Fr, 10:47 Uhr
07.03.2014
Lichtblick: Zollstock
Ich habe einen Zollstock mitgebracht und möchte gerne ein paar Leute vermessen. Damit das alles seine Ordnung hat, bitte ich noch einen unparteiischen dazu. Der soll kontrollieren, ob ich richtig messe...
So, Kandidat eins: Du bist genau 2 Meter und fünfzig groß! Ganz schön für Deine 13 Jahre! Und Du, Kandidat zwei bist 1,20 Meter! In deinem Alter mit über 70 scheint Man(n) zu schrumpfen!
Kann das stimmen? Nie und nimmer! Fragen wir mal den Unparteiischen: Was ist denn schief gelaufen? Du hast erstens für die Messung die falsche Basis angesetzt. (Stimmt, ich habe einmal von der Decke an gemessen…) Und das ist kein Zollstock, sondern ein Gliedermaßstab! (Ach ja, wer misst heute schon noch in Zoll! Da sind ja Zentimeter drauf!)
Ich habe also den Maßstab falsch angesetzt. Darum habe ich mich auch vermessen. Wenn ein Brett vermessen wird und ich vermesse mich dabei, dann kann es sein, dass das berühmte Sprichwort wahr wird: Dreimal abgesägt und immer noch zu kurz! Es ist also für einen bestimmten Zweck nicht mehr zu gebrauchen. (Ist es zu lang, kann man noch was machen.)
Aber was geschieht, wenn Menschen vermessen sind. Wenn sie irgendwie einen falschen Maßstab haben oder gar keinen? Dann vermessen sie sich, was ihr Leben angeht. Und dann handeln sie auch vermessen. Wer vermessen lebt, der kommt nicht ans Ziel.
In unserer Fortsetzungsgeschichte aus der Bibel geht es ständig darum, dass Menschen vermessen handeln: Das Volk Israel handelt vermessen und verpasst eine große Chance. Die Chance, eher ans Ziel der Befreiung anzukommen.
Mose handelt vermessen und kommt darum nicht ans Ziel – ins gelobte Land.
Ein König und ein heidnischer Zauberpriester handeln vermessen. Denn sie unterschätzen Gottes Größe und seine Liebe zu Israel.
Aber bei einer Sache können wir uns nie vermessen. Sie ist nämlich nicht zu messen. Die Liebe Gottes. Sie ist unermesslich – auch den Vermessenen gegenüber.
Zunächst handelt das Volk Israel vermessen. Als sie an die Grenze des gelobten Landes kommen, schickt Mose zwölf Kundschafter aus. Sie sollen sich das von Gott versprochene Land ansehen. Wie fruchtbar ist es? Wie stark sind die Städte befestigt?
Als die Kundschafter nach 40 Tagen zurückkommen, schwärmen sie erst einmal von dem Land. Sie haben sogar Früchte mitgebracht, die wirklich lecker schmecken. Zwei der Kundschafter, Josua und Kaleb, haben sogar eine große Portion Weintrauben mitgebracht. Die war so riesig, dass zwei Leute die an einer Stange tragen mussten.
Ich versuche mir vorzustellen, wie den müden Wüstenwanderern das Wasser im Mund zusammen läuft. Das lohnt sich, da müssen wir hin! Aber da reden 10 der Kundschafter schon weiter: Sie hätten dort die Nachkommen Anaks gesehen. Das waren Riesen. (Einer ihrer bekanntesten Familienmitglieder war übrigens der Drei – Meter – Mann Goliath.)
Diese Nachricht versetzte die Israeliten in Angst und Panik. Josua und Kaleb vertrauen auf Gott und sagen: Wir sollten hinaufgehen und das Land in Besitz nehmen. Es wird uns ganz sicher gelingen! Aber die anderen Kundschafter halten dagegen: Wir können diese Menschen unmöglich angreifen. Sie sind viel stärker als wir!
Und sie setzen die Schauergeschichten fort:
Dieses Land frisst seine Bewohner, und die Männer, die wir gesehen haben, sind riesig. Ja, wir haben dort richtige Riesen gesehen, die Söhne Anaks aus dem Geschlecht der Riesen. Wir kamen uns ihnen gegenüber wie Heuschrecken vor!
Sie vermessen sich sogar so weit, dass sie behaupten: Wir waren es auch in ihren Augen! Hier ist Vermessenheit nicht Überheblichkeit gegenüber den anderen. Sondern sie machen sich selber zu klein. Wir haben uns wie Ungeziefer, klein und unbedeutend gefühlt. Und so haben uns diese Leute auch angesehen: Als klein und hilflos!
Hier geht es nicht um Realismus. Die sind vor lauter Angst nicht mehr sachlich. Sie machen sich selber klein und die Gegner zu groß.
Das Schlimmste aber ist: Sie klammern Gott aus!
Gott, der sie befreit, versorgt und geführt hat.
Sie rechnen nur mit ihren eigenen Möglichkeiten. Sie vergessen nicht nur Gott, sondern schieben ihn an die Seite. Sie gehen sogar so weit, dass sie alles für sinnlos erklären, was Gott an ihnen getan hat. Denn sie wollen Mose und Aaron absetzen und wieder nach Ägypten ziehen! Also die totale Resignation herrscht – aber nicht der Glaube.
Liebe Leser – was ist ein Glaubensbekenntnis? Das ist mehr, als was wir sonntags im Gottesdienst gemeinsam sprechen. Jesus sagt einmal: Aus dem Überfluss des Herzens redet der Mensch!
Glauben wir wirklich diese Worte: Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer der Welt?
Das, was die Kundschafter und die Israeliten hier in ihrer Angst sagen – das ist ihr wahrer Glaube: Wir kamen uns wie Heuschrecken vor. Klein und unbedeutend! Gott hat uns hierher gebracht, damit wir umkommen! Wir und unsere Kinder sind verloren!
Sie glauben also nicht, dass Gott es gut meint – sie glauben nicht an Gott den Vater.
Sie glauben auch nicht an Gottes Größe: Dass ER größer ist als alle Riesen und Riesenprobleme!
Sie handeln vermessen: Während sie die Riesen unnötig groß machen, machen sie Gott und sich selber klein.
Gott ist so zornig, dass daraufhin die Israeliten vierzig Jahre durch die Wüste wandern müssen – bis diese Generation ausgestorben ist. Ihre Kinder, die angeblich verloren sind, die werden dann das Land erobern.
So hart diese Geschichte ist – sie ist eine Lektion in Sachen Glauben, der reifen muss. Was glauben wir wirklich? Das wird deutlich, wenn Schwierigkeiten kommen. Wie reden wir dann? Was entfährt als erstes unserem Mund?
Das kann doch nur mir passieren!
Ich habe es schon immer gewusst. Irgendwas geht schief…!
Das Leben ist grausam! Das Leben ist gemein!
Das Leben ist kein Ponyhof…
Unter jedem Dach ein Ach!
Ich glaube, manche trübe Stimmung könnte geändert werden, wenn wir uns neu auf Gott besinnen und ihn durch Gebet und Vertrauen mit einrechnen.
Wie viele Umwege im Leben könnten vermieden werden, wenn wir gleich an unser Leben den Maßstab Gottes anlegen.
Auch diesen Maßstab: Gott ist gut. Auch wenn es nicht gut bei mir läuft. Gott ist groß. Vor allem ist ER größer als alles, was mir zu schwer oder zu groß wird.
Dazu hilft eine sehr alte Praxis: Besinnung.
Praktisch sieht das so aus:
Anhalten, Mund halten und Innehalten – und dann ganz tief in mir bedenken: Glaube ich wirklich an Gott, den Vater, den allmächtigen.
Oder ist mir alles andere zu übermächtig. Wir dürfen dann auch ganz ehrlich das zu Gott sagen, was ein besorgter Vater zu Jesus sagte. Dieser Vater kam mit seiner Verzweiflung zu Jesus, weil das Leben seines Sohnes bedroht war. Wenn Du etwas kannst, dann hilf uns!, rief er aus. Jesus sagte zu ihm: Was heißt hier, wenn Du kannst? Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt! Daraufhin rief der Vater: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! In solcher Ehrlichkeit können wir neu Vertrauen in Gott finden.
Das hilft uns, Panik zu vermeiden und Furcht zu überwinden.
Aber – auch Mose handelt vermessen. Ausgerechnet der, der Gott so nahe war. Seine Vermessenheit dauerte nur einen Augenblick. Aber sie hat etwas damit zu tun, dass er sich auch nicht besonnen hat. Er hat nicht innegehalten, denn er war ungehalten wegen dem ständigen Gemecker und Gejammer seiner Leute. Darum handelte er unbesonnen. Das war so: Schon einmal hatte das Volk kein Wasser in der Wüste. Da befahl der HERR, dass Mose mit seine Stab auf einen Felsen schlägt. Als Mose dem Befehl gehorchte, kam so viel Wasser aus dem Felsen, dass Mensch und Vieh genug zu trinken hatte. Nun war es wieder mal so weit: Kein Wasser weit und breit aber jede Menge Frust unter der Menge der Israeliten. Gott sagt zu Mose, er soll den Stab nehmen, zum Felsen gehen und – zu ihm reden! Rück das Wasser heraus!!!!
Aber Mose war wegen der frustrierenden Leute, für die er so viel riskiert, so viel ausgehalten hatte, nun auch mal frustriert. Anstatt zu tun, was Gott gesagt hat, frustet er rum und will den Israeliten mal deutlich sagen, was sie ohne ihn wären!
Hört zu, ihr Widerspenstigen! Werden wir aus diesem Felsen Wasser für euch fließen lassen können?
Anstatt zu tun, was der HERR ihm aufgetragen hat, schlägt er auf den Felsen.
Anstatt Gott, dem HERRN die Ehre zu geben, stellt er sich in den Mittelpunkt.
Mose hat in seinem Ärger und Frust nicht auf Gott vertraut, sondern auf Methoden und gewohnte Praxis. (Das hat doch schon immer so geklappt mit dem Stab!)
Und in seinem Frust wollte er auch mal Recht haben. Aber er hat Gott an den Rand gedrängt.
Mose war vermessen – und hat seine Grenzen nicht mehr beachtet.
Mose musste hier eine wichtige Lektion lernen. Nämlich: Es kommt nicht alles auf mich an. Es gibt einen Gott – und ich bin es nicht! Ich brauche nicht alles richtig zu machen. Es gibt einen, der kann das viel besser – und das ist Gott! Dieses Vertrauen und diese Ehrfurcht vor Gott kann uns viel Gelassenheit schenken.
Hier wird es wieder mal Zeit, an die berühmten Worte zu denken:
Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann;
und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Mose hat einen hohen Preis für seine Vermessenheit bezahlt: ER darf das gelobte Land nicht betreten. Er darf es nur vom Berg aus sehen.
Als Israel die 40 – jährige Bewährungszeit in der Wüste hinter sich hat, kommen sie wieder an die Grenze des Landes. Da stellen sich ihnen einige Könige entgegen, die wollen sie nicht passieren lassen auf dem Weg in das Land, das Gott schon ihren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat.
Aber Israel bleibt immer der Sieger. Das spricht sich rum. Die anderen Völker bekommen Angst.
König Balak, der Herrscher von Moab, hat eine Idee: Weil Israel im Bund mit seinem Gott ist und von ihm (trotz aller Fehler) gesegnet ist, muss es verflucht werden. Also bestellt er einen heidnischen Zauberpriester, der soll Israel verfluchen. Der Zauberpriester mit dem Namen Bileam ist dem König lieb und teuer, darum bietet er Geld an, viel Geld.1
Gott sagt Bileam noch einmal ganz deutlich: Sag nur, was ich dir auftrage. Das tut Bileam nun auch: Er versucht zwar Gott mit Opfern und Ritualen zu beschwatzen – schließlich winkt da ein Haufen Geld! Aber er darf Israel nur segnen. Egal, wie sehr Balak tobt und rumschreit. Da haben sich die Gegner des Volkes Israel – die Gegner des Volkes Gottes vermessen!
Durch unser Vertrauen in Jesus gehören wir zum Volk Gottes – und ER lässt nicht zu, dass uns irgendjemand von Seinem Segen trennen kann.
Niemand darf uns verfluchen.
Über Fluch könnte ich sehr viel sagen. Nur mal so viel: Manchmal wird uns etwas Negatives gesagt:
Du kannst nichts
Du bist nichts wert.
Du wirst das nie schaffen
Du bist ein Versager – und was nicht alles.
Manchmal geht das an uns vorbei. Aber manchmal setzt sich das ganz tief in uns fest und nimmt uns den Mut, die Hoffnung, den Elan.
Dann dürfen wir uns auf die Kraft des Segens Gottes besinnen.
Dann dürfen wir an die Liebe Gottes denken, der uns vor dem Fluch beschützt. Ja, er verwandelt sogar den Fluch in Segen.
Wer solche verletzenden Worte nicht vergessen kann, der kann die guten Worte des Segens aus der Bibel dagegen setzen:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln… Er bereitet vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde…
Der HERR segne mich und behüte mich…
Und wir sind als Gemeinschaft zusammengestellt. Bonhoeffer sagt mal: Der Christus im Bruder ist stärker als der Christus in mir. Darum ist ein Gespräch unter vier Ohren mit Gebet und Segen am Ende oft sehr hilfreich, um solche negativen Sätze zu überwinden.
Wie kommen wir aber an der Vermessenheit vorbei, wie entgehen wir ihr?
Wir brauchen den richtigen Maßstab, und wie wir ihn einsetzen:
Mose hat den am Ende seines Lebens noch einmal deutlich gemacht mit den zehn Geboten, die er wiederholt – und sie dann zusammenfasst:
Höre, Israel! Der HERR ist Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft!
Der Gott, den wir lieben sollen, ist uns immer in seiner Liebe Ewigkeiten voraus. Auch wenn ER uns unsere Grenzen spüren lässt, wie Mose zum Beispiel. Was muss das für eine Enttäuschung gewesen sein, dass ausgerechnet er nicht ins gelobte Land darf!
Dass Sein Werk nicht vollendet wird, dass er nicht ans Ziel kommt!
Viele Jahrhunderte später geht Jesus mit drei seiner Freunde auf einen Berg. Dort verwandelt er sich vor ihren Augen. Sein Gesicht begann, wie die Sonne zu leuchten. Seine Kleider wurden so weiß und leuchteten selber wie von hellem Licht, dass jeder Vergleich fehlte. Und wer steht an seiner Seite – zwei große Gestalten des AT – Elia und Mose. In jenem Augenblick zarter Gnade sollte sich Moses Lebenstraum erfüllen: Er stand auf einem Gipfel eines Berges mitten im Gelobten Land. Es ist wahr, Gott vergisst die Staubigen nicht, weder die Geringsten noch die Größten2
Dafür hat sich Jesus verbürgt, als er auf dem Weg zum Kreuz war, unterwegs selber in den Staub fiel.
Als er auf dem Hügel Golgatha hing, hatte er keinen Ausblick in irgendein gelobtes Land. ER galt als Verlierer, als Versager. Er war angeklagt als einer, der sich vermessen hatte und behauptete, Gottes Sohn zu sein. Aber Er starb mit den Worten: Es ist vollbracht.
Am Kreuz und in der Auferstehung hat ER die Liebe Gottes zu uns Vermessenen ans Ziel gebracht.
Und im Vertrauen auf IHN werden wir aus aller Vermessenheit gerettet.
Im Vertrauen auf IHN wird unser Leben vollendet. Amen.
Pfarrer Reinhard Süpke
Autor: redSo, Kandidat eins: Du bist genau 2 Meter und fünfzig groß! Ganz schön für Deine 13 Jahre! Und Du, Kandidat zwei bist 1,20 Meter! In deinem Alter mit über 70 scheint Man(n) zu schrumpfen!
Kann das stimmen? Nie und nimmer! Fragen wir mal den Unparteiischen: Was ist denn schief gelaufen? Du hast erstens für die Messung die falsche Basis angesetzt. (Stimmt, ich habe einmal von der Decke an gemessen…) Und das ist kein Zollstock, sondern ein Gliedermaßstab! (Ach ja, wer misst heute schon noch in Zoll! Da sind ja Zentimeter drauf!)
Ich habe also den Maßstab falsch angesetzt. Darum habe ich mich auch vermessen. Wenn ein Brett vermessen wird und ich vermesse mich dabei, dann kann es sein, dass das berühmte Sprichwort wahr wird: Dreimal abgesägt und immer noch zu kurz! Es ist also für einen bestimmten Zweck nicht mehr zu gebrauchen. (Ist es zu lang, kann man noch was machen.)
Aber was geschieht, wenn Menschen vermessen sind. Wenn sie irgendwie einen falschen Maßstab haben oder gar keinen? Dann vermessen sie sich, was ihr Leben angeht. Und dann handeln sie auch vermessen. Wer vermessen lebt, der kommt nicht ans Ziel.
In unserer Fortsetzungsgeschichte aus der Bibel geht es ständig darum, dass Menschen vermessen handeln: Das Volk Israel handelt vermessen und verpasst eine große Chance. Die Chance, eher ans Ziel der Befreiung anzukommen.
Mose handelt vermessen und kommt darum nicht ans Ziel – ins gelobte Land.
Ein König und ein heidnischer Zauberpriester handeln vermessen. Denn sie unterschätzen Gottes Größe und seine Liebe zu Israel.
Aber bei einer Sache können wir uns nie vermessen. Sie ist nämlich nicht zu messen. Die Liebe Gottes. Sie ist unermesslich – auch den Vermessenen gegenüber.
Zunächst handelt das Volk Israel vermessen. Als sie an die Grenze des gelobten Landes kommen, schickt Mose zwölf Kundschafter aus. Sie sollen sich das von Gott versprochene Land ansehen. Wie fruchtbar ist es? Wie stark sind die Städte befestigt?
Als die Kundschafter nach 40 Tagen zurückkommen, schwärmen sie erst einmal von dem Land. Sie haben sogar Früchte mitgebracht, die wirklich lecker schmecken. Zwei der Kundschafter, Josua und Kaleb, haben sogar eine große Portion Weintrauben mitgebracht. Die war so riesig, dass zwei Leute die an einer Stange tragen mussten.
Ich versuche mir vorzustellen, wie den müden Wüstenwanderern das Wasser im Mund zusammen läuft. Das lohnt sich, da müssen wir hin! Aber da reden 10 der Kundschafter schon weiter: Sie hätten dort die Nachkommen Anaks gesehen. Das waren Riesen. (Einer ihrer bekanntesten Familienmitglieder war übrigens der Drei – Meter – Mann Goliath.)
Diese Nachricht versetzte die Israeliten in Angst und Panik. Josua und Kaleb vertrauen auf Gott und sagen: Wir sollten hinaufgehen und das Land in Besitz nehmen. Es wird uns ganz sicher gelingen! Aber die anderen Kundschafter halten dagegen: Wir können diese Menschen unmöglich angreifen. Sie sind viel stärker als wir!
Und sie setzen die Schauergeschichten fort:
Dieses Land frisst seine Bewohner, und die Männer, die wir gesehen haben, sind riesig. Ja, wir haben dort richtige Riesen gesehen, die Söhne Anaks aus dem Geschlecht der Riesen. Wir kamen uns ihnen gegenüber wie Heuschrecken vor!
Sie vermessen sich sogar so weit, dass sie behaupten: Wir waren es auch in ihren Augen! Hier ist Vermessenheit nicht Überheblichkeit gegenüber den anderen. Sondern sie machen sich selber zu klein. Wir haben uns wie Ungeziefer, klein und unbedeutend gefühlt. Und so haben uns diese Leute auch angesehen: Als klein und hilflos!
Hier geht es nicht um Realismus. Die sind vor lauter Angst nicht mehr sachlich. Sie machen sich selber klein und die Gegner zu groß.
Das Schlimmste aber ist: Sie klammern Gott aus!
Gott, der sie befreit, versorgt und geführt hat.
Sie rechnen nur mit ihren eigenen Möglichkeiten. Sie vergessen nicht nur Gott, sondern schieben ihn an die Seite. Sie gehen sogar so weit, dass sie alles für sinnlos erklären, was Gott an ihnen getan hat. Denn sie wollen Mose und Aaron absetzen und wieder nach Ägypten ziehen! Also die totale Resignation herrscht – aber nicht der Glaube.
Liebe Leser – was ist ein Glaubensbekenntnis? Das ist mehr, als was wir sonntags im Gottesdienst gemeinsam sprechen. Jesus sagt einmal: Aus dem Überfluss des Herzens redet der Mensch!
Glauben wir wirklich diese Worte: Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer der Welt?
Das, was die Kundschafter und die Israeliten hier in ihrer Angst sagen – das ist ihr wahrer Glaube: Wir kamen uns wie Heuschrecken vor. Klein und unbedeutend! Gott hat uns hierher gebracht, damit wir umkommen! Wir und unsere Kinder sind verloren!
Sie glauben also nicht, dass Gott es gut meint – sie glauben nicht an Gott den Vater.
Sie glauben auch nicht an Gottes Größe: Dass ER größer ist als alle Riesen und Riesenprobleme!
Sie handeln vermessen: Während sie die Riesen unnötig groß machen, machen sie Gott und sich selber klein.
Gott ist so zornig, dass daraufhin die Israeliten vierzig Jahre durch die Wüste wandern müssen – bis diese Generation ausgestorben ist. Ihre Kinder, die angeblich verloren sind, die werden dann das Land erobern.
So hart diese Geschichte ist – sie ist eine Lektion in Sachen Glauben, der reifen muss. Was glauben wir wirklich? Das wird deutlich, wenn Schwierigkeiten kommen. Wie reden wir dann? Was entfährt als erstes unserem Mund?
Das kann doch nur mir passieren!
Ich habe es schon immer gewusst. Irgendwas geht schief…!
Das Leben ist grausam! Das Leben ist gemein!
Das Leben ist kein Ponyhof…
Unter jedem Dach ein Ach!
Ich glaube, manche trübe Stimmung könnte geändert werden, wenn wir uns neu auf Gott besinnen und ihn durch Gebet und Vertrauen mit einrechnen.
Wie viele Umwege im Leben könnten vermieden werden, wenn wir gleich an unser Leben den Maßstab Gottes anlegen.
Auch diesen Maßstab: Gott ist gut. Auch wenn es nicht gut bei mir läuft. Gott ist groß. Vor allem ist ER größer als alles, was mir zu schwer oder zu groß wird.
Dazu hilft eine sehr alte Praxis: Besinnung.
Praktisch sieht das so aus:
Anhalten, Mund halten und Innehalten – und dann ganz tief in mir bedenken: Glaube ich wirklich an Gott, den Vater, den allmächtigen.
Oder ist mir alles andere zu übermächtig. Wir dürfen dann auch ganz ehrlich das zu Gott sagen, was ein besorgter Vater zu Jesus sagte. Dieser Vater kam mit seiner Verzweiflung zu Jesus, weil das Leben seines Sohnes bedroht war. Wenn Du etwas kannst, dann hilf uns!, rief er aus. Jesus sagte zu ihm: Was heißt hier, wenn Du kannst? Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt! Daraufhin rief der Vater: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! In solcher Ehrlichkeit können wir neu Vertrauen in Gott finden.
Das hilft uns, Panik zu vermeiden und Furcht zu überwinden.
Aber – auch Mose handelt vermessen. Ausgerechnet der, der Gott so nahe war. Seine Vermessenheit dauerte nur einen Augenblick. Aber sie hat etwas damit zu tun, dass er sich auch nicht besonnen hat. Er hat nicht innegehalten, denn er war ungehalten wegen dem ständigen Gemecker und Gejammer seiner Leute. Darum handelte er unbesonnen. Das war so: Schon einmal hatte das Volk kein Wasser in der Wüste. Da befahl der HERR, dass Mose mit seine Stab auf einen Felsen schlägt. Als Mose dem Befehl gehorchte, kam so viel Wasser aus dem Felsen, dass Mensch und Vieh genug zu trinken hatte. Nun war es wieder mal so weit: Kein Wasser weit und breit aber jede Menge Frust unter der Menge der Israeliten. Gott sagt zu Mose, er soll den Stab nehmen, zum Felsen gehen und – zu ihm reden! Rück das Wasser heraus!!!!
Aber Mose war wegen der frustrierenden Leute, für die er so viel riskiert, so viel ausgehalten hatte, nun auch mal frustriert. Anstatt zu tun, was Gott gesagt hat, frustet er rum und will den Israeliten mal deutlich sagen, was sie ohne ihn wären!
Hört zu, ihr Widerspenstigen! Werden wir aus diesem Felsen Wasser für euch fließen lassen können?
Anstatt zu tun, was der HERR ihm aufgetragen hat, schlägt er auf den Felsen.
Anstatt Gott, dem HERRN die Ehre zu geben, stellt er sich in den Mittelpunkt.
Mose hat in seinem Ärger und Frust nicht auf Gott vertraut, sondern auf Methoden und gewohnte Praxis. (Das hat doch schon immer so geklappt mit dem Stab!)
Und in seinem Frust wollte er auch mal Recht haben. Aber er hat Gott an den Rand gedrängt.
Mose war vermessen – und hat seine Grenzen nicht mehr beachtet.
Mose musste hier eine wichtige Lektion lernen. Nämlich: Es kommt nicht alles auf mich an. Es gibt einen Gott – und ich bin es nicht! Ich brauche nicht alles richtig zu machen. Es gibt einen, der kann das viel besser – und das ist Gott! Dieses Vertrauen und diese Ehrfurcht vor Gott kann uns viel Gelassenheit schenken.
Hier wird es wieder mal Zeit, an die berühmten Worte zu denken:
Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann;
und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Mose hat einen hohen Preis für seine Vermessenheit bezahlt: ER darf das gelobte Land nicht betreten. Er darf es nur vom Berg aus sehen.
Als Israel die 40 – jährige Bewährungszeit in der Wüste hinter sich hat, kommen sie wieder an die Grenze des Landes. Da stellen sich ihnen einige Könige entgegen, die wollen sie nicht passieren lassen auf dem Weg in das Land, das Gott schon ihren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat.
Aber Israel bleibt immer der Sieger. Das spricht sich rum. Die anderen Völker bekommen Angst.
König Balak, der Herrscher von Moab, hat eine Idee: Weil Israel im Bund mit seinem Gott ist und von ihm (trotz aller Fehler) gesegnet ist, muss es verflucht werden. Also bestellt er einen heidnischen Zauberpriester, der soll Israel verfluchen. Der Zauberpriester mit dem Namen Bileam ist dem König lieb und teuer, darum bietet er Geld an, viel Geld.1
Gott sagt Bileam noch einmal ganz deutlich: Sag nur, was ich dir auftrage. Das tut Bileam nun auch: Er versucht zwar Gott mit Opfern und Ritualen zu beschwatzen – schließlich winkt da ein Haufen Geld! Aber er darf Israel nur segnen. Egal, wie sehr Balak tobt und rumschreit. Da haben sich die Gegner des Volkes Israel – die Gegner des Volkes Gottes vermessen!
Durch unser Vertrauen in Jesus gehören wir zum Volk Gottes – und ER lässt nicht zu, dass uns irgendjemand von Seinem Segen trennen kann.
Niemand darf uns verfluchen.
Über Fluch könnte ich sehr viel sagen. Nur mal so viel: Manchmal wird uns etwas Negatives gesagt:
Du kannst nichts
Du bist nichts wert.
Du wirst das nie schaffen
Du bist ein Versager – und was nicht alles.
Manchmal geht das an uns vorbei. Aber manchmal setzt sich das ganz tief in uns fest und nimmt uns den Mut, die Hoffnung, den Elan.
Dann dürfen wir uns auf die Kraft des Segens Gottes besinnen.
Dann dürfen wir an die Liebe Gottes denken, der uns vor dem Fluch beschützt. Ja, er verwandelt sogar den Fluch in Segen.
Wer solche verletzenden Worte nicht vergessen kann, der kann die guten Worte des Segens aus der Bibel dagegen setzen:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln… Er bereitet vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde…
Der HERR segne mich und behüte mich…
Und wir sind als Gemeinschaft zusammengestellt. Bonhoeffer sagt mal: Der Christus im Bruder ist stärker als der Christus in mir. Darum ist ein Gespräch unter vier Ohren mit Gebet und Segen am Ende oft sehr hilfreich, um solche negativen Sätze zu überwinden.
Wie kommen wir aber an der Vermessenheit vorbei, wie entgehen wir ihr?
Wir brauchen den richtigen Maßstab, und wie wir ihn einsetzen:
Mose hat den am Ende seines Lebens noch einmal deutlich gemacht mit den zehn Geboten, die er wiederholt – und sie dann zusammenfasst:
Höre, Israel! Der HERR ist Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft!
Der Gott, den wir lieben sollen, ist uns immer in seiner Liebe Ewigkeiten voraus. Auch wenn ER uns unsere Grenzen spüren lässt, wie Mose zum Beispiel. Was muss das für eine Enttäuschung gewesen sein, dass ausgerechnet er nicht ins gelobte Land darf!
Dass Sein Werk nicht vollendet wird, dass er nicht ans Ziel kommt!
Viele Jahrhunderte später geht Jesus mit drei seiner Freunde auf einen Berg. Dort verwandelt er sich vor ihren Augen. Sein Gesicht begann, wie die Sonne zu leuchten. Seine Kleider wurden so weiß und leuchteten selber wie von hellem Licht, dass jeder Vergleich fehlte. Und wer steht an seiner Seite – zwei große Gestalten des AT – Elia und Mose. In jenem Augenblick zarter Gnade sollte sich Moses Lebenstraum erfüllen: Er stand auf einem Gipfel eines Berges mitten im Gelobten Land. Es ist wahr, Gott vergisst die Staubigen nicht, weder die Geringsten noch die Größten2
Dafür hat sich Jesus verbürgt, als er auf dem Weg zum Kreuz war, unterwegs selber in den Staub fiel.
Als er auf dem Hügel Golgatha hing, hatte er keinen Ausblick in irgendein gelobtes Land. ER galt als Verlierer, als Versager. Er war angeklagt als einer, der sich vermessen hatte und behauptete, Gottes Sohn zu sein. Aber Er starb mit den Worten: Es ist vollbracht.
Am Kreuz und in der Auferstehung hat ER die Liebe Gottes zu uns Vermessenen ans Ziel gebracht.
Und im Vertrauen auf IHN werden wir aus aller Vermessenheit gerettet.
Im Vertrauen auf IHN wird unser Leben vollendet. Amen.
Pfarrer Reinhard Süpke
