eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 07:00 Uhr
28.03.2014

Lichtblick: „Bibelwort to go“

Was gab es vor einem Vierteljahrhundert nicht alles für Losungen? Weiß auf Rot (nicht schwarz auf weiß) sollten Sie uns, von Häuserwänden grüßend, von Wandtafeln prangend, immer wiederholt aus den Mündern derer, die sich Vorteile davon versprachen, einimpfen, was zu glauben dem Menschenverstand nicht eingehen wollte...


„Mein Arbeitsplatz ist Kampfplatz für den Frieden“. Ob sich die Reinemachfachkraft nicht manchmal frug, was ihre zweifelsohne nützliche und zu ehrende Arbeit konkret zum Frieden und zum Sieg des Sozialismus beitrug?

Anzeige symplr (1)
Die Jäger kennen Losung auch, doch hat sie dort eine ganz andere Bedeutung, in die die Macher der rotbeflaggten Losungen sie sicher nicht gern gestellt sahen. Genau wie die Herrnhuter Brüdermeine, die alljährlich alttestamentliche Bibeltexte auslost und allen Kalendertagen zuordnet - ähnlich dem Verfahren beim Lotto. Ihnen werden dann noch neutestamentliche Texte als „Lehrtext“ zugeordnet.

Es ist erstaunlich, wie manches dieser Worte an einem Tag treffen kann! In den Tagen um die Maueröffnung, wenn es nicht sogar der Tag selber war (ich bin mir nicht mehr sicher, es ist schließlich schon eine Generation her), lautete die Herrnhuter Losung: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ (Ps. 18,30)

Kann das Zufall sein? Oder Schicksal? Menschen reden oft von Schicksal, ohne zu benennen, wer das Schicksal denn schickt. Im Mittelhochdeutschen gibt es diese Wortbedeutung noch nicht, sie ist jünger und in der Geschichte immer mit Gott verbunden, der es, dem damaligen Verständnis nach, auch schickte.

Wer schickt aber das Schicksal (lateinisch „fatum“), wenn Gottes Existenz geleugnet wird? Wer ist ursächlich für Glück und Freude, wer für Liebe und Leichtigkeit? Wer für Leid und Not, für Krankheit und Elend?

Bei Freude und Liebe erklären wir uns schnell selbst für zuständig. „Wir sind unseres Glückes Schmied“ sagt der Mittdreißiger, kippt noch einen Kurzen, verabschiedet sich von den Freunden in der Kneipe und umwindet kurze Zeit später samt Auto einen stattlichen Baum. Hatte er nun Recht? Ist er auch seines Unglückes Schmied?

Wie dann aber bei weniger eindeutigen Fragen, nach schwerer Krankheit und nach anderem Leid antworten? Eine Frage, die sich mir an jedem Grab stellt und bei der eine Antwort zu suchen und zu formulieren ist.

Es wird bei den (scheinbar) Selbstgewissen sehr schnell still bei solchen Fragen, denn sie wie wir werden gewahr, dass uns die Antworten nicht zufallen, schon gar nicht einfache und plausible. Die Negation bestehender Antworten ist allenfalls pubertär, hilft aber in Notsituationen niemals weiter. Sie trägt nicht.

Es reicht eben nicht zu sagen, dass es Gott nicht gibt, wenn keine überzeugende Antwort an ihre Stelle tritt. Das fehlt mir in den oft zu hörenden, zuweilen noch sehr an die Stereotypität der roten Losungen erinnernden Phrasen bei Begegnungen in meinem Umfeld – bis heute.

Das Psalmwort der Bibel traf den Nagel auf den Kopf. Dieser Vers, der schon über 2.500 Jahre alt ist, konnte die Berliner Mauer nicht meinen und dennoch traf er unseren Nerv, sprach er in unsere Zeit.

Die Losungen haben seither eine weit verbreitete Leserschaft. Ein Wort für den Tag, neudeutsch ein „Bibelwort to go“. Aber eines mit Substanz, das nicht schmeckt wie kalter Kaffee, sondern das uns herausfordert. Denn oft kauen wir lange an solchen Worten wie an einem alten Stück Brot, das wohl noch sehr gut schmeckt aber ziemlich hart ist. Das unsere Kiefer trainiert, auch unseren „geistigen Kiefer“. Das ist nicht immer en vogue, denn die Meinungsmacher wollen uns gern „unsere Meinung BILDen“. Scharfsinnig, wer Kritisches dabei denkt.

Erhalten wir uns die Offenheit für Gottes Wort. Kritisches Nachdenken war immer schon Zeichen für Christen. Sie haben die Welt geändert, als es noch ihr Leben kostete, als sie, bis heute, verfolgt wurden/werden und Nachteile ertrugen/ertragen. Sie haben immer das Beste im anderen zu sehen versucht – bis heute. Daran sollen wir erkannt werden, dass wir im Geist Jesu leben, in ihm denken, reden und handeln.

Der vor Jahren für morgen schon gewählte Lehrtext heißt: „Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann. (1.Thessalonicher 5,15)

Das ist ein gutes Wort, das uns Leitfaden für die ganze, liturgisch morgen Abend um 18 Uhr von allen Kirchtürmen eingeläutete neue Woche sein kann. Meinen Sie nicht auch? Lassen Sie sich dazu einladen. Superintendent Bálint
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)