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Fr, 09:58 Uhr
02.05.2014

kn-Forum: Schweinefabrik Immenrode

Karibik Äußerung verachtend gegenüber den mündigen Bürgern, so der Tenor eines Leserbriefs, der kn erreichte...

Die Entschuldigung des Landwirtschaftsministers von Thüringen, Herrn J. Reinholz (CDU) zu seinen unfassbaren Äußerungen an die Bewohner des Dorfes Immenrode, in dem eine Schweinefabrik entstehen soll, können die Bewohner von Immenrode nicht akzeptieren. Über viele Generationen werden in Immenrode, wie auch in anderen ländlichen Regionen, Bauernhöfe und Grundstücke mit Fleiß und Verantwortung für Mensch und Tier erhalten.

Im Einklang mit der Natur werden Tierzucht und Ackerbau betrieben, Energiewende (Windkraftanlagen) und wirtschaftliche Interessen zum Nutzen der Gemeinschaft mit umweltverträglichem Maß umgesetzt.
Familien, die sich bewusst für das Leben auf dem Land für sich und ihre Kinder entscheiden, haben eine genaue Wertvorstellung von der Erhaltung ihrer Lebensqualität und des Lebensraumes ihrer nachfolgenden Generationen. Ganz selbstverständlich geht man mit dem Land, das bearbeitet wird und den Tieren, die man aufzieht, respektvoll um. Man denkt nicht von Wahlperiode zu Wahlperiode.

Und man akzeptiert Schweinegeruch in einem gesunden Verhältnis. In Immenrode stehen im Norden eine Schweineaufzuchtanlage und im Süden eine Schweinemastanlage.

Die Erweiterung der bestehenden Mastanlage bedeutet für uns Bewohner von Immenrode eine unumkehrbare Verschlechterung unserer Lebensbedingungen. Es wird vom jetzigen Mastanlagenbetreiber eine Erweiterung auf 15000 Mastplätze angestrebt, die aber ohne Weiteres auf 50000 Mastplätze erweitert werden könnte, wird erst einmal die erste Erweiterungsgenehmigung erteilt.
Der Vorschlag, dass wir Bewohner in die Karibik ziehen sollen, ist nicht nur unverzeihlich. Er ist auch Zeugnis dafür, wie verachtend über das Leben von mündigen Bürgern in diesem demokratischen Land auf oberer politischer Ebene geurteilt werden darf und kein Bewusstsein für Unrecht besteht.

Verwunderlich war auch die Reaktion des zuhörenden Publikums. Es schloss sich dem Spott an, nicht bedenkend, dass da gerade über die Landeigentümer als Verpächter gespottet wurde. Der Verpächter von Landeigentum macht sich sehr wohl Gedanken über die Bewirtschaftung seines Ackerlandes, wenn über die Ausbringung von Gülle, in unnatürlicher Dimension, die Belastungen des Bodens und des Grundwassers folgen können.

Dieses Thema ist keine Stammtischfloskel!

Diese Erweiterung der bestehenden Mastanlage wird, wenn das Landesverwaltungsamt die Pläne durch winkt, uns Bewohnern unsere Existenz schrittweise vernichten, z.B. werden auch die Grundstücke in Immenrode und Umgebung entwertet. Das heißt Lebenswerke, die hart erarbeitet wurden, werden entwertet. Abwanderung wird die Folge sein.
Die touristische Attraktivität für den Kyffhäuserkreis, Naherholungszentren in der Umgebung werden mit funktionierenden Angeboten unbegehrt. Arbeitsplätze werden reduziert.

kn-Forum: Schweinefabrik Immenrode (Foto: privat) kn-Forum: Schweinefabrik Immenrode (Foto: privat)

Es ist das Maß der Anzahl von Mastplätzen in der Tierhaltung, das für alle betroffenen (die Tiere eingeschlossen) signalisiert, ob eine Entscheidung zumutbar oder unzumutbar wird. Mit Fleischbedarf in Deutschland kann man solche Entscheidungen nicht mehr begründen. Kühlhäuser sind voll, Fleischtheken bieten für Discountpreise Fleischware aus Massentierhaltung an. Es geht also um Profit und Export.

Je größer die Massentierhaltungen, je größer die Gefahr von Seuchen. Um dies zu minimieren werden in Deutschland tonnenweise Antibiotika in der Massentierhaltung eingesetzt, die letztlich der Verbraucher mit verzehrt. Es ist widersinnig den Fleischverzehr durch noch billigere Angebote anzuheizen. Längst belegen medizinische Studien, dass tägliches essen von Schweinefleisch gesundheitliche Folgen für den Menschen haben kann. Über Aufklärung könnte der Verbraucher mehr Verständnis für einen anständigen Fleischpreis und die dadurch ermöglichbare, artgerechte Tierhaltung entwickeln.

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Unverständlich sind auch die Genehmigungsverfahren. Der Stadtrat von Sondershausen lehnt mehrheitlich und mehrfach durch Beschluss die Erweiterung der Mastanlage in Immenrode ab. Das Landesverwaltungsamt hält trotzdem am Plan des Investors fest.
Eine Massentierhaltungsanlage, die eine ganze Region und seine Entwicklung negativ beeinflussen wird, kann keine Entscheidung zum Nutzen des Allgemeinwohls begründen. Es gibt in Deutschland schon Beispiele von Belastung des Grundwassers, die dank Medienfreiheit den Weg zum Bürger finden. (ARD plus-minus 23.10.2013) Z.B. Niedersachsen. Das Bundesland betreibt wirtschaftlich auch Massentierhaltung. Auf ein Liter Grundwasser kommen dort bereits 22 lmgr. Nitratbelastung. Grenzwert in Deutschland ist aber 50 mgr. Pro Liter Grundwasser! Statt von der Massentierhaltung abzugehen lockt Deutschland Investoren mit teilweise Fördermitteln. Warum investieren Holländer in Deutschland?

Die Niederlande zog 2001 die Notbremse für ihre Bodenbelastung mit Schafstoffen aus der Schweinegülle. Sie begrenzte die Anzahl der Mastplätze, um der völligen Überdüngung des Bodens durch Schweinegülle (Stickstoff und Nitrat) zu entgegnen. Der Aufbau neuer Mastplätze ist nur möglich, wenn alte Mastplätze geschlossen werden. Deutschland bietet den Mastbetreibern gute Bedingungen zum Aufbau von Massentierhaltung. Ein Schweinemäster erhält also Förderungen, um in Deutschland Mastplätze aufzubauen.

Für Immenrode und Umgebung ist also auch das Grundwasser ein Thema. Wir als Betroffene werden nicht berücksichtigt. Wir sind die betroffenen und in jeder Betrachtungsweise diejenigen, die die Auswirkungen einer profitorientierten Entscheidung zu tragen hätten. Und wir sind nicht allein. Seit Jahren protestieren betroffene, verantwortungsbewusste Bürger in ganz Deutschland gegen die Massentierhaltung.

Horst und Kerstin Karlstedt, Immenrode
Autor: khh

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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