Di, 10:25 Uhr
15.04.2014
Gutachten vorgestellt
Das im vergangenen Jahr erstellte Verbiss- und Schälgutachten für den Landkreis Nordhausen wurde letzte Woche der Hegegemeinschaft Rehwild der Bleicheröder Berge und mehreren Jagdgenossenschaften vorgestellt. Dazu lud man das ansässige Forstamt ein...
Klaus-Wilhelm Brüggemann (Forstamtsleiter Bleicherode-Südharz) präsentiert die Ergebnisse des Verbiss- und Schälgutachtens des Landkreises Nordhausen vor Waidgenossen der verschiedenen Jagdgenossenschaften.
Forstamtsleiter Klaus-Wilhelm Brüggemann legte in einem prägnanten Vortrag die Hauptschwerpunkte des Gutachtens dar. Im dreijährigen Turnus wird ein umfangreiche Verbiss- und Schälschadensinventur vorgenommen. Sie dient als Grundlage zur Ermittlung eines angepassten, naturverträglichen Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwildbestandes.
Hierzu wurde ein festes Raster über die Gesamtfläche Thüringens gelegt, in repräsentativen, natürlich verjüngten Waldflächen erstellt man Probeflächen. Hier wird die Waldverjüngung genauestens aufgenommen. Entscheidendes Kriterium bei der Datenerfassung, ist der Verbiss des Terminaltriebes, denn Reh- und Damwild verbeißen die Knospen der jungen Bäume. Parallel zur Aufnahme der Verbissdaten, schauen Forstleute nach der Schälbelastung an jungen Bäumen, in Rot- und Muffelwildeinstandsgebieten. Sie geben insbesondere Aufschluss über den Rot- und Muffelwildbestand, da die beiden Wildarten besonders die Rinde junge Gehölze schälen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken.
Mit diesem bundesweit anerkannten, aber reinen Thüringer Verfahren, kommt man zu realistischen Ergebnissen, dass eine starke Zunahme der Verbiss- und Schälschäden im Landkreis Nordhausen verdeutlicht.
Unter anderem zeigt sich gerade in Naturverjüngungsbeständen im Vorlandbereich, Hainleite und den Waldungen südlich des Harzes, dass der Verbiss durch Rehwild an seltenes Edellaubholz wie z.B. Kirsche, Ahorn, Ulme, Elsbeere und Speierling zugenommen hat. Die Knospen der seltenen Baumarten sind ein Leckerbissen und führen langfristig zur Entmischung der Verjüngungsbestände. Der Forstmann kann das mit bloßen Augen, ohne Statistiken und Tabellen, am Zustand der Naturverjüngung erkennen.
Im Südharz führt die Zunahme der Schälschäden besonders durch Rotwild an jungen Fichten zu zukünftigen Stabilitätsproblemen, da diese geschwächt werden und sich Pilzereger im Stammbereich ausbreitet können. Auch kommt es zu Entmischungserscheinungen, junge Buchen und Ebereschen werden bevorzugt geschält.
Die Forstleute sind sich einig, Vielfalt statt Einfalt und langfristig stabile Waldbestände, sind die richtige Vorgabe bei der naturnahen Bewirtschaftung unserer Wälder. Mit dem Hintergrund der sichtbaren Zunahme der Wildschäden im Wald und der wirtschaftlichen Risikostreuung, gab Forstdirektor Brüggemann Empfehlungen zu erfolgversprechenden Jagdmethoden. Langfristig gesehen führen sie zur Absenkung der territorial hohen Wilddichte, hin zu einer naturverträglicheren. Gleichzeitig befürwortete er die im Staatswald angeordneten Jagdruhezeiten für das Wild.
Die Ergebnisse und jagdlichen Schlussfolgerungen stießen nicht bei jedem Waidgenossen auf Zuspruch und lösten erregte Diskussionen über eine befürchtete Dezimierung der Rehwildpopulation aus. Einige Vertreter der Jagdgenossenschaften
äußerten Bedenkenden die neuen Jagdpläne umzusetzen und angepasste Streckenpläne für Ihr Jagdgebiet zu berücksichtigen.
Aus Sicht des Forstamtes sieht man die Wildpopulation auf einem sehr hohen Niveau, mit territorialen Unterschieden. Die ab letztem Jahr veränderte Jagddurchführung im Staatswald des Forstamtes zeugt von einer guten Planerfüllung, bei gleichzeitig gestiegener Wildstrecke.
Die Aufgabenstellung ist klar, jetzt geht es um die naturverträgliche Umsetzung, die nur gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren erreicht werden kann. Es geht um Wald- und Wildbewirtschaftung, hier einen Mittelweg zu finden und nicht in Extreme abzudriften, ist im Sinne der Nachhaltigkeit.
Michael Böhme
Autor: redKlaus-Wilhelm Brüggemann (Forstamtsleiter Bleicherode-Südharz) präsentiert die Ergebnisse des Verbiss- und Schälgutachtens des Landkreises Nordhausen vor Waidgenossen der verschiedenen Jagdgenossenschaften.
Forstamtsleiter Klaus-Wilhelm Brüggemann legte in einem prägnanten Vortrag die Hauptschwerpunkte des Gutachtens dar. Im dreijährigen Turnus wird ein umfangreiche Verbiss- und Schälschadensinventur vorgenommen. Sie dient als Grundlage zur Ermittlung eines angepassten, naturverträglichen Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwildbestandes.
Hierzu wurde ein festes Raster über die Gesamtfläche Thüringens gelegt, in repräsentativen, natürlich verjüngten Waldflächen erstellt man Probeflächen. Hier wird die Waldverjüngung genauestens aufgenommen. Entscheidendes Kriterium bei der Datenerfassung, ist der Verbiss des Terminaltriebes, denn Reh- und Damwild verbeißen die Knospen der jungen Bäume. Parallel zur Aufnahme der Verbissdaten, schauen Forstleute nach der Schälbelastung an jungen Bäumen, in Rot- und Muffelwildeinstandsgebieten. Sie geben insbesondere Aufschluss über den Rot- und Muffelwildbestand, da die beiden Wildarten besonders die Rinde junge Gehölze schälen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken.
Mit diesem bundesweit anerkannten, aber reinen Thüringer Verfahren, kommt man zu realistischen Ergebnissen, dass eine starke Zunahme der Verbiss- und Schälschäden im Landkreis Nordhausen verdeutlicht.
Unter anderem zeigt sich gerade in Naturverjüngungsbeständen im Vorlandbereich, Hainleite und den Waldungen südlich des Harzes, dass der Verbiss durch Rehwild an seltenes Edellaubholz wie z.B. Kirsche, Ahorn, Ulme, Elsbeere und Speierling zugenommen hat. Die Knospen der seltenen Baumarten sind ein Leckerbissen und führen langfristig zur Entmischung der Verjüngungsbestände. Der Forstmann kann das mit bloßen Augen, ohne Statistiken und Tabellen, am Zustand der Naturverjüngung erkennen.
Im Südharz führt die Zunahme der Schälschäden besonders durch Rotwild an jungen Fichten zu zukünftigen Stabilitätsproblemen, da diese geschwächt werden und sich Pilzereger im Stammbereich ausbreitet können. Auch kommt es zu Entmischungserscheinungen, junge Buchen und Ebereschen werden bevorzugt geschält.
Die Forstleute sind sich einig, Vielfalt statt Einfalt und langfristig stabile Waldbestände, sind die richtige Vorgabe bei der naturnahen Bewirtschaftung unserer Wälder. Mit dem Hintergrund der sichtbaren Zunahme der Wildschäden im Wald und der wirtschaftlichen Risikostreuung, gab Forstdirektor Brüggemann Empfehlungen zu erfolgversprechenden Jagdmethoden. Langfristig gesehen führen sie zur Absenkung der territorial hohen Wilddichte, hin zu einer naturverträglicheren. Gleichzeitig befürwortete er die im Staatswald angeordneten Jagdruhezeiten für das Wild.
Die Ergebnisse und jagdlichen Schlussfolgerungen stießen nicht bei jedem Waidgenossen auf Zuspruch und lösten erregte Diskussionen über eine befürchtete Dezimierung der Rehwildpopulation aus. Einige Vertreter der Jagdgenossenschaften
äußerten Bedenkenden die neuen Jagdpläne umzusetzen und angepasste Streckenpläne für Ihr Jagdgebiet zu berücksichtigen.
Aus Sicht des Forstamtes sieht man die Wildpopulation auf einem sehr hohen Niveau, mit territorialen Unterschieden. Die ab letztem Jahr veränderte Jagddurchführung im Staatswald des Forstamtes zeugt von einer guten Planerfüllung, bei gleichzeitig gestiegener Wildstrecke.
Die Aufgabenstellung ist klar, jetzt geht es um die naturverträgliche Umsetzung, die nur gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren erreicht werden kann. Es geht um Wald- und Wildbewirtschaftung, hier einen Mittelweg zu finden und nicht in Extreme abzudriften, ist im Sinne der Nachhaltigkeit.
Michael Böhme

