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Mo, 06:48 Uhr
10.02.2014

nnz-Forum: 41.000 Unterschriften

Letztlich musste der Thüringer Umweltminister Jürgen Reinholz den Protesten nachgeben. Sein Spitzenbeamter und Elefantenjäger Udo Wedkind war nicht mehr zu halten und wurde nun beurlaubt. Anmerkungen von Bodo Schwarzberg...


Bekanntermaßen hatte Wedekind Anfang Dezember in Botswana einen Elefanten mit rund 20 Gewehrschüssen erlegt und sich gegenüber Kollegen mit diesem "Erfolg" gebrüstet. Wie zum Beispiel der Spiegel berichtet, seien bei den zuständigen Stellen zudem mehrere Anzeigen wegen Tierquälerei gegen Wedekind eingegangen. Kritisiert wird laut mehreren Zeitungsberichten, dass Wedekind nicht fachmännisch gejagt und dass es sehr lange gedauert habe, bis der Bulle verstorben sei.

Für Unverständnis sorgten in diesem Zusammenhang die anfänglichen Äußerungen von CDU-Minister Reinholz, der den Beamten und indirekt die Tötung des Elefanten in Schutz nahm. Allein eine Protestnote der Umweltorganisation Rettet den Regenwald (www.regenwald.org) wurde daraufhin von bis heute von rund 41.000 Menschen unterschrieben.

Auch weiterhin bleibt ein fader Beigeschmack: Dass sich ein Umweltminister erst unter massivem Druck und Ansehensverlust dazu durchringen konnte, eine schwerwiegende Verfehlung und moralische Ungeheuerlichkeit eines Mitarbeiters zu ahnden, spricht nicht für eine tiefe Verankerung des Naturschutzgedankens in seinem Ministerium. Letztere Annahme erhielt durch Verharmlosungsversuche Thüringer Juristen zusätzliche Nahrung (siehe nnz).

Aber Fakt ist: Noch in den 70er Jahren streiften rund 1 Million Elefanten durch den afrikanischen Busch, heute sind es weniger als 50 Prozent. Laut wikipedia fielen allein 2009 38.000 Dickhäuter dem illegalen Elfenbeinhandel zum Opfer.

So traurig, wie das antiquierte Verhalten von Udo Wedikind und die anfänglichen Ministeräußerungen auch anmuten: Durch den Abschuss wurde der Öffentlichkeit die dramatische Situation der Afrikanischen Elefanten als Folge der Marktwirtschaft auf schmerzliche Art vor Augen geführt, aber auch, welches Denken bei Entscheidungsträgern im Umweltbereich offenbar tief verwurzelt ist.

Der renommierte Artenschützer, Tierfilmer und langjährige Direktor des Frankfurter Zoos, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, schrieb dazu bereits 1969: "Denn von Politikern und Wirtschaftlern, ob sie nun weiß sind oder schwarz, wird unsere Freude an Tieren und unberührten Wildlandschaften gern mit etwas herablassendem Wohlwollen belächelt." (Quelle: GRZIMEK, B. (1969): Wildes Tier, weißer Mann. Leipzig.). Dem ist nichts hinzuzufügen.
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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Kommentare
Real Human
10.02.2014, 10:57 Uhr
Herr Wedekind – ein gottgefälliger Naturbursche!
Sehr geehrter Herr Schwarzberg, auch ich finde die Tat des Herrn Wedekind für einen zivilisierten Menschen höchst fragwürdig. Dass sein Prahlen mit seiner Tierquälerei für ihn karriereschädigend war, ist in einer hoch entwickelten Mediengesellschaft nur konsequent.

Dennoch sind Grausamkeiten in der Serengeti, die angeblich nicht sterben darf, ständige Praxis:
Beim Zappen bin ich zufällig auf eine Natursendung gestoßen, die deutlich gezeigt hat, wie grausam es in diesem „Naturparadies“ zugeht.

Gezeigt wurde eine durch Klima und Nahrungsmangel völlig erschöpfte Löwenfamilie mit halbwüchsigen Jungen. Gazellen zu jagen war ihnen nicht mehr möglich. Zur gleichen Zeit war am gleichen Ort eine Elefantengruppe unterwegs. Ein ebenfalls erschöpftes Elefantenbaby konnte das Tempo nicht mithalten.

Das war für die halbtoten Löwen die Überlebenschance. Sie fielen über den kleinen Elefanten her, konnten aber wegen seiner gegenüber Antilopen anderen Physiologie keinen Würgebiss ansetzen. Im Ergebnis dessen, rissen sie dem hilflosen Opfer bei lebendigem Leibe die Eingeweide heraus. Das war kein schöner Anblick und der Kameramann hielt auch nicht voll drauf. Die Trophäe des Herrn Wedekind ist trotz aller Quälerei wahrscheinlich schneller gestorben.

In Zoos käme man wahrscheinlich nie auf die Idee, unter Wildtieren solche Gemetzel zu dulden. Unsere Erde wird immer mehr zu einem Planeten des Menschen. Wildtiere werden in immer kleinere Lebensräume zusammengedrängt. Was läge eigentlich näher, als zumindest die großen Wirbeltiere in Zoos und Tierparks getrennt nach untereinander verträglichen Arten unterzubringen?

Dagegen stehen die unrealistischen und gegenüber dem realen Leiden der Tiere gleichgültigen Vorstellungen selbsternannter Naturschützer, denen anscheinend meist das Einfühlungsvermögen in die Leiden unzähliger "Kreaturen" abgeht.

Aufgrund unserer gegenüber Tieren ungleich größeren emotionalen Intelligenz sollten wir uns der Tierwelt gegenüber eigentlich wie fürsorgliche „Götter“ verhalten und die Orte, wo Furcht und Schrecken zuhause sind, nach und nach beseitigen. Aber es ist ja so unterhaltsam wilden Tieren im behaglichen Wohnzimmer oder gar bei einer Safari bei ihrem täglichen Existenzkampf zuzusehen.

Jetzt kann ich auch nachvollziehen, warum unser legendärer Gott (bzw. die Götter in polytheistischen Religionen) sich nicht in die grausamen Auseinandersetzungen unter seinen nach seinem Bilde geschaffenen „Geschöpfen“ einmischt. Bei der legendären Sintflut und im Fall von Sodom und Gomorrha soll er ja – übrigens grausam – dagegen vorgegangen sein. Aber wahrscheinlich ist es ihm auf seiner Wolkenbank danach etwas langweilig geworden. Genau wie uns Voyeuren, die auch ohne nervenkitzelnde Krimis und Abenteuerfilme an fürchterlicher Langeweile leiden würden.

Also, warum empört ihr euch gegen Herrn Wedekind, den gottgefälligen Naturburschen? Der hatte wenigstens den Mumm selbst zu töten, und für die Einheimischen ist nebenbei ein schönes Stück Bushmeat dabei abgefallen.

Joerg Birkefeld, Posthumanist
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