitnehmer einen Mindestlohn zahlen müssen und die gelernten AN keine Lohnsteigerung erhalten, warum sie dann in diesem Berufszweig fast keine gelernten Kräfte mehr finden, wo der Lohnunterschied dann kaum auffällt, geschweige denn unatraktiv für zukünftige Lehrlinge ist. Ich habe 3 Jahre gelernt, trage die Verantwortung meines Handelns an der Arbeit, gehe Volltags und könnte mit meinem Gehalt meine Familie nicht ernähren,ohne Partner wäre ich auf`s Amt angewiesen. Fahre ich ein paar Kilometer weiter ins alte Bundesland, wäre dies möglich. Anhebung des Mindestlohns und überhaupt die Einführung ist gut, jedoch sollten auch der Staat und die Arbeitgeber an ihre gelernten AN denken. Da braucht sich der Staat nicht wundern, wenn so manche Fachkraft/Ingenieur abwandert oder gleich im alten Bundesland lernt. Wo wir doch die gleichen Steuern,Sozialbeiträge, Stromkosten ect.haben.
Herr Taft
29.01.2014, 21:18 Uhr
@Zauselmaus...die Sache mit dem Mindestlohn
...ich stimme Ihnen unumwunden zu !
Was Sie beschreiben ist jedoch die Angst der Volkswirte.

Die Befürchtung ist, dass die Anhebung der Löhne am unteren Ende (das ist nicht wertend sondern zahlenmäßig gemeint) das gesamte Lohngefüge nach oben treibt. Das wiederum führt zu steigenden Preisen. Im Ergebnis ist also ein Anstieg des Einkommensniveaus als auch des Preisniveaus zu verzeichnen .... Inflation. Die Verlierer wären hier wieder die Niedrigverdiener - trotz Mindestlohn.

Das ein Leben vom normalen Lohn/Gehalt in einigen Berufsgruppen nicht möglich ist, hat einfach etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun. Beispiel (immer wieder strapaziert) : die Friseurin. Der Job ist kreativ, macht vielen sicher Spaß, jedoch ist es ökonomisch nicht nachvollziehbar warum es immer noch Friseur-Azubis gibt, wo doch jeder weiß, dass der Job schlecht bezahlt ist. Es dürfte eigentlich keine Friseur-Azubis geben, oder ? Wenn dem so wäre müssten die Friseursalon-Betreiber die Gehälter erhöhen, damit sie überhaupt Leute finden. Dadurch würden die Haarschnitte teurer werden müssen...ein paar Salons müssten sicher schließen. Das nennt man einfach Markt ! Da braucht es keinen Mindestlohn. Je mehr der Markt gesetzlich eingeschränkt wird um so ineffizienter wird er. Die gesetzlichen Regeln müssten am oberen Ende greifen...beispielsweise über Vermögens-, Kapitalertragssteuer, Kapitalmarktabgaben u.ä.
Mindestlohn ist Gleichmacherei von qualifizierter und wenig oder gar nicht qualifizierter Arbeit.
Retupmoc
30.01.2014, 07:52 Uhr
Witzig
Na dann @ Nussbaum - warum führen wire dann nicht 3 Euro Höchstlohn ein. Der Haarshnitt kostet dann nur noh die Hälfte und auch der Niederiglohnempfänger kann mal zum Friseur gehen. Warum muss man immer den Schwachsinn, den die Wirtschaftsbosse von sich geben nachplappern?
Wolfi65
30.01.2014, 08:27 Uhr
Ist doch ganz einfach
Wenn man zu den Profiteuren des Niedriglohnsektors gehört, dann führt man solche Schreiben. Wenn ich von meinen Lohn nicht Leben kann und auch in Zukunft eine lächerliche Rente zu erwarten habe, dann kann ich nicht arbeiten. Für was dann noch früh aufstehen?

Damit die Agentur für Hilflosigkeit auch noch meine Lohnzettel durchschnüffeln und ihre eigenen Jobs sichern kann? Eine Tragödie ist das hier und nichts anderes.

@Nussbaum kann nichts dafür Die Meisten merken gar nicht, dass sie mit ihren Verhalten und Äußerungen dem Monopolkapital noch in die Hände spielen. Aber wir Leben ja in einer Demokratie und da kann Jeder seine Meinung und Ansichten zum Vortrage bringen, auch wenn es der Gegenseite und unter Schmerzen schwerfällt.

Manche tun aber gerade so, als ob sie die Mindestlöhne für die niedrigeren Lohnschichten aus eigener Tasche zahlen müssten.
Das ist natürlich ein lächerlicher Vorgang.
Herr Taft
30.01.2014, 08:32 Uhr
Nachplappern
Ich plappere meinem Professor nach, der mir vor Jahrzehnten etwas Wissen eingetrichtert hat und Sie?
Zauselmaus
30.01.2014, 10:52 Uhr
Nussbaum
Ich arbeite zwar nicht als Friseur, aber da glaube ich wiederum, dass mann keine ungelernte Kraft diese Tätigkeit ausüben lässt. In meinem Job ist es einfach so, dass der (private) Arbeitgeber gut verdienen will. Meine Tätigkeit wird von fast jedem gebraucht, wenn er mal alt wird. Und das Problem ist, dass das Angebot von Arbeitskräften in Zukunft niedriger werden wird und die Nachfrage groß. Da kann man hoffen, dass sich was tut im Lohngefüge. Nicht böse gemeint, aber die Haare kann man wachsen lassen oder selber schneiden. Jedoch werden manche Berufe/Tätigkeiten dirngend benötigt und sind gesetzlich vorgeschrieben, einen mindest. Prozentsatz an qualifizierten Personal zu haben.
Herr Taft
30.01.2014, 17:41 Uhr
@Zauselmaus...da haben Sie Recht
Ihre Branche - wenn ich Sie richtig verstehe - wird definitiv an Bedeutung gewinnen. Aber schauen Sie sich um: Viele sozial wertvollen Berufe sind schlecht bezahlt. Warum das so ist ?

Offenbar ist es für die Arbeitgeber kein Problem die niedrigen Gehälter durchzusetzen - es kommt ja trotzdem jemand in den Job. Also: Wie oben beschrieben.

In Deutschland werden Löhne und Gehälter zwischen Arbeitgebervereinigung und Gewerkschaft ausgehandelt. Nun gibt es Gewerkschaften die mächtiger sind als andere. Schauen Sie die IGM an, die ist so groß, dass sie die halbe Industrie in Deutschland lahm legen kann - was teuer wird. Oder nehmen Sie die Vereinigung Cockpit, die ist nicht groß - aber jeder nicht startende Flieger kostet viel Geld. Daher rührt die Macht dieser Gewerkschaften.
Wenn jedoch Krankenschwestern, Altenpfleger oder PTAs in den Ausstand treten - dann sterben vielleicht ein paar alte oder kranke Leute. Das ist schlimm und verwerflich - aber nicht teuer. Und die Schuld daran kann am Ende den Streikenden zugerechnet werden, die ja den Ausstand angezettelt haben. Die Machtposition in diesen Branchen ist einfach für die Arbeitnehmer schlecht.Das ist der Grund das diese Branchen immer unterbezahlt sein werden. Ein Mindestlohn hilft da nicht. Die moralische und soziale Bedeutung eines Berufes ist eben weniger wert als die ökonomische. Unschön, aber leider wahr.
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