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Mo, 14:20 Uhr
24.03.2014

Als Volunteer in Sotschi (Teil IV)

Sergej König ist zurück. Zurück aus Sotschi. In der Stadt am Schwarzen Meer war der 41-jährige Eichsfelder als Volunteer bei den Olympischen Winterspielen eingesetzt. Insgesamt sorgten 25.000 Freiwillige dafür, dass alles reibungslos über die Bühne ging. Ein Bericht in fünf Teilen von Sandra Arm...

Olympia erfüllt Wünsche und Träume

Kombinierer (Foto: privat) Kombinierer (Foto: privat)
"Die Jungs machen richtig viel Spaß." Das sagte Sergej König über die Nordischen Kombinierer mit ihrem Cheftrainer Hermann Weinbuch (neben Sergej König). Sie waren auch sofort bereit, sich für ein Erinnerungsfoto aufzustellen.

Sergej König ist zurück. Zurück aus Sotschi. In der Stadt am Schwarzen Meer war der 41-jährige Eichsfelder als Volunteer bei den Olympischen Winterspielen eingesetzt. Insgesamt sorgten 25.000 Freiwillige dafür, dass alles reibungslos über die Bühne ging.

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Stolz hielt Fabian Rießle seine Bronzemedaille in die Kamera von Sergej König. Für den deutschen Kombinierer war es die erste olympische Medaille, die er sich in einem dramatischen Langlauf-Finale erkämpfte. Sergej König freute sich mit ihm. Obwohl er im ersten Moment nicht wusste, wen er da vor sich stehen hatte.

In einem kleinen weißen Buch, das er vom Deutschen Olympischen Sportbund bekam, fand er schließlich den Namen des Nordisch Kombinierten. Fabian Rießle war auch nicht der erste Medaillengewinner, den Sergej König in seinem Auto „chauffierte“.

Besonders gern denkt Sergej König an eine zweifache Medaillengewinnerin zurück. Im Vorfeld hatte er noch gesagt: „Sie ist meine Lieblingssportlerin, die ich gern mal treffen würde.“ Olympia erfüllte auch Wünsche. Er traf Maria Höfl-Riesch. Und das nicht nur ein Mal. Erstmals bei der Pressekonferenz, auf der verkündet wurde, dass der Skistar bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen wird.

Im Stadion (Foto: privat) Im Stadion (Foto: privat)
Gleich mehrfach liefen sich die beiden über den Weg: Fahnenträgerin Maria Höfl-Riesch und Sergej König.

Einige Stunden danach folgte das zweite Mal - in den Katakomben des Stadions. Nur wenige Minuten später lief die Skirennläuferin mit der Fahne in der Hand, gefolgt vom deutschen Team, ein. Es gab auch noch eine dritte Begegnung - nach ihrer Silberfahrt im Super-G. Zuvor hatte die 29-Jährige bereits in der Super-Kombination ihre dritte olympische Goldmedaille gewonnen.

Carina Vogt (Foto: privat) Carina Vogt (Foto: privat)
Ein Lächeln für den Fotografen: Sergej König traf die erste Olympiasiegerin im Skispringen - Carina Vogt. Zuvor hatte er noch an der Schanze mit der sympathischen Athletin mitgefiebert und ihr ganz fest die Daumen gedrückt.

Gold gab es auch für eine junge Sportlerin, deren Wettkampf zum ersten Mal olympisch war. Im Skispringen begeisterte Carina Vogt die Zuschauer vor der Mattscheibe und im Stadion. Im „RusSki Gorki“ Skisprung-Zentrum fieberte Sergej König mit. Nach dem ersten Durchgang lag die 22-Jährige bereits in Führung. Ihr Sprung im Finale war dann nichts für schwache Nerven. Auch für Sergej König nicht, der ihr fest die Daumen drückte. „Nach ihrem Sprung war es richtig still im Stadion. Keiner wusste, ob sie Gold gewonnen hatte oder nicht“, beschreibt König die angespannte Situation im Stadion.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erschien dann endlich das Ergebnis auf der Anzeigetafel. Der Jubel insbesondere im deutschen Team kannte keine Grenzen. „Das war eine tolle Stimmung im Stadion“, sagt König, der die überglückliche Carina Vogt wenige Tage nach ihrem Goldtriumph zum Flughafen fahren durfte.

Einmal erwies sich Sergej König sogar als Retter in der Not. Rennrodlerin Natalie Geisenberger hatte sich ausgesperrt. Durch einen Luftzug knallte ihre Tür zu, der Schlüssel lag in ihrem Appartement. Sergej König wurde gerufen. Er überlegte kurz, was zu tun ist, besorgte sich von den Zimmermädchen den Ersatzband mit den Schlüsseln und probierte dann einen nach dem anderen durch. „Es waren 20 Schlüssel, der vorletzte hat dann gepasst.“ Sergej König war schon ein wenig stolz, dass er schnell helfen konnte. Zumal es auch noch am Tag der Entscheidung passierte. Am Abend krönte sich Weltmeisterin Natalie Geisenberger im Eiskanal zur Rodel-Königin, sie fuhr das zweite Rodel-Gold für das deutsche Team ein.

Weniger erfolgreich lief es für die deutschen Bobpiloten. Und dennoch sorgte ausgerechnet die Begegnung mit einem Bobfahrer bei Sergej König für den wohl intensivsten Moment bei Olympia. „Er hat mich mit seiner Aussage persönlich fasziniert“, sagt König, der mit den Worten in dem Moment überhaupt nicht gerechnet hat. Eigentlich wollte er nur den Pfarrer abholen und ins Kirchenhaus begleiten. Unterwegs schlossen sich den beiden noch Rennrodlerin Tatjana Hüfner und ein deutscher Bobfahrer, an den Namen kann sich Sergej König nicht mehr erinnern, an.

Irgendwann trennten sich die Wege der Vier wieder. Der Pfarrer fragte den Bobfahrer bei der Verabschiedung, ob er ihn in seinem Gebet mit einschließen soll. „Nein“, antwortete er. Sergej König schaute im ersten Moment etwas verdutzt. „Nein, betet lieber für die Ukraine, dass dort alles zur Ruhe kommt“, führte er weiter aus. Der Pfarrer antwortete ihm: „Ja, das machen wir.“

Das kurze Gespräch beschäftigt Sergej König auch einige Woche nach Olympia noch: „Er kannte die Situation in der Ukraine. Für den Bobfahrer waren die anderen in dem Moment wichtiger, als er selbst.“ Auch wenn das deutsche Bobteam am Ende keine Medaille gewann, dafür hat einer von ihnen, in einer anderen Form, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Und noch etwas bleibt: die zahlreichen Unterschriften, die Sergej König während Olympia gesammelt hat. Alle in seinem kleinen weißen Buch, das er nun immer wieder stolz vorzeigt. Und auch dann, wenn ihm mal der eine oder andere Name eines Medaillengewinners nicht mehr einfällt.
Sandra Arm
Autor: red

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